Hinweise des Tages

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(KR/WL)

  1. Strukturelle Verblödung
    Die drohende Pleite des Handy-Herstellers BenQ in Deutschland hat damit zu tun, dass das deutsche Unternehmertum, gemessen an seinen hohen Ansprüchen und komplexen Aufgaben, in weiten Teilen strukturell zu verblöden scheint. Leute wie Siemens-Chef Klaus Kleinfeld agieren bei ihren Kostensenkungs-, Profitsteigerungs-, Sanierungs-, Outsourcing- und Entlassungsprogrammen zwar teilweise virtuos. Dumm ist nur, dass sie vor lauter “Shareholder Value” die Wissenspotenziale und Entwicklungsmöglichkeiten, sprich: die Zukunft ihres Standorts und ihrer Mitarbeiter, verscherbeln oder verspielen. Und zwar auf Kosten der Allgemeinheit einschließlich der eigenen Beschäftigten.
    Quelle: FR

    Kommentar: Man kann die Verantwortlichkeiten nicht deutlich genug hervorheben: Offenbar hatte das SIEMENS-Management die Mobiltelefon-Sparte so lange umstrukturiert, bis diese außerstande war, gute und marktgängige Produkte zu entwickeln und zu produzieren.

    Dazu die FAZ:

    Motorola führt in Flensburg vor, wie in Deutschland profitabel Handys gebaut werden. Wenn sich ein Unternehmen unter diesen Umständen nicht behaupten kann auf einem Markt, der weltweit wächst, dann muss es an den Köpfen liegen. Dann drängt sich der Verdacht auf: menschliches Versagen. Managerversagen. Klaus Kleinfelds Versagen. Der Siemens-Chef persönlich führte das Telefongeschäft im Konzern, ehe er auf den Vorstandsvorsitz befördert wurde und die Mobiltelefone nach Taiwan verkaufte.

    Quelle: FAZ

  2. 70.000 Mitarbeiter bewerben sich nochmal
    Die Deutsche Telekom bereitet einem Pressebericht zufolge eine umfassende Umstrukturierung ihrer Festnetzsparte T-Com vor. Der Sanierungsplan treibt seltsame Blüten: Derzeit müssen sich offenbar rund zwei Drittel der Mitarbeiter intern neu auf ihre Stelle bewerben. Arbeitnehmervertretern zufolge sorgt das Verfahren bei den T-Com-Beschäftigten für enorme Unruhe. “Von der ursprünglichen Organisationsstruktur wird nicht viel übrig bleiben”, wird ein Telekom-Insider zitiert. Ein hochrangiger Berater bezeichne das interne Bewerbungsverfahren als “Reise nach Jerusalem”. Nach Gewerkschaftsangaben geht es der Telekom darum, Stellen abzuwerten. Es gebe eine “massive Abbewertung”, womit dann den Beschäftigten weniger Gehalt gezahlt werden müsse, sagte der für die Sparte T-Com zuständige Vertreter der Gewerkschaft Verdi, Jürgen Richter.
    Quelle: Manager Magazin

    Kommentar: Sollte dies ein weiteres Beispiel für ein Management sein, das die Motivation der Belegschaft durch permanentes Umstrukturieren zerstört, ohne zu bedenken, welche Folgen das für die Qualität der Produkte und damit für die Zukunft des Konzerns haben wird?

  3. Hybrid-Hype ohne deutsche Autobauer
    Toyota hat ihn seit neun Jahren – und fährt längst satte Gewinne damit ein. Auf dem Pariser Autosalon ziehen zahlreiche europäische Firmen nach und präsentieren eigene Modelle mit einem spritsparenden Hybrid-Motor: Citroën, Peugeot, Saab… nur an den Ständen der deutschen Autobauer sucht man vergebens nach der innovativen Technik.
    Quelle: HANDELSBLATT
  4. Europa profitiert von Globalisierung
    Der rasche wirtschaftliche Aufstieg von Schwellenländern wie China und Indien ist für den Großteil der deutschen Industrie und ihrer Beschäftigten von Vorteil. Zu diesem Ergebnis kommen neue Untersuchungen der Investmentbank Goldman Sachs. Deutschland und China tauschten überwiegend Güter aus, die vom jeweils anderen Land nicht hergestellt würden, so Schumacher: “Die gute Nachricht ist, dass wir im Moment so handeln, dass wir unser Lohnniveau nicht auf das chinesische absenken müssen.” Auch wenn es China in Zukunft gelinge, sein technologisches Niveau anzuheben, müsse Deutschland keine Niedriglohnkonkurrenz fürchten. Dann werde auch die dortige Bezahlung steigen. Schon heute würden die Löhne von Fachkräften in asiatischen Schwellenländern rasant zulegen.
    Quelle: FTD
  5. Eine Gesundheitsform, die fast ausschließlich den zehn Prozent privat Versicherten hilft
    Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: „Die Union hat den Einstieg in das System der Kopfpauschalen geschafft, was ich bedauere. Die SPD wollte die Einbeziehung der Privaten in die Solidarität. Das hat sie nicht bekommen. Es gibt nichts, was in Richtung Bürgerversicherung interpretierbar wäre. Dafür gibt es eine neue Bürokratie in Gestalt des Gesundheitsfonds. An der bestehenden Zwei-Klassen-Medizin konnte überhaupt nichts geändert werden.“
    Quelle: FR
  6. Mehr als Ein-Euro-Jobs
    Solange die Arbeitslosigkeit hoch ist, besitzt öffentlich geförderte Beschäftigung eine wichtige Funktion. Deshalb sollte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung für Problemgruppen gefördert werden, schlägt der DGB vor.
    Quelle: FR
  7. Becks Welt liegt in Rheinland-Pfalz
    Eine SPD-Programmkonferenz in Berlin gerät zur Demonstration des Politikverständnisses von Kurt Beck: Der Parteichef spricht jeden an und kümmert sich um alle. Aber kein einziger seiner Blicke geht über den Durchschnittshorizont hinaus
    Quelle: TAZ

    Kommentar WL: Den meisten Genossen fällt keine überzeugende Antwort mehr auf die Frage ein, wofür die SPD denn noch gut sein soll.

  8. Die Menschen brauchen eine positive Perspektive
    Porsche-Chef Wiedeking über die Verantwortung von Managern, das Engagement bei VW und die große Koalition.
    Quelle: Tagesspiegel

    Kommentar: Wiedekings ursprüngliches Vertrauen in den Sachverstand der Großen Koalition ist rätselhaft.

  9. SPD verzögert den Start neuer Immobilienfirmen
    Auch nach der Vorlage eines ersten Gesetzentwurfs wehren sich die SPD-Finanzpolitiker gegen die Einführung von börsennotierten Immobiliengesellschaften (REITs). Es gebe noch „eine ganze Reihe offener Probleme“, sagte der SPD-Finanzpolitiker Jörg-Otto Spiller dem Tagesspiegel. Bevor diese nicht ausgeräumt seien, könne „niemand davon ausgehen, dass es REITs in Deutschland geben wird“.
    Quelle: Tagesspiegel
  10. Rumsfeld ist die Hauptfigur in Woodwards neuem Thriller
    Jüngstes Buch des Journalisten beschreibt die Bush-Regierung als realitätsfern und inkompetent – und das Militär als ängstlich. Sensationelles hat Starreporter und Watergate-Legende Bob Woodward in seinem neuen Buch zur Bush-Präsidentschaft diesmal nicht ausgegraben. Trotzdem erhitzt sich Washington über das Porträt einer zerstrittenen, der Realität im Irak entrückten Administration.
    Quelle: FR
  11. Heribert Prantl: Die neue deutsche Teilung
    Quelle: Süddeutsche Zeitung
  12. SPÖ-Chef Gusenbauer will Abschaffung der Studiengebühren und eine Grundsicherung von 800 Euro
    Quelle: Focus Online

    Anmerkung: Man darf gespannt sein.

  13. Michael Dauderstädt: Die beste Strategie in einer global verfassten Ökonomie ist die Flucht nach vorn. Lassen wir die Billigjobs gehen! So untragbar viele sind es nicht.
    Quelle: Friedrich Ebert Stiftung, Internationale Politikanalyse [PDF – 135 KB]
  14. Bert Rürup, der „Sozialklempner für Deutschland“: Er fragt nach den Bedürfnissen des Kunden und befriedigt sie.
    Quelle: FAZ