Albrecht Müller – Willy Wählen´72

Willy wählen 1972 - Siege kann man machen

Wenn man Vertreter der heute herrschenden SPD-Gruppe auf die 45,8% anspricht, die die SPD als vergleichsweise linke Partei mit einem offensiven Wahlkampf 1972 erreicht hatte, dann verweisen sie auf die angeblich total veränderten Umstände. Die Umstände haben sich jedoch nicht prinzipiell verändert, die SPD hat sich verändert. Sie hätte auch damals die Wahl nicht gewonnen, wenn sie sich der Wirtschaft und den Rechtskonservativen so angepasst hätte, wie sie das heute tut.
Ich war damals für den Wahlkampf der SPD verantwortlich und habe ihn dann 1997 in einem Buch dokumentiert. Dieses ist auch heute noch sehr aktuell – politisch und im übrigen anregend für alle, die mit Öffentlichkeitsarbeit tun haben. Und dann ein Geschenk für jene, die sich 1972 politisch engagiert haben, oder nur wissen wollen, wie das damals war. Ziemlich anders, als es in einschlägigen historischen Werken steht. In „Willy wählen ’72. Siege kann man machen“ werden eine Reihe von Vorurteilen der bisherigen Geschichts-(en)schreiber widerlegt.
Die Hälfte des Erlöses geht an den Förderverein der NachDenkSeiten für den Ausbau derselben.

Zunächst einige bibliografische Hinweise und Informationen zum Bestellverfahren (A) und dann Informationen zum Inhalt des Buches und seiner Aktualität (B):

A. Bibliografische Angaben und Informationen zum Bestellverfahren:

Der gesamte Titel: Willy wählen ’72. Siege kann man machen.
Format 23,5 x 38 cm. Englische Broschur. 208 Seiten. Über 160 Fotos, Tabellen und Abbildungen, davon die meisten in Farbe.

Willy wählen 1972 - Siege kann man machen

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Albrecht Müller
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Willy Brandt und Albrecht Müller nach einer Pressekonferenz zu Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs 1972

B. Zum Inhalt des Buches und seiner Aktualität.

Im ersten Teil werden die einzelnen Kampagnen des Wahlkampfes dokumentiert.
Im zweiten Teil werden die Gründe für den Wahlsieg analysiert.

Heute wird in der einschlägigen historischen Literatur der damalige Erfolg der SPD meist auf die Ostpolitik und auf die Person Willy Brandts reduziert. Und es wird behauptet, der Wahlsieg der SPD sei eine Art Selbstlauf gewesen.
Die Ostpolitik und Willy Brandt waren wichtig. Genauso wichtig war jedoch die offensive Auseinandersetzung mit dem Großen Geld.

Das 100 Millionending

Damals versuchten anonyme Wirtschaftskreise mit dem Einsatz von Millionen die politische Entscheidung des Jahres 1969 für Willy Brandt als Bundeskanzler zu korrigieren. Wir haben diese Intervention des Großen Geldes immer wieder offen beim Namen genannt. In mehreren Anzeigen und Flugblättern wurde gefragt, was die CDU/CSU und ihr Spitzenkandidat Barzel politisch für die anonymen Millionen bezahlt haben beziehungsweise bezahlen werden.
Diese offensive Auseinandersetzung mit dem Großen Geld genauso wie das klare Bekenntnis zum Demokratischen Sozialismus (siehe unten) waren innerhalb der SPD-Führung umstritten. Ohne Willy Brandt und den Bundesgeschäftsführer Holger Börner wäre ein solch profilierter und offensiver Wahlkampf nicht möglich gewesen. Wenig später hat die SPD dann den Mut verloren und zum Beispiel in der Auseinandersetzung mit der Kampagne „Freiheit statt Sozialismus“ der Union kläglich versagt.

Die klare Benennung der Interessen bei der Wahlauseinandersetzung von 1972 führte im Kontext mit der Ostpolitik und der Person Willy Brandts zu der hohen Mobilisierung der Sympathisanten dieser Politik. Die multiplikative Wirkung von Hunderttausenden engagierter Bürger war dann der entscheidende Grund für eine seitdem nicht mehr erreichte Wahlbeteiligung von über 91%. So war es damals gelungen, der CDU/CSU den Sieg streitig zu machen. Sie hatte nämlich, anders als heute dargestellt, bei Umfragen neun Wochen vor der Wahl 51% erreicht.

Wer morgen sicher leben will, muss heute für Reformen kämpfen.

Mitten im Wahlkampf wurden damals programmatische Vorstellungen zur Reform des Bodenrechts und gegen Bodenspekulation zum Beispiel oder für eine Steuerreform zu Gunsten der Schwächeren und für mehr Lebensqualität, also mehr Umweltschutz, zum Thema der öffentlichen Debatte gemacht. Der Begriff Reform war positiv besetzt. Das waren anders als heute Veränderungen zu Gunsten der Mehrheit.

In meinem Buch sind die vielfältigen Gründe für den Wahlsieg ausführlich analysiert. Anders als Wahlforscher manchmal meinen, gibt es den einen entscheidenden Grund niemals, auch damals nicht. Einen wichtigen Schlüssel zum Erfolg will ich wegen der Nähe zu Anliegen und Zielen von www.NachDenkSeiten.de noch erwähnen: der Aufbau einer Gegenöffentlichkeit zum herrschenden Strom der Meinungen. Das ist damals gelungen. Darin sah sogar Elisabeth Noelle-Neumann aus Allensbach einen der entscheidenden Gründe für den Erfolg Willy Brandts im Jahr 1972.

Was Sie sonst noch in „Willy wählen ’72“ dokumentiert finden:

  • Die Anzeigen in den Tageszeitungen, Flugblätter, Broschüren, das Wahlprogramm etc. …
  • Die Hörfunk- und Fernsehspots in Text und auszugsweise in Bildern.
  • Die Aufkleber und Buttons, die damals das Straßenbild beherrschten. Hunderttausende von Menschen bekannten sich öffentlich zu ihrer politischen Meinung.
  • Die Anzeigenkampagne „Erfolg von 109 Jahren Demokratischem Sozialismus“. Damals hatte die SPD noch den Mut, den Begriff Demokratischer Sozialismus zu verwenden.

    Erfolg von 109 Jahren demokratischen Sozialismus

    Allerdings gab es auch damals schon internen Widerspruch.

  • Das gut gelungene Wahlkampffoto mit Willy Brandt.
  • Eine Auswahl aus 45 kleinen Anzeigen, die damals in der Bild-Zeitung geschaltet wurden. „Wichtige Nachricht für unsere Freunde“ hieß die wiederkehrende Überschrift. Auch damit überwand die SPD die Medienbarriere, mit der sie damals wie heute zu kämpfen hat. Nur merkt sie das heute nicht. Heute meint sie, sie werde vom großen Geld geliebt – eine gefährliche Selbsttäuschung.
  • Dann auch interne Vermerke zur Vorbereitung Willy Brandts auf Fernsehrunden mit Rainer Barzel, Franz Josef Strauß und Walter Scheel.
  • Flugblätter, mit denen über Nacht auf Fernsehsendungen reagiert wurde.
  • Der Phasenplan mit den einzelnen Kampagnen und Werbemitteln.
  • In „Willy wählen ’72“ sind Teile einer ironischen und zugleich selbstbewussten Multiplikatorenkampagne mit Tomi Ungerer dokumentiert.

    Auftakt mit Witz und Hintersinn. Mit Toni Ungerer.

  • Das Plakat „Die Reichen müssen noch reicher werden. Deshalb CDU“. – Das war ein Wahlkampfbeitrag von Klaus Staeck, dessentwegen die CDU juristische Auseinandersetzungen mit ihm begann.
  • Einige der 100 anonymen Anzeigen des Großen Geldes und eine Auftaktanzeige von Deutschlands Wirtschaftskapitänen vom November 1971 mit dem Titel: „Wir können nicht länger schweigen:“

Und so weiter.

Wer die damalige Zeit miterlebt und mitgemacht hat, wird vieles an eigener Geschichte wiederfinden. Wer jünger ist, kann vieles für heute daraus lernen.

Übrigens: Die bestellten Exemplare werde ich signieren.