Leserbriefe zu „Tilo Jung will dafür ‚kämpfen‘, dass Florian Warweg aus der BPK ausgeschlossen wird“

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Tobias Riegel kommentiert hier die „Doppelmoral“ des Journalisten Tilo Jung. Jung hatte angekündigt, dafür „kämpfen“ zu wollen, dass der ehemalige Redakteur der NachDenkSeiten Florian Warweg aus der Bundespressekonferenz ausgeschlossen wird. Andererseits spiele Jung sich an anderer Stelle als Streiter für die Rechte von Journalisten auf. Auffällig sei die „offensive Art, mit der Jung seine doppelten Standards“ verteidige. Man könne für die Meinungsfreiheit nur hoffen, dass der „Kampf“ des Tilo Jung keinen Erfolg habe. Wir danken für die interessanten E-Mails dazu. Christian Reimann hat für Sie die nun folgende Auswahl der Leserbriefe zusammengestellt.

1. Leserbrief

Liebe Redaktion,

der thematisierte Vorgang wirft ein bezeichnendes Licht auf große Teile des deutschen Journalismus. Dessen Vertreter fühlen sich offensichtlich nicht den hergebrachten Grundsätzen dieses Berufes, sondern verstehen sich aus Gründen, die sie für sich verinnerlicht haben der Macht verbunden. Und es geht nur um Macht, nicht um Recht, Transparenz und was sonst noch angeraten wäre. Die Äußerungen dieses Mannes zeigen Eines deutlich. Er fühlt die Macht hinter sich, er fühlt sich dadurch befugt zu entscheiden, wer wofür auftreten darf, wer was sagen darf und so weiter. Das allese ist Ausfluß der Teilnahme an der Macht, die ihm verliehen wurde, um eine gewisse Ordnungsfunktion dort auszuüben, wo das Recht (noch) nicht gegeben ist, Andersdenkende auszuschließen und nach Belieben mit ihnen zu verfahren.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Keller


2. Leserbrief

Lieber Herr Riegel,

was mir zuerst dazu einfällt: Wer ist Tilo Jung? Natürlich habe ich Florian Warwegs Berichte aus der BPK alle gelesen, aber unter den Pressesprechern ist mir bisher keiner aufgefallen, dessen Verlautbarungen es wert gewesen wären, sich seinen Namen zu merken.

Ist Warweg kritisch auf der BPK? Nein. Er sagt nicht dass der Kaiser nackt ist, er fragt nur nach seinen Kleidern. Außerdem ist er nicht Mitglied der BPK, er darf nur teilnehmen, gemäß Gerichtsbeschluss. Man kann ihm keine Mitgliedschaft aberkennen, die er gar nicht hat.

Und dann der

“Russische Propagandasender” !

Da werden Jung und seine Kollegen offenbar gelb vor Neid, dass RT mit seriösem Journalismus mehr Aufmerksamkeit erregt, als sie mit ihrer dummen Propaganda.

Ein Vorschlag zur Güte, der dem Jung gefallen könnte. Warweg darf weiterhin teilnehmen, aber es dürfen keine Fragen gestellt werden. Die Journalisten dürfen nur zuhören. Allerdings könnte man sich dann das ganze teure Theater, mit Raummiete, Getränken, Pausenbrot und Schnittchen, auch sparen und die Meldungen der Obrigkeit einfach auf eine Webseite stellen. Da kann sie dann jeder lesen. Wenn er denn will.

Viele Grüße,
Rolf Henze


3. Leserbrief

Ich schreibe euch sicher nicht oft, aber wenn einer eurer Leute gleich zwei derart hammermäßige Sätze hintereinander raushaut, muss ich dies einfach mal kommentieren.

Während ich hier schreibe, merke ich, dass die Einleitung ein wenig ironisch wirkt aber ich meinte das im Ernst:

`Wenn einigen Journalisten die Anwesenheit kritischer Kollegen nicht gefällt, weil es ein peinliches Licht auf die eigenen, angepassten Fragen wirft, ist es deren persönliches Problem´ und gleich danach: `Ein Problem für das Prinzip der Meinungsfreiheit entsteht, wenn bestimmte Fragen skandalisiert werden´.

Tilo! Das Ding war, als hättest du ´n Elfmeter mit einer alten Frikadelle geschossen: Trocken, würzig und genau auf´n Punkt!

Macht bitte weiter so, ich hab´ das Gefühl, wir werden weniger… schlechter…Capra.

Von unserem Leser J.P.


4. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

Jeder Karrierist, der sich den Mächtigen anbiedert, weil er genau weiß: damit kann ich Karriere machen; der weiß ebenfalls: wenn ich die wenigen Journalisten, die überhaupt noch kritische Fragen stellen, öffentlich diffamiere, ihnen angebliche Nähe zu Russland unterstelle (das ist ja heute fast schon „Vaterlandsverrat, Dolchstoß, Wehrkraftzersetzung durch den inneren Feind“ usw.) und ihren Ausschluß von der Bundespresskonferenz fordere, dann kann ich mit diesem Schüren von Feindbildern heutzutage Karriere machen.

Thilo Jung möchte auf diese Weise vielleicht seine mündliche Bewerbung als künftiger Regierungssprecher verkünden. Sein Verhalten ist nicht nur unkollegial und unverschämt, sondern gleichzeitig eine abstoßende widerliche Kriecherei vor den Mächtigen. So, wie das früher die Hoflakaien vor ihren Grafen, Fürsten und Königen gemacht haben. Auf diesem Niveau befindet sich diese Gesellschaft.

Mit freundlichen Grüßen
Roland Großmann


5. Leserbrief

Guten Tag,

will dafür ,, kämpfen “! Welche Ausdrucksweise, einem Journalisten gegenüber, der eine kritische Meinung und nicht die erwünschte oder vorgegebene vertritt. Weiter geht es dann mit ,, nichts zu suchen hat “, bezogen auf Florian Warweg. Herr Jung befasst sich also mit den Tatsachen und welche das sind, bestimmt wer?

Es gibt seiner Aussage nach, auch kein Recht Mitglied der BPK zu sein, insbesondere nicht für ehemalige Mitarbeiter eines russischen Propagandasenders. Spätestens hier hat er die Frage, wessen Geistes Kind er ist beantwortet.

Oh, Entschuldigung, ich vergaß, er hat schließlich die Zugangsvoraussetzungen erfüllt. Welche sind denn das?

Etwa immer schön artig, kritiklos auf Linie und dem vorgegebenen Kurs zu watscheln?

Die Äußerungen eines journalistischen Kollegen, zu doppelten Standards und selektiverem Zugangs zur BPK kommentierte Jung dann so: „Manche meiner Kollegen sind sich wirklich für nichts zu dumm: Journalisten fordern die Beschneidung von Rechten von Journalisten.“

Findet sich in dieser Aussage und dem Wirken nicht eine gewisse Schizophrenie? Egal wie, die Riege der Spalter, Canceler und wirklicher Propagandisten scheint kein Ende zu nehmen und die BPK, weiterhin ein Panoptikum mit mehrheitlichen Kopfnickern. Nochmals ein Dankeschön und Hut ab an Florian Warweg. Da können sich alle,, Jungs ” eine Scheibe davon abschneiden.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe


6. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,
Liebes Team der Nachdenkseiten,

zu Ihrem Artikel folgende Gedanken:

„…. Befasse dich mit den Tatsachen.“
Und was „Tatsachen“ sind, weiß bzw. entscheidet Herr Jung?

„Es gibt kein Recht Mitglied der BPK zu werden, insbesondere nicht als ehemaliger Mitarbeiter eines russischen Propagandasenders.“

“Es ist nicht die Aufgabe von Journalismus, über die Themen zu informieren, die die Leute wissen wollen. Sondern über das, was sie wissen sollen.”
Tilo Jung auf der Digitalkonferenz re:publica 2024

Herr Jung offenbart da ein sehr merkwürdiges Presse- und Journalismusverständnis und hat Artikel 5 Grundgesetz entweder nicht gelesen oder nicht verstanden.

Offensichtlich liebäugelt Herr Jung mit einem totalitären Gesinnungsjournalismus, der alle diejenigen ausschließt und folglich mundtot machen will, die nicht seiner Meinung sind.

Das hatten wir in Deutschland schon zwei mal.

Wehret den Anfängen …

Herzliche Grüße
Carsten Linck


7. Leserbrief

Grüsse Sie werter und lieber Herr Warweg und NDS – Redaktion.

Seit Februar 2022 lese ich Ihre Beiträge und den Weg, von dem Tag an, als Sie das “BUSSGELD” gegen Sie versuchten am Gericht einzuzahlen, durch “halb” Berlin.
Da war für mich persönlich schon das Ende dieses Kampfes erreicht. Das hätte mich schon zweifeln lassen, ob ich weitermachen sollte.

Aber da legten Sie erst los !

So einen starken Menschen habe ich noch nie erlebt. Vielleicht den Gesamt-betriebsrats-vorsitzenden in der Firma in der ich gearbeitet habe. Auch von diesem Kollegen habe ich damals in jungen Jahren viel gelernt. Er und Sie sind für mich immer noch politische Vorbilder.

Jedesmal wenn Sie in der PK unfreundlich oder so grob bis beleidigent behandelt wurden riss bei mir der Geduldsfaden.

Als es einmal ganz schlimm war, konnte ich ein paar Wochen lang die PK nicht mehr ansehen-lesen. Aber danach hielt ich wieder tapfer zu Ihnen, und das hält bis heute an und auch sicher darüber hinaus.

Wie werden wir, ich von Ihnen weiter lesen können ?

Ich wünsche Ihnen weiterhin sehr viel Erfolg auf Ihrer neuen Arbeitsstelle. Was mag noch alles beruflich auf Sie zu kommen ?

Da ich ein paar Jahre älter bin als Sie rate ich Ihnen:

werden Sie bitte niemals POLITIKER oder Geschäfts-firmen-führungs-personaler etc. , das könnte den Charakter “verderben”. Denn ich spreche aus meiner Erfahrung mit den Personal’ern, ich war im BR, bzw. GBR und Ortsvereins-vorsitzender. Zu viele Menschen sehen nur die Karotte die an Angel hängt und übersehen dabei, dass der Weg ihr nachzu hächeln, auch zum Absturz führen kann.

Ich werde in Gedanken noch lange bei Ihnen sein.

Mit solidarischen Grüssen,
J. Juhre


8. Leserbrief

Moin,

“Der „Kampf“ dafür, kritischen Journalisten den Zugang zur BPK zur verwehren, erscheint auch wie ein übertriebener Schutz-Reflex für die Regierungssprecher, die auf deren Fragen antworten müssen. Können die sich nicht mit Argumenten „wehren“?”

Das setzt voraus, daß man hieb- & stichfeste Argumente hat. Diese sehe ich bei der Bundesregierung allerdings nicht. Wenn man keine Argumente hat, dann geht man “ad hominem”. So etwas nannte man in den 90ern, Anfang 2000er im Internet “Troll”: hauptsache rumstänkern und schlechte Stimmung verbreiten, bis eine einem unliebsame Person verbannt wurde. Gute Argumente setzen übrigens eine gute & an den Bürgern ausgerichtete Politik voraus; auch diese sehe ich nicht. Das Eine bedingt nun einmal das Andere. Halbwegs politisch & moralisch integere Politiker in Regierungsverantwortung wie vor 30-40 Jahren sehe ich ebenfalls nicht. Wo soll die gute Politik für gute Argumente also her kommen?

Jung ist das, was man einen “Opportunisten” nennt: ein Fähnchen im Wind, wenn es seiner Karriere dient. Die BPK ist ein Haifischbecken: ein Piranha soll den Anderen nicht beißen. Dafür soll sie zu einem geschlossenen Zirkel umgebaut werden. Allein das Vorkommen von “Presse” in “Bundespressekonferenz” macht dem einen Strich durch die eigene Rechnung, denn eine (demokratisch freie) Presse ist mit einer selbst erschaffenen Filterblase, aus der man unliebsame Meinungen wegbeißt, unvereinbar. Voltaire soll einmal sinngemäß gesagt haben: “Ich mißbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen” — ein Herr Jung macht das glatte Gegenteil davon.

Jung fordert nichts Geringeres als Gesinnungsjournalismus, der, wenn er nicht schon mit totalitären Maßnahmen mehr oder weniger erzwungen werden kann, dann doch über Gruppendruck entstehen soll. Im Arbeitsleben würde man sagen: Jung mobbt Warweg!

Je länger man in einen Abgrund hinein blickt, so wird dieser irgendwann auch in einen selbst hinein schauen. Solche Menschen sollten mal zum Psychologen, ihren moralischen Kompaß neu ausrichten lassen.

Übrigens, da Bezug auf angeblich “russische Propaganda” genommen wird: so propagandistisch ist die gar nicht, wenn man RT DE mit anderen deutschsprachigen Leitblättern vergleicht: Meinungsbeiträge sind explizit als solche gekennzeichnet, ebenso Analysen. Reine Nachrichtenbeiträge sind oft kurz und überaus sachlich gehalten, ohne Emotionalisierung oder irgendwelches “Nudging”. Da kann sich die Täusche™ Presse eine dicke Scheibe von abschneiden. Selbst Thomas Röper, den man wegen seiner journalisten Tätigkeiten wirtschaftlich exekutierte, berichtet deutlich sachlicher als die meisten deutschen Leitmedien. Welche “Propaganda” bemängelt Herr Jung da denn bitte genau? Als ob nur “die Russen™” Propaganda verbreiteten — was? Ja, genau.

Stellen wir doch mal eine ganz andere Frage:
Wenn die Bundespressekonferenz ganz offensichtlich nur als reine Propagandaschau taugt, warum stampft man sie dann nicht komplett ein? Frißt nur unnötig Steuergelder.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schauberger

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