Leserbriefe zu „Benzinpreis-Wut in Deutschland – Warum die Kritik an Steuern und Abgaben am Problem vorbeigeht“

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Sobald der Rohölpreis an den Börsen steigt, weil der weltweite Ölhandel durch Krisen oder Kriege „ins Stocken gerät“, explodieren die deutschen Benzinpreise. Darunter leiden vor allem einkommensschwache Haushalte, in Folge wächst der Unmut in Bevölkerung und Wirtschaft und „die politische Debatte dreht sich“ – unterstützt von deutschen Leitmedien – „sofort um Steuern und Abgaben“. Doch das erklärt aktuelle Preissprünge kaum, da diese sich zuletzt kaum verändert haben. Jens Berger geht in seinem Kommentar den eigentlichen Ursachen auf den Grund, der Struktur des Ölmarktes und „klassischen Marktversagen“. Wenige große Konzerne kontrollieren Förderung, Handel, Raffinerien und Tankstellennetze. „Das Ergebnis ist ein Oligopol“, das enorme Zusatzgewinne besonders in Krisenzeiten am Anfang der Wertschöpfungskette, also bei bei Raffinerie und Handel, generiert. Darauf haben Tankstellenbetreiber jedoch keinen Einfluss. Nach Ansicht unseres Autors können Benzinpreisexplosionen nur verhindert werden „durch die Auflösung der oligopolistischen Strukturen“, die auch nicht „in privater Hand gewinnorientierter Konzerne liegen“ sollten. Debatten über Steuersenkungen lenken laut Jens Berger vom eigentlichen Problem ab. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante Leserbriefe erhalten, zusammengestellt von Ala Goldbrunner.


1. Leserbrief

Vielen Dank Herr Berger für den aufklärenden Artikel. Als Ökonom kann ich diese Zusammenhänge nur bestätigen, aber den Staat kann ich nicht außen vor lassen. Sie schreiben, daß es sich Ihnen persönlich nicht erschließt, warum der Staat auf Einnahmen verzichten sollte, während Konzerne gleichzeitig Rekordgewinne einfahren. Hier kann ich Ihnen bei der Erschließung möglicherweise helfen: Wer mitverdient, wird wohl nichts dagegen unternehmen. Und wer, wenn nicht der Staat, hat überhaupt eine Möglichkeit etwas gegen die von Ihnen zurecht kritisierten Konzernstrukturen zu unternehmen ?

Mit den besten Grüßen
B.D.


2. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

dass mag alles so stimmen.

Ich bin gerade in den USA und hier kostet der Liter Sprit umgerechnet 0,80 €!

Da fühlt man sich in D schon ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.

Viele Grüße
Dirk Burba


3. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Berger,

nach Ihrer vielschichtigen ANALYSE „Iran-Krieg – Auf dem Weg in die Weltwirtschaftskrise?“ erscheint der ARTIKEL „Benzinpreis-Wut in Deutschland – Warum die Kritik an Steuern und Abgaben am Problem vorbeigeht“ eher unterkomplex, und ich will das auch gerne anhand von 3 Kernaussagen begründen:

[1] Zitat:

Ökonomisch betrachtet deutet vieles darauf hin, dass wir es hier schlicht mit einem klassischen Marktversagen zu tun haben. Wer verdient also entlang der Wertschöpfungskette?

In Ihrer ANALYSE hatten Sie erwähnt, dass ein Viertel der weltweiten Öltransporte durch die Straße von Hormus verläuft. Es handelt sich hier also keinesfalls um ein „klassisches Marktversagen“ (ARTIKEL), sondern um einen Verteilungskampf durch das Wegbrechen von einem Viertel der Weltproduktion.

[2] Zitat:

Viele der großen Raffinerien in Europa gehören denselben Konzernen, die auch die Tankstellennetze betreiben. Für Unternehmen wie BP, Shell, Total oder ExxonMobil spielt es daher keine Rolle, wo genau der Gewinn entsteht – bei der Förderung, im Handel, in der Raffinerie oder an der Zapfsäule.“

Wenn viele der großen Raffinerien in Europa Unternehmen wie BP, Shell, Total oder ExxonMobil gehören, die auch die Tankstellennetze betreiben (ARTIKEL), dann drängt sich doch unmittelbar die unbeantwortet gebliebene Frage auf, warum es innerhalb der EU überhaupt „Tanktourismus“ gibt.

[3] Zitat:

Diese Konzerne sind vertikal integriert – sie kontrollieren den Markt auf nahezu allen Ebenen. Das Ergebnis ist ein Oligopol.“

Nach marktliberaler Argumentation führt ein Aufbrechen von vertikal integrierten Konzernen zu mehr Konkurrenz und niedrigeren Verbraucherpreisen. Vergessen wird meist, dass außerhalb von planwirtschaftlichen Systemen alle Marktteilnehmer kostendeckend und gewinnorientiert arbeiten müssen. Mit den internen Quersubventionen von integrierten Wertschöpfungsketten entfallen dann aber meist auch die prognostizierten Vorteile für den Endverbraucher…

Mit den besten Grüßen an Sie und die Redaktion der NachDenkSeiten  –  U. Weber

Anmerkung Jens Berger:

Lieber Herr Weber,

Das ist richtig, die Nachfrage ist aber auch flexibel. Zum Einen gibt es Substitute (z.B. bei der Stromerzeugung) und zum anderen ist die Nachfrage auch knallhart abhängig vom Preis. Das haben wir bei vergangenen Ölpreisschocks ja gesehen. Angebot und Nachfrage pendeln sich ein. Sollte das Öl – wovon ich nicht ausgehe – wirklich über einen langen Zeitraum knapp werden, wird das nicht dazu führen, dass es an den Tankstellen physisch kein Benzin mehr gibt, sondern dazu, dass das Benzin so teuer wird, dass die Leute weniger oder gar nicht mehr tanken. Der globale Markt für Öl ist zu einem großen Teil geographisch flexibel … letztlich wird das weniger über feste Lieferrouten, sondern mehr über den Preis ausgetragen. Ölpipelines bilden hier natürlich eine Ausnahme, das ist klar.

[2] Zitat: „Viele der großen Raffinerien in Europa gehören denselben Konzernen, die auch die Tankstellennetze betreiben. Für Unternehmen wie BP, Shell, Total oder ExxonMobil spielt es daher keine Rolle, wo genau der Gewinn entsteht – bei der Förderung, im Handel, in der Raffinerie oder an der Zapfsäule.“

Wenn viele der großen Raffinerien in Europa Unternehmen wie BP, Shell, Total oder ExxonMobil gehören, die auch die Tankstellennetze betreiben (ARTIKEL), dann drängt sich doch unmittelbar die unbeantwortet gebliebene Frage auf, warum es innerhalb der EU überhaupt „Tanktourismus“ gibt.

Weil andere Länder von anderen Raffinieren versorgt werden, weil dort der Steuersatz unterschiedlich ist und (besonders wichtig) weil diese Märkte eine größere Preiselastizität der Nachfrage haben. Was nutzt es z.B. tschechischen Ölkonzerne, die Preise so weit in die Höhe zu treiben, dass die Nachfrage einbricht und sie im Endeffekt weniger verdienen als zuvor?

[3] Zitat: „Diese Konzerne sind vertikal integriert – sie kontrollieren den Markt auf nahezu allen Ebenen. Das Ergebnis ist ein Oligopol.“

Nach marktliberaler Argumentation führt ein Aufbrechen von vertikal integrierten Konzernen zu mehr Konkurrenz und niedrigeren Verbraucherpreisen. Vergessen wird meist, dass außerhalb von planwirtschaftlichen Systemen alle Marktteilnehmer kostendeckend und gewinnorientiert arbeiten müssen. Mit den internen Quersubventionen von integrierten Wertschöpfungsketten entfallen dann aber meist auch die prognostizierten Vorteile für den Endverbraucher…

Das ist im Kern ja richtig. Aber wenn die vier Multis am deutschen Markt in Krisenjahren 200 Mrd. USD Gewinn(!) erzielen, erscheint wir die „Fehlallokation“ dieser Finanzmittel doch gewaltig ;-) So ineffizient kann auch kein „planwirtschaftliches“ System sein.

Beste Grüße
Jens Berger


4. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

der o.g. Artikel ist brillant und zeugt von hohem Sachverstand in ökonomischen Fragen. Verstehe ich Sie richtig? Man müsste die Oligopol-Struktur der Mineralölkonzerne zerschlagen, um diese Abzockerei der Konzerne zumindest eingrenzen zu können. Dies kann m.E. nur auf europäischer Ebene passieren und da sehe ich eher schwarz. Dort ist der Lobbyismus noch eklatanter als im deutschen Parlament.

Es ist das altbekannte Phänomen. Würden man die Monopole und Oligopole auf der Angebotsseite beschränken oder zerschlagen, käme diese dem Verbraucher zugute. Er kann ja nicht weniger nachfragen, wenn er auf PKW beruflich angewiesen ist.

Beste Grüße
WB


5. Leserbrief

Da treffen Sie, Herr Berger, einen Punkt, der an den von neoliberalen Ökonomen dominierten Universitäten/Hochschulen in den sogenannten “Wirtschaftswissenschaften” in der Regel unter den volkswirtschaftlichen Teppich gekehrt wird.

Sieht man sich z. B. auf wikipedia.de die Literaturquellen zum Thema Unternehmenskonzentration an, dann stammt die “aktuellste” Quelle aus dem Jahr 2010. Auf der englischsprachigen wikipedia sieht es in dieser Hinsicht nur geringfügig besser aus.

Auch private (Angebots-)Oligopole stellen eine Form der Unternehmenskonzentration dar und die gibt es nicht nur beim Handel mit Benzin und Öl. Im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels beherrschen deutschlandweit m. W. vier große Anbieter bzw. Konzerne (Aldi, REWE, Edeka-Verbund, Lidl/Kaufland) zusammen rund 80 Prozent des Angebots. Da braucht es keine kartellrelevanten konspirativen Absprachen. Dieses Oligopol handelt insgesamt wie ein privater Monopolist. Was die Preise angeht, konkurrieren diese vier großen Anbieter allenfalls über die wöchentlichen “Sonderangebote” bzw. “Aktionen”, die “Rabatte” bei der Bezahlung via App und darin, wie man die Einkaufspreise bei den Landwirten und Erzeugern drückt. Wenn man die “Sonderangebote” etwas näher betrachtet, dann fällt auf, dass es ein bestimmtes Markenprodukt in der einen Woche bei dem einen der vier Oligopolisten im “Sonderangebot” gibt und ein oder zwei Wochen später bei einem anderen. 

Die verbleibenden 20 Prozent verteilen sich auf regional begrenzte Anbieter und kleine Nischenanbieter bzw. Spezialisten (Wochenmärkte, Direktvermarkter, Anbieter von Luxusprodukten wie Wagyu-Rindfleisch andere).

Mit freundlichen Grüßen,
Detlef Schmiedel


6. Leserbrief

Irgendwo greift auch dieser Artikel etwas kurz. Er erklärt nämlich nicht, warum wir ausgerechnet in Deutschland so sehr viel mehr zahlen müssen, als in den meisten anderen europäischen Ländern. Oder habe ich da etwas übersehen?

J.P.


7. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

Sie haben völlig Recht, wenn Sie die Ölkonzerne als Hauptverantwortliche für den Benzinpreis benennen. Es ist aber auch richtig, dass (bis auf Diesel) Steuern und Abgaben den größten Anteil am Benzinpreis haben. Unsere Nachbarländer unterliegen der gleichen Konzernstruktur, haben aber einen wesentlich geringen Benzinpreis. Wenn

die AfD im Bundestag den aktuellen Benzinpreis zur Sprache bringt und eine Senkung der Steuern und Abgaben als temporäre, kurzfristige Lösung vorschlägt (darauf könnte die Regierung sofort reagieren) und von der SPD als Antwort kommt: „Wem der Benzinpreis zu hoch ist, der soll auf E-Autos umsteigen“, dann ist das an Menschenverachtung kaum zu überbieten. Gut, dass die SPD dafür die Klatsche bei der Wahl in BW

bekommen hat. Schlecht, dass sie trotzdem dort die 5% Hürde nehmen konnte.

Wir haben nun mal eine (das „soziale“ geht leider immer mehr in den Hintergrund) Marktwirtschaft. Konzerne müssen Gewinne erwirtschaften. Wenn Marktdominanz (wie hier) ausgenutzt wird, gibt es das Kartellamt.

Eine „Vergesellschaftung der Raffinerien“ ist definitiv der falsche Weg. Das würde Sozialismus bedeuten. Wie der wirtschaftet, habe ich in der DDR erlebt und wir alle erleben es aktuell beim Wohnungsbau (wo immer der Staat sich in die Wirtschaft direkt einmischt, geht es in die Hose). Nein, danke.

Mit freundlichen Grüßen
R. Binde


8. Leserbrief

“Oder anders gesagt: Solange man über Steuern streitet, können die Ölkonzerne in aller Ruhe weiterkassieren.

Liebe Redaktion,

nicht irgendwelche Konzerne kassieren für sich, sondern für ihre Großaktionäre.

Siehe u.a. finance.yahoo.com:

“Is Shell owned by BlackRock? Institutional investors own over 50% of the company, so together than can probably strongly influence board decisions. Hedge funds don’t have many shares in Shell. The company’s largest shareholder is BlackRock, Inc., with ownership of 8.2%.“

Und:

“BlackRock ist als weltweit größter Vermögensverwalter massiv in die fossile Energiebranche (Öl, Gas, Kohle) investiert und verwaltet über iShares-ETFs erhebliche Anteile an Ölkonzernen. Trotz ESG-Bemühungen investieren auch als “nachhaltig” vermarktete Fonds weiter in fossile Brennstoffe, was Kritik und Vorwürfe von Greenwashing hervorruft.“

Hier sind die wichtigsten Punkte zu BlackRock und Mineralöl:

Große Investitionen: BlackRock hält Milliardeninvestitionen in fossile Brennstoffunternehmen, einschließlich Teersande, und unterstützt damit eine Branche, die den Klimawandel beschleunigt.

iShares ETFs: BlackRock bietet spezialisierte ETFs wie den iShares Oil & Gas Exploration & Production UCITS ETF an, der auf die Wertentwicklung von Öl- und Gasunternehmen ausgerichtet ist. Auch der iShares U.S. Oil & Gas Exploration & Production ETF ist Teil des Portfolios.

Kritik & Greenwashing: Es gibt Vorwürfe, dass BlackRock trotz Klimaverpflichtungen in “nachhaltigen” Fonds weiterhin stark in Unternehmen investiert, die fossile Energien ausbauen (z. B. TotalEnergies, Shell, BP, Chevron).“

(Quelle KI)

Auf der einen Seite nennt man das wohl Oligopol.

Aber noch viel schlimmer ist Multiple Deep Ownership via BlackRock.

Grüße
Dieter Gabriel


9. Leserbrief

Liebe NDS-Redaktion,

Man muss nicht erst den kompletten Marktmechanismus verstehen, damit einem die Galle überläuft. Meine Ersparnisse wandern nun in die Taschen von Ölmultis und sonstigen Wegelagerern aller Art und während Kroatien und Ungarn handeln, will unsere Regierung das Geschehen erst noch intensiv beobachten. Was will man machen – so ist halt die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland. Seit gut einem Vierteljahrhundert konsequent gegen Lieschen Müller und Max Mustermann.

Jeder weiß, dass der Zugang zu billiger Energie die Grundlage volkswirtschaftlichen Wohlstands ist, nur unsere Politiker und Wirtschaftsexperten nicht.

Viele Grüße
Michael Wrazidlo


10. Leserbrief

Moin,

ja, leidiges Thema, betrifft uns im Endeffekt alle. So ist es wie mit allem, was man dem Gezocke auf “dem Markt” überläßt: stark schwankende Preise, viele Abgezockte, und wenige Superreiche, die sich die Taschen voll machen, weil sie wissen, wie der Markt mit den Glückszahlen funktioniert. In vielen Ländern ist Glücksspiel verboten – hierzulande darf man auf steigende oder sinkende Ölpreise wetten. Man finde den Fehler.

“Aber warum die „Wut“ regelmäßig erst dann eskaliert, wenn der Benzinpreis eine psychologische Marke […] überschreitet, und warum dann stets nur über Steuern und Abgaben gesprochen wird, niemals aber über die Struktur des Marktes selbst, will mir beim besten Willen nicht einleuchten.”

Da kann ich mit meiner Küchenpsychologie vielleicht weiter helfen. Die Erklärung ist so einfach wie banal: in der BLÖD-Zeitung wird schlicht nicht über das Wesen des “Marktes” gesprochen. Er bleibt eine “Black Box”, etwas, in das der durch 40-Stunden-Wochen Gebeutelte nicht die Kraft hat, von sich aus hinein zu blicken. Und “die Medien” erklären die Welt eben nicht, wie sie tatsächlich ist, sondern nur so, wie wir sie sehen sollen –damit wir nicht anfangen nachzudenken, nicht anfangen zu meckern und erst recht nicht anfangen zu fordern; oder Konsequenzen zu fordern, wie etwa Abschaffung der Börsen-Glücksspiele, massive Besteuerung von leistungslosen Einkommen etc.. Genau das soll vermieden werden. Deswegen staunt der Laie und der Fachmann (Herr Berger) wundert sich. Wer liest schon die Beiträge von renommierten Ökonomen wie einem Heiner Flassbeck in seiner raren Freizeit, die oft mit dem Versuch der Regeneration verbracht werden muß?

CO2-Abgaben sind übrigens nichts anderes als etwas Überflüssiges, das man sofort ersatzlos streichen kann. Nicht nur, daß CO2 ein enorm wichtiges Gas für die Pflanzen und damit für unsere Landwirtschaft ist, nein, es ist wie im Mittelalter ein Ablasshandel: man erklärt etwas für böse oder gefährlich, und wer trotzdem damit in Berührung kommt (kommen muß, beim CO2, denn das ist nun einmal gewichtiger Teil unserer Atemluft), hat gefälligst zu zahlen. Daß sich davon der Wert in irgend einer Weise ändern würde, kann man getrost ins Land der Ammenmärchen verorten: das tut es nicht, wie zahlreiche Studien zeigen. Das irdische Ökosystem reguliert sich (zum Glück!) selbst, sodaß extrem umweltschädliche Aktionen des Homo Sapiens bei dem zum Scheitern verurteilten Versuch, CO2 irgendwie aus der Luft zu kriegen, nicht weiter ins Gewicht fallen. Die Umwelt ist sogar so gutmütig, uns Menschen derart grobe Irrungen zu verzeihen…

“Mir persönlich erschließt sich allerdings nicht, warum der Staat auf Einnahmen verzichten sollte, während Konzerne gleichzeitig Rekordgewinne einfahren.”

Hust…wie war das mit der permanenten Steuersenkung für Großkonzerne und Schwerreiche? Natürlich protegieren Politiker ihre Lobbyisten, weil sie von ihnen profitieren. Und wenn der Staat schon nicht auf Gewinne verzichten will, dann sollte er dort ansetzen, wo es am wenigsten weh tut: bei eben jenen Konzernen, die 200 Milliarden und mehr pro Jahr an Gewinn machen, und eben nicht an der Zapfsäule, die den ohnehin schon kleinen Lohn, den man eher als Schmerzensgeld bezeichnen sollte, eines Arbeiters schmälert. Wo ist da bitte das Solidaritätsprinzip, von den stärksten Schultern die größten Abgaben zu nehmen? Im selben Atemzug sollte man eine komplette Abschaffung der Märchensteuer, pardon, Mehrwertsteuer fordern, denn Reiche lachen darüber, während die Ärmsten schwer darunter ächzen.

“Dass ein und dieselben Konzerne von der Förderung über Handel und Transport bis hin zur Raffinerie und zur Zapfsäule den Markt dominieren, hat mit funktionierendem Wettbewerb wenig zu tun. Es ist vielmehr ein Lehrbuchbeispiel für Marktversagen.”

Das ist nicht ganz richtig, denn Monpolbildung ist dem Kapitalismus inhärent. Der Markt funktioniert genau so, wie er soll. Die Großen fressen im Laufe der Zeit die Kleinen, bis sie so groß werden, daß neben ihnen niemand mehr existieren kann. Eine solcherart marktbeherrschende Stellung wird aufgrund der immerfort existierenden menschlichen Gier dafür sorgen, daß die Konsumenten regelrecht ausgebeutet werden. Solange die Politik mit der Wirtschaft ins selbe Bett steigt, gibt es niemanden, der das verhindern kann. Und wer versucht, dem Menschen die Gier auszutreiben, der kann auch versuchen, eine Reichensteuer einzuführen, die dem Namen auch gerecht wird. Ich wünsche viel Erfolg.

“Wenn Raffinerien aufgrund ihrer Größe ohnehin ein strukturelles Oligopol darstellen, stellt sich daher eine grundsätzliche Frage: Sollten sie überhaupt in privater Hand gewinnorientierter Konzerne liegen?”

Gute Frage, korrekte Antwort: Nein, denn alles was zur Daseinsvorsorge oder kritischer Infrastruktur zählt, muß in staatliche Hand. Deswegen müßten wir auch die Bahn, die Post & die Telekom rückverstaatlichen. Doch auch hiervon sind wir Lichtjahre entfernt; das wird nur passieren, wenn die privatisierten Konzerne kein Geld mehr aus den heruntergewirtschafteten Unternehmen pressen können. Das wäre aber, in der Tat, die einfachste Lösung; aber genau diese ist sozialistischen Staaten wie Venezuela oder Kuba bereits auf die Füße gefallen, denn wir wissen, wer den Ölpreis dominiert: die USA. Deswegen brennt gerade der Iran. Staaten müssen den Ölpreis an Dollars koppeln. Deswegen ist er gerade in der EU so immens teuer. Apropos, sagt Ihnen diese Graphik etwas?

Wie erklärt es sich, daß die Preise ausgerechnet in Deutschland die höchsten sind?

“Wer hingegen weiterhin so tut, als liege die Lösung allein in der Senkung von Steuern und Abgaben, verkennt die […] Ursache – oder vertritt, bewusst oder unbewusst, die Interessen der Ölkonzerne.”

Wenn von einem Liter E10 bei einem Preis von 1,94€ satte 1,12€ an Steuern & Abgaben anfallen, der Literpreis also ohne Steuern bei nur 0,81€ liegt, dann, ja, ist es durchaus nachvollziehbar, den größten Posten auf den Prüfstand zu stellen. Das ist, neben der Zerschlagung monopolartiger Strukturen (was aufgrund des massiven Lobbyismus nicht passieren wird), auch die leichteste Möglichkeit für den Staat.

“Oder anders gesagt: Solange man über Steuern streitet, können die Ölkonzerne in aller Ruhe weiterkassieren.”

Das klingt ja schon fast nach Fatalismus, der in Ohnmacht endet. Dabei wäre es eine obligatorische Aufgabe des Staates, die Steuern so zu lenken, daß der größte Teil bei denen anfällt, die die größten Profite daraus ziehen können. Oder anders gesagt: die Steuern an den Zapfsäulen müssen deutlich gesenkt werden, während man die Steuern bei der Erzeugung, Verarbeitung, beim Transport und vor allem beim Zocken an der Börse deutlich erhöht. Doch bei alledem: der kleine Mann hat keine Lobby, und die BLÖD-Zeitung wird ihm ganz sicher keine geben, denn die hat nur Eines im Sinn: Spaltung der Gesellschaft. Solange also die Ton-angebenden Medien nur Stürme in Wassergläsern erzeugen, wird sich tatsächlich kaum etwas ändern.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schauberger


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