Leserbriefe zu „Kriegstüchtig? Deutsche Kinos machen mit“
Hier kommentiert Marcus Klöckner den Zustand deutscher Kinos. Denn an einem Ort, wo Bürger Freizeit verbringen und die Realität des Alltags hinter sich lassen wollen, würden sie mit Bundeswehrwerbung vor dem Film konfrontiert. Die finale Freigabe jener Werbung, die Kinozuschauern vorgesetzt werde, liege nicht in der Politik. Kinoketten und Betreiber hätten ein Vetorecht. Dass aber die Verantwortlichen für Kinowerbung aufseiten der Kinos Politik und Bundeswehr die Tür öffnen, verweise auf ein schwerwiegendes Problem. So, wie Schulen und andere Bereiche unter dem Zeitgeist der angeblichen „Zeitenwende“ die Bundeswehr begrüßen würden, so würden das nun offensichtlich auch Kinos machen. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten Zuschriften, die wir dazu bekommen haben. Es folgt nun eine Leserbrief-Auswahl, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.
1. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner,
Die NDS berichtet ja ausgiebig über die Militarisierung der Gesellschaft.
Da geht es auch oft um welche Reaktionen für Frieden bei der Bevölkerung, gegen Kriegsertüchtigung und Propaganda die Bevölkerung zeigt.
Wir können jetzt sozusagen am eigenen Leib erfahren ,wie es der Bevölkerung in Deutschland erging ab 1933. Wie war es damals mit Widerstand? Und die Folgen für die Kritiker ?
Es geht ja nicht nur um Kinowerbung für die Bundeswehr. Kino, Fernsehen, Radio da muss man auch auf Filminhalte achten, was ändert sich da.
Mit freundlichem Gruß
Patrick Janssens
2. Leserbrief
Moin,
“Wie können Kinobetreiber unter einem solchen politischen Einschlag Bundeswehrwerbung im Kino zulassen?”
Mindestens 3 Gründe:
- Des Geldes wegen (immer!)
- Das Zeigen von Gesinnung, respektive politischer Konformität, um zukünftig vielleicht (wie unter Goebbels?) Propagandafilme zeigen zu “dürfen”, die hoch dotiert sind?
- Sollte es tatsächlich zu einem Krieg kommen, will die öffentliche Meinung kontrolliert werden. Man könnte politische Vorgaben erlassen, nur noch konforme Kinos geöffnet zu lassen (analog: Bücherverbrennung, nur bei Filmen). Wer Friedensfilme oder kriegskritische Filme zeigt, dem wird der Laden dichtgemacht.
Geld regiert die Welt.
Geld erzeugt Macht.
Geldnot zwingt Andere in die Armut, in die Existenznot, gar in den Tod (Verhungern [wie bei den EU-Sanktionen], Suizid etc.). Wer die Butter hat, wird schnell frech. Wer ein großes Vermögen hat, bestimmt. So läuft die heutige Gesellschaft. Kinos bilden da keine Ausnahme. Und die Politik ist das Werkzeug der Privatiers. Wobei, bei den vielen Drehtüren, die es da gibt, auf daß einem schwindelig wird, konvergieren die Grenzen. Bestes Beispiel: BlackRock & Bundeskanzler in Personalunion. Das zu toppen wäre nur noch mit Merz als EU-Kommissionspräsident (GRUSEL!). Aber mit von der Leyen haben die Privatfinanciers auch einen soliden Fang gemacht. Mehr Arroganz und Menschenverachtung geht nicht (obwohl…).
Opportunität, und das ist der Trugschluß, scheint beim Überleben zu helfen. Tatsächlich sorgt sie dafür, den politischen Kurs mitzutragen, unter dem man als Mensch selbst leiden wird (sofern man noch so etwas wie ein Gewissen und/oder Anstand besitzt). Sollten wir unser Geld in Rheinmetall-Aktien investieren? Nirgendwo sonst wird aktuell leistungsloses Einkommen in dieser Höhe generiert. Schade, daß die Bundeswehr keine AG ist. Würde mal Zeit werden! Die Zeiger stehen jedenfalls auf Aufschwung.
Oh, und fragen Sie mal die Schulen, warum sie Jungoffiziere zulassen, die Meister der Rabulistik sind: rhetorisch geschulte Genies, die ihre dunkle Seite der Macht dazu nutzen, unbescholtene Kinder & Jugendliche zum Dienst an der Waffe, oder sollte ich sagen: Kanonenfutter, zu verführen.
Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schauberger
PS (nur Rechtschreibkram): “Offensichtlich stört viele die Werbung der Bundeswehr nicht […]” -> Fehlt das Substantiv, auf das sich das Pronomen bezieht, so muß es groß geschrieben werden: “Offensichtlich stört Viele [Kinoketten] die Werbung der Bundeswehr nicht”
3. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner,
die Haltung der NDS zur “Kriegstüchtigkeit” der Bundeswehr ist in meinem Augen völlig inkonsequent. Was ist denn die Aufgabe einer Armee: Kämpfen, d.h. Krieg führen. Auch wenn sich ein Land gegen einen Angriff von außen verteidigt, führt es Krieg. Zum Krieg gehört das Töten des Gegners wie auch das eigene Sterben, dazu muss die Armee auch fähig und willens sein. Also braucht die Armee die entsprechenden Waffen und muss gegebenenfalls Fähigkeitslücken schließen. Das ist die Aufgabe einer Armee, die sie hoffentlich nie ausführen muss.
Ein bißchen davon geht aber nicht. Entweder, man ist der Meinung, dass ein Land eine eigene Armee braucht, dann hat sie im Ernstfall eben auch oben genannte Aufgaben. Oder man ist der Meinung, dass ein Land keine Armee braucht. Dann hilft es aber auch nicht, sich über den Begriff “kriegstüchtig” oder sich über die Aufrüstung aufzuregen, dann sollte man die Abschaffung der Bundeswehr fordern. Was Sie (und die NDS) hier machen, ist nach dem Motto ” wasch mich, aber mach mich nicht nass”. Das ist völlig inkonsequent und holft in der Debatte auch nicht weiter.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Boremann
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