Mamma Mia! Pirlo hat russische Kontakte und darf nicht Trainer der italienischen Fußballnationalmannschaft werden

Mamma Mia! Pirlo hat russische Kontakte und darf nicht Trainer der italienischen Fußballnationalmannschaft werden

Mamma Mia! Pirlo hat russische Kontakte und darf nicht Trainer der italienischen Fußballnationalmannschaft werden

Marcus Klöckner
Ein Artikel von: Marcus Klöckner

Der zweimalige Fußballweltmeister Andrea Pirlo war angedacht, den Posten des Trainers der italienischen Nationalmannschaft zu übernehmen. Doch der Fußballverband FIGC hat sich gegen den ehemaligen Fußballnationalspieler, der für Italien 116 Länderspiele absolvierte, entschieden. Pirlo verfügt über „russische Kontakte“, wie Medien berichten. Gemeint ist damit: Pirlo ist derzeit Trainer beim Club United FC Dubai, der einem russischen Milliardär gehört. Und: Pirlo ist Markenbotschafter eines russischen Wettanbieters. Mit anderen Worten: Russlandkontakte und: Aus die Maus! Die Doppelmoral quilt bei der Personalie Pirlo aus den Poren. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Beim Fußball kann man den Ball sprechen lassen – oder die Politik. Wenn die Politik den Mund aufmacht, ist bekanntlich der Spaß schnell vorbei. Der Spaß beim italienischen Fußball ist vorbei. Der italienische Fußballverband hat gesprochen. Nicht im Sinne des Balls, sondern, danach riecht es, im Sinne der Politik. Das Ergebnis: Eine öffentliche Debatte am Siedepunkt. Das nicht gerade von politischer „Sauberkeit“ gesegnete Italien will offensichtlich an dieser Stelle auf eine besonders weiße Weste achten.

Ein Ministerpräsident aus der berühmt berüchtigten Freimaurerloge Propaganda Due? Berlusconis „Bunga-Bunga-Parties“? Was soll’s! Der traditionsreiche italienische, mit viel politischer „Liebe“ gepflegte Sumpf aus Politik, Wirtschaft, Medien und Sport: Nun ja! Gibt es nichts Schlimmeres? Doch, doch. Russlandkontakte! Da rollt neuerdings kein Ball mehr. Was bleibt da noch zu sagen? Vielleicht: Mamma mia! Wobei das doch etwas zu wenig wäre.

Süffisant merkt der italienische Soziologieprofessor Alessandro Orsini auf der Plattform „X“ an:

Nach der Entfernung von Pirlo bleiben zwei Namen für die Trainerbank der italienischen Fußballnationalmannschaft: Syrsky, ehemaliger Chef des ukrainischen Heeres, verfügbar nach der jüngsten Entlassung, oder Budanov, Chef der ukrainischen Geheimdienste.

Ein anderer Nutzer auf „X“ schreibt:

Wir sind das Land, in dem eine Person wie #Pirlo nicht Nationaltrainer werden kann, wenn er einen Vertrag mit einem russischen Unternehmen hat, aber in dem ein ehemaliger Lobbyist der Waffenindustrie Verteidigungsminister werden kann, der Vize-Premierminister einem Genozidverbrecher die Hand schütteln kann, während dieser ein Genozid begeht, eine wegen Betrugs am Staat Ermittelte Ministerin werden kann, ein Unterstaatssekretär im Justizministerium Firmen mit einem Strohmann der Camorra gründen kann, und ich könnte diese Liste endlos fortsetzen.

So kann man das sehen. Und: Die multidimensionalen Handelsbeziehungen zwischen Italien und den USA, die im 100-Milliarden Euro-Bereich liegen bleiben selbstverständlich trotz des Krieges gegen den Iran unangetastet. Bekanntlich fällt die Doppelmoral dorthin, wo es politisch genehm ist.

Gewiss lässt sich Pirlos Verbundenheit mit einem Wettanbieter, das heißt: Mit einer Branche, die zurecht Missbilligung erfährt, kritisieren. Dass ein zukünftiger Trainer einer Nationalmannschaft beruflich mit der Wettbranche verbunden ist, wäre tatsächlich ein Problem. Seine russischen Kontakte scheinen aber als das größere Problem betrachtet zu werden.

Bei aller Distanz die das politische Universum der moralischen Gerechtigkeit zu Russland waren will, sei ein „Übrigens“ hinterhergeschoben: Bei dem 21. EU-Sanktionspaket gegenüber Russland diesen Monats, wurden unverarbeitete Zobel-Felle von der Sanktionsliste gestrichen. Der Grund: Italien verarbeitet die kostbaren Felle traditionell im Luxus-Segment. Mit anderen Worten: Kontakte zu Russland – die sind einmal hui und einmal pfui. Ob vielleicht ein mit Zobelpelz überzogener Fußball zur Entspannung bei der Trainerfrage führen könnte?

Titelbild: katatonia82 / Shutterstock

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