FAZ reagiert auf „Mehr-russische-Soldaten-töten-Aussage“ – der Fisch stinkt vom Kopf

FAZ reagiert auf „Mehr-russische-Soldaten-töten-Aussage“ – der Fisch stinkt vom Kopf

FAZ reagiert auf „Mehr-russische-Soldaten-töten-Aussage“ – der Fisch stinkt vom Kopf

Marcus Klöckner
Ein Artikel von: Marcus Klöckner

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat auf die „Mehr-russische-Soldaten-töten-Aussage“ ihres Autors mit einer Pressemitteilung reagiert. Das Blatt lässt von der Unternehmenskommunikation verkünden, es habe sich um eine „missverständlich“ formulierte Frage gehandelt. Eine direkte Stellungnahme der Chefredaktion oder der Herausgeber findet sich in der Erklärung nicht. Deutlich wird: Der Fisch stinkt vom Kopf. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Die FAZ hat gerade die bundesdeutsche Pressegeschichte bereichert – im negativen Sinne. In der Stellungnahme heißt es, es sei „nicht die redaktionelle Linie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten.“

Um Himmelswillen! will man da rufen: Was ist da passiert? Eine der größten Zeitungen des Landes muss klarstellen, dass das Töten von möglichst vielen russischen Soldaten nicht der Redaktionslinie entspricht?

Alleine, dass eine solche „Klarstellung“ überhaupt notwendig ist, zeigt das Offensichtliche: In der Redaktion läuft – höflich formuliert – der Journalismus aus dem Ruder.

Wie kann es sein, dass die FAZ einen Autor zur Pressekonferenz nach Serbien schickt, der dann öffentlich fragt: „Können Sie uns Europäern konkret sagen, was wir tun können, um ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten? Mehr russische Soldaten, natürlich.“

Wie kann eine solche Frage „missverständlich“ formuliert sein? Und, noch wichtiger: Wenn diese Frage „missverständlich“ formuliert gewesen sein sollte: Warum findet sie sich dann in paraphrasierter Form im Artikel des Blattes – ohne Distanz, ohne Erklärung der Redaktion?

Die Stellungnahme der FAZ zeigt: Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen. Und dort soll es liegen bleiben.

In Anbetracht der ungeheuerlichen Tragweite, die in der Frage liegt, lässt sich die Pressemitteilung in erster Linie als eines auffassen: Als veritable Unverschämtheit! Denn: Im Nachgang der Pressekonferenz rechtfertigt der FAZ-Autor auf der Plattform „X“ mehrmals seine Frage.

Nein, liebe Freunde von Sputnik, es ist nicht „skandalös“, den ukrainischen Präsidenten zu fragen, wie Europa der Ukraine helfen kann, mehr Russen zu töten. Das ist genau das, was gebraucht wird. Skandalös ist der Krieg eures Sponsoren Putin gegen die Ukraine.

Von einer missverständlichen Formulierung ist da keine Rede. In den hier zitierten Zeilen ist sogar nur noch von „Russen“ die Rede, nicht mehr von „russischen Soldaten“.

Ob die FAZ-Redaktion von diesen Tweets Kenntnis hat, ist längst ohnehin so unerheblich, wie das, was die „Redaktionslinie“ ist.

Tatsache ist: Die Kritik an der Frage Martens klang früh und laut an – bevor der Artikel erschienen ist. Und: Spätestens bei der redaktionellen Bearbeitung des Textes hätte die Reaktion sehen müssen, dass mit der Frage eine rote Linie überschritten wurde. Doch es gab: grünes Licht.

Was soll die Öffentlichkeit nun mit der Aussage anfangen, die Redaktion bedauere die missverständlich formulierte Frage? Zudem schiebt sie die Aussage hinterher: „Zur Pressefreiheit gehört das Recht, Fragen zu stellen, gerade auf einer Pressekonferenz.“

So sieht keine Einsicht aus. So sieht auch kein echtes Bedauern aus. Weder brauchen die Kritiker des Blatts noch die Öffentlichkeit eine Belehrung darüber, welche Rechte ein Journalist bei einer Pressekonferenz hat. Sie alle haben gut verstanden, dass die „Mehr-russische-Soldaten-töten-Frage“ eine Schande für den Journalismus ist.

Der Frankfurter Politikwissenschaftler Johannes Varwick hat aufgrund des Vorfalls öffentlich bekanntgegeben, dass er sein Abo für die gedruckte FAZ nach 35 Jahren gekündigt hat. Ein nachvollziehbare Entscheidung.

Titelbild: Screenshot FAZ Stellungnahme / Shutterstock

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