Leserbriefe zu „Vier rote Linien für die AfD“

Ein Artikel von:


In diesem Beitrag diskutiert Jens Berger über die ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ vom 24. September mit dem einflussreichen Journalisten Robin Alexander. Manchmal rutsche den dort „eingeladenen Kreuzrittern der Meinungshoheit“ auch mal ein Satz raus, der – oft unfreiwillig – mehr preisgebe, als er eigentlich sollte. Ein solcher „ehrlicher Moment“ sei in dieser Sendung (bei 1:06:30) „herausgerutscht“. Am Beispiel der italienischen Rechtspolitikerin Giorgia Meloni habe der „Großjournalist Robin Alexander“ erklärt, was es denn bei der AfD brauche, um die Brandmauer der CDU verschwinden zu lassen: „Wir wollen ein rechtskonservatives Programm, aber die EU ist eine gute Sache, die NATO hat uns geholfen, wir haben ein vernünftiges Verhältnis zu Israel und wir akzeptieren den Rechtsstaat.“ Unser Chefredakteur hat sich das näher angeschaut und kommt zu dem Ergebnis: Die Gretchenfrage der Brandmauer-Debatte sei nicht, wie es die AfD mit der EU, Israel oder dem Rechtsstaat halte. Hier seien die Differenzen zwischen CDU und AfD marginal und überwindbar. Die eigentliche Gretchenfrage sei: „Wie hältst Du es mit den USA und Russland?“.

Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten.

Wir danken für die interessanten E-Mails hierzu. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.


1. Leserbrief

Herr Alexander täuscht sich. Zukünftig sind das nicht 4 Rote Linien für die AfD, sondern 4 Rote Linien für die Union. Stimmt die Union einem AfD-Verbot zu, ist die Union logischerweise als nächste dran, verboten zu werden.

Hans-Joachim Gille


2. Leserbrief

Liebe NDS-Redaktion,

Es gibt wohl kaum eine Partei, die so viel von der “Brandmauer” profitiert hat wie die AfD. Warum sollte ausgerechnet die AfD die Brandmauer einreißen? Dazu besteht kein Grund. Die CDU hat sich “halbiert” – aus einem Landtag ist sie schon geflogen und wenn sie nicht aufpasst, fliegt sie auch aus dem Bundestag. Die FDP wird bis jetzt nicht vermisst, und die “hart arbeitende Mitte” wird die CDU auch nicht vermissen. Die meisten Menschen merken, dass Politiker nur viel heiße Luft produzieren. Dass morgen schon nicht mehr gilt, was sie heute gesagt haben und dass sie sich in Untersuchungsausschüssen meist nur auf ihre Erinnerungslücken konzentrieren.

Viele Grüße
Michael Wrazidlo


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger, sehr geehrtes NachDenkSeiten-Team

Sie reißen in diesem Artikel trotz der schon lange andauernden Brandmauerrhetorik der CDU eine interessante Perspektive auf hinsichtlich der Koalitionsfähigkeit von AfD und CDU.

Mir scheint, dass die CDU die Brandmauerpolitik in erster Linie nicht aus moralischen, rechtsstaatlichen Gründen verfolgt, wie sie immer vorgibt, sondern aus wahltaktischen Gründen. Man befürchtet durch den Wegfall dieser Position eine große Wählerschaft zu verlieren, nicht zuletzt weil man diese Brandmauer jahrelang als Qualitätsmerkmal der Partei vor sich hergetragen hat und durch die Leitmedien satisfaktionsfähig hat machen lassen. Die tägliche ja stündliche Verteufelung der AfD (“gesichert rechtsradikal” tönt es schon sehr lange aus allen Kanälen, vom Verfassungsschutz und von allen möglichen herangekarrten Experten täglich bestätigt, ) ist inzwischen eine fest verankerte kognitive Vorstellung in den Köpfen vieler vor allem CDU-Wähler in diesem Land, wenn es auch immer mehr Überläufer aus diesen Kreisen zur AfD gibt.

Wenn die CDU ihre Haltung diesbezüglich grundlegend ändern sollte, würde sie beim Wähler noch unglaubwürdiger als sie es eh schon ist.

Eine Regierungsbeteiligung der AfD würde diese Partei entzaubern. Sie lebt hauptsächlich von einem Protestpotential, also von Menschen, die mit der herrschenden Politik zutiefst unzufrieden sind, weniger vom eigenen politischen Programm. Wenn sie dann in einer Koalition mit der CDU noch Abstriche am eigenen Programm machen müsste, dann würde dies mit Sicherheit zu einer Entzauberung der AfD führen.

Insgesamt stellt sich für eine solche Koalition aber auch die Frage, inwieweit angesichts der politischen Konstellationen und der realen Machtverhältnisse, eine solche Regierung überhaupt souverän Politik machen könnte.

Fritz Gerhard


4. Leserbrief

Das hat Hand und Fuß und den Vorteil, daß jedes Wort stimmt !

Nur wird die CDU nicht die Weidel als Kanzlerin wollen, schon der zu verteilenden Posten wegen.

Vorher wird die Zusammenarbeit trotz der Brandmauer, die von unten her ohnehin aufgebrochen ist, nach oben abgetragen werden.

Dann ein Wahlkampf folgen mit den AfD Behauptungen als CDU Forderungen.

Den die CDU locker gewinnen wird, weil die AfDler zurückkommen werden.

Da muß nur das Gräslein ein wenig wachsen noch und auch die Berufspolitiker der Restsozen müssen ihre hinterletzten Wähler unter den Werktätigen noch etwas mehr betrügen.

Die Einheitsrente ist auf dem Weg, die Einheitskrankenkasse – die AOK bietet mehr Leistung als viele Ersatzkassen – weitere Privatisierung dito.

Geschont und aufgebessert wird parasitär die von gesetzlichen Lasten befreite “Mitte”, Beamte und Selbständige.

Das durchgängige Rückgrat des feudalen Klassenstaates eines Landes, das sich nie ein eigenes Regierungssystem schaffen konnte.

Weil die von Katholistan und Evangelistan seit dem Mittelalter eingepflanzte Obrigkeitsunterwürfigkeit sich weiter vererbt.

Inzwischen in Ötzidimistan so sehr wie immer schon in Untersaxen um Hännover.

Und damit der Sieg dieses Mal ein totaler, nicht mehr umkehrbarer wird, ziehen alle am selben Strang:

Die Bonzen aller Verbände, besonders die der Selbständigen, die die Mehrzahl ihrer Klasse ebenso betrügen wie die Bonzen der Gewürgschaften, die aus der sPD stammen, in Aufsichtsratssitzen den Ausverkauf der Industrie bekleideten, reich wurden und zum Krieg mithinführen.

Arbeiterführerinnen wie die DGB-Vorsitzende und die der IGM, die ein sicherlich gut bezahltes Aufsichtsratsmandat bei Rheinmetall zierte.

Die aufgeblasenen Nomenklaturen eingeschlossen.

Greiner


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