Wadephul im Flecktarn, Soldat mit Tarnfarbe im Gesicht: Beim Interview mit dem Außenminister wird ein Bild zum Zeitdokument

Wadephul im Flecktarn, Soldat mit Tarnfarbe im Gesicht: Beim Interview mit dem Außenminister wird ein Bild zum Zeitdokument

Wadephul im Flecktarn, Soldat mit Tarnfarbe im Gesicht: Beim Interview mit dem Außenminister wird ein Bild zum Zeitdokument

Marcus Klöckner
Ein Artikel von: Marcus Klöckner

Während im ntv-Studio Johann Wadephul beim Interview sitzt, spielt die Redaktion hinter ihm ein großes Bild ein. Es zeigt den Außenminister komplett im Tarnfleck, er ist umgeben von Bundeswehrsoldaten, vor ihm, hinter ihm. Ein Detail fällt ins Auge: Der Soldat, der vor ihm zu sehen ist, hat auch sein Gesicht mit schwarzer Farbe getarnt. Er ist bereit zum Kampf, bereit zum Krieg. Das Bild (ab 20:30) wird zum Sinnbild einer neuen deutschen Kriegspolitik. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Das Bild, das im Hintergrund während des Interviews auftaucht, ist ein Zeitdokument. Es dokumentiert, was längst offensichtlich ist. Die Politik der Bundesregierung trimmt das Land auf Krieg. Wadephul, mit verschränkten Armen und ernstem Blick, wirkt wie ein General, der gerade mit seinen Soldaten in die Schlacht zieht. Wadephul ist aber nicht der Verteidigungsminister. Er ist Außenminister. Das Amt des Außenministers war in der Bundesrepublik über viele Jahrzehnte von der Bereitschaft zur Diplomatie geprägt. Mit Worten, nicht mit Waffen, traten die Außenminister in Erscheinung. Die Kunst der Diplomatie, der Zurückhaltung, des Respekts – bei allen in der Tat auch nicht leichten außenpolitischen Situationen – standen im Vordergrund. Das Ziel fest im Auge war: Frieden – nicht der Krieg.

Jetzt ist alles anders. Das Bild zeigt es. Ungeschminkt – auch wenn der Soldat mit Tarnfarbe im Gesicht zu sehen ist. Diese Politik hat längst ihre Tarnung aufgegeben. Offen präsentieren sich ihre Vertreter im Kampfanzug der Soldaten, mit Flecktarn und auf dem Panzer sitzend.

Dem angepasst ist auch ihre Sprache. Die Diplomatie ist zur Farce geworden. Stattdessen lautet die Parole: kriegstüchtig!

Das Bild von Wadephul zeigt die Marschrichtung.

Mit festen Schritten schreitet diese Politik immer tiefer hinein in den Ukraine-Krieg. Und in der Konsequenz marschiert sie mit ebenso festen Schritten immer weiter in den Abgrund des Krieges. Für Deutschland wird es gefährlich.

Während die Redaktion das Bild einblendet, sagt Wadephul: „Meine persönliche Überzeugung ist schon, dass man bereit sein muss, sein Land zu verteidigen.“

Kritiklos sitzt die Interviewerin Pinar Atalay dem Außenminister bei diesen Worten gegenüber.

Wadephul mag seine Überzeugungen haben – andere haben die auch. Meine persönliche Überzeugung ist: In jedem Krieg sollten alle Politiker, die ihre Soldaten in den Krieg schicken wollen, zuerst an die Front. Ganz weit nach vorne. Jede Wette: Dann wird es keinen Krieg mehr geben.

Titelbild: Screenshot ntv

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