„Er muss schon einen dringenden Tatverdacht haben“

„Er muss schon einen dringenden Tatverdacht haben“

„Er muss schon einen dringenden Tatverdacht haben“

Valeri Schiller
Ein Artikel von Valeri Schiller

Ein neuer Skandal in Deutschland: August Hanning, Ex-Chef des Bundesnachrichtendienstes, ist festgenommen worden und befindet sich in Untersuchungshaft. Er soll einem Mitarbeiter des BND streng geheime Dokumente abgekauft haben, um die darin enthaltenen Informationen zu Geld zu machen. Vermutet wird ein massiver Verlust von Informationen, die sensibelste deutsche Interessen betreffen. Es gibt allerdings auch Stimmen, die behaupten, der ganze Skandal sei künstlich konstruiert worden. Wenn das stimmen sollte – cui bono? Eine neue Ausgabe der O-Töne. Zusammenfassung von Valeri Schiller.


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NDR am 6. Oktober 2026

„Der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes August Hanning ist am Morgen festgenommen worden. Er soll einem Mitarbeiter des BND streng geheime Dokumente abgekauft haben, um die darin enthaltenen Informationen zu Geld zu machen. Der Ausgangspunkt für diesen Spionagefall liegt in Hamburg. Hanning und seinem früheren Büroleiter wird vorgeworfen, auch nach Hannings Amtszeit mehr als 2.000 geheime Dokumente ausgetauscht zu haben. Informationen daraus habe Hanning dann an fremde Nachrichtendienste veräußert, heißt es.“

Quelle: NDR, ab Minute 0:04)


Frank Bräutigam, ARD-Journalist und Jurist, am 7. Oktober 2026

„Die Bundesanwaltschaft sagt ja, es ging um Informationen, 2.000 Dokumente, die für die Nachrichtenlage im Bundeskanzleramt, also für wichtige Sitzungen der Sicherheitsbehörden bestimmt waren. Und da geht es nicht um, ja, Dinge, von Hinz und Kunz, sage ich mal, sondern da geht es um sehr wichtige und sehr geheime Dinge.“

Quelle: Tagesschau, ab Minute 3:20)


NIUS-Chefredakteur Julian Reichelt am 7. Oktober 2026

„Dass aus dem Büro des Präsidenten mindestens seit 2012, vermutlich aber seit über 20 Jahren die geheimsten, die brisantesten, die sensibelsten Erkenntnisse abgeflossen sind, ohne dass es überhaupt irgendjemand gemerkt hat – das ist nicht nur ein Geheimdienst-Skandal, das ist auch ein absoluter Skandal der Spionageabwehr. Das darf nicht passieren. Damit hat sich Deutschland epochal in der Welt der Geheimdienste blamiert.“

Quelle: NIUS, ab Minute 5:10


Marc Henrichmann (CDU), Chef des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, am 6. Oktober 2026

„Es nervt mich tierisch, das sage ich auch mal ganz offen, dass uns solche Fälle der Vergangenheit einholen. Umso wichtiger, dass man jetzt ohne Ansehung von Amt oder Person klare Kante fährt und auch diese Fälle sehr deutlich offensiv auch verfolgt. (…)

Wichtig ist, dass wenn sich bewahrheitet, was jetzt Verdacht ist, dass die Konsequenz knochentrocken und knüppelhart ist. Das berührt sensibelste deutsche Interessen und tritt alles mit Füßen, wofür die deutschen Dienste und auch die Menschen, die für diese Dienste arbeiten, einstehen. Und deswegen muss ein klares Signal nach innen, aber auch nach außen kommen: Wir lassen uns Informationsabfluss nicht gefallen und wir kämpfen dagegen, dass er passiert.“

Quelle: WELT, ab Minute 2:33 und ab Minute 5:25)


Peter Altmaier (CDU), ehemaliger Chef des Kanzleramtes, am 8. Oktober 2026

„Dass bei einem früheren BND-Präsidenten eine Hausdurchsuchung stattfindet, dass er festgenommen wird, dass er in Haft ist – das ist doch etwas, was es so in dieser Form noch nicht gegeben hat in Deutschland. Und deshalb ist die Frage: Wie konnte das passieren? Wie konnte es passieren, dass man offenbar über viele Jahre nicht gesehen hat, dass es Sicherheitsrisiken gab? (…)

Das ist eine richtig schwere Zäsur und muss den Blick darauf lenken, was wir vielleicht in den letzten Jahren auch versäumt haben.“

Quelle: ZDF, ab Minute 4:25 und ab Minute 5:14)


Nico Lange, Politikwissenschaftler und Publizist, am 8. Oktober 2026

„Wenn der Generalbundesanwalt, wie das gerade passiert ist, einen Haftbefehl für Untersuchungshaft gegen einen ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes verhängt, dann muss er schon einen dringenden Tatverdacht haben und eine sehr, sehr handfeste Beweislage. (…)

Jetzt gibt es ja schon öffentlich zugängliche Informationen, dass es sich um Aserbaidschan gehandelt hat, wo ich sagen würde: Naja, also für die Russen von den aserbaidschanischen Kollegen Informationen zu bekommen, ist jetzt kein großes Problem. Deswegen finde ich das nicht besonders beruhigend, wenn es am Ende sich herausstellt, es wäre nicht Russland, sondern es wäre Aserbaidschan.“

Quelle: ZDF heute, ab Minute 13:41 und ab Minute 15:49)


WELT am 8. Oktober 2026

„Der ehemalige BND-Chef August Hanning hat Ex-Kanzler Scholz wegen hoher Schulden um Hilfe gebeten. In einem Brief aus dem Februar 2022 schrieb Hanning, dass er nach der Pleite einer lettischen Bank tief in den Schulden stecke. Hanning hatte dort im Aufsichtsrat gesessen, er sollte mit bis zu vier Millionen Euro haften. Scholz hatte Lettlands Regierung auf den Fall anzusprechen [sic], Hilfe habe es aber nicht gegeben. Hannings Pension soll inzwischen auch schon gepfändet worden sein.“

Quelle: WELT


Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesverfassungsschutzes a. D., am 8. Oktober 2026

„Ich bin sicher, Herr Hanning war immer ein treuer, loyaler Beamter, und ihm kam nie in den Sinn, einen Landesverrat oder eine geheimdienstliche Agententätigkeit für einen ausländischen Nachrichtendienst zu betreiben – halte ich bei seinem Charakter und so, wie ich ihn seit Jahrzehnten kennengelernt habe, für ausgeschlossen (…)

Ich bin verwundert, dass man hier, ich sage mal, mit forte fortissimo, also mit ganz großem Aufwand gegen Herrn Hanning vorgegangen ist, weil von Anfang an klar ist: Man weiß nicht, was wirklich aus dem Verfahren wird. Kann auch sein, dass letztendlich nichts daraus wird. Aber von Anfang an ist klar, dass diese Botschaft nicht nur im Bundesnachrichtendienst und in Deutschland gelesen wird, sondern im ganzen Ausland.“

Quelle: tvberlin, ab Minute 2:50 und ab Minute 18:48)


Titelbild O-Töne Nr. 99: Screenshots NDR, Tagesschau, NIUS, WELT, ZDF, tvberlin

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