25%-Renditen sind durch Wertschöpfung nicht zu erreichen.

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Im gestrigen Beitrag zu den „ehrenwerten“ Plünderern hatte ich angemerkt, die hohen Renditen, die heute von einigen Unternehmen erzielt würden und deren sich zum Beispiel der Chef der Deutschen Bank Ackermann rühme, seien nicht durch normale Wertschöpfung erreichbar. Wenn alle Unternehmen eine solche Rendite anstreben, dann würden die Zins- und Dividendenzahlungen mehr als unser gesamtes Bruttoinlandsprodukt in Anspruch nehmen, so zitierte ich einen meiner Gesprächspartner. Dieser hat mir nach Lektüre des Tagebucheintrages dankenswerterweise seine Berechnung geschickt. Albrecht Müller.

Nach offiziellen Berechnungen [PDF – 1 MB] betrug im Jahr 2005 der Kapitalstock in Deutschland 11,162 Billionen Euro. Eine 25%ige Rendite hierauf würde 2,8 Billionen Euro betragen. Das Bruttosozialprodukt [PDF – 600 KB] (= Bruttonationaleinkommen, geringfügige Differenz zum BIP) betrug aber nur 2,25 Billionen. Ergo beansprucht das “Kapital” bei einer Kapitalrendite von 25% glatte 124 % des Bruttonationaleinkommen. Das geht schon logisch nicht. Für die anderen Produktionsfaktoren wie die Arbeitskräfte bliebe ohnehin null übrig.
25% sind also allenfalls von einzelnen Unternehmen zu erzielen – aus meiner Sicht mit fragwürdigen Methoden: Mit Spekulationen und dem Verschieben von Vermögenswerten, mit einer Monopolstellung, durch Plünderung staatlicher Vermögenswerte, und so weiter. Durch unternehmerische Leistung und Wertschöpfung sind solche Renditen allenfalls in extremen Ausnahmen erreichbar – dann zum Beispiel, wenn ein Unternehmen einen großen Sprung in seiner Forschung, Entwicklung und Technik macht.

Normal sind solche Renditen nicht. Es wäre eigentlich an der Zeit, die wertschöpfende Wirtschaft würde endlich aufhören, mit glänzenden Augen auf solche Personen wie Herrn Ackermann oder die Halb-Monopolisten von der Energiewirtschaft oder die Empfänger großer staatlicher Subventionen wie die Versicherungswirtschaft schauen und statt dessen auf Normalität und damit auf fairen Wettbewerb und auch auf die Gleichbehandlung der Unternehmen durch den Staat pochen.

Für das Thema relevant sind auch mindestens zwei Auszüge aus meinem Buch „Machtwahn“, die Sie hier uns in den NachDenkSeiten finden:

  1. Wie kommt man schnell zu viel Geld?
    Auszug aus Machtwahn Seiten 268-269
  2. „Handel mit Vermögenswerten statt Wertschöpfung“
    Auszug aus „Machtwahn“ Seite 281 ff

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