Die ARD hat manipuliert, und die Medien schwiegen

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Wenn es noch eines weiteres Belegs dafür bedurft hätte, wie gleichgerichtet die deutschen Medien sind, hier ist er: Der skandalöse Umgang mit dem Putin-Interview wurde in den Online-Präsentationen der bekannten Leitmedien wie auch in den Sendungen und Printmedien kaum erwähnt. Kai Ruherst

ARD-Korrespondent Thomas Roth hatte das Interview mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin eindeutig sinnentstellend gekürzt (Details hierzu siehe z.B. bei Spiegelfechter).
Dieses Fehlverhalten der ARD ist den Online-Ausgaben der bekannten Medien (SPIEGEL, ZEIT, FAZ, FR etc.) bisher keinen Kommentar wert.*
Wie ist das zu erklären? Finden die deutschen Medien am Umgang der ARD mit dem Interview gar nichts auszusetzen? Fürchtet man den Konflikt? Ist die Berichterstattung darüber nicht opportun, weil sie nicht zur Schuldzuweisung an Russland taugt? Oder möchte man nicht eingestehen, dass die Aufklärung dieser Manipulation ein Verdienst von Bloggern ist?
Das ist nämlich die positive Nachricht: Die deutsche Blogosphäre hat einen wichtigen Erfolg erzielen können. Ohne die Aufklärungsarbeit von Bloggern wie Azot und Blogs wie Spiegelfechter, NDS und anderen hätte die inhaltlich falsche Wiedergabe des Putin-Interviews die Wahrheit in der öffentlichen Wahrnehmung ersetzen können. Erst als sich die Proteste im Tagesschau-Forum häuften, wobei wiederholt auf die Rechercheergebnisse der Blogger verwiesen wurde, gab die ARD zögernd nach. Das Interview in ganzer Länge sollte zunächst nur einmal früh morgens um 06:20 Uhr gezeigt werden. Später erst folgten eine Downloadmöglichkeit des Videos und das Transkript.
Die ARD hat sich dank der Blogger einer Gegenöffentlichkeit beugen müssen. Und die deutschen Leitmedien schweigen dazu.

Nachtrag: Nun hat auch die FR mit einer zurückhaltenden, aber korrekten Meldung reagiert: Nur neun von 30 Minuten – Putin-Interview gekürzt

Fußnote

* Das Interview des Deutschlandfunks mit Thomas Roth stellt die Ausnahme von der Regel dar. Thomas Roth nutzt die Gelegenheit allerdings, sich von der Fragestellerin weitgehend ungestört auf journalistische Freiheiten und angeblichen Zeitdruck herauszureden.

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