Jeffrey Epstein stirbt an „Selbstmord“
Jeffrey Epstein stirbt an „Selbstmord“

Jeffrey Epstein stirbt an „Selbstmord“

Ein Artikel von: Redaktion

Wer es sich mit Blick auf den Prozess gegen den Milliardär, Mädchenhändler und Minderjährigen-Vergewaltiger Jeffrey Epstein schon mit Bier und Chips vor der Glotze bequem machen wollte in der Hoffnung, bald pikante Details über die Verbrechen der politischen, gesellschaftlichen und Finanz-Elite zu erfahren, muss ernüchtert sein. Epstein, der im Verdacht steht, prominenten Bekannten minderjährige Mädchen zugeführt zu haben, hat sich offenbar in seiner Gefängniszelle das Leben genommen. Ein Streiflicht der australischen Journalistin und Bloggerin Caitlin Johnstone, übersetzt von Susanne Hofmann.

Es ist enttäuschend, kommt aber für niemanden als Überraschung: Der angeklagte Sexhändler und mutmaßliche Milliardär Jeffrey Epstein hat „Selbstmord begangen“. Die Einzelheiten zu dem Fall sind wirr und widersprechen sich. CNN berichtet, dass Epstein „um 3:30 Uhr im New Yorker Metropolitan Correctional Center einen plötzlichen Herzstillstand erlitten und in einem Bezirkskrankenhaus gestorben“ sei, und die New York Times schreibt, dass „Mr. Epstein sich erhängt hat und seine Leiche am Morgen gegen 7:30 Uhr gefunden wurde“.

Einige Berichte behaupten, Epstein hätte wegen Selbstmordgefährdung unter Beobachtung gestanden, weil er angeblich vor drei Wochen versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Damals wurde er bewusstlos und mit Druckstellen am Nacken aufgefunden. Andere wiederum bestreiten dies. Sollte man ihn nicht unter Beobachtung gestellt haben, mutet das seltsam an, weil es offensichtlich angemessen gewesen wäre. Sollte er unter Beobachtung gestanden haben, ist es auch merkwürdig, weil es nichts bewirkt hat. Gefängnisse unterscheiden sich sehr stark darin, wie genau sie es mit der Beobachtung Selbstmordgefährdeter nehmen. Als absolutes Mindestmaß hätten jedoch potentiell gefährliche Gegenstände aus der Gefängniszelle entfernt und die Überwachung des Häftlings intensiviert werden müssen. Die Strafrechts-Professorin Christine Tartaro von der Stockton Universität äußerte 2017 in einem CNN-Interview zum Thema, dass bei einer Beobachtung wegen Selbstmordgefährdung „ständige, eins-zu-eins-Überwachung der selbstmordgefährdeten Insassen erfolgen solle.“

Nachdem Epstein letzten Monat aufgrund von Bundes-Anklagen wegen Zwangsprostitution inhaftiert worden war, prophezeiten viele, dass genau das passieren würden. Einige sagten es halb im Scherz, andere meinten es ernst. Das liegt daran – wie Whitney Webb von Mint Press News jüngst in einem Artikel überschrieben mit „Mega Group, Maxwells und Mossad: Die Spion-Story im Herzen des Jeffrey Epstein Skandals“ darlegte, – dass Epstein offenbar mit komplexen Vorgängen, die sexuelle Erpressung und den Mossad involvierten, zu tun hatte und enge Beziehungen zu vielen mächtigen Menschen pflegte, darunter Donald Trump und die Clintons. Das Narrativ, wonach die Clintons einen Hang dazu haben, ihre Feinde zu „selbstmorden“, war schon eine weitverbreitete Vorstellung in rechts gerichteten Verschwörungskreisen, und viele der frühen Prophezeiungen zu Epsteins Schicksal kamen aus dieser politischen Ecke.

Doch heute kommen die skeptischen Stimmen zu Epsteins Tod aus dem gesamten politischen Spektrum, von links bis rechts und von den Rändern bis zum Mainstream.

„Menschen, die Epstein nahestanden, befürchten, dass er ermordet wurde… da Epstein den Behörden gesagt hatte, dass jemand vor Wochen versucht hatte, ihn umzubringen. Er sei in den letzten Tagen guter Stimmung gewesen, so die Beschreibung“, behauptet Carol Leonnig von der Washington Post.

Kyle Kulinski von Secular Talk twitterte, „Bill Clinton, Donald Trump, diverse Milliardäre, Wallstreet-Heinis, Hollywood-Eliten und Mitglieder der königlichen Familie atmen auf. Zufällig war er ja in schmutzige Geheimnisse eines jeden mächtigen Dreckskerls eingeweiht, wie überaus praktisch!“

„Wenn Epsteins Tod derzeit noch untersucht wird und bisher niemand erklären kann, wie er sich getötet hat, warum berichten die Mainstream-Medien dann so, als ob es sich eindeutig um Selbstmord handele? Selbst das FBI nennt es „anscheinend Selbstmord“, twitterte der Journalist Max Blumenthal.

„Wie kommt es, dass Epstein nicht so intensiv wie nur irgend möglich beobachtet wurde???“, twitterte der Journalist Michael Tracey.

„Skandalös. Ich habe die Selbstmord-Ermittlungen des US-Justizministeriums überwacht. Experten werden Ihnen sagen, dass Selbstmorde von Gefängnisinsassen grundsätzlich immer vermeidbar sind. Wenn so etwas also trotzdem passiert, ist dies ein schwerwiegendes Versagen des Gefängnisses “, twitterte der Menschenrechtsanwalt Sam Bagenstos.

„Irgendwas stinkt an dieser Situation“, so der Rechtsanalyst Rikki Klieman heute gegenüber CBS. „Da hat also jemand einen Selbstmordversuch unternommen, steht deshalb unter Beobachtung und schafft es trotzdem, sich das Leben zu nehmen? Da werden Köpfe rollen von der Gefängnisbehörde zum [Metropolitan Correctional Center], denn in so einer Situation wissen Sie nicht, ob es sich um einen Selbstmord oder um etwas anderes handelt. ”

Wieder andere blöken natürlich völlig grundlos etwas von Russland.

„Ein Typ, der Informationen hatte, die das Leben reicher und mächtiger Männer zerstört hätten, stirbt schließlich in seiner Gefängniszelle. Wie vorhersehbar… russisch“, twitterte Joe Scarborough von MSNBS und erntet Tausende Retweets und zehntausende Likes.

Diese Story ist irre. Ich persönlich, das ist verbürgt, habe all jenen auf beiden Seiten des Meinungskorridors widersprochen, die behaupten, dass der Epstein-Skandal zu Massenverhaftungen extrem mächtiger Menschen in Washington führen würde. Denn der Sumpf schützt sich selbst. Wir sehen das heute deutlicher denn je. Was auch immer in dieser Gefängniszelle passiert ist, es hat einige widerliche Sumpfungeheuer sehr glücklich gemacht.

„Jeffrey Epsteins Selbstmord beendet das Strafverfahren gegen ihn, weil niemand sonst angeklagt wurde”, twitterte der ehemalige Bundesanwalt Renato Mariotti und fügte hinzu, „Epsteins Tod bedeutet, dass es kein öffentliches oder andere Verfahren geben wird, das Beweise seines Fehlverhaltens aufdecken könnte. Beweise, die unter Strafandrohung einer Grand Jury gesammelt werden, werden der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht. ”

Titelbild: asiandelight/shutterstock.com

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