Leserbriefe zu „Hauptsache Gesund? Von Jörg Phil Friedrich“

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In diesem Beitrag weist Jörg Phil Friedrich darauf hin, dass Redeformeln wie „Bleiben Sie gesund!“ lediglich „deshalb zur mantraartigen Beschwörung in Pandemie und Lockdown werden, weil sie uns schon lange vertraut“ sind. Jörg Phil Friedrich appelliert: Es müsse darüber gestritten werden, „was wirklich eine Hauptsache ist.“ Dazu zählt er z.B. „die Gefahren der sozialen Distanzierung“ sowie die „faktische Einschränkung des Demonstrations- und Versammlungsrechts“, weil „Mitmenschlichkeit und Zusammengehörigkeit … auf lange Sicht physische, leibliche Nähe“ brauche. Zu diesem Beitrag sind einige Leserbriefe gekommen. Danke vielmals. Hier nun eine Auswahl. Zusammengestellt von Christian Reimann.


1. Leserbrief

Lieber Herr Friedrich,
liebe Redaktion,
 
vielen Dank für Ihren Artikel.
 
Schon seit einiger Zeit ist sich gegenseitig “Gesundheit wünschen” für mich nur noch eine Floskel. Denn der Begriff “wünschen” suggeriert, dass Gesundheit Schicksal ist und man selbst keinen Einfluss darauf hat. Denn es ist natürlich sehr einfach, die Verantwortung für seine Gesundheit dem Schicksal zuzuschieben. Wenn man sich die Statistik der Todesursachen in Deutschland anschaut (z.B. hier), sieht man, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die Spitzenreiter sind. Erste fallen nicht über die Jahre vom Himmel, sondern sind das Ergebnis von schlechter Ernährung, mangelnder Bewegung und noch vielem mehr. Ist das also Schicksal, wenn man daran erkrankt oder ein Fall von “selbst Schuld”? Auch zum Thema Krebs gibt es Studien die darauf hindeuten, dass diese Krankheit durch unsere westliche Lebensweise mindestens begünstigt wird. Natürlich ist das alles nicht schwarz/weiß und es gibt Faktoren, die man tatsächlich nicht beeinflussen kann, aber das ist wahrscheinlich nur eine Minderheit.
 
Ein gutes Immunsystem kann man sich erarbeiten, nur ist es halt das, was schon das Wort sagt, Arbeit. Aber kein Schicksal. Gerade in Zeiten wie jetzt sollte doch jeder zuerst einmal an seiner eigenen Gesundheit arbeiten, sein Immunsystem stärken, gesünder leben und erst als zweiten Schritt (oder höchstens parallel) von anderen verlangen, sie sollen einen (durch z. B. Maskentragen) schützen. Statt dass der Staat in wahrscheinlich teuren Kampagnen dazu aufruft, die Bürger sollen auf der Couch bleiben und Fastfood essen, hätte man das Geld z.B. für eine kostenfrei Online-Platzform mit Sportkursen und Ernährungsempfehlungen aufwenden können. Fitnesstrainer und Köche sind derzeit wahrscheinlich für jeden Auftrag dankbar und man hätte mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
 
Egal, wie man es dreht und wendet, an einem wirklich gesunden Bürger hat der Staat kein Interesse, die Pharmalobby ist wohl zu stark und verdient gutes Geld an kranken Bürgern. Warum sollte also jemand – außer mir selbst – an meiner Gesundheit Interesse haben? Dafür wäge ich Aufwand, Risiko und Nutzen ab und entscheide, was ich tue oder lasse. Ich entscheide, wie gesund oder ungesund ich lebe (das Wissen “Wie”, ist da) und muss dafür die Konsequenzen tragen. Gesundheit ist kein Glück oder Schicksal, sondern die Summe seiner Entscheidungen und das wird leider viel zu oft verdrängt.
 
Mit besten Grüßen
C. Schnabel


2. Leserbrief

Vielen Dank für diesen Beitrag und die hervorragende Arbeit des NDS- Teams. Auch ich sehe als Hauptproblem die zunehmende Aggressivität in der zerbröselnden Gesellschaft an. Alle Maßnahmen des Corona-Kabinetts sind auf die Zerstörung der Gesellschaft gerichtet und haben mit einer gesunden Gesunderhaltung nichts zu tun. Wir leben ( und sterben  ) seit Jahrtausenden mit jährlichen Grippewellen und haben auch andere Infektionskrankheiten mit unserem Immunsystem gemeistert. Wären wir wirklich als Mensch so empfindlich, wie man uns einreden möchte, wären wir nie 8 Milliarden geworden! Es wird Zeit, dass der Verstand zurückkehrt und wir uns vom Gedanken der Unsterblichkeit verabschieden. Jeder einzelne Tod ist persönlich tragisch aber gehört zum Leben. Menschen sind Menschen und Gesellschaftsmitglieder und keine Infektionsrisiken. Wo sind wir denn hingeraten? Wir brauchen funktionierende Gesellschaften mit Freiräumen, um ganzheitlich gesund zu bleiben.

Mit freundlichen Grüßen
Jörg Pliquett


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Friedrich,
 
ich habe mich sehr über Ihren Artikel gefreut.
Geht es mir doch, insbesondere in den letzten Jahren immer häufiger so, dass ich, ja ich würde sagen, ein Unbehagen dabei habe, wenn jemand im privaten Kreis den Nachsatz, „Gesundheit sei das Wichtigste“, oder, „ohne Gesundheit sei alles nichts“ sagt. Gemeint ist oft, so glaube ich jedenfalls, Gesundheit sei wichtiger als alles Geld. Dem stimme ich grundsätzlich zu, auch wenn man sich wiederum mit Geld Gesundheit im gewissen Maße erkaufen kann. Sie haben zwar keinen genauen „Sender“ der Floskeln benannt, meinen aber wohl die politisch Verantwortlichen, oder? Sehr lesenswert haben Sie dennoch aufgezeigt, woher das kommt und wohin das führt. Ihnen gebührt dafür doppelter Dank, weil es bestimmt nicht gerade einfach ist, in dieser aufgeladenen Zeit den Wert der Gesundheit zu relativieren und neben andere lebenswerte Güter zu stellen und nicht über sie.
 
Einen kleinen Einwand habe ich dennoch: Das der Genuss einzelner Güter des täglichen Lebens Gesundheit quasi voraussetzt dürfte unstreitig sein. Damit meine ich nicht, dass nur die Gesunden ein glückliches Leben führen können. Aber, wenn man krank und somit eingeschränkt ist, ist doch der Entfaltungsradius und die Teilnahme am gesamten Leben zwangsweise eingeschränkt. Deshalb betrachte ich die persönlichen Gesundheitswünsche nicht nur unter dem von Ihnen niedergeschriebenen Aspekt, sondern auch, als ehrlichen Wunsch eines Einzelnen, ohne („Hinter“-) Gedanken ans Gesundheitssystem. Auch wenn wahrscheinlich der noch so privateste (Gesundheits-) Wunsch eines Freundes, einer Freundin, oder eines Familienmitgliedes wahrscheinlich auch (jedenfalls im Unterbewusstsein) was mit demjenigen selbst zu tun hat. Man möchte möglichste selbst gesund bleiben. Diese Tatsache schmälert den Wunsch des Gegenüber und meine Freude darüber dennoch nicht, jedenfalls nicht so sehr, dass ich ihn ausschließlich als gedankenlose Floskel abtun würde. Schließlich ist ein Gesunder eher in der Lage soziale und tatsächliche Kontakte wie bei Ihnen beschrieben zu pflegen, wenn sie dann möglich sind. Hier sind wir wieder bei Ihrem Artikel für den ich mich nochmal sehr bedanke.
 
An dieser Stelle möchte ich eine herzlichste Gratulation an das (Müller-) Team der Nachdenkseiten für das Geleistete aussprechen. Gut und wichtig, dass es Sie gibt – weiter so!
 
Ihnen allen wünsche ich trotz der Widrigkeiten eine entspannte, besinnliche und freudvolle Adventszeit.
 
Freundliche Grüße von der Nahe
Alexander Kessler


4. Leserbrief

Liebes NDS-Team,

wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung ginge, so würde man doch entschieden anders handeln müssen.

Das Wortbild von Monsieur Macron , „Wir sind im Krieg“(mit dem Virus) aufgegriffen, bedeutet das: Unsere Streitkräfte sind auf Anordnung der Heerführer unbegründet permanent auf der Flucht. Natürlich darf man Kranke, Schwache und Alte nicht an die vorderste Front schicken, sondern sollte diese eher besonders beschützen und absichern. Ansonsten würde das deren Tod und die Niederlage in besagtem Krieg bedeuten. Jedoch haben wir massenhaft beste Krieger in Form von gesunden starken Immunsystemen, die wir eher stärken, als durch krankhafte Maßnahmen wie Sportverbot, Saunaschließungen, Angst- und Panikpropaganda und Hausarrest u.s.w. schwächen sollten. Aber jedes Aufeinandertreffen mit dem Feind wird möglichst unterbunden. Für diese starken „Krieger“ ist der Virus in der Regel keine große Herausforderung. Mit der Herdenimmunität wäre der Sieg so gut wie erreicht. Diese wird bei dieser Strategie jedoch als wissenschaftlich höchst umstritten propagiert. Wenn es aber, um beim Macronschen Wortbild zu bleiben, um die völlig neuartige, unerprobte und den Feind definitiv zerstörende (nebenbei höchstprofitable) Wunderwaffe geht, bemüht man eben diese Herdenimmunitätsstrategie. Für eine Immunisierung durch Impfung wird jedoch auch ein intaktes Immunsystem benötigt, ansonsten sind die sowieso unabsehbaren Nebenwirkungen noch verheerender.
An welche kranken Ideen erinnert mich doch bloß diese Sache mit der „Wunderwaffe“ ? Vielleicht fällt es jemanden ein.

Mit den besten Grüßen von Ihrem Leser I:D:

P.S. Bei diesen dramatischen hohen „Fallzahlen“ müsste doch aber sowieso gefühlt schon fast jeder mindestens 1 bis 8mal „Corona“ gehabt haben, also immun sein, oder ?


5. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

mit Gewinn habe ich Jörg Phil Friedrichs gestrigen Artikel gelesen. Die Frage, was die Hauptsache im Leben ist, legt schonungslos offen, wie verlogen die derzeitige Vorgehensweise von Politik und Medien ist. Wenn Gesundheit die Hauptsache wäre, dann gäbe es so etwas wie Hartz IV, das auf jeden Fall die psychische und zumeist auch die physische Gesundheit angreift, gar nicht möglich. Es bleibt jedoch offen, warum Medien derart bei dieser Orwelle’schen Gesundheits-Propaganda mitmachen und die meisten Bürgerinnen und Bürger das über sich ergehen lassen.

Ich schätze, dass es dafür zwei Gründe gibt. Zum einen sind weite Teile des Journalismusbetriebs Abkömmlinge des Bürgertums, also einer gesellschaftlichen Schicht, die seit 1848, spätestens seit 1871 versucht hat, sich den ärmeren Teil der Bevölkerung vom Hals zu halten. Im Alltag funktioniert das aufgrund unseres Wirtschaftssystems sehr gut. Auch lassen sich arme Menschen durch Mieten sehr leicht in für sie vorgesehene Stadtgebiete vertreiben (vor diesem Hintergrund ist auch die Gentrifizierung zu sehen). Das Problem bei Covid-19 ist jedoch, dass sich diese Krankheit, die dem Bürgertum schonungslos die eigene Sterblichkeit vor Augen hält, nicht einfach so durch Geld oder seinen Einsatz verdrängen lässt. Egal, wie sehr man sich von Arbeitenden oder Vor-Ort-Dienstleistenden zurückzieht, solange man sich nicht zu jeder Zeit isoliert, ist die Gefahr der Ansteckung da. Insofern erinnert SARS-CoV-2 unsere Eliten (und Journalisten zähle ich dazu) auch daran, dass sie nur ein Teil der Gesellschaft sind, nicht die Gesellschaft selbst. Ein krachender Schlag gegen das Selbstverständnis dieser Menschen.

Zum anderen denke ich, dass viele Leute das mitmachen, weil die Art und Weise der Berichterstattung eingeübt ist. Nach jedem Terroranschlag gibt es Live-Blogs, Bulletin-Boards und Sondersendungen zuhauf. Das Empörungs- und Aufregungslevel ist hoch und es wird alles in Grund und Boden geredet, wobei Lösungen, die eine Änderung unseres Wirtschaftens beinhalten, geflissentlich beiseite gelassen werden. So ist es jetzt auch bei Corona. Der Unterschied ist, dass Empörung und Aufregung jetzt nicht so schnell nachlassen. Ich nehme an, dass aus Sicht des Bürgertums jede Infektion einen Terroranschlag auf seine Ordnung darstellt und somit jeder Maskenverweigerer oder Maßnahmenskeptiker ein potentieller Terrorist ist. Dieser Vergleich würde zumindest erklären, warum mainstreammedial mit aller Härte gegen jeden vorgegangen wird, der andere Meinungen als die der Regierung verlautbaren lässt. Es ist, wenn ich mir zum Beispiel den Umgang mit Michael Lüders anschaue, bei der Eindordnung von bspw. islamistischem Terrorismus ähnlich.

Liebe Nachdenkseiten, bitte bleiben Sie auch in den kommenden 17 Jahren so kritisch und differenziert wie bisher.

Alles Gute
F. Engel


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