Cell Broadcasting scheint ein brauchbares Warnsystem zu sein

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Das hatte ich am 23. Juli verneint. Zunächst machte der NachDenkSeiten-Leser Wolfgang Klein darauf aufmerksam, dass dies eine Fehleinschätzung war. Dann auch noch weitere Leserinnen und Leser. Wegen der darin enthaltenen Informationen geben wir Ihnen zwei Mails zur Kenntnis. Der Fehler war dadurch entstanden, dass in meiner Quelle Cell Broadcasting mit SMS verbunden worden war und ich versäumte, dies nachzuprüfen. Albrecht Müller.

Sehr geehrter Herr Müller,

zu Ihrer Bemerkung bezüglich Smartphones, SMS und Cell Broadcasting muss ich Ihnen eine kleine Korrektur zukommen lassen:

CB ist ein Dienst, der mit SMS nichts zu tun hat. Er funktioniert selbst auf den ältesten Mobiltelefonen und benötigt keine App. Im Falle eines Notfalls wird an alle in einem Mobilfunkmast eingebuchten Telefone, unabhängig vom Alter, Betriebssystem und Telefonanbieter, ein Signal geschickt, das diese Telefone selbst im Stumm-Modus aktiviert und einen lauten Alarm ertönen lässt. Je nach Größe und Fähigkeit der Anzeige wird gleichzeitig ein Text mit dem Grund für den Alarm im Vollbildschirm dargestellt.

Dieses System ist in anderen Ländern bereits seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz.

Wenn in einer Menschenmenge plötzlich alle Telefone, egal wie alt oder neu, denselben Alarm wiedergeben, erregt das genau dieselbe Aufmerksamkeit wie eine Sirene. Und der Alarm und das Vibrieren ist so laut, das es auch Gehörgeschädigte wahrnehmen können. Außerdem ist damit sichergestellt, daß mindestens ein Bewohner pro Haus oder Wohnung den Alarm bemerkt und Nachbarn warnen kann.
Mit freundlichen Grüßen,
Wolfgang Klein

Hallo Herr Müller,
Ihr Artikel ist schon etwas her, aber auch als Nachzügler möchte Ihnen kurz ein paar Punkte zu Cell Broadcast näher bringen.

  • Erstens handelt es sich nicht um SMS, sondern einer vollkommen eigenständigen Übertragungstechnologie.
  • Die Übertragung gelingt in vollkommen überlasteten Netzen da kaum Ressoucen benötigt werden.
  • Nina und Katwarn, was kaum jemand installiert hat, sind in überlasteten Netzen eh nutzlos.
  • Die Empfänger können abhängig vom Standort (Funkmast/Funkzelle) gezielt und anonym angesprochen werden.
  • Die wenigsten Menschen kennen Sirenencodes. Per Cell Broadcast können exakte Informationen/Anweisungen übertragen werden.
  • Es ist mit keiner anderen vorhandenen(!) Technologie möglich über 90% der Bevölkerung zu erreichen.
  • Der Warntag hat gezeigt wieviel % der Bevölkerung momentan erreicht werden… 5%? Wenn überhaupt. Und dabei wurden die verfügbaren Sirenen verwendet.
  • Cell Broadcast ist vorhanden und muss nur durch die Betreiber genutzt werden. Der Invest kann nicht groß sein, außer die Betreiber wollen mal wieder den Staat schröpfen und man lässt sie gewähren.
  • Jedes Handy seit den 90ern unterstützt Cell Broadcast.
  • Es ist kein Smartphone nötig, nur GSM. Selbst mein 90 jähriger Opa hat ein Handy.
  • Natürlich erreicht man nicht alle Personen. Das wäre mit Sirenen nicht anders. Allerdings würde ein Satz wie “Informieren Sie umgehend Ihre Nachbarn” im CB, das Problem bei genügender Abdeckung leicht umgehen. Dies ist per Sirene nicht möglich.
  • Der Klingelton kann per CB aktiviert werden, auch wenn der Handy Ton stumm ist.
  • Selbst ohne Strom ist es auf alten Handys mit längeren Akkulaufzeiten problemlos möglich eine Woche Informationen empfangen zu können.
  • Die AG-Kritis empfiehlt Cell Broadcast und es wird in vielen Ländern weltweit erfolgreich eingesetzt.
  • Die analogen Telefonnetze sind größtenteils nicht mehr existent und somit keine Alternative.

Ich verstehe nicht warum wir diese günstige, standardisierte, anomyme und großflächige Alarmierungstechnologie nicht schon seit Jahrzehnten haben. Von mir aus natürlich zusätzlich zu (funktionierenden) Sirenen.

Schönen Gruß,
H.L.

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