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Der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Peter Frey wird „Fellow“ des von Bertelsmann getragenen „Centrums für Angewandte Politikforschung“

Verantwortlich:

Nach dem beim ZDF üblichen Links-Rechts-Strickmuster gilt Peter Frey neben seinem Stellvertreter, dem Merkel-Fan und christlich-konservativen Peter Hahne, im Sinne der „Ausgewogenheit“ des Senders, als der „Linke“ im ZDF-Hauptstadtstudio. Was aber beim ZDF als „links“ oder „links-liberal“ gilt, kann man daran ablesen, dass Peter Frey jüngst vom langjährigen Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung und deren außenpolitischem Arm, CAP-Direktor Werner Weidenfeld, zum „Fellow“ geadelt wurde.

„Die Verleihung der C·A·P-Fellowships 2006 setzt die Tradition der Netzwerkbildung am Centrum konsequent fort“, heißt es in der Pressemitteilung ganz unverhohlen. Peter Frey ist also jetzt auch ganz offen im Netzwerk der Bertelsmann-Stiftung gefangen.

Peter Frey hat beim CAP-Direktor Weidenfeld promoviert und er wurde u.a. deshalb geehrt, weil er für das vom CAP herausgegebene „Jahrbuch der europäischen Integration“ Beiträge verfasste und – man höre und staune – „als Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios … eine Verfilmung von Zukunftsszenarien der EU“ anregte, „die am C·A·P entwickelt wurden.“ So wäscht also eine Hand die andere: Das ZDF verfilmt Zukunftsszenarien, die am CAP entwickelt wurden, und das CAP zeichnet den dafür Verantwortlichen im ZDF aus: Netzwerkbildung nennt man das eben.

Man muss ja dem CAP für seine Offenheit dankbar sein, denn offener kann man die Unabhängigkeit von leitendem journalistischem Personal in einem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender nicht in Frage stellen. Hätten wir etwa von den NachDenkSeiten behauptet, die Beiträge von Peter Frey – etwa seine Interviews mit den Berliner Spitzenpolitikern in „Berlin direkt“ – seien politisch so eingefärbt, dass man ihn als einen im Netzwerk der Bertelsmann-Stiftung Ge- und Befangenen betrachten muss, dann hätte man uns mal wieder mal als „Verschwörer“ kritisiert.

Nun mag man immer noch einwenden Professor Weidenfeld sei als Inhaber des Lehrstuhls für Politische Systeme und Europäische Einigung am Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und gleichzeitig Direkter des Centrums für angewandte Politikforschung (CAP) eine unabhängige „wissenschaftliche Institution“. Um aber die Abhängigkeit von Bertelsmann auf einen Blick zu erkennen muss man sich nur einmal die Publikationsliste des CAP ansehen. Nahezu alle Veröffentlichungen sind von Bertelsmann herausgegeben, gedruckt und – aller Wahrscheinlichkeit nach – auch gefördert. Die Mehrheit der CAP Mitarbeiter sind ohnehin zugleich Mitglieder der Bertelsmann Forschungsgruppen.

Wer die politische Linie dieser Stiftung beobachtet, kann davon ausgehen, dass dort kaum Positionen vertreten werden, die nicht mit der Mission von Bertelsmann übereinstimmen.

Weidenfeld ist mit seinem „neutralen“ Renommee einer der wichtigsten „Strippenzieher“ für das Netzwerk der Bertelsmann-Stiftung. Kaum ein Entscheidungsträger, dem das Gedankengut der Stiftung nahegebracht werden soll, kann sich seinen Einladungen zu Arbeitstreffen, Wochenendseminaren, Expertengesprächen, Symposien, Konferenzen oder Sommerakademien entziehen und es gibt kaum einen renommierten Tagungsort wohin Weidenfeld nicht einlädt, vom Hotel Petersberg bis zum „Weltsaal“ im Auswärtigen Amt.

Wer Genaueres über das Wirken des CAP und Professor Weidenfeld und ihrem Zusammenwirken mit Bertelsmann nachlesen möchte, dem empfehlen wir: Frank Böckelmann, Hersch Fischler, Bertelsmann. Hinter der Fassade des Medienimperiums, Eichborn 2004

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