• Beim Erscheinen eines neuen Artikels erhalten Sie eine Benachrichtigung per E-Mail.

„Das heilige Versprechen“ – eine ernüchternde Analyse von Frank Schirrmacher

Verantwortlich:

Am 25. November erschien in der FAS ein lesenswerter Essay des FAZ-Herausgebers. Hier die Einführung zum Text im Netz: „Im Zeitalter des Internets kann jeder alles sein, Verleger, Autor, Journalist. Jeder kann partizipieren, jeder Geld verdienen. Das ist das Mantra. Keine dieser Aussagen stimmt. Trotzdem werden sie weiter nachgeplappert. Wer profitiert eigentlich von dieser Ideologie?“ Der Text löste wie zu erwarten Reaktionen aus, positive und kritische. Von Albrecht Müller

Erstaunlich ist, wie sich Wolfgang Michal in Carta mittelbar daran festbeißt: „Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex“. Er stürzt sich auf die „Abrechnung mit Apple. Das Nordkorea der Konsumwelt“ von Hajo Schumacher bei SPON und versucht damit indirekt auch Schirrmachers Text zu treffen. – Wer für Michal dann noch eine Verstärkung sucht, findet diese bei Marcel Weiß gleichfalls am 5. Dezember 2012 mit dem Titel „In Kalifornien steht der Feind, der unser schönes Leben bedroht“.

Ich finde diese Debatte erstaunlich abwegig. Dem Essay von Schirrmacher wird sie jedenfalls nicht gerecht. Auf den Beitrag von Michal weise ich wegen seines Versuchs der Verharmlosung des Wirkens und Verhaltens von Apple, Google und Facebook hin.

P.S.: In der Debatte um das Internet, die amerikanischen Großkonzerne und die Folgen für andere Gewerbe und die Konsumenten fehlt mir ein Element. In der Sprache des Ökonomen:

Wer A (Markt) sagt, muss auch B (Wettbewerb) sagen. Wenn der Markt nicht funktioniert, muss man auf andere Lösungen sinnen. Gilt das beim Internet nicht? Seltsam. Wer den Markt für ein einigermaßen effizientes Organisationsprinzip des Wirtschaftens hält, der muss nach herkömmlicher Theorie auch dafür sorgen, dass der Wettbewerb erhalten bleibt und sich nicht in Monopolen und Oligopolen auflöst. Und wenn eine Produktion – wegen der „Unteilbarkeit“ z.B. des Netzes – nichts anderes zulässt als Monopole, dann funktioniert der Markt nicht, dann muss man diese Produktion eines Gutes/einer Dienstleistung normalerweise in öffentliche Regie übernehmen.

Weil ich als Ökonom dies so gelernt habe und es sogar für richtig halte, überkommen mich angesichts der Situation im Internet mit den Quasi-Monopolisten Google, Microsoft, Facebook, Apple, usw. Zweifel. Sie ernten Milliarden an Monopolrenten und bedrohen obendrein unsere Persönlichkeitsrechte. Eigentlich ein nicht haltbarer Zustand. Aber wir sind ohn-mächtig.

nach oben

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!

Online spenden
Fördermitglied werden

Vorheriger Beitrag: Veranstaltung mit Jens Berger heute in Leipzig

Nächster Beitrag: Transparencys Rankingsabsturz von Griechenland: Irreführend! Mindestens aus dreierlei Gründen.