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4. Dezember 2016
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Hinweise des Tages II

Veröffentlicht in: Hinweise des Tages

Hier finden Sie einen Überblick über interessante Beiträge aus anderen Medien und Veröffentlichungen. Wenn Sie auf “weiterlesen” klicken, öffnet sich das Angebot und Sie können sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (JW/WL)

Hier die Übersicht; Sie können mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:

  1. Angela Merkel
  2. SPD
  3. Wahlkampftheater: Geheimdienstkontrolleure als Selbstdarsteller
  4. Die überschätzten Lohnstückkosten
  5. Braucht der Markt Moral? Oder hat er sie sowieso?
  6. Krise hautnah: Spanische Familien im Abwärtsstrudel
  7. Ulrike Herrman: Das kleine Plus ist nicht viel wert
  8. Weste: weiß – Papier: geduldig
  9. Löcher im Netz
  10. Wenn Natur zur Ersatzreligion wird
  11. Ehrenamt als Lückenbüßer
  12. Das Wohlwollen der Bundesregierung
  13. „Gerechtigkeit“ – das Thema unserer Zeit
  14. Es sind Zimmer frei – Kroatien, ein Land auf Selbstsuche
  15. Machen´s halt Ihr Fenster zu!
  16. Quo vadis Studienqualität?
  17. Der hessische Sozialindex in der Kritik

Vorbemerkung: Wir kommentieren, wenn wir das für nötig halten. Selbstverständlich bedeutet die Aufnahme in unsere Übersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese Übersicht für hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese Möglichkeit der schnellen Information hin.

  1. Angela Merkel
    1. Rhetorikanalyse: Für wie dumm hält Frau Merkel ihr Volk?
      Die Worte der Kanzlerin sind linkisch, hilflos und fahrlässig – der Sprachkritiker Fritz J. Raddatz über die, nun ja, Redekunst der deutschen Regierungschefin Angela Merkel.
      Quelle: Stern

      Anmerkung unserer Leserin I.H.: Treffend – sowohl rhetorisch als auch inhaltlich. Die Worthülsenpolitikerin wird als solche benannt. Wo passiert das sonst in den Medien? Der Stern erstaunt!

    2. Jubeljournalismus: Medialer Hofknicks für Angela Merkel
      Eigentlich sollten Medien ihren Regierenden streng auf die Finger schauen. Berichterstattung über Angela Merkel ähnelt aber selbst im Wahlkampf eher einem Stichwortgeben und Verlautbaren.
      Quelle: Cicero
    3. Bundeskanzlerin Angela Merkel agiert vor einer optimalen publizistischen Kulisse
      Warum wird Angela Merkel so positiv dargestellt? Thomas Leif hat mit Lutz Hachmeister über den Medien-Wahlkampf und dessen journalistische Begleitung gesprochen. […]
      Insgesamt sei eine „innenpolitisch diverse Auseinandersetzung“ verloren gegangen, eine „Ermüdung, eine Abkehr von politischen Prozessen“ im Journalismus festzustellen. Alles ist in „einer müden Suppe gelandet“.
      Auch die öffentlich-rechtlichen Programmanbieter setzten hier keinen Kontrapunkt. Sie haben nur noch eine „visuelle Präsenz, spielen aber keinerlei politische Rolle“. „Inhaltlich-politisch im Sinne einer kritischen Reflexion sind sie tot.“ Politiker seien mit diesem Zustand „ganz zufrieden“. Für sie ist es attraktiv, wenn sie „nicht so sehr drangsaliert werden“, wenn Journalisten „das Mikrofon statuarisch hinhalten“. Schuld an dieser Entwicklung sei aber auch eine Opposition, die „so schwach ist, wie nie zuvor“. Mit Hannelore Kraft als politischer Herausforderin würde die Lage wahrscheinlich anders ausschauen.
      Quelle: Carta
  2. SPD
    1. „Die SPD will keine linke Politik“
      Stellvertretende Linken-Chefin wirft SPD vor, sich weiterhin den Interessen der Wirtschaft unterzuordnen. Sahra Wagenknecht im Gespräch mit Marietta Schwarz.
      Quelle: Deutschlandradio Kultur
    2. Die Linke lockt
      Glauben Sie den Dementis nicht: SPD und Grüne wollen mit der Linken nach der Wahl an die Macht. Warum auch nicht?
      Quelle: Wirtschaftswoche

      Anmerkung unseres Lesers H.R.: Tichy leistet hier mit seinen kruden Anwürfen und Behauptungen gehörig Flankenschutz für die geistfreie Attacke auf das vermeintlich schon ausbaldowerte Rot-Rot-Grüne Machtbündnis. Besonders albern und obszön realitätsverdrehend ist folgende Behauptung über die jüngere Funktionärsschicht der SPD: „…so fanatisch glaubt sie an die Autosuggestion vom drohenden Neoliberalismus, dass sie die Gemeinsamkeit der Demokraten verlässt.“ Soso, da bilden wir uns die Grausamkeiten des Neoliberalismus bloß ein. Wir sind Opfer einer fanatischen und kollektiven Autosuggestion. Erstaunlich, auf welch erbärmlichen geistigen Niveau man die eigenen Leser für dumm verkaufen kann. 5 Euro im wöchentlichen Einzelverkauf. Ich würde mein Geld zurückverlangen, zuzüglich Schmerzensgeld für diese Beleidigung auch eines unterdurchschnittlichen Intellekts.

  3. Wahlkampftheater: Geheimdienstkontrolleure als Selbstdarsteller
    Die Kanzlerin möchte die Befugnisse des Parlamentarischen Kontrollgremiums also noch ausweiten. Klingt einleuchtend, geht aber an der Wirklichkeit vorbei: Denn die Hauptverantwortung für die Geheimdienste liegt immer noch im Bundeskanzleramt und damit bei ihr selbst. Mit ihrer Forderung nach mehr Kontrolle für die Dienste bringt Angela Merkel sich also geschickt aus der Schusslinie. Eine Taktik, mit der sie übrigens nicht alleine dasteht …
    Quelle: Das Erste.de Kontraste
  4. Die überschätzten Lohnstückkosten
    Die Lohnstückkosten gelten zu Unrecht als entscheidendes Maß für die Wettbewerbsfähigkeit. Ökonomen bemängeln, dass sie wichtige Aspekte ausblenden. Zudem sind sie anfällig für Wechselkursschwankungen. […]
    Dass die Lohnstückkosten ein problematischer Indikator sind, ist unter Ökonomen weithin bekannt. So haben etwa Jesus Felipe und Utsav Kumar von der Asiatischen Entwicklungsbank festgestellt: „Es gibt historisch keine Beziehung zwischen Wachstum und Lohnstückkosten.“ Das ist in der Ökonomie als das Kaldor-Paradoxon bekannt.
    Außerdem beeinflusse gesamtwirtschaftlich gesehen die Lohnhöhe die Nachfrage, so Felipe und Kumar. Wer behaupte, man müsse nur die Löhne senken, um zusätzliches Wachstum zu erzeugen, ignoriere das. Für einen Autohersteller, der die Lohnstückkosten senken will, spielt das kaum eine Rolle, für eine ganze Volkswirtschaft aber schon.
    Die beiden Forscher stellen fest, dass vor der Krise fast überall die Gewinne stärker zulegten als die Löhne. Wenn jetzt aber die Lohnstückkosten gesenkt werden, führt das fast definitionsgemäß zu einer weiteren drastischen Verschiebung der Verteilung zugunsten der Kapitaleinkommen. Die EU-Kommission prognostiziert für Griechenland 2014 nur noch eine (bereinigte) Lohnquote von 47 Prozent, fast zehn Prozentpunkte niedriger als 1999 – und zwölf Punkte niedriger als in Deutschland.
    Quelle: Handelsblatt
  5. Braucht der Markt Moral? Oder hat er sie sowieso?
    Ohne Moral könnten Märkte gar nicht bestehen, glaubt der Philosoph Axel Honneth. Trotzdem reicht ihm die Sozialpolitik nicht.
    Quelle: Fazit – das Wirtschaftsblog
  6. Krise hautnah: Spanische Familien im Abwärtsstrudel
    Das ist Clotilde Alonso García. Sie ist 47 Jahre alt und arbeitet Vollzeit als Sekretärin in einer Schule. Am Ende des Monats hat sie 1.058 Euro netto verdient. Clotildes Tochter Zoe ist 28 Jahre alt und Tierärztin. Von der Uni ist sie direkt in die Arbeitslosigkeit gerutscht. Ein Einkommen hat sie nicht. Carlos García Galán ist Zoes Vater. Der 58jährige hat als Verwaltungsangestellter gearbeitet. Seit April ist auch er arbeitslos. Die staatliche Unterstützung: 1.006 Euro im Monat – vorerst.
    Quelle: plusminus (ARD)
  7. Ulrike Herrman: Das kleine Plus ist nicht viel wert
    Seit Herbst 2011 ist die Wirtschaft in der Eurozone immerzu geschrumpft – aber nun ist sie zum ersten Mal wieder ein bisschen gewachsen. Um 0,3 Prozent legte sie von April bis Juni zu. Dieses kleine Plus ist erfreulich, bedeutet aber leider nicht, dass die Eurokrise beendet wäre. Die guten Zahlen markieren nur eine Pause, keine Trendwende. Dies zeigt schon ein Blick auf die Krisenländer: Griechenland und Zypern schrumpfen weiter – und zwar unverändert rasant. Eine wirkliche Besserung ist nur in Portugal zu beobachten, dessen Wirtschaft plötzlich um 1,1 Prozent zulegte. Doch auch dieser positive Ausreißer scheint eher zufällig zu sein: Ostern lag in diesem Jahr früh, sodass der Tourismus einige Wochen eher einsetzte. Auch die Deutschen sollten sich nicht zu früh freuen. Im zweiten Quartal wuchs die hiesige Wirtschaft zwar um 0,7 Prozent, aber auch dies ist eher eine optische Täuschung. Wie sich jeder erinnern wird, war der Winter lang und kalt, sodass die Bauindustrie erst spät starten konnte. Perspektivisch ändert sich gar nichts: Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr weitgehend stagnieren.
    Allerdings beruht das kleine Plus nicht nur auf Zufälligkeiten wie einem Osterdatum oder der Witterung. Eine strukturelle Veränderung gab es nämlich: Die Eurozone hat insgeheim ihren Sparkurs aufgegeben. Portugal, Spanien, Italien, Frankreich und den Niederlanden wurde gestattet, höhere Defizite zu machen. Prompt ging es aufwärts. In einer gerechten Welt müsste Kanzlerin Merkel also zugeben, dass ihr Sparkurs falsch war. Leider ist das Gegenteil zu erwarten: Die Sparfanatiker werden behaupten, dass es ihrer Strenge zu verdanken sei, dass es nun Wachstum gibt. Und viele Deutsche werden das glauben.
    Quelle 1: taz
    Quelle 2: Eurostat Pressemitteilung [PDF – 60 KB]
    Quelle 3: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes

    Anmerkung Orlando Pascheit: IW-Chef Hüther hat bereits darauf hingewiesen: Die Bundesregierung könne gerade jetzt argumentieren, dass sich die Erwartungen an den Sparkurs erfüllt haben. „Die Krisenländer können nicht sagen, wir brauchen mehr – und wir können nicht sagen, wir geben weniger.“ Im Übrigen bewegen sich die Veränderungen bis auf Portugal in einem mikroskopischen Bereich. Von Reuters befragte Ökonomen hatten für Deutschland 0,6 Prozent prognostiziert. Die schwächere Konjunktur in großen Schwellenländern wie China wird der exportabhängigen deutsche Wirtschaft weiter zu schaffen machen.

  8. Weste: weiß – Papier: geduldig
    Es brauchte erneut eine Katastrophe wie den Fabrikeinsturz in Dhaka, der Ende April mit seinen weit über 1000 Todesopfern weltweit für Schlagzeilen sorgte, um endlich das durchzusetzen, was Gewerkschaften und Solidaritätsinitiativen schon seit Langem fordern: ein Abkommen zu Brandschutz und Arbeitssicherheit, das über die »freiwillige Selbstkontrolle« der internationalen Textilunternehmen hinausgeht (s. express 5/2013). Ein Schlusspunkt ist das aber noch lange nicht, wie ein soeben erschienener Bericht von medico (s. Bildnachweis auf dieser Seite) zeigt: Drei Monate nach der Katastrophe haben die involvierten Unternehmen und der Staat so gut wie nichts von ihren Versprechungen wahr gemacht. Doch nicht nur Zahlungen und Kontrollen bleiben aus, auch das Abkommen selbst hat seine Grenzen, wie Michael Fütterer im Folgenden analysiert. Statt Konsumentenschelte bleibt, so sein Plädoyer, die Unterstützung gewerkschaftlichen Widerstands vor Ort ein zentrales Kriterium für Verbesserungen.
    Quelle: express via Linksnet [PDF – 155 KB]
  9. Löcher im Netz
    Wenn man sein Gerede einmal beiseitelässt, bleibt als Ursache für das sich entfaltende Debakel bei der Bahn nur eine Sache übrig, die nichts mit dem Urlaub von ein paar Fahrdienstleitern zu tun hat: Die Bahn ist jahrzehntelang einer Schrumpfkur unterworfen worden, die sie zu einem Schatten ihrer selbst hat abmagern lassen. Daran ändern auch die hektischen Gegensteuerbewegungen und punktuellen Neueinstellungen der jüngsten Zeit nichts.
    Quelle: Telepolis
  10. Wenn Natur zur Ersatzreligion wird
    Der Historiker Andreas Möller hat mit seinem Buch „Das grüne Gewissen“ einen bedeutenden Beitrag zur soziologischen Entzauberung grüner Grundpositionen geleistet.
    Quelle: Telepolis
  11. Ehrenamt als Lückenbüßer
    Beim Ehrenamt fällt Kritik schwer. Niemand mag jene kritisieren, die ihre Zeit unentgeltlich in den Dienst der Gesellschaft stellen. Doch manches ehrenamtliche Projekt hilft dort, wo eigentlich der Staat zuständig ist.
    Quelle: Deutsche Welle
  12. Das Wohlwollen der Bundesregierung
    Im Konflikt um eine deutsche Kaffeeplantage in Uganda interveniert Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel in die Tätigkeit einer Menschenrechtsorganisation. Deren Vorwürfe gegen den Plantagenbesitzer sind erst kürzlich von einem Gericht in Uganda bestätigt worden. Demnach sind Vertreter der „Neumann Kaffee Gruppe“ aus Hamburg, die die ugandische „Kaweri“-Plantage betreibt, über die gesetzwidrige Vertreibung von Kleinbauern unmittelbar vor der Einweihung ihrer Kaffeepflanzung informiert gewesen, ohne aber etwas dagegen zu unternehmen. Auch ist laut dem Gericht keine angemessene Entschädigung gezahlt worden. Wie Minister Niebel nun in einem Brief an die Menschenrechtsorganisation FIAN schreibt, die die Opfer der Vertreibung seit Jahren unterstützt, habe sie ihre „Darstellung des Falles zu überdenken“. Die Plantage der Neumann Gruppe sei „die größte deutsche Investition in Uganda“ und genieße „das Wohlwollen der Bundesregierung“. FIAN protestiert: Die Minister-Intervention mit der unmissverständlichen Aufforderung, „die Unterstützung für die Vertriebenen der Kaweri Kaffee Plantage (Uganda) einzustellen“, sei „in der Geschichte der deutschen Menschenrechtsarbeit unerhört“.
    Quelle: german-foreign-policy.com
  13. „Gerechtigkeit“ – das Thema unserer Zeit
    Gast: Rena Tangens, Netzaktivistin, Moderation: Achim Schmitz-Forte
    Quelle: WDR5 Redezeit [MP3]
  14. Es sind Zimmer frei – Kroatien, ein Land auf Selbstsuche
    Am 1. Juli tritt Kroatien der EU bei. Die Arbeitslosigkeit im Land ist auf dem Höchststand, Firmen machen reihenweise pleite angesichts der Konkurrenz aus Europa. Doch es gibt ja die schöne Adriaküste … Novalja zum Beispiel war vor ein paar Jahren noch ein Fischerstädtchen mit einem beschaulichen Strand. Heute beschallen Open-Air-Clubs die Bucht: 24 Stunden Partysound. Der Strand Novaljas hat sich mit der Öffnung Kroatiens in eine der beliebtesten Partylocations des Mittelmeers verwandelt. So mancher in dem kleinen Städtchen verdient gut daran. Doch die jungen Touristen gehen nachts auch mal gerne nackt zum Kotzen auf den Marktplatz. Viele Kroaten fordern ihren Strand zurück – und die Kontrolle über ihre Zukunft. Eine Reise in ein Land zwischen Zukunftsangst und Vergangenheitsbeschwörung.
    Quelle: SWR2 [MP3]

    Anmerkung Orlando Pascheit: Ein ziemlich unappetitlicher Einstieg, aber halten Sie durch. Es ist den Kroaten zu gönnen, endlich dazu zu gehören – wenn diese Statusfrage so wichtig ist. Nur wie soll das Land, das seit 2008 in keinem einzigen Jahr gewachsen ist, vom EU-Beitritt profitieren. Die Arbeitslosenrate ist seit der Krise um 7 Prozentpunkte auf 21% angestiegen – bei den Jugendlichen auf über 40%. Vom Binnenmarkt profitieren? Die heimischen Unternehmen werden wie überall in Osteuropa unter der europäische Konkurrenz eher zu leiden haben. Mag sein, dass die Preise sinken – Lidl ist schon da. Aber was können Kroatiens Firmen dem EU-Binnenmarkt bieten? Die Arbeitslosigkeit wird eher weiter steigen. Ich höre schon die Neoliberalen: Nur kurzfristig! Zunächst einmal wird der Abbau der Zollschranken gegenüber der EU zum Aufbau neuer Schranken gegenüber den acht Balkanstaaten der Nachbarschaft führen – z.B. gegenüber Bosnien-Herzegowina und Serbien, die 2012 über 17% der Gesamtexporte aufnahmen. Klar, nur kurzfristig. Und wird die Rechnung aufgehen, wird sich das westliche Kapital engagieren und alles besser werden? Bislang ist der Zufluss von Direktinvestitionen im Gegensatz zu anderen Ländern im Vorlauf der Osterweiterung ausgeblieben. Bleiben die Fördergelder der EU. Bereits für das zweite Halbjahr 2013 stehen Kroatien zusätzliche Mittel von rund 655 Mio. € (oder 1,5% des BIP) zur Verfügung. Nur wird das Geld wirklich ankommen? Wir wissen z.B. aus Griechenland, dass es große Schwierigkeiten damit hatte und hat, die Gelder überhaupt abzuholen. Und da sind noch die Sickereffekte, die in diesem immer noch sehr korrupten kroatischen Staat zu erwarten sind. Man wird sehen. Auf jeden Fall sind zurzeit kroatische Firmen, Amtsstellen oder Universitäten eifrig dabei, Anträge für EU-Fördergelder zu verfassen. – Die EU hat sich ein weiteres Sorgenkind eingehandelt, das allerdings mit 0,87% der EU-Bevölkerung und 0,34% des EU-BIP kaum ins Gewicht fällt. Ach ja, da sind ja noch die Finanzkrise und ihre Akteure: Sowohl Standard & Poor’s als auch Moody’s haben Kroatien kürzlich auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Es ist schon beachtlich, wie die EU-Kommission in ihrem Beitrittsbericht die relativ „rückständige“ Wirtschaft weitgehend ignoriert. Aber darin ist die Kommission ganz großzügig. Hauptsache die demokratischen Mindeststandards sind erfüllt (?). Beste Voraussetzungen für einen baldigen Beitritt Kroatiens zur Währungsunion. – Die Kroaten mögen mir die Ironie verzeihen, aber ist die EU wirklich das gelobte Land?

  15. Machen’s halt Ihr Fenster zu!
    Eine nächtliche Party im Nachbarhaus, die mit guten Worten nicht zu beruhigen war, veranlasste mich vor einer Weile dazu, die Polizei zu rufen. Die kam, hörte zu und bestätigte, dass hier ein Vorfall nächtlicher Ruhestörung vorliege. Einer der Polizisten riet mir: »Machen‹s halt ihr Fenster zu.« Ohne Frischluftzufuhr könne ich schließlich genauso schlafen. Und die lärmende Party könne trotz Verstoßes weitergehen.
    In den letzten Tagen erinnerte ich mich beim Durchblättern von Zeitungen und Magazinen an diesen Vorfall. Findige IT-Experten und Ratgeber erklärten, wie man sich NSA-sicher machen könne und wie man seine E-Mails richtig verschlüssele, um vor den Geheimdiensten dieser Welt sicher zu sein.
    Quelle: Neues Deutschland
  16. Quo vadis Studienqualität?
    Die Studienqualität an deutschen Hochschulen wird immer wieder kontrovers diskutiert. Besondere Aufmerksamkeit erlangte das Thema durch die im Rahmen des Bologna-Prozesses angestoßenen Veränderungen. Vor diesem Hintergrund sind verlässliche Daten zu Studienqualität und -zufriedenheit heiß begehrt. Der Studienqualitätsmonitor (SQM) liefert nun entsprechende Daten. Die Frage, die sich anschließt, lautet jedoch schlicht: Was können und sollen auch die besten Untersuchungen eigentlich bringen, wenn den Hochschulen zugleich doch seit Jahren das Geld dafür fehlt, notwendige Schritte hin zu „besserer Bildung“ überhaupt finanzieren zu können, beispielsweise also mehr Personal einzustellen, die Hörsäle zu modernisieren, die Lehrenden fortzubilden usw. usf.? Auch zu diskutieren wäre überdies: Ist der subjektiv empfundene Grad an „Studienzufriedenheit“ denn nicht immer relativ? Und stiege er denn insofern nicht womöglich bereits dann einfach an, wenn man den Betroffenen immer wieder und wieder vermittelte, dass es ihnen doch schließlich besser als den meisten anderen im Lande geht, ohne dass hierfür in Bezug auf ihre konkrete Situation wirklich etwas besser geworden sein muss? Und überhaupt: Ist „Berufserfolg“ nicht ein eigenartiges Kriterium zur Definition von Bildung, weil die Verwendung desselben in Folge auch darauf hinausliefe, bei beispielsweise zeitgleich steigenden Akademikerzahlen und sinkendem Stellenangebot die bedingungslose Unterwerfung unter die Bedingungen des Arbeitsmarktes als „Qualität von Bildung“ zu bestimmen?
    Quelle: Studis Online
  17. Der hessische Sozialindex in der Kritik
    Hessen wird ab sofort einen Sozialindex nutzen, um die Stellen der Lehrkräfte an Schulen zu verteilen. Endlich wird nun also doch noch alles gut!, meint zumindest die Kultusministerin. Wolfram Meyerhöfer, Professor für Mathematikdidaktik, sieht in diesem Instrument hingegen eher den Versuch, die weiterhin grassierende Mängelverwaltung mittels undemokratischer Pseudo-Verwissenschaftlichung gegen Kritik zu immunisieren. Überdies vertiefe der Sozialindex auch noch die Ausrichtung der Institution Schule an der weithin grassierenden „Menschenmesserideologie“.
    Quelle: GEW Hessen
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