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11. Dezember 2016
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Hertie, Wehmeyer, SinnLeffers – die „unternehmerischen Erfolge“ von Finanzinvestoren?

Veröffentlicht in: Ungleichheit, Armut, Reichtum, Wirtschaftspolitik und Konjunktur

Eine Welle von Insolvenzen von Textil-Handelsketten schwappt über das Land und bedroht tausende von Arbeitsplätzen und die Einkaufsmöglichkeiten vieler Kunden. Dafür gibt es viele Gründe. Etwa, dass der private Konsum stagniert oder beim Einzelhandel sogar rückläufig ist. Ein weiterer Grund ist sicherlich auch, dass durch die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in arm und reich den Kaufhäusern des mittleren Preissegments die Kundschaft wegbricht. Bemerkenswert ist allerdings vor allem, dass alle diese Handelsketten von Finanzinvestoren aufgekauft worden sind. Dass sie nun vor der Insolvenz stehen, spricht nicht gerade für deren unternehmerische Fähigkeiten. Oder haben sie diese aufgekauften Unternehmen nur „ausgesaugt“ und werfen sie jetzt weg, wie ausgelutschte Zitronen? Wolfgang Lieb

Vor drei Jahren hatte der Finanzinvestor Dawnay Day für 500 Millionen von KarstadtQuelle (heute Arcandor) eine Handelskette gekauft und danach unter dem Traditionsnamen Hertie betrieben. Auch der Bekleidungshändler Wehmeyer wurde von KarstadtQuelle-Chef Middelhoff 2005 an einen Finanzinvestor, die Schottenstein Gruppe aus den USA, verkauft. Genauso hat Arcandor SinnLeffers an ein Joint Venture aus der Deutschen Industrieholding (DIH) und den Beteiligungsfonds HMD Partner verscherbelt.

Manche sagen nun, der clevere Herr Middelhoff von Karstadt hat rechtzeitig Unternehmensteile abgeschoben, die ohnehin nicht lukrativ genug waren. Dann hätten aber die Finanzinvestoren die Gelder ihrer Anleger verbrannt. Einen derartigen Aufschrei der Anleger hat man allerdings bisher nicht vernommen. Wahrscheinlicher ist eher, dass – nach der üblichen Tour – diese „Heuschrecken“ die Übernahmen über Kredite finanziert haben und mit diesen Zinsen die ohnehin nicht mit hohen Gewinnmargen operierenden Handelsketten zusätzlich belastet haben, so dass sie unter dieser Last in die Knie gegangen sind.

Bei der Hertie-Pleite scheint jedenfalls die Ursache klar zu sein: Hertie wurde von Dawnay Day regelrecht geschröpft. Wie die FTD berichtet, musste Hertie unüblich hohe Mieten von 10 Prozent des Jahresumsatzes für die Immobilien bezahlen.

Wehmeyer hat auch ein drastischer Gehaltsverzicht der Mitarbeiter nicht vor der Insolvenz gerettet.

Die Pleiten spiegeln jedenfalls die Tatsache wider, dass die Finanzinvestoren unternehmerisch versagt haben und die Lasten nun die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Handelsketten und die Verbraucher, deren Einkaufsmöglichkeiten in vielen Städten erheblich eingeschränkt werden, zu tragen haben.

Es wäre eine dringliche Aufgabe der Wirtschaftsjournalisten, der Frage nachzugehen, welche Gewinne die Finanzinvestoren aus diesen Übernahmen gezogen haben. Bisher wurden bis auf die mangelnde Kauflaune der Deutschen keine Ursachen für die Pleitewelle genannt.

Wir werden versuchen, Sie darüber weiter zu informieren.

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