Der „Ruck“-Präsident Herzog: Wenn´s dem deutschen Volk mal richtig schlecht geht, dann könnte der Ruck kommen.

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In der aktuellen Ausgabe des Magazins GELDIDEE aus dem Bauer Verlag ist ein Interview mit unserem ehemaligen Präsidenten Roman Herzog über “über weltfremde Politiker, ängstliche Bürger und die Verantwortung von Managern” abgedruckt. Die Lektüre lohnt sich, weil dort z.B. ziemlich unverhüllt ausgesprochen wird, was hinter der Forderung nach mehr „Freiheit“ steht, nämlich der Abbau von Demokratie und die Entmachtung des Staates. Fazit des Mitbegründers des „Konvents für Deutschland“: Die Eliten sind gut, das Volk ist schlecht. Einer aus dem Volk, Leser der NachDenkSeiten, empört sich.

Man kann von einer Zeitschrift wie GELDIDEE sicher keinen kritischen Journalismus erwarten. Erst Recht nicht dann, wenn es um ein Hauptthema dieses Magazins geht, wie z.B. die private Altersvorsorge, die von der Redaktion mit jeder neuen Ausgabe weiter promoted wird. Da bleibt man gerne freundlich und respektvoll wenn man, wie mit Herrn Herzog, einen der führenden Wegbereiter des Vertrauensverlustes in die sozialen Sicherungssysteme (Stichwort Herzog-Kommision) vor dem Mikrofon hat.

Aber Manchmal hat solcher Gefälligkeits-Journalismus auch sein Gutes: Die gefällig gestellten Fragen lösen beim Interviewten oft die Konventionsblockaden und verleiten ihn auf diese Weise seine „wahren“ Einstellungen ungefiltert in der Öffentlichkeit zu präsentieren. So erfahren wir in diesem Interview, wie Herr Herzog unsere Fähigkeit zu verantwortungsvollem Handeln einschätzt und was er von demokratischen Entscheidungsprozessen hält:

GELDidee: Welche Verantwortung kommt eigentlich den Bürgern im anhaltenden Reformprozess zu?

Herzog: Unsere Bürger haben bis in den September 2005 hinein nach dem Motto gelebt: Wir sehen zwar ein, dass es Reformen geben muss, aber bitte bei den anderen, nicht bei mir. Und sie haben immer den gewählt, der versprochen hat: Wir machen zwar Reformen, die tun aber nicht weh. Wenn sich das nicht ändert, dann wird die Politik unbeweglich bleiben. Dann gibt’s nur das, was ich ohnehin für richtig halte, nämlich den gesellschaftlichen Bereichen und der Wirtschaft so viel Freiheit wie möglich zurückzugeben. Dort wird nämlich nicht nach Mehrheiten, sondern nach Qualifikation entschieden.

Kurz zuvor hat er schon kein Blatt vor den Mund genommen und daran erinnert, von wem aus seiner Sicht hier mal so richtig was zu „rucken“ sei, damit es in Deutschland endlich wieder voran geht. Außerdem erfahren wir, dass es uns allen immer noch zu gut geht:

GELDidee: Ist Merkels Ansatz der kleinen Schritte denn richtig?

Herzog: Ja, die sind nötig, weil in sehr vielen Einzelfragen in den letzten zehn, 20 Jahren falsche oder unzureichende Entscheidungen getroffen wurden. Die Korrektur von 1000 Paragrafen geht nicht so einfach in einem halben Jahr. Da wird mir dann immer der von mir geforderte Ruck entgegengehalten. Nur habe ich den Ruck vor allem vom Volk verlangt.

GELDidee: Rechnen Sie denn noch damit?

Herzog: Na ja, wenn´s dem deutschen Volk mal richtig schlecht geht, dann könnte er kommen.

Doch das Beste kommt zum Schluss: Eine übelmeinende Öffentlichkeit und wir als sozialneidische Bevölkerung vergällen unserer Leistungselite den Spaß an der guten Tat für unser Land. Deshalb, so Herzog, will diese Leistungselite angeblich lieber im Verborgenen wirken (dann kann auch das Finanzamt nicht so genau in ihre Bücher schauen, ein Motiv das Herr Herzog offensichtlich nicht kritikwürdig findet.):

GELDidee: Helfen denn unsere Eliten, dass wir wieder aus der Krise herauskommen, oder kehren nicht viele Deutschland einfach den Rücken, weil es anderswo einfacher ist?

Herzog: Zunächst, Elite heißt für mich Leistungselite. Sicher geht mancher lieber ins Ausland, aber dafür kommen auch viele Leistungsträger zu uns. Das liegt übrigens in der Natur der Sache und war schon immer so, dass gute Leute weltweit arbeiten. Ich erlebe jedoch eher, dass unsere heimischen Spitzenleute hierzulande Gutes leisten, aber im Verborgenen. Ein Beispiel: Als Bundespräsident wollte ich einen Unternehmer mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen, der eine große Forschungsabteilung an einer Universität finanziert. Der lehnte ab, weil er nicht in der Öffentlichkeit stehen wollte – aus Angst vor Sozialneid, dass er als wohlhabender Mann Opfer von Entführungen seiner Kinder werden würde, dass sich das Finanzamt seinen Betrieb nun noch mal gesondert vornimmt. Da stimmt doch was nicht in diesem Land.

Da bleibt mir nur als Abschluss: Das Land ist schon ganz o.k., Herr Herzog. Nur mit Personen wie Ihnen und der Art wie sie unser Land wahrnehmen stimmt offensichtlich etwas nicht!

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