Leserbriefe zu „Der Überfall auf Venezuela und Trumps ehrlicher Imperialismus“

Ein Artikel von:


Renate Dillmann stellt in diesem Beitrag fest, Präsident Trump habe „mit Tat und Wort klargemacht, was er darunter versteht, ‚die Vorrangstellung Amerikas in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen‘ (Nationale Sicherheitsstrategie 2025)“. In seiner Rede vom 3. Januar habe er damit geprahlt, das angeblich „amerikanische“ Öl Venezuelas zurückerobert zu haben. Die „Regierungen des ‚demokratischen‘ Europa, das ja hochtrabend im Namen der Werte von Freiheit und Völkerrecht gegen das böse Russland und weitere autoritäre Staaten“ kämpfe, habe Zustimmung zu Trumps Überfall auf Venezuela und zur Entführung des Präsidentenpaares geäußert. Wir danken für die interessanten E-Mails, die wir dazu erhalten haben. Hier folgt nun eine Leserbrief-Auswahl, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.


1. Leserbrief

Guten Tag,

wild, wild West in der Karibik. Medienwirksam inszeniert und ohne Gegenwehr der Angegriffenen.

Für wahr wieder ein Meisterstück amerikanischer Beutekultur. Welche Deals hier wer mit wem gemacht hat, kann man nur erahnen. Lehrreich, aber nicht erstaunlich die Reaktionen der sogenannten Guten aus Politik und Medien. Völkerrecht spielt da natürlich nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle. Schließlich wurde laut der Selbstgerechten, ein Despot und Diktator abgeräumt.

Und die Moral von der Geschicht‘, glaube Heuchlern und Doppelmoralisten nicht.

Mit freundlichen Grüßen und allen noch ein gutes, neues Jahr

Thomas Stöbe


2. Leserbrief

Liebe Frau Dillmann!

Das ist ein sehr guter Beitrag. Ich sehe das genau so und auch in der Maischberger-Sendung wurde dies von den drei Journalisten am Anfang genau so gesehen. Es ging dem US-Imperium noch nie um Demokratie, Gleichberechtigung oder um die Besserstellung der Frauen gegenüber Männern. Es ging immer um Macht, Einfluss und den Bezug billiger Rohstoffe bzw. Bodenschätze aus fremden Ländern. Wenn andere Länder nicht direkt überfallen wurden, wurden Regime Changes organisiert, denen dann oft auch die Ermordung der einstigen Präsidenten folgten, teils von der eigenen aufgestachelten Bevölkerung. Dies ist im Falle Venezuelas nicht der Fall und somit etwas Gutes in dem bösen Vorgehen von Donald Trump. Zurückhaltend reagierten unsere Regierungen schon immer bei Verbrechen der USA und wenn Donald Trump kritisiert wird, dann ohnehin nur deshalb, weil er nicht hart genug gegen Russland vorgeht. Es hat ja auch nie Kritik von deutscher Seite gegenüber solchem kriminellen Vorgehen wie z.B. dem Atombombenabwurf über Japan gegeben. Im Übrigen hält man sich auch mit der Kritik am britischen Imperialismus zurück, wie z.B. dem damaligen Einmarsch in Indien. Die Bösen sind halt immer Russland und China. Jetzt wird die Beurteilung des derzeitigen amerikanischen Präsidenten durch deutsche Politik und Medien halt schwierig. Auf der einen Seite ist man froh, dass das “böse” kommunistische System in Venezuela geschädigt ist, auf der anderen Seite weniger froh, weil es ausgerechnet von Donald Trump geschädigt wurde. Ausgerechnet von dem, der bisher nicht gern gegen Russland zündelte. Wie wird das nun weitergehen? Das ist für schon spannend.

Mit freundlichem Gruß
Harald Pfleger


3. Leserbrief

Für den Comprador aus dem Sauerland mag die Bewertung des Überfalls auf Venezuela zu komplex zu sein, als daß er zu einer brauchbaren Stellungnahme kommen könnte.

Nachdenkseitenleser hingegen werden Cohns Argumentation mühelos folgen können:

https://consortiumnews.com/2026/01/06/white-house-cant-make-venezuela-attac

Mit Grüßen
Joachim Gröger


4. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Sprecherin im MDR-Fernsehen sagt in den Nachrichten „MDR aktuell“ am Sonntag, dem 4. Januar, wörtlich: „Maduro ist in eine Haftanstalt in New York gebracht worden.“ Sie sagt nicht etwa: völkerrechtswidrig verschleppt.

Und: „Wegen Drogenterrorismus wird sich der 63-jährige hier vor einem Gericht verantworten müssen.“ Wir Zuschauer sollen auf diese Weise manipuliert werden, dass diese Verschleppung angeblich rechtens sei.

Über die Interimspräsidentin Rodriguez: „Sie fordert die Freilassung Maduros, den sie als einzig rechtmäßigen Präsidenten bezeichnet.“ Die Formulierung „bezeichnet“ soll den Eindruck erzeugen, dass er angeblich nicht rechtmäßig Präsident sei und somit diesem offenen Bruch des Völkerrechts den Anschein von Legalität geben.

Und: „US-Präsident Trump hat betont, dass er keine US-feindliche Regierung in Caracas mehr dulden werde und dass die USA vorübergehend die Macht in dem südamerikanischen Land übernehmen werden.“ – Das sollte mal Putin sagen.

Kein einziges Wort der Kritik an diesem völkerrechtswidrigen kriegerischen Akt der USA gegen ein anderes Land. Nicht ein Wort, dass die USA in Wirklichkeit das Öl Venezuelas rauben wollen.
Dass der MDR sich so offen auf die Seite des Aggressors gegen ein kleines Land stellt, ist abstoßend. Die Anbiederung unserer Fernsehsender an die USA ist so unerträglich geworden, als ob wir bereits eine Kolonie der USA wären.

Aber was soll man von einem Sender erwarten, der die rechtsextremistischen Putschisten in der Ukraine von 2014 wörtlich als „Demokratiebestrebung“ bezeichnet.

Müssten nicht spätestens jetzt unsere Politiker und Medien zur Vernunft kommen und mit Russland und China zusammenarbeiten, um dem imperialen Weltmachtstreben der USA endlich Grenzen zu setzen, bevor die USA auch uns verschlucken?

Mit freundlichen Grüßen
Roland Großmann


5. Leserbrief

Guten Tag NDS

Prof. Dr. Rainer Mausfeld hat es in einem Vortrag deutlich erklärt, dass es das Recht des Stärkeren gibt. Das ist so wie bei organisierter Kriminalität.
Was interessiert der Mafia irgendwelche Gesetze.
Die sind nur im Weg bei der Durchsetzung der kriminellen Interessen.
Und die USA unter Trump ist so ein krimineller Staat, ein Schurkenstaat. Auch das hat Herr Mausfeld schon deutlich beschrieben..
Trump interessiert nicht UNO-Völkerrecht.
Was erwartet die Welt von dem Narzissten Trump???
Wir Deutschen und Europäer müssen begreifen das die USA kein Interesse an der Souveränität von Deutschland oder Europa hat.

Aber das werden die Mehrheit der Europäer nie begreifen, weil sie seit Jahrzehnten Hirngewaschen sind durch Propaganda.
Trump wird weitermachen, weil er genügend Mitstreiter hat die das alles auch so wollen.
Z.B. das US-Militär und die USA Rüstungsindustrie und Ölindustrie.
Wer sich USA Regeln widersetzt wird bestraft und im Extremfall gekillt/ getötet.
Auch darin sind die USA Meister.

Alles nichts Gutes für die Zukunft.

(…)

MfG Dieter Klaucke


6. Leserbrief

Eigentlich warte ich jetzt auf eine Klage der Mafia wegen Urheberrechtsverletzung.

Heidemarie Wegener


7. Leserbrief

Sehr geehrte Frau Dillman, sehr geehrtes Nachdenkseitenteam

Ich kann Ihrem Artikel vollumfänglich zustimmen! Die Formulierung “Trumps ehrlicher Imperialismus” im Titel ihres Artikels ist korrekt und sehr gut gewählt!

Trump ist tatsächlich ein ehrlicher Verbrecher, in Diensten der USA, dem alle Mittel recht sind, um Deals zu machen, die America Great again (zumindest einen Teil der Gesellschaft) machen sollen, und der es sich leisten kann, weil er scheinbar unangreifbar ist. Ähnliche Politik haben viele, fast alle Präsidenten vor ihm auch gemacht, nur mit moralischer Attitüde weichgespült und die Europäer sind ihnen wie Hofschranzen gefolgt (die Allianz der Willigen), halten jetzt sogar noch an einem von den USA losgetretenen provozierten Stellvertreterkrieg in der Ukraine fest, mit dem sie Russland ruinieren wollen, aber letztlich sich selbst und vor allem die Ukraine ruinieren, während die USA schon längst weitergezogen sind und für sie wichtigere geostrategische und wirtschaftliche Interessen verfolgen.

Natürlich macht es insgesamt Sinn, eine moralische Einordnung vorzunehmen und u.a. von Völkerrechtsbruch zu schwadronieren, wenn man die Gerechtigkeit und die internationale Ordnung zumindest der Form nach nicht gänzlich aufgeben will. Faktisch spielt dies aber nur als Aufhübschung von Verbrechen gegen das Völkerecht und die Menschlichkeit in der Realpolitik eine wesentliche Rolle.

Merz hat mit seiner ersten Einschätzung “Nicolás Maduro hat sein Land ins Verderben geführt. …” nicht ganz unrecht, allerdings hat das einen höchst unmoralischen Beigeschmack, der von ihm unterschlagen wird. Hätte Venezuela die Ölindustrie nicht verstaatlicht, wäre es der Bevölkerung wahrscheinlich sogar etwas besser gegangen als mit der Verstaatlichung und den damit zusammenhängenden US-Wirtschaftssanktionen gegen Venezuela. Die Wirtschaft wäre wahrscheinlich besser gelaufen in Venezuela und die US-Ölgesellschaften hätten den großen Reibach gemacht. So läuft es ja schon sehr lange auch in vielen anderen Ländern der Welt (nicht zuletzt im Iran), wobei nicht nur US-amerikanische Firmen die Profite aus der Ausbeutung der Länder der Dritten Welt ziehen. Ein Phänomen, das man zutreffend Neokolonialismus nennt.

Ob die letzte Wahl in Venezuela gefälscht wurde sei dahingestellt, was hingegen sehr wahrscheinlich ist, dass die USA massiv Einfluss genommen haben auf die Wahlen und zwar für eine von den USA finanzierte Opposition, die den USA nach dem Wahlgewinn die Ölfelder wieder überlassen hätte. Diese Art hybrider Kriegsführung wird natürlich auch von der EU praktiziert (Moldau, Georgien, Ukraine, Serbien, etc.). Nur wenn hingegen Russland Gelder in Wahlkämpfe für russlandfreundliche Parteien investiert, wird von westlichen Politikern und Medien von Wahlbeeinflussung und hybrider Kriegsführung gesprochen und unerwünschte Wahlergebnisse werden dann, falls möglich, annuliert.

Sie beschreiben das sehr schön: “Allerdings haben die USA früher meist darauf geachtet, heimische Oppositionelle ins Spiel zu bringen, denen sie lediglich unterstützend zur Seite springen mussten. Oder sich auf „Prinzipien“ berufen, die staatenübergreifend gelten sollten. Donald Trump macht demgegenüber ehrlichen Imperialismus.”

Insofern stehen die europäischen Politiker und ihre Medien vor der Herkules-Aufgabe, die eigenen Interessen, die u.a. wesentlich in einer guten Zusammenarbeit mit den USA bestehen, und ihrem öffentlichen Eintreten für die wertebasierte Ordnung, vor dem heimischen Öffentlichkeit unter einen Hut zu bringen, was einer Quadratur des Kreises gleichkommt. Sie werden es so machen, wie es die USA früher auch immer getan haben, wenn sie die wertebasierte Ordnung nicht respektiert haben und werden das offensichtlich rein durch wirtschaftliche Interessen motivierte Vorgehen gegen Venezuela als ein Vorgehen gegen ein Unrechtsregime legitimieren, auch wenn Trump selbst dies nicht wirklich getan hat. Und das hört man inzwischen auch schon allerorten so von europäischen Politikern.

Fritz Gerhard

Rubriken:

Leserbriefe

Schlagwörter:

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe Leser, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!

Beitrag versenden

Sie kennen jemand der sich für diesen Beitrag interessieren könnte?
Dann schicken Sie ihm einen kleinen Auszug des Beitrags über dieses Formular oder direkt über Ihr E-Mail-Programm!