Leserbriefe zu „Zunehmender Antisemitismus?“
Albrecht Müller diskutiert in diesem Beitrag über eine Sondersendung der ARD nach der Tagesschau um 20:15 Uhr. Dort sei behauptet worden, Antisemitismus nehme zu. Ein Beleg dafür sei nicht geliefert worden. Er habe deshalb einen Freund aus München, der sich in der Szene auskenne und auch beim Aufbau des jüdischen Zentrums mitgeholfen habe, gebeten, derlei Tendenzberichterstattung zu erklären. Ihm zufolge sei zunächst darauf hinzuweisen, dass die Sensibilität gestiegen sei. Mit den ständigen und sich wiederholenden Behauptungen vom wachsenden Antisemitismus werde außerdem verhindert, dass eine kritische Diskussion über das Verhalten der israelischen Regierung in Sachen Gaza einsetze. Und schließlich diene die Klage aus den Jüdischen Gemeinden über Ängste auch der Festigung des inneren Zusammenhalts und der Bekräftigung ihrer Abkapselung. Wir haben dazu interessante E-Mails bekommen. Danke dafür. Die nun folgende Leserbrief-Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.
1. Leserbrief
Hallo Herr Müller,
der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Christian Nitsche, fällt immer wieder an vorderster Propagandafront der ARD auf. Ob’s um Antisemitismus, Drohnengefahr oder russische Bedrohung geht. Noch ist nichts geklärt, da hat er schon die passenden Experten im Haus für’s ARD Extra in der Hauptsendezeit nach der Tagesschau.
Ich möcht’s mal so formulieren: “Wann vor’m Funkhaus a Radl umfallt, woaß er drinn’ scho’ wer’s umg’schmissn hot”. :)
Gruß, S. Klar
2. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Albrecht Müller,
es besteht m.E. der dringende Verdacht, dass ein zunehmender Antisemitismus vermutlich sogar “erwünscht” sein könnte: Sofern macht’s ja “Sinn”, vorzugsweise antisemitische Migration nach Europa “einzuladen”. Denn für dieses Projekt Großisrael (hebräisch: אֶרֶץ יִשְׂרָאֵל הַשְּׁלֵמָה, Eretz Israel ha-Schlema „Das vollständige Land Israel“) ist’s logischerweise “notwendig”, dass bei den europäischen Juden ein möglichst ausreichender “Druck” erzeugt wird, damit möglichst ALLE Menschen jüdischer Herkunft das Land “Eretz Israel” bevölkern. Insofern macht’s ebenso “Sinn”, dass der Bundespräsident W. Steinmeier (oder andere Politiker) Hanukkah eben NICHT etwa mit z. B. Angehörigen der jüdischen Friedensbewegung (oder anderer jüdischer Organisationen, die eine einvernehmliche Lösung des Palästinenserkonfliktes befürworten) feiert, sondern stattdessen mit den m. E. radikalsten Nationalisten der Chabbad Lubavic Sekte. Die Antisemitismus-Definition wurde bekanntlich zudem auf nahezu JEGLICHE Kritik an der israelischen Politik ausgeweitet, und das obwohl doch von so manchen strengreligiösen Juden eine Staatsgründung Israels als “Blasphemie” abgelehnt wird. Sind solche strengreligiösen, hochspirituellen Juden (die einen derartigen Staat Israel aus Glaubensgründen ablehnen) denn auch “Antisemiten”?
LG J. Vogel
3. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Müller, sehr geehrtes Nachdenkseitenteam
Sie sprechen ein Thema an, das mich auch schon länger beschäftigt.
Für mich wird bei dem Thema durch die hiesige Politik und die hiesigen Leitmedien bewusst undifferenziert von Antisemitismus gesprochen. In diesem Zusammenhang wäre erstmal grundsätzlich zu differenzieren zwischen Semiten, Juden und Israelis. Semiten könnte man als rassistischen Begriff auffassen, Juden sind Anhänger bzw. Mitglieder der jüdischen Religion und Israelis sind Bürger des Staates Israel, wobei letztere auch mehrere Staatsangehörigkeiten haben können.
Zwischen diesen 3 Menschengruppen gibt es nicht unwesentliche Überschneidungen, aber sie sind weit davon entfernt miteinander identisch zu sein.
Diese ganze undifferenzierte auch in anderen Zusammenhängen weit verbreitete unangemessene “Containerdenke” ist komplett verfehlt, vereinfacht, emotionalisiert und polarisiert aber für den normalen Medienkonsumenten die Dinge so sehr, dass er sie vermeintlich gut verstehen kann und sich emotional angesprochen und damit irgendwie auch gut unterhalten fühlt. Genaugenommen sind die Dinge aber viel komplexer. Nicht alle jüdischen Menschen sind gleich, nur weil sie der gleichen Religion anhängen und praktizieren, nicht alle Israelis stehen hinter der aktuellen Regierung und ihrer unsäglichen Kriegsbereitschaft inklusive Völkermord und ihrer fehlenden Bereitschaft für eine Zweistaatenlösung, auch wenn sie von einer Mehrheit der Israelis gewählt wurde.
Durch die undifferenzierte Unterstellung, dass Demonstrationen gegen den Völkermord der Israelische Regierung und des israelischen Militärs im Gaza-Streifen und gegen den Siedlungsbau im Westjordanland sowie die kriegerischen Aktivitäten Israels im Nahen Osten (Libanon, Syrien, Iran) generell antisemitisch wären, wird eine Verbindung hergestellt zum Holocaust, also zu einer grundsätzlichen rassistisch bzw. religieus motivierten Judenverfolgung, -vernichtung bzw. Diskreminierung, wie sie z.B. während des Nationalsozialismus in Deutschland stattgefunden hat.
Es mag sein, dass es noch Zeitgenossen in diesem Land gibt, die nationalsozialistisch geprägten Gedanken anhängen. Mir erscheint es aber naheliegend, dass die Mehrheit der entsprechenden Demonstranten und der von Politik und Leitmedien aktuell als “antisemitisch” diffamierten Menschen in UnsererDemokratie eher ein Problem mit der aktuellen israelischen Politik haben. Und das wollen Politik und Leitmedien einhellig mit dem Ausdruck “Antisemitismus” kriminalisieren und verschleiern, und versuchen so die berechtigte Kritik an der aktuellen israelischen Politik propagandistisch und rechtlich zu diskreditieren und zu verfolgen.
Fritz Gerhard
4. Leserbrief
Hallo,
was soll man erwarten vom ÖRR?
Ehrlichkeit, Offenheit, Meinungsvielfalt…?
Der ÖRR macht genau das, auf was er abgerichtet ist : Propaganda.
Das heißt verschleiern, verzerren , verbiegen, verblöden!!
Wir wissen, dass jeder der irgendwie Kritik an der israelischen Regierung äußert, automatisch antisemitisch ist.
Klappe zu, fertig.
Wir wissen, dass in dieser israelischen Regierung absolut überzeugte Rechtsradikale sitzen,…das ist eine Tatsache!
(Steinmeier weiß das nicht, weil er sich seit Beginn seine Amtszeit Prilblümchen auf Augen und Ohren geklebt hat…)
Jeder der über einen Völkermord berichtet, initiiert von der israelischen Regierung, ist ein Antisemit…
Jeder der aufgrund dieser Tatsache, den Straftäter Netanjahu und Konsorten nicht mehr leiden kann, ist ein Antisemit.
Jeder, der deshalb wütend ist auf diese rechtsradikale israelische Regierung, ist ein Antisemit…
Tatsache ist auch, dass die israelische Regierung in letzter Zeit Zehntausende von Palästinensern abgeschlachtet hat, die auch Semiten sind……
Die gefährlichsten und brutalsten Antisemiten sitzen also mitten in der israelischen Regierung …
Und die Aufgabe des ÖRR ist es, diese Tatsache auf den Kopf zu stellen und mit allen Mitteln aus den Tätern ausnahmslos Opfer zu machen…..
Grüße
T. Rath
5. Leserbrief
Liebes Nachdenkseiten-Team,
der frühere Direktor der „Stasi-Gedenkstätte“, Hubertus Knabe, forderte vor einigen Jahren in einer MDR-Talkshow mehrmals: „Das Zeigen des SED-Symbols und des DDR-Symbols muss verboten werden genauso wie das Zeigen des Hakenkreuzes verboten ist.“ Das Schlimme: es hat ihm noch nicht mal jemand widersprochen.
Nun hat aber die DDR im Gegensatz zum faschistischen Deutschland keinen Krieg geführt, keinen Weltkrieg begonnen, keine anderen Länder überfallen und auch nicht 6 Millionen Juden ermordet.
Wenn aber gefordert wird: „Das DDR-Symbol verbieten, genauso wie das Hakenkreuz“, müsste dann nicht erst recht die Staatsflagge Israels und der Davidstern öffentlich verboten werden, weil diese Symbole „wie das Hakenkreuz“ für Krieg, Massaker, Völkermord und Genozid stehen? Denn was lösen diese Symbole bei den Opfern und deren Angehörigen aus?
Aber darf genau das heute überhaupt noch jemand öffentlich sagen, da unsere Regierung den Völkermord durch Israel an den Palästinensern mit Waffenlieferungen und auch politisch unterstützt?
Mit freundlichen Grüßen
C. W.
Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten
Die NachDenkSeiten freuen sich über Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen Länge und mit einem eindeutigen Betreff.
Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:
- leserbriefe(at)nachdenkseiten.de für Kommentare zum Inhalt von Beiträgen.
- hinweise(at)nachdenkseiten.de wenn Sie Links zu Beiträgen in anderen Medien haben.
- videohinweise(at)nachdenkseiten.de für die Verlinkung von interessanten Videos.
- redaktion(at)nachdenkseiten.de für Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.
Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer „Gebrauchsanleitung“.




