Leserbriefe zu „Krieg gegen die Zivilbevölkerung ist schändlich – das gilt für Russland, das gilt aber auch für die NATO“

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In diesem Beitrag vertritt Jens Berger die These, nach der die russische Kriegsführung, die sich gegen die Zivilbevölkerung richte, schändlich sei und scharf verurteilt werden müsse. Das würden zahlreiche Stimmen aus der deutschen Politik und den Medien tun. Dabei würden sie jedoch scheinbar vergessen, dass eine Kriegsführung, die sich gezielt gegen die Zivilbevölkerung richte, kein Alleinstellungsmerkmal Russlands sei. Gerade die NATO habe sich in der Vergangenheit in dieser Frage auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Denn: „Solange der Mensch Kriege führt, richten sich diese Kriege auch mal indirekt, mal direkt gegen die Zivilbevölkerung.“ Wir danken für die zahlreichen und interessanten Zuschriften, die wir hierzu erhalten haben. Die nun folgende Leserbrief-Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger, sehr geehrtes Nachdenkseitenteam

Ich kann Ihrem Artikel voll zustimmen! Ergänzen könnte ja müsste man noch durch den Hinweis auf die „Kollateralschäden“, die die israelische Armee kürzlich im Gaza-Streifen mit Waffen u.a. aus Deutschland und den USA verursacht hat, wobei nicht ganz sicher ist, ob es nicht doch in erster Linie gezielter Völkermord war mit weit über 50.000 toten Zivilisten (darunter auch deutsche Staatsbürger) und wobei fast alles in Schutt und Asche gelegt wurde und die Versorgung der Zivilbevölkerung massiv verhindert wurde.

Und kaum ein Vertreter der wertebasierten Ordnung denkt groß daran, die israelische Regierung, die das zu verantworten hat, dafür zur Verantwortung zu ziehen, indem man sie beispielsweise zur Finanzierung des Wiederaufbaus verpflichtet. Das werden voraussichtlich u.a. diejenigen Staaten aus Steuergeldern finanzieren, die die Waffen geliefert haben.

Fritz Gerhard


2. Leserbrief

Alle Achtung Herr Berger, Sie trauen sich aber was! Haben Sie denn noch nicht verinnerlicht, dass wir, nämlich unsere Zwingherren Verbündeten und alle mit ihnen verbündeten DIE GUTEN  sind und damit über jede kritische Sicht  erhaben? Passen Sie auf, dass Sie keine Nachhilfe in Meinungsfreiheit bekommen!

Aber vielleicht sind die “westlichen Werte” ja doch noch lebendig.

Toi-toi-toi!
Heidemarie Wegener


3. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

die Energieinfrastruktur der Ukraine ist nicht nach zivil/militärisch getrennt – da haben Sie vollkommen Recht. Um von da aus zum Schluss zu gelangen, die Zerstörung der Energieinfrastruktur sei gezielter Terror gegen die Zivilbevölkerung, ist es dann wohl auch ein weiter Weg – leider nicht in Ihrem Beitrag, der schon mit dieser Feststellung beginnt.

Russland, indem es seinen Krieg führt, wie Kriege nunmal bedauerlicherweise geführt werden, ist moralisch zu verurteilen – soviel ist klar und es ist ja auch schön, dass sich Deutsche aller Provenenzien auf diese hohe Warte verständigen können. Steinmeier sieht es ganz genau wie Sie und würde sich vielleicht neuerdings sogar Ihrer Kritik an der US-amerikanischen Kriegsführung der Vergangenheit anschließen.

Es ist schwer, die Wirklichkeit des Krieges zu ertragen – deshalb ist es wichtig, ihn zu verhindern oder möglichst schnell zu beenden.

Moralische Höhenflüge, wie sie uns Deutschen so wohltun, tragen nichts dazu bei – ganz im Gegenteil, der Weg zum Kriegsfalken ist mit moralischer Überlegenheit gepflastert.

Wie wäre es mit moralischer Abrüstung?

Mfg
Erik Jochem

Anmerkung Jens Berger: Lieber Herr Jochem,

auch wenn ich nun Gefahr laufe, wie Annalena Baerbock zu klingen – aber der Maßstab, den ich hier ansetzen würde, ist in der Tat das Völkerrecht, genauer der im Text ja auch genannte Artikel 51 des Zusatzprotokolls des Genfer Abkommens. Die entscheidende Frage ist daher, ob bei den Bombardements der Infrastruktur die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird. Ich sage „nein“ und verweise darauf, dass diese Verhältnismäßigkeit auch in früheren Kriegen und auch „vom Westen“ nicht gewahrt wurde. That´s it. Ist das ein „moralischer Höhenflug“? 

Beste Grüße
Jens Berger


4. Leserbrief

Hallo Herr Berger,

aktuell ist doch eigentlich in D und EU gerade festzustellen, dass es Krieg gegen Zivilisten auch ganz ohne Bomben, Raketen, Kanonen und Drohnen gibt. Und damit werden die Sanktionen und das Debanking an allen Grund- und Menschenrechten vorbei mittels nach eigenem Gusto zurechtgebogenen und diese aushebelnden Gesetzen gegen Meinungsabweichler gemeint. Jacques Baud gilt da quasi als Synonym für die inzwischen vielen. Ein wesentliches Merkmal des Faschismus war doch auch die Bekämpfung und Eliminierung von Opposition. Zwar sind die Methoden aktuell subtiler als beispielsweise das Auseinandersägen eines Oppositionellen in der eigenen Botschaft. Aber diese mit dem mittelalterlichen Bannstrahl oder Kirchenbann vergleichbaren Existenzvernichtungen sind doch wohl ebenfalls ungeheuerlich! Und man möchte sich immer wieder weigern zu glauben, daß so etwas überhaupt möglich ist. Inzwischen ist zu lesen, dass auch Leute, welche solchen Sanktionierten helfen, mit Gefängnis bestraft werden sollen. Adorno soll mal in einem Radio-Interview gesagt haben: er fürchte nicht die Wiederkehr des Faschismus in Form von Schlägerbanden der SA, die das Volk aufmischen, sondern als Demokratie. Diese auf derartige Art und Weise angeblich zu verteidigende „Unseredemokratie“ ist jedenfalls schon länger nicht mehr meine Demokratie. Allerdings wächst meine Sorge, dass mir dergleichen Sanktionen auch widerfahren können, wenn ich mal wieder einen kritischen Leserbrief verfasse. Und da wäre mir stattdessen ein schneller Tod fast die liebere Alternative   –   ist mit 91 Lenzen und demzufolge mit sehr ausgiebiger WK II – Erfahrung sowieso nicht mehr lange hin.

Noch ein Schlußsatz zum eigentlichen Thema: Die Ukraine hätte doch bereits im April 2022 Frieden haben können zu Bedingungen, die zweifelsfrei heute wesentlich schlechter sein werden, was auf Betreiben des “(Un-?)Wertewestens”, aber nichtsdestotrotz in Verantwortung dieses Selenskys, verweigert wurde, so daß die Frage gestattet sein muß, ob man da dann nicht auch selber zumindest eine Mitschuld hat an allem was seitdem passiert ist?

Bester Gruß
H. Wohler


5. Leserbrief

Lieber Jens Berger,

Hierzu bedarf es der Korrektur bzw. Ergänzung. Im gleichen Atemzug wie Russland und die NATO muss auch die Ukraine genannt werden. Der Beschuss von kritischer Energie Struktur in Großstädten von Russland nahe der Grenze ist Fakt – und erfolgt täglich, ohne Unterbrechung.

Die Zivilbevölkerung leidet auch hier.

Belgorod wurde z.B. am 09.01.2026 ausschließlich mit Raketen der ukrainischen Armee beschossen. Nach Mitteilung des örtlichen Bürgermeisters waren  in der Oblast 500.000 Menschen ohne Strom und 200.000 ohne Wasser. Auf meine 80-jährige Schwiegermutter in Belgorod traf leider beides zu. Wir hatten tagelang keine Verbindung zu ihr über Telefon.

Die Angriffe der Ukraine auf zivile Ziele in Belgorod u.a. Regionen bleiben i.d.R. in den westlichen Medien unerwähnt. Allein im Jahr 2025 gab es in der Oblast Belgorod offiziell 147 Tote unter der Zivilbevölkerung, von den Verletzten ganz zu schweigen.

Mit besten Grüßen
Klaus Herrmann

Anmerkung Jens Berger: Lieber Klaus Herrmann,

da haben Sie vollkommen recht. Ich erhebe im Artikel aber auch nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Auch die NATO-/US-Kriege gegen Afghanistan, Syrien, Irak usw. müssten dann genannt werden. Das Beispiel „Kosovokrieg“ habe ich gewählt, da es für Deutschland und den deutschen Diskurs besonders wichtig ist.

Beste Grüße
Jens Berger


6. Leserbrief

Sehr geehrtes NDS-Team,

Jens Berger ist ein messerscharfer Denker und eine feine Journalistenfeder. Aber selbst die edelste Feder kann es nicht jedermann zu jeder Zeit recht machen – ich schon gar nicht. Ich möchte aber doch in diesem Spiel, das da “Relativierung” heißt, ein kleines Ausrufezeichen setzen. Der Synonyme sind es nämlich gar viele -eine Auswahl:

Schönfärberei, herunterspielen, maskieren, verschleiern (der Duden weiß mehr). 

Der Einstieg ist ja untadelig: “Es ist ja nicht der Gegner, sondern der Krieg selbst ist der Feind”. Ich kenne Flächenbombardements – wurde 1944 selbst ausgebombt als Bübchen und habe nur knapp überlebt. Dies und die folgenden Zeilen des Artikels tragen nicht zur Erhellung bei – schon gar nicht in die jüngeren Generationen hinein. Immerhin hat Berger die Sünden der NATO im kleinen Rahmen verdeutlicht. Die USA haben seit ihrer Gründung fast 300 Kriege nur im MAGA-Interesse geführt – auch kleine Kriege über ein paar Tage verursachen viele Leichen – siehe kürzlich im Iran. C’est la guerre! 

Wenn der Ukrainekrieg vorbei ist, wird (hoffentlich) die Wahrheit aufgedeckt und dann würde keine Relativierung mehr das Maß der Schuld “schönfärben”. Die Infrastruktur sei es. Es gibt ja eine solche für das zivile Leben und eine andere für industrielle Komponente, auch für  wissenschaftliche (siehe die toten Physiker im Iran) und eben rein militärische Zwecke. Ich will es kurz machen: Putin hat mehrfach verlautbart, dass er keinen Krieg gegen die sog. Ukrainer führt. Es ist ihm nichts anderes übriggeblieben, als zur sehr späten Hilfe für alles Russische in den Donbas-Republiken einzurücken – 14000 Tote sprechen eine eineindeutige Sprache. Der Gegner (der Feind also) ist die NAZI-Gilde in Kiew. Ob Berger das auch so sieht, erfährt man hier nicht. 

Was nun folgt, soll keine Relativierung sein, sondern ein Vergleich, der es in sich hat. Man vergleiche GAZA mit KIEW! Die Stadt steht noch, fast unversehrt und bis vor kurzem haben die besser gestellten Leute in Kiew ein Leben im Luxus führen können. Unsere Medien müssen uns berichten: Schwere Angriffe auf die Infrastruktur! 1 TOTER und einige Verletzte. Selten mehr als ein Toter! Es ist Krieg! Wenn ein Elektrizitätswerk getroffen wird, so hat das ausschließlich militärische Gründe. Die Bewohner müssen in der Kälte leiden. C’est la guerre! Es ist nicht der Krieg der bösen Russen. Es ist der lange vorher geplante und immer wieder geplante Krieg gegen Russland. Als Historiker muss man das wissen und Herr Berger hat oft bewiesen, dass er einer ist – ein Guter! Das Böse kommt nicht vom Osten her. Die Bandera-Horde steht vor einer bösen Zukunft!

Dieter Münch


7. Leserbrief

Werte NDS, 
werter Jens Berger,

gerade weil ich Ihre Artikel sonst sehr schätze, haben sich mir beim Lesen des o.g. Artikels die Nackenhaare gesträubt. Sie beziehen sich fast ausschließlich auf den Vergleich mit den NATO- und US-Kriegsverbrechen und lassen damit einige wichtige Aspekte völlig außer Acht. Nur an einer Stelle erwähnen Sie, dass die Stromversorgung auch der ukrainischen Waffenproduktion dient, aber das ist längst noch nicht alles.

Gerade in den heutigen Zeiten der elektronischen Kriegsführung ist die Stromversorgung essentiell für Aufklärung, Zielerfassung und Steuerung der Waffensysteme. Der Ausfall der Kommunikationswege von Telefon bis Internet ist nicht nur ein Ärgernis für die Zivilbevölkerung, sondern hat durch die Unterbrechung militärischer Befehlsketten auch einen direkten militärischen Nutzen. Ebenso verhält es sich mit den Störungen bei Transport und Logistik, die eben auch für die Verlegung von Truppen und Waffen genutzt werden.

Mir ist kein Vorgehen des russischen Militärs bekannt, das nicht militärischen Zwecken dient, sondern ausschließlich gegen die Zivilbevölkerung gerichtet ist – ganz im Gegensatz zum Vorgehen der NATO in Jugoslawien und des US-Militärs im Irak, wo Madeleine Albright unverblümt zugegeben hat, dass ihr 500.000 tote irakische Kinder(!) den Preis (US-Kontrolle der irakischen Ölquellen) wert gewesen seien.

Die im Irak von den westlichen Militärmächten fälschlicherweise für sich behauptete Aussage, dass man mit “chirurgischer Präzision” bombardieren würde, trifft auf keinen anderen Krieg der letzten Jahrzehnte so sehr zu wie auf die russische Vorgehensweise in der Ukraine. Beim Vergleich mit dem “Moral Bombing” im 2. WK wird es endgültig absurd. Damals wurden mehrfach in einer einzigen Nacht in einer einzigen Stadt Zehntausende Zivilisten massakriert, während man die zivilen Opferzahlen in sämtlichen Dörfern und Städten in der gesamten Ukraine meist an einer einzelnen Hand abzählen kann.

Dies alles miteinander zu vergleichen, ohne auf die eklatanten Unterschiede in Zielsetzung und Größenordnung hinzuweisen, und im Grundtenor des Artikels lediglich ein “Die Russen sind auch nicht schlimmer als der Westen” zu konstatieren, ist m.E. grob fahrlässig und irreführend. Es würde mich freuen, wenn Sie dies korrigieren oder zumindest in zukünftigen Artikeln etwas differenzierter darlegen.

Mit freundlichen Grüßen
Hubert Heck

Anmerkung Jens Berger: Lieber Herr Heck,

bei allem Respekt, aber Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass die öffentliche Stromversorgung etwas mit der militärischen Infrastruktur zu tun hätte. Jede Wette, dass auch in der Ukraine die militärischen Kommandostände eine ausreichende Notstromversorgung haben, die sie dauerhaft versorgen kann. Das militärisch nutzbare Internet funktioniert in der Ukraine übrigens über die Satelliten von Elon Musks Firma Starlink und ist daher autark. Würde Russland diese Satelliten ausschalten, hätte dies massive Auswirkungen auf die ukrainische Kriegsführung … aber es hätte eben auch sehr massive diplomatische Folgen.

Wenn Sie übrigens russische Primärquellen lesen, müssten Sie ihre Einschätzung revidieren. Selbstverständlich dienen die Angriffe auf die Stromversorgung und andere Infrastruktureinrichtung primär der moralischen Zermürbung. Man will den von innen kommenden Druck auf die ukrainische Regierung erhöhen. Das wiederum ist exakt(!) die gleiche Strategie, die die NATO in der zweiten Phase der Luftangriffe auf Jugoslawien verfolgt hat. Das ist die Aussage. Nicht mehr, nicht weniger. Es geht – aber das habe ich auch klar dargestellt – nicht um eine Gleichsetzung. Selbstredend hätte ich auch noch mehr zum Fallbeispiel Irak schreiben können, das ich nur stichwortartig erwähnt habe. Das habe ich übrigens in anderen Artikeln häufiger gemacht. Aber hierbei handelt es sich nun einmal um einen kurzen Artikel und nicht um eine umfassende Enzyklopädie der modernen Kriegsführung, die Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Haben Sie dafür bitte Verständnis.

Beste Grüße
Jens Berger


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

“Dabei scheinen sie jedoch zu vergessen, dass eine Kriegsführung, die sich gezielt gegen die Zivilbevölkerung richtet, kein Alleinstellungsmerkmal Russlands ist.” Und ich möchte hinzufügen, dass es auch heute im Ukrainekrieg kein Alleinstellungsmerkmal Russlands ist.

Liest, sieht oder hört man nur die Berichterstattung deutscher Medien, so bekommt man selbstverständlich den Eindruck, nur die russische Kriegsführung würde z.B. “eine Million ukrainischer Haushalte ohne Strom und Heizung” lassen.

Als wachem Medienkonsumenten drängt sich einem allerdings die Frage auf, wie es sein kann, dass die ukrainische Seite trotz vieler Milliarden, die ihr vonseiten der USA, der EU und nicht zuletzt Deutschlands für Waffenkäufe und damit die Fortsetzung des Krieges zur Verfügung gestellt wurden und weiterhin werden, nicht in der Lage sein sollte, gleichermaßen zu handeln. 

Wirft  man einen Blick in Medien, die auch die andere Seite abbilden, kann man – so man das möchte -erfahren, dass das ukrainische Militär nicht anders handelt als das russische, dass nämlich bei entsprechender Gemengelage z.B. auch im Donbass oder andernorts bei Minusgraden zahlreiche Haushalte von Strom und Heizung durch ukrainische Maßnahmen abgeschnitten sind, um nur eine Gelegenheit zu erwähnen, bei der das ukrainische Militär die dortige Zivilbevölkerung seit 2014 durch Beschuss und Bombardierung ebenfalls massakriert. Das sind Tatsachen, die wohlweislich von Medien und Politik  verschwiegen und unter den Teppich gekehrt werden.

Das Sprichwort “Im Krieg bleibt die Wahrheit zuerst auf der Strecke” scheint mir auch in Bezug auf diesen Krieg zu gelten. Mit anderen Worten, beide Seiten bedienen sich Strategien, die dazu angetan sind, die Bevölkerung mürbe zu machen. Gerade von den Nachdenkseiten, die sich selbst als alternativ bezeichnen und das in vielfältiger Weise täglich unter Beweis stellen, würde ich mir auch in diesem Fall etwas mehr Objektivität wünschen, anstatt dem Mainstream, der Russland als alleinigen Aggressor und die Ukraine als unschuldiges Opfer darstellt, zu folgen. 

Mit besten Grüßen
G. Fernekes


9. Leserbrief

Lieber Jens Berger,

jawohl, auf beiden Seiten einer kriegerischen Auseinandersetzung sind der Zivilist (und natürlich auch der Soldat!) sehr häufig die Leidtragenden, auch wenn die jeweilige Kriegspartei im Rahmen von Propaganda immer nur das Leid der gegnerischen Seite thematisiert. In diesem Zusammenhang wird oftmals mit aggregierten Zahlen operiert, die eine Vergegenwärtigung grauenhaften Einzelschicksale unterbinden sollen – alle sind halt nur „der Feind“ und werden allenfalls nur als Kollateralschaden abgetan; Einzelschicksal = sch…egal.

In diesem Zusammenhang erscheint mir eine generelle Sensibilisierung der Weltsicht geboten.

Die sehr oft feststellbare HORIZONTALE Weltsicht, welche ein beliebtes Instrument der jeweils herrschenden Kreise und ihrer Ideologieträger ist, arbeitet in vielerlei Hinsicht gerne mit aggregierten Größen: „DIE Araber“, „DIE“ Chinesen, „DIE“ Amerikaner, „Die“ Russen, „Die“ JUDEN, „DIE“ Moslems und noch viele, viele weitere „DIE“s. Gleichsam verhält es sich mit „DEM“ Feind, der als das ausnahmslos zu bekämpfende Übel dargestellt wird.

Demgegenüber vermag eine „VERTIKALE Weltsicht“ derart horizontal ausgelegte Gruppierungen differenzierter und angemessener zu betrachten. In jeder dieser Gruppen gibt es anständige und böswillige, intelligente und weniger intelligente Zeitgenossen, Menschen, die andere beherrschen oder übervorteilen wollen und Menschen, die einfach nur ihr Leben leben möchten. Somit hat dann auch der Zivilist – egal, in welchem horizontaler Gruppierung es sich tummelt, ein Recht auf sensible und empathievolle Würdigung seines Befindens – er ist nicht einfach nur ein unvermeidbarer Kollateralschaden, auch wenn es der „Gegner“ gerne so sieht.

Viele Grüße
R. Spiegel


10. Leserbrief

Hallo Herr Berger,

danke für den notwendigen Beitrag über “Krieg gegen die Zivilbevölkerung”.

Hat es den “Drecksarbeit” – F. Merz, oder den “kriegstüchtigen” Pistorius denn nur ein einziges Mal gestört oder interessiert, wenn es die Zeltlager der Palästinenser im Gazastreifen im Winter Unterwasser gesetzt hat? Wenn die IDF Nahrungslieferungen unterbunden hat? Wenn die IDF 10-köpfige Familien, die im stromlosen Gebäude ohne fließend Wasser, im 10. Stock, 20 Minuten vor der Sprengung “gewarnt” haben, und der Opa oder die Oma, oder das behinderte Kind, getragen werden mußte? Hört noch irgendwer etwas von den Menschen dort?

“Zu ihren Herausforderungen gehört es, die Wintermonate zu überstehen. Die meisten Menschen leben in Zelten oder provisorischen Unterkünften und sind zunehmend anfällig für Krankheitsausbrüche und die Auswirkungen von starken Regenfällen, starken Winden und winterlichen Temperaturen.”
Winterhilfe in Gaza- Islamic Relief Deutschland

Gegen die Zivilbevölkerung im Winter – da war doch was!

Amnesty International, Dezember 2014:

„Mit Einbruch des Winters verschärft sich die ohnehin schon verzweifelte Lage in der Ostukraine noch weiter, da faschistische Freiwilligenbataillone verhindern, dass Lebensmittel und Medikamente die Bedürftigen erreichen. Es ist kein Geheimnis, dass die Region vor einer humanitären Katastrophe steht und viele Menschen bereits von Hunger bedroht sind“, sagte Denis Krivosheev, stellvertretender Direktor für Europa und Zentralasien bei Amnesty International.”
Eastern Ukraine: Humanitarian disaster looms as food aid blocked – Amnesty International

Wer hat denn damals, mit tatkräftiger westlicher Unterstützung, die Menschen dort wegen ihrer Abstammung acht Jahre lang bombardiert?

24.01.2015 · Caritas:

“Fast 1,3 Millionen Menschen haben bisher vor dem Krieg in der Ostukraine flüchten müssen. Ein Drittel davon, rund 400.000, sind Kinder. Die kriegerischen Auseinandersetzungen haben bereits mehr als 4.800 Todesopfer gefordert. (…) Auf diese dramatischen Zahlen, hinter denen sich tragische Einzelschicksale verbergen, haben der österreichische Caritaspräsident Michael Landau und der ukrainische Caritaspräsident Andrij Waskowycz aufmerksam gemacht.”
Erzdiözese Wien – Spendenmöglichkeiten für die Ukraine

Wer hat denn damals darüber geschwiegen?

8.8.2014:

“Einer der letzten westlichen Reporter in der Ostukraine hat mit scharfen Worten auf die Aufforderung der ukrainischen Armee reagiert, die verbliebenen 600.000 Bewohner von Donezk sollen wegen eines bevorstehenden Angriffs die Stadt verlassen: Christian Wehrschütz vom ORF sagt, dies sei eine Kulturschande für die ukrainische Armee, und auch eine Schande für Europa, das zu den Vorgängen schweigt”
Augenzeuge in der Ukraine: „Eine Kulturschande für Europa, was sich hier abspielt“

“Die Ukraine hat 2014/15 die gesamte Krim vom Wassernetz abgetrennt und die Stromleitungen auf die Krim gekappt ! Deutschland und Selenskyj fanden es damals wahnsinnig witzig, dass Russen auf der Krim verdursten!”
Robert Lorenz auf X: „Die Ukraine hat 2014/15 die gesamte Krim vom Wassernetz abgetrennt und die Stromleitungen auf die Krim gekappt ! Deutschland und Selenskyj fanden es damals wahnsinnig witzig, dass Russen auf der Krim verdursten ! ) #Bundeskanzler #Wadephul #Pistorius #Gaza #Trump #Iran #Miosga https://t.co/UEmebtLKjC“ / X

Bernhard Moser 


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