Leserbriefe zu „Mord nennen sie „Tötung“ – die neue Lachnummer der Tagesschau“
Albrecht Müller thematisiert hier insbesondere den Beitrag der Tagesschau-Redaktion mit dem Titel „Angriffe auf Führung in Teheran – Israel meldet Tötung von Irans Geheimdienstminister“. Wenn die Ermordung der iranischen Führungspersonen gemeint sei, werde das Wort Tötung gebraucht. Das sei eine „mithilfe der Sprache bewirkte Verharmlosung der Vorgänge“. Offensichtlich habe sich die „Tagesschau-Redaktion Angela Merkels Feststellung von 2008 zu Herzen genommen, die Sicherheit Israels – in weitem Sinne interpretiert: das Interesse Israels – gehöre zur deutschen Staatsräson“. Von unseren Lesern haben wir hierzu zahlreiche und interessante E-Mails erhalten, wofür wir uns herzlich bedanken. – Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.
1. Leserbrief
Lieber Herr Müller, liebe Redaktion,
herzlichen Dank, dass Sie das thematisieren. So wie seit dem ersten Tag des Ukrainekriegs sämtliche Medien wie gleichgeschaltet vom “völkerrechtswidrigen Angriffskrieg” reden, hören wir jetzt nur von “Tötungen” iranischer Führer. Dass gezielte, geplant ausgeführte Tötungen Mord sind, ist in den Redaktionszentralen niemandem aufgefallen. Oder doch? In der Antwort auf meine Mail an den Deutschlandfunk, warum nur vom “Angriff” der USA und Israels und nicht von einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gesprochen wird, bekam ich Antwort, dass die völkerrechtliche Beurteilung ausführlich behandelt würde etc. (Verweis auf ein Interview mit Herrn Jürgen Hardt (ausgerechnet)), dabei u.a. einen Hinweis auf ein Interview mit dem Leiter der Nachrichten des DLF, Herrn Marco Bertolaso. In diesem kommt zum Ausdruck, dass die Zuhörer sich über die Berichterstattung beschweren und die Redaktion sich viele Gedanken mache und viel diskutiere. Blabla, Fazit: Man spricht weiter gelegentlich vom Angriff, wenn überhaupt und, wie Sie kritisieren, von Tötungen. Es ändert sich nichts. Erbärmlich.
Herzliche Grüße, Joachim Seffrin
2. Leserbrief
Lieber Herr Müller,
was sind die Folgen solcher Terrorakte gegen Politiker ?
Festigt es das aktuelle System in Iran ?
Äußere Feinde schweißen ein System zusammen !
Wie reagieren die mit dem Iran befreundeten Huthis darauf ?
Stichwort Baby el Manded, die Meerenge in das Rote Meer und letztendlich zum Suezkanal ?
Das bestätigt sich umso mehr, wenn ich die Jemenitischen Nachrichten lese !
“Das iranische Geheimdienstministerium verkündet den Märtyrertod seines Ministers Ismail Khatibzadeh
[Donnerstag, 19 März 2026 00:01:35 +0300]
Sein Märtyrertod wurde als „ großer Verlust, aber gleichzeitig als Quelle des Stolzes und der Inspiration für seine Kollegen “ betrachtet.
Sie betonte, dass sein Märtyrertod den Arbeitsablauf nicht beeinträchtigen, sondern die Entschlossenheit der Sicherheitsdienste stärken werde und dass der von ihm eingeschlagene Weg mit größerer Kraft fortgesetzt werde.
Br
Dieter Gabriel
3. Leserbrief
Guten Tag,
die Tagesschau, mit ihren fatalen Einordnungen, wie in dem Bericht genannt, verharmlost mit dem benutzten Vokabular, schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das geschiet natürlich nur für die als schlecht oder minderwertig erklärten Regierungen und Menschen. Unser höchstes menschliches Grundrecht, das Recht auf Leben, darf dann von den selbsternannten ,, Guten ” mit allen perfiden Mitteln ausser Kraft gesetzt werden. Richtig würde es heißen, die gezielte Ermordung von Menschen, ohne irgendeine menschliche Rechtsgrundlage, eine ethische gibt es dafür nicht. Auch hier gilt es Ross und Reiter klar zu benennen.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe
4. Leserbrief
Guten Abend Herr Müller,
in der ARD nennen die es Tötung. Im „Sonntagsstammtisch“ der BR am 8. März nannte es dieser Möchtegernjournalist Kilz „Liquidation“. Meine Anfragen an die Senderaufsicht und die Redaktion wurden mit „bla bla bla“ beantwortet. Bösartigkeit und Respektlosigkeit wurde mir unterstellt, als ich die Frage stellte, was wohl passieren würde, wenn dieser Kilz einem fürchterlichen Anschlag zum Opfer fiele und ein bitterböser Mensch von „Liquidation“ reden würde. Ich glaube die Zwangsgebührenschma… machen es sich ganz schön einfach.
Viele Grüße
Friedrich Handwerker
5. Leserbrief
Guten Morgen, Herr Riegel, guten Morgen Herr Berger,
ich habe einige Texte für die nachdenkseiten geschrieben und verfolge sie natürlich weiterhin aufmerksam.
Zur Ergänzung des Albrecht-Müller-Textes “Mord nennen sie Tötung” vom 19.3.2026, der sich auf die Wortwahl der Tagesschau bezieht, will ich die Wortwahl des Heute-Journals vom 17.3.2026 anführen.
Die Moderatorin Dunja Hayali formuliert die Ermordung von Ali Laridschani so:
„Unterdessen haben die USA und Israel aber eine weitere wichtige Figur im Iran ausgeschaltet.“
“Figur” und “ausgeschaltet? Gab es da nicht mal das Wörterbuch des Unmenschen?
Der Satz ist ab Minute 9:45 Uhr zu hören. Hier der link auf das Video.
Beste Grüße
Rupert Koppold
6. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Müller,
Ihrem Kommentar Stimme ich zu!
Bereits die Gründung des Staates Israel war – auch mit späterem Eingeständnissen der Ministerpräsidenten Ben Gurion, Golda Meir und Menachim Begin – mit Terror gegen die palästinensische Bevölkerung erfolgt. Dieser Terror wird bis heute immer noch ausgeübt! Landraub, Vertreibung und Morden gehört offensichtlicht zur DNA der Zionisten, die sich auf den 6 Millionen von den NAZIs ermordeten europäischen Menschen jüdischer Religion offenbar sehr wohl fühlen. Mit der ständig forcierten Zuwanderung von “Juden” – zuletzt mehr als eine Million aus der sich auflösenden Sowjetunion – wird der bis heute andauernde Terror mit Landraub sowie die Zerstörung von Wohnhäusern bis hin zu Moscheen der palästinensischen Bevölkerung seit der Nagba vor fast 80 Jahren fortgesetzt. Wenn sich aber palästinensische Menschen zur Wehr setzen – gleichgültig, ob einzelne oder zu Organisationen zusammengeschlossene – werden die pauschal als Terroristen bezeichnet. Die Mütter aller Terroristen sind im Nahen Osten jedoch die Zionisten Israels!
Vor Gründung des Staates Israel waren in vielen der arabischen Staaten Menschen jüdischer Religion nicht nur geduldete, sondern in der Regel angesehene Mitbürger. Erst mit der gewaltsamen Gründung Israels war das umgeschlagen und diese Menschen wurden verfolgt, oft getötet oder zur Ausreise nach Israel gedrängt, waren aber dort nicht unbedingt willkommen.
Wenn Deutschlands Regierungen nun mit der “Staatsräson” Waffen- und Munitionslieferungen nach Israel begründen, so machen sie sich der Beihilfe zum Genozid schuldig. Es besteht wohl kein Zweifel, dass sich mit dieser Beihilfe des Genozids an Palästinensern keines der Opfer des Holocausts “gerächt” werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Günter Steinke
7. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Müller,
dieser unverschämte Versuch, das natürliche Rechtsempfinden durch die penetrante Bezeichnung von Morden als “Tötungen” zu untergraben, ist ja nicht neu. Zum ersten Mal aufgestoßen ist mir diese Manipulationspraxis im Fall der Ermordung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 durch die USA. Seitdem scheint die Hauptqualifikation der Mainstream Journaille darin zu bestehen, genau zu “wissen”, in welchen Fällen der Begriff “Tötung” und in welchen Fällen der Begriff “Ermordung” Verwendung zu finden hat. Wenn die israelische Armee palästinensische Zivilisten ermordet, weiß diese Journaille, dass der Begriff “Tötung” verwendet werden soll. Wenn die russische Armee ukrainische Zivilisten ermordet, weiß diese Journaille, dass der Begriff “Ermordung” zu verwenden ist. Der Sinn dieser “Unterscheidung” ist klar. “Tötung” ist ein neutraler Begriff vollkommen frei von juristischen und psychologischen Implikationen. “Mord” hingegen ist eine juristische Kategorie per se. Gegenüber den Opfern von “Tötungen” soll der Medienkonsument keine Empathie entwickeln und es hinnehmen, dass keine Konsequenzen daraus folgen. Gegenüber den Opfern von “Ermordungen” hingegen soll der Medienkonsument jede militärische Aktion gegen die Täter begrüßen. Um die Medienkonsumenten auf diese Weise zu manipulieren, schreckt die Journaille selbst vor dem widerlichsten Rassismus, der sogar vor Toten nicht Halt macht nicht zurück. Eine Journaille, welche die Opfer von “Tötungen” mit Vorsatz entmenschlicht, weil ihnen jede Empathie vorenthalten werden soll, aber gleichzeitig die Regenbogenfahnen schwenkt und die “one love Binde” trägt ist an Verkommenheit nicht mehr zu überbieten. In letzter Konsequenz macht sich diese Journaille zum Komplizen von Kriegsverbrechern, indem sie durch die Bezeichnung der systematischen Ermordung palästinensischer Zivilisten durch die israelische Armee als bloße “Tötungen”, die Kriegsverbrecher einer Jurisdiktion entziehen will.
An dieser Stelle möchte ich aber noch darauf hinweisen, dass selbst in einigen Artikeln auf den NDS der Begriff “Tötung” statt “Mord” verwendet wird. Vielleicht sorgt Ihr Artikel dafür, dass dieses Ärgernis künftig unterbleibt.
Mit freundlichen Grüßen
D.Insinger
8. Leserbrief
Moin,
aber, aber, Herr Müller: Wie können Sie nur? “Wir”, das sind doch “die Guten”, sind moralisch über jegliche Handlung hinweg erhaben! Wenn “wir”* Handlungen durchführen, dann nur “zum Besten der Welt”™! “Wir” haben sie vor einem bööööhsen™ Diktator bewahrt, der die Menschheit nicht nur unterjocht, sondern regelrecht versklavt und gar Fürchterbares mit ihr anstellt! (kurzer Wink nach Guantanamo und israelische Gefängnisse an dieser Stelle)
Es gibt Stimmen, die besagen, daß die Tötung von Irans Führungspersonal nichts Gutes bringt, weil deren Hierarchie so aufgestellt ist, daß sie wie ein Mosaik funktioniert und die nächsten Führungspersonen radikaler als die bisherigen sein könnten. Gerade Israel müßte es wissen, produziert doch deren Gewalt gegen die Palästinenser fortlaufend Gegengewalt, die auch nicht abebbt, wenn die Führungspersönlichkeiten weggebombt wurden — gerade so, als ginge Gewalt nur von ein paar durchgeknallten Leuten aus. Nein: diese Gewalt hat weltweit Methode, und Irans Führungsriege ist gewiß nicht die Ursache, sondern nur das Ergebnis, denn der Iran hat nicht zuerst angegriffen.
Wenn die tagesschau von “Mord” spräche, dann müßte sie auch gleichzeitig Anklage gegen die Mörder erheben. Hust. Hust. Hust…was ist die Luft hier so trocken? Man kann gar nicht so viel trinken wie man…
Mit sarkastischen, aber dennoch freundlichen Grüßen, weil dieser Wahnsinn sonst nicht anders zu ertragen ist,
Michael Schauberger
*”wir” = die “westliche Wertegemeinschaft” unter “Führrrung” der USA
9. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Müller sehr geehrtes Nachdenkseitenteam
Sie weisen zurecht auf die fragwürdige Verwendung der Sprache (bewusst oder unbewusst? wohl eher bewusst!) hin, wodurch implizit fragwürdige moralische Wertungen hinsichtlich der Tötung von Menschen transportiert werden und wodurch medial spezifische Haltungen bei den Rezipienten zu entsprechenden Vorgängen in der Welt erzeugt werden (sollen).
Aber die Frage ob dies Morde oder Tötungen sind bezieht sich ja nicht nur auf Führungspersönlichkeiten sondern auch auf jeden namentlich in der Weltöffentlichkeit unbekannten Iraner, der in diesem Krieg ums Leben kommt. Warum sollte man diesbezüglich einen Unterschied machen zwischen Führungspersönlichkeiten und normalen Menschen, die gezielt getötet werden. Fraglich ist wie man Opfer von Kollateralschäden diesbezüglich einordnen soll. Hier muss man wohl davon ausgehen, dass deren Tod billigend in Kauf genommen wurde, was im deutschen Strafrecht, wenn ich richtig informiert bin, auch als Mord interpretiert werden kann.
Andererseits erscheint mir diese Art der Kriegsführung, bei der vorrangig Führungspersönlichkeiten ins Visir genommen werden, ein großer Fortschritt zu sein, weil dadurch vorrangig die eigentlichen Verantwortlichen der Kriege “ausgeschaltet” werden und dadurch in Zukunft vielleicht mehr Frieden in die Welt kommen könnte und weniger Unschulduge leiden und sterben müssten.
Fritz Gerhard
10. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Müller,
Hier meldet sich mal wieder der Uraltpauker. Er weiß, dass dem Begriff Sprachverhunzung Aspekte der Polemik innewohnen. Der Begriff ist durchaus negativ konnotiert und Sie haben sich Mühe gegeben, dies in Ihrem Text zu vermeiden. Die Wortwurzel ist griechischer Herkunft: polemikos = kriegerisch. Es herrscht Krieg rund um Iran. Es sind Menschen, die dort töten. Nach “unseren” Gesetzen gibt es einen Unterschied zwischen Totschlag und Mord. In Deutschland steht für Mord der § 212 STGB und der verjährt nicht. Es gibt diverse Merkmale für Mord. Hier steht zuallererst die ethische Verwerflichkeit im Mittelpunkt. Die Merkmale sind: Heimtücke, Grausamkeit oder auch die Verwendung von gemeingefährlichen Mitteln. Zu letzterem gehört der Wille, neben dem eigentlichen Ziel des Mordes auch weitere Leben zu gefährden.
Sowohl der Ukrainekrieg als auch der erneute Angriff auf den Iran wird in den NDS in zwar wertender Sprache aber doch ausgewogen diskutiert – wenn es auch vorkommen kann, dass mal eine Glosse darunter ist. Schon weit früher als diese beiden Kriege hat sich die “vorgeschriebene” Sprache in Funk, Fernsehen, aber auch in den geschriebenen wertewestlichen Medien in Richtung Kriegstreiberei verändert. Sogar von Frau Wagenknecht wurde 2023 “der furchtbare russische Angriffskrieg” publiziert. NDS-Leser wissen nun, wie die Vorgeschichte zur Kriegsgeschichte wirklich war. Es sind dieselben Entitäten, die auch den Iran aus der Geschichte bomben wollen. Sie wissen auch, dass diese uralte Zivilisation ein Hindernis auf dem Weg zum Endziel China ist.
Dafür steht dem tiefen Staat in Washington und dem mörderischen Regime in Israel stets die Heimtücke als das Mittel der Wahl zur Verfügung. “Verhandlungen” werden immer wieder genutzt um den Gegner zu täuschen und dann den Präsidenten samt Familie zu killen – die 170 Mädchen sind ein schreckliches Mahnmal am Himmel des Armageddon.
Ich habe Herrn Müllers Zeilen gelesen und möchte ihn wissen lassen, dass mir das nicht so gelungen wäre. Mir wäre der Zorn in die Tastatur getrieft.
Und also muss ich immer wieder mal die Kiste anmachen und mich der schrecklichen wertewestlichen Sprache aussetzen und die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Mörder vor Gericht kommen. Sie haben Namen! Einen nenne ich: Netanjahu.
Mit Dank
Dieter Münch
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