Durchsuchen Sie doch mal die Informationsportale Ihrer Landesregierungen!

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Ein Leser der NachDenkSeiten hat uns auf eine spannende Idee gebracht. Er hat im Internet einfach mal das Informationsportal der hessischen Landesregierung aufgerufen und als Suchwort „Bertelsmann“ eingegeben. Man findet dort sage und schreibe 28 Suchergebnisse.
Schauen Sie doch einfach einmal bei Ihrer Landesregierung rein und staunen Sie darüber, auf wie vielen Feldern der Landespolitik Ihnen da Bertelsmann begegnet.
Wenn Sie sich die Mühe machten, uns Ihr Erstaunen und Ihre interessanten Funde mitzuteilen, wäre das großartig. Vielleicht könnten wir ja eine Art Atlas der von Bertelsmann besetzten Themen und Handlungsfelder in den Ländern anlegen.

Die Einträge im Portal der hessischen Landesregierung reichen von Pressemitteilungen über das gemeinsame Projekt des hessischen Kultusministeriums und der Bertelsmann Stiftung zur „Musikalische Grundschule“, über das gemeinsame Förderprojekt eines Bachelor-Studiengang Wissenschaftsjournalismus, bis zu einer Bertelsmann Studie über die Sicherheitslage des Landes. Mehrfach sonnt sich dort Hessen im Bertelsmann-Standort-Ranking, sogar das Kabinett befasste sich damit.
Die Bertelsmann-Studie „Demographischer Wandel“ ist Orientierungsmaßstab für eine familienfreundliche Stadtpolitik. Es wird auf die Ergebnisse der Bertelsmann-Umfrage „Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen“ (Corporate Social Responsibility) hingewiesen oder das Netzwerk „Kommunen der Zukunft“, das Bertelsmann gemeinsam mit der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung initiiert hat, empfohlen.
Das gemeinsame Projekt von Bertelsmann und dem NRW-Innenministerium „www.kommunalerbürgerhaushalt.de“ taucht genauso auf, wie der gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium und der Gütersloher Stiftung veranstaltet Wettbewerb zur kommunalen „Integrationspolitik“.
Die für die Landesregierung Hessens relevante Bandbreite der Bertelsmannstiftung reicht bis zur Gemeindeunfallversicherung, zur frühkindlichen Erziehung unter dem Titel „Guck mal“ oder zur Altenpflege. Auch der Bertelsmannsche Lesebarometer ist eines Hinweises wert. Und für Abschlussprüfungen wird Bertelsmanns „Was muss ich wissen“ empfohlen.

Sicherlich viele der von Bertelsmann angebotenen Dienste sind politisch harmlos, ja vielleicht sogar hilfreich. Die Suchantworten zeigen eigentlich nur, auf wie vielen Feldern mit landespolitischer Relevanz Bertelsmann tätig ist.

Sie beweisen nicht den Einfluss und die politische Wirkung der Bertelsmann Stiftung.

Es ist klar, dass das, was im Informationsportal der hessischen Landesregierung angeboten wird, nur die Spitze eines Eisbergs ist. Nicht erwähnt sind dabei natürlich die intern angeforderten Studien, Bewertungen oder Ratschläge, die etwa die Ressorts von Bertelsmann angefordert haben oder die Bertelsmann großzügigerweise von sich aus geliefert hat. Nicht erfasst ist auch, auf welchen Veranstaltungen der Stiftung hessische Politiker aufgetreten oder eingeladen waren. Und schon gar nicht ist nachvollziehbar, auf welche Fragen, das Parlament, die Landtagsfraktionen sich Rat bei Bertelsmann geholt haben.
Mit Sicherheit hat Bertelsmanns CHE etwa bei der Einführung von Studiengebühren in Hessen oder bei Schulreformen seine Finger im Spiel gehabt. Man kann gar nicht nachhalten, wie viele Mitarbeiter der hessischen Landesregierung auf von der Stiftung angebotenen Seminaren oder Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen haben.
Das alles natürlich im Sinne der Bertelsmannschen Mission für das „Gemeinwohl“ und zur Förderung des „gesellschaftlichen Wandels“ und von „Reformen“ und gemäß der Bertelsmannschen „Überzeugung, dass Wettbewerb“, „die Prinzipien unternehmerischen Handelns zum Aufbau einer zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen.“

Kennen Sie irgendeine Institution in dieser Gesellschaft, die so breit aufgestellt ist, die auf so vielen politischen Feldern ihren Rat anbietet oder die politisch so penetrant ist, wie die Bertelsmann Stiftung?

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