Denglisch for advanced Beginners

Denglisch for advanced Beginners

Denglisch for advanced Beginners

Susanne Bur
Ein Artikel von Susanne Bur

Nachdem ich den Artikel von Albrecht Müller gelesen habe zum Thema „Die Verhunzung unserer Sprache macht Fortschritte“ und ich im Newsletter nochmals auf den Artikel aufmerksam gemacht wurde, bin ich in mich gegangen, überlegte, wann ich dieses Denglisch anwende bzw. wann es mir begegnet, und habe ein paar Tage lang gesammelt, zum Thema, Arbeit, Sport, Sprache meiner Enkelinnen, Werbung u.v.m. Gut, das, was von den Enkelinnen kam, musste ich mir übersetzen lassen. Von Susanne Bur.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Ein ganz normaler fiktiver Tag (oder: Das absolute Cringe-Fest unseres Alltags):

Dein Handy weckt dich, weil du das im Timer so gescheduled hast. (Fun Fact für die Besserwisser-Fraktion: „Handy“ ist kein englisches Wort, sondern kommt aus dem Schwäbischen „Hänn die koi Kabel?“. Der Brite nennt das Ding Mobile Phone, der Amerikaner Cell Phone, aber wir sind hier in Germany, also who cares.)

Vor dem Aufstehen erst mal die absolute Core-Routine: Durch die Socials scrollen und ein paar Memes liken, die heute viral gehen. Danach kurz die News-Apps auschecken – man muss ja wissen, was die Headers und Subheaders an Breaking News droppen. Vor allem bei der Politik brauchst du das tägliche Update, um zu checken, welche Gamechanger in den aktuellen Kriegen mal wieder performed haben. Exciting! Ich dachte immer, Krieg sei die Hölle, aber dass es ein Game ist, also ein Spiel, lässt die Grausamkeiten doch viel freundlicher wirken.

Dann: Aufstehen, das Outfit of the Day wählen und ab in den Job.

Das Business-Meeting: Wo die Magic happens:

Heute steht ein Marketing Meeting an – ein großes Event wirft seine Schatten voraus. Einer der Sales Manager kommt natürlich late, weil ihn der Check-In am Airport ge-delayed hat. Absolute Katastrophe, denn wir haben eine unfassbar tighte Deadline.

Plötzlich crasht der Kollege aus der IT rein: Er braucht dringend einen Quick Call mit dem gesamten Team, um uns zu updaten. Parallel fragt der Customer Service, ob die Flyer schon ready gedruckt sind. Und boom – plötzlich talkst du wie ein kalifornischer Tech-Bro auf Koks, obwohl du eigentlich nur sagen wolltest, dass der Drucker im Flur mal wieder einen Papierstau hat. Deep.

Shopping-Time & Generation-Crash:

Nach dem Business schnell noch eine Runde Shoppen gehen. Die Enkelinnen (13 und 15) kommen zu Besuch. Also Quality Time im Discounter, Lebensmittel-Restocking betreiben. Und hey, ein paar T-Shirts für die Kids müssen auch mit. Direkt rein in die Grabbelkiste, über der ein fettes SALE-Schild prangt. Die Power-Drinks nicht vergessen – die lieben die Beiden.

Schnell nach Hause und auf der Couch noch kurz chillen, bevor der Nachwuchs über dich herfällt wie eine Horde hungriger Zombies.

Sie sind da! Ab jetzt wird’s richtig anstrengend. Am besten fährst du direkt den Google Translator oder eine High-End-KI hoch, um dieses Kauderwelsch zu entschlüsseln. Die Stories sprudeln nur so aus ihnen heraus – alles Updates aus ihrem Life. Aber hey, du bist heute der absolute Hero und maximal cool, weil du Eis gesnackt hast und eine TK-Pizza in den Air Fryer schiebst.

Die Vibes mit den Freundinnen? Komplett lit! Jungs? Alle doof und lost, die werden direkt ge-ghosted. Aber der neue Crush? Absolute Ausnahme, der ist einfach nur slay.

Du wirst direkt gezwungen, dir auf TikTok eine Influencerin reinzuziehen, die dir die neuesten Basics zeigt – angeblich absolute Klamotten-Must-Haves, um überhaupt noch in zu sein.

Der Feierabend-Overkill:

Dank deines Smart-TVs wird jetzt eine neue Serie gestreamt, die die Kids unbedingt sehen müssen. Du starrst auf den Screen und hörst nur Jugend-Gedöns, das du in deinem Alter mental nicht mehr verarbeiten kannst, performed von Stars, die du aus der Boomer-Generation nicht kennst.

Bevor du komplett im Binge-Watching versinkst, gehst du als Raucher erst mal auf den Balkon und ziehst dir zwei bis drei Glimmstängel zur Beruhigung rein. „Hilfe, ich verstehe die Welt nicht mehr!“ Aber hey: Keep calm, have a break, have a Kitkat. Solche Micro-Pauses sind schließlich essenziell für die eigene Work-Life-Balance. Schnell noch ein paar Runden Stuhl-Yoga, um den Body in shape zu halten, während der Mind schon Feierabend hat. Die Boomer unter uns erinnern sich bestimmt noch an die Jacobs-Kaffee-Frau: das ultimative Role Model. Gut aussehend, beruflich erfolgreich, fancy Wohnung, sportlich und meistens glücklicher Single. Peak Performance halt.

Weil gerade die Fußball-WM live übertragen wird – natürlich zu absolut unnormalen Zeiten mitten in der Nacht –, wird das Binge-Watching eiskalt ge-cancelt. Zeit für den guten alten Volkssport.

Der Moderator legt direkt los:

„Der Coach hat das Team gestern noch mal richtig ge-briefed und mental eingeschworen. Jetzt schießt Spieler X mit maximalem Wumms Richtung Tor… der Keeper ist chancenlos! Die Meute schreit GOAL! Aber Pfiff vom Referee: Der Spieler war im Offside!

Großes Kino. Sprachlich so high-level, dass selbst ein fades 0:0 klingt wie ein glorreiches 7:1.

„Deutschland wankt gegen die Elfenbeinküste, dann kommt der Finisher Deniz Undav. Mit zwei Treffern dreht der abermals eingewechselte Stürmer die Partie. Er ist jetzt Topscorer der gesamten WM.“ (Subheader bei der WELT)

Und genau so husteln wir uns durch den Tag. Wir chillen, streamen, binge-watchen, fixen und updaten uns durch dieses Konstrukt namens Leben. Immer schön das richtige Framing im Hinterkopf behalten, bis wir am Ende des Tages gar nicht mehr checken, dass wir eine völlig mutierte Sprache sprechen: Denglisch. Aber hey – dabei bitte immer schön politically correct bleiben!

I wish you what!

p.s.: Verhunzen können die Politiker auch nicht schlecht, kleine Aufgabe für „runaways“ :-) in Deutsch und Englisch:

Bitte übersetzt mal das offiziell längste deutsche Wort ins Englische:„Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“

Bedeutung: Eine Verordnung darüber, wer dafür zuständig ist, die Genehmigung für den Verkehr (Kauf/Verkauf) von Grundstücken zu übertragen.


Glossar: einige möglicherweise gänzlich unbekannte Begriffe:

  • cringe: Fremdschämen bzw. peinlich (der absolute Klassiker, war auch schon Jugendwort des Jahres)
  • viben/Vibs haben: Eine gute Zeit haben, sich gut verstehen oder die Atmosphäre genießen („Wir viben voll miteinander“)
  • lit: toll, super, schön
  • ghosten: Den Kontakt zu jemandem plötzlich und ohne Erklärung komplett abbrechen.
  • lost: Planlos, verwirrt oder völlig neben der Spur („Ich bin heute echt komplett lost“)
  • crush: Jemand, in den man heimlich verliebt ist („Mein Crush hat mir geschrieben“)
  • slay: Großartig sein, cool aussehen oder eine Situation meistern („Dein Outfit slayt richtig“)
  • Binge-Watching: das Anschauen mehrerer Folgen einer Serie oder sogar ganzer Staffeln direkt hintereinander, oft über mehrere Stunden hinweg.
  • Topscorer:(top „Spitze“ und scorer „Schütze“),Spieler in einer Mannschaft, der die meisten Punkte erzielt
  • Offside: Abseits
  • hustln: Die moderne Bedeutung: Hart arbeiten & Durchziehen
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