„Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen“ – das sagte Friedrich Merz beim NATO-Gipfel in Ankara. Offensichtlich hat der Bundeskanzler eine grundlegende Wahrheit nicht verstanden. Ein Krieg kann so wenig gewonnen werden, wie ein Tsunami. Wenn tausende, zehntausende, hunderttausende und mehr Soldaten tot, verstümmelt oder schwer traumatisiert sind, ist der Begriff „gewinnen“ fehl am Platz – die NachDenkSeiten weißen darauf immer wieder hin. Politiker, die das nicht verstehen, sollten möglichst schnell eins tun, nämlich: Die Politik verlassen. Mandatsträger, die im Zusammenhang von Kriegen in den Kategorien „gewinnen“ und „verlieren“ denken, haben schon genug Schaden angerichtet. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Wie leicht geht dem Bundeskanzler doch der Begriff über die Lippen. Da steht er da im Anzug, mit weißem Hemd und Krawatte, hinter ihm die Pappwand mit der NATO-Symbolik und spricht zu den versammelten Pressevertretern. Er will, wie er sagt, „eine klare Botschaft“ an Moskau richten:
„Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen.“
Jeder Militär mit einem Funken Verstand und Verantwortungsbewusstsein, weiß in Anbetracht der Ausmaße eines Krieges, dass Kriege im Allgemeinen nicht zu „gewinnen“ sind. Nicht nur Russland kann diesen Krieg nicht „gewinnen“. Auch die Nato nicht. Niemand. Ein Spiel lässt sich „gewinnen“. Doch ein Krieg ist kein Spiel. Weiß der Bundeskanzler das?
Schon im Dezember 2024 sagte Merz in einem Tweet auf der Plattform „X“:
„Die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen, Russland muss ihn verlieren.“
Wenn ein Staatsführer, der Verantwortung für 84 Millionen Bürger trägt, meint, Kriege könnten gewonnen werden, ist er für ein Land eine katastrophale Fehlbesetzung.
Wer als Politiker nie den Dreck des Schützengrabens schlucken musste, wer als Politiker nie das Grauen – das unvorstellbare Grauen – auf den Schlachtfeldern am eigenen Leib erfahren hat, der hat wohl gut reden.
Die Beschönigung bei der Wahl der Worte verrät den Abgrund der Politik.
Eine Politik, die Kriege antreibt, die Schlachtfelder mit immer mehr Waffen flutet und dabei den Kampf der Diplomatie vorzieht, trägt schwere Schuld.
Und ja, zur Wahrheit gehört, wenn das Wörtchen „gewinnen“ denn unbedingt gebraucht werden soll: Wenn Krieg herrscht, „gewinnen“ einige: Nämlich die Kriegsprofiteure, die sich die Taschen mit dem Geld, dass die Zerstörung der Rüstungsindustrie in die Kassen spült, vollstopfen. Sie beziehen: Blutgeld.
Titelbild: Bundesregierung/Steffen Kugler





