Leserbriefe zu „EU-Beitritt: Der Konflikt zwischen der Ukraine und Polen kann Hoffnung machen“

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In diesem Beitrag kommentiert Tobias Riegel den beabsichtigten EU-Beitritt der Ukraine. Die aktuellen Konflikte zwischen Polen und der Ukraine um die Agrarpolitik und um die ukrainische Ehrung von Nazi-Kollaborateuren könnten leise Hoffnungen auf ein Scheitern machen. Für Entwarnung gebe es allerdings keinen Anlass. Wenn es um die Ukraine gehe, würden rationale politische Kriterien schon längst nicht mehr gelten. Denn: „Durch einen EU-Beitritt würde die Ukraine dauerhaft zu einer korrupten und ultranationalistisch geprägten Belastung für die europäischen Gesellschaften. Zusätzlich würden die anderen EU-Länder durch eventuelle Beistandsklauseln als (dann direkte) Kriegsparteien in den Ukrainekrieg hineingezogen.“ Wenn der EU-Beitritt der Ukraine scheitern sollte, hätte Polen „ganz Europa einen Dienst erwiesen“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante Leserbriefe bekommen. Dafür bedanken wir uns. Die nun folgende Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Guten Tag Herr Riegel,

ich sehe es so ähnlich, wie Sie im Artikel „EU-Beitritt: Der Konflikt zwischen der Ukraine und Polen kann Hoffnung machen“ schreiben. Die ideologische Verwandtschaft relevanter Teile der aktuellen politischen Führung in Kiew mit den ukrainischen Nazikollaborateuren wird instrumentalisiert und geflissentlich ignoriert, um andere Absichten zu verschleiern. Wir erinnern uns an den 22. September 2023, als im kanadischen House of Commons der ehemalige Waffen-SS-Angehörige, Mitglied der „Galizien-Division“ Jaroslaw Hunka mit stehenden Ovationen empfangen wurde. Die Volksvertreter applaudierten einem Waffen-SS-Freiwilligen, der nichts bereut.

de.wikipedia.org/wiki/Jaroslaw_Hunka

Wolodymyr Selenskyj erhielt den “Orden des Weißen Adlers”, die höchste Auszeichnung Polens, am 5. April 2023. Der damalige polnische Präsident Andrzej Duda überreichte den Orden bei einem Staatsbesuch in Warschau, um Selenskyjs Verdienste um die Ukraine und die polnisch-ukrainische Freundschaft zu ehren. Der „Jaroslaw-Hunka-Eklat“ schadete dem „Orden des Weißen Adlers“ Träger Selenskkyj nicht nachhaltig. Doch im Streit zwischen Polen und der Ukraine um die Weltkriegsvergangenheit wurde dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sein “Orden des Weißen Adlers” vom polnischen Präsidenten Karol Nawrocki im Juni 2026 entzogen.

Nicht zu vernachlässigen ist die polnische Innenpolitik. Oben steht der gemeinsame Feind Russland, dann wird es uneinheitlich. Und wie überall gilt, die nächsten Wahlen sollten gewonnen werden.

polskieradio.pl/400/7986/Artykul/3667042,Politische-Polarisierung-als-gr%C3%B6%C3%9Ftes-Risiko-f%C3%BCr-Polens-Stabilit%C3%A4t

In meiner Heimatstadt Mainz wurden diverse ukrainische Benefizabende gefeiert, bei denen u.a. die damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) als Schirmherrin fungierte. Die Mainzer Allgemeine Zeitung (AZ) schrieb bspw. am 10.11.2023 über den zwei Tage zuvor stattgefundenen Benefizabend:

„Slawa Ukrajini – Herojam Slawa“ – im Kurfürstlichen Schloss ertönte beim Abend für die Ukraine immer wieder der Schlachtruf ihrer Armee aus Hunderten Kehlen und ließ Glauben, Hoffnung und Stolz einer Nation mitklingen, die trotz großen Leids dem russischen Angriffskrieg Putins auch nach über 620 Tagen weiterhin trotzt und sich für die Demokratie im Land weiter zur Wehr setzen wird.

Mit diesem Satz beginnt der Bericht in der AZ. Über den Ursprung des Schlachtrufs „Slawa Ukrajini – Herojam Slawa“ in deutscher Übersetzung „Ruhm der Ukraine – Ehre den Helden“ herrscht kein Zweifel. Solange es gegen Russland geht, wird der (west-)ukrainische Ethno-Nationalismus geduldet. Ukrainer, die mit dieser Geschichtsklitterung überhaupt nicht einverstanden sind, genießen nicht diese Lobby.

Friedliche Grüße
Jan Schulz


2. Leserbrief

Moin,

“Ein EU-Beitritt der Ukraine ist eindeutig abzulehnen.”

Ich gehe einen Schritt weiter und behaupte, daß ebenso ein Verbleib in der EU für alle Mitgliedsstaaten schädlich ist — auch & insbesondere für Deutschland. Schlimmer, noch: man macht einfach jetzt schon Nägel mit Köpfen, indem man militärisch kooperiert:

tkp.at/2026/07/16/von-der-leyen-in-kiew-neuer-drohnen-deal-vertieft-die-militaerische-integration-der-ukraine-in-die-eu/

Man muß die Situation mal langsam und konzentriert analysieren:

Da wird eine Rüstungskooperation geschmiedet, die der Kriegspartei Ukraine Drohnen liefert, die sie dann gegen Rußland einsetzen. Die EU wird damit faktisch zum Kriegsteilnehmer. Für Rußland wäre jede dieser Rüstungsschmieden wie das spanische Indra, das italienische Fincatieri und das deutsche Quantum Systems ein legitimes Angriffsziel. Daß dieser offensichtliche Aspekt von den verantwortlichen Politikern nicht berücksichtigt worden wäre, ist kaum vorstellbar. Die viel größere Wahrscheinlichkeit ist, daß diese Art von Provokation explizit gewollt ist. Was der Wendepunkt 2022 in der Ukraine war, als es für Rußland keine andere Option mehr gab, als militärisch zurückzuschlagen, wird eines Tages auch mit EU-Europa geschehen, wenn weiterhin von Seiten der EU provoziert wird.

Ginge es nach deutschem Gesetz, so wäre die Ausfuhr einer Drohne und auch ihrer militärisch nutzbaren Einzelteile in die Ukraine verboten, da es Deutschland vorschreibt, daß es sich nicht an bewaffnete Konflikte beteiligen darf, gerade auch aus Selbstschutz heraus, damit es sich eben nicht an anderer Länder Kriege beteiligt und selbst dadurch Schaden nimmt. Wenn ich mich nicht irre, dann ist diese Art von Gewaltverbot tatsächlich auch ein EU-Statut, gegen das ausgerechnet die Kommissionspräsidentin verstößt?

Wer braucht schon einen EU-Beitritt, wenn man das, was sich daraus ergibt, auch an einer Mitgliedschaft vorbei per Abkommen erzielen kann?

Es tut mir leid, Herr Riegel, wenn ich gerade Ihren Hoffnungsschimmer zerlegt habe, aber ich befürchte, daß die Lage noch viel schlimmer ist, als sie am ukrainisch-polnischen Konflikt allein festmachen zu können.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schauberger


3. Leserbrief

„Jeszcze Polska nie zginęła“ – noch ist Polen nicht verloren!

Tobias Riegel hat diesen Ruf zum (hoffentlich) guten Schluss seines Artikels zwar nicht gewählt, aber mir “deucht”, dass da doch ein innerer Zusammenhang besteht: Europa ist zweifellos in Not und Polen wieder einmal in großer Not. Dass mir das “deucht” hier reinrutscht, hat mit der direkten Übersetzung der ersten Zeile der polnischen Nationalhymne zu tun (siehe den o.a. Betreff). 1797 nämlich war sie das Kampflied der polnischen Legionen, die für ein neues Polen kämpften – das alte Polen war ja durch die Teilungen in der Vergangenheit verschwunden. An dessen Gebiet haben sich die Preußen, die Österreicher und die damals wie heute “bösen” Russen bedient. 1831 haben die Russen den Warschauer Aufstand niedergeschlagen. Die Folge war eine massive Russifizierung. Auch der Krakauer Aufstand wurde niedergeschlagen – von den Österreichern. Der “Alte Fritz” hat sich mit Zarin Katharina rein diplomatisch geeinigt und Gebiete übernommen. Geschichte sollte man nie vergessen, denn Geschichte selber vergisst schließlich nie. Und der jetzige Fritz, dieser Friederich die Nase, hat es mit der Geschichte so gar nicht am Hut. Er lebt zwar in der Gegenwart, aber ob ihm bewusst ist, dass dieser damalige ostslawische Staat Polen-Litauen hieß, scheint (deucht) mir doch zweifelhaft zu sein.

Eine Ukraine hat es damals nicht gegeben und eigentlich hat es diesen “Staat” auch nie gegeben – wenn man von zwei Jährchen zur Lenin-Zeit mal absieht. Die Medien lassen ihre zahlungspflichtigen Kunden ja beharrlich im Nichtwissen verharren: “Ukraine” bedeutet Grenzland und die Menschen, die dort wohnten, mussten über die Jahrhunderte hinweg unter diversen Herrschaften ihr Dasein fristen und natürlich haben sich die Stämme auch untereinander vermischt – wo die Liebe eben hinfällt. Es sei jedermann (und jeder Frau) gerne überlassen, sich darüber zu informieren, wie es zu dem kam, was heute die Ukraine ist. Die Ukrainska Pravda ist nicht zu empfehlen.

Autor Riegel nennt es den “radikalen ukrainischen Geschichtsrevisionismus”. Dieses geopolitisch böse vergiftete und von Korruption durchsetzte Staatsgebilde namens GRENZLAND trägt das Potenzial zum Weltenbrand in sich. Das wird befeuert vom hegemonialen Willen der USA, die riesige russische Landmasse dem uralten Prinzip von “teile und herrsche” zu unterwerfen. Die europäischen Willigen (voran der Fritze) glauben wohl fest an den Sieg und haben schon mal die Panzerbrigade 45 nahe der belarussischen Grenze stationiert – nur zur. Abschreckung! Das sind rund 5000 Soldaten, die auch als LITAUENBRIGADE firmiert. In Polen weiß man bestimmt, dass ihr Staat einmal Polen-Litauen war.

Riegel drückt sich sehr vorsichtig aus. Ich sehe das als eine gute Hoffnung, dass man in Pollen sich zunehmend Sorgen macht, ob denn dieses “willige” Europa eine Zukunft hat, die es zu erhalten lohnt.

Danke für den feinen Beitrag
Dieter Münch


4. Leserbrief

Welch traurige Hoffnung: Konflikt zwischen Ukraine u. Polen als kriegsverhinderndes Element?!?

Tobias Riegel schreibt u.a.:

“Durch einen EU-Beitritt würde die Ukraine dauerhaft zu einer korrupten und ultranationalistisch geprägten Belastung für die europäischen Gesellschaften. Zusätzlich würden die anderen EU-Länder durch eventuelle Beistandsklauseln als (dann direkte) Kriegsparteien in den Ukrainekrieg hineingezogen”

Dieses EU-Gebilde ist dabei sich selbst zu demontieren. Eine EU-Oligarchie ist es eh nicht wert erhalten zu werden.

Hoffe sehr, dass die europäischen Gesellschaften sich aus dem vorherrschend fehl konstruierten System lösen um neue, bürgerbeteiligte und bürgerorientierte Gesellschaftsformen zu entwickeln!

Friedenstüchtige Grüße
Ute Plass


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