„Generation Wehrpflicht: Wie kriegstüchtig muss Deutschland sein?“, lautet eine Überschrift zu einer Diskussionsrunde beim Deutschlandfunk. Sie spiegelt das Grundproblem in der deutschen Presse wieder. Als deutsche Politiker im Zuge der angeblichen „Zeitenwende“ das Nazi-Wort von der Kriegstüchtigkeit zum ersten Mal öffentlich gebrauchten, haben Medien nicht angeschlagen, sondern es hingenommen. Das war das Signal für die Politik: Weitermachen! Und nun, während die Militarisierung im Gange ist, stellt der Deutschlandfunk eine Frage, die den journalistischen Ansprüchen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht gerecht wird. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Am 22. September lädt der Deutschlandfunk nach Essen ein, genauer gesagt: an den Theaterplatz 11 ins Café Central im Grillo-Theater. An diesem Ort soll dann diskutiert werden – unter der Überschrift: „Generation Wehrpflicht: Wie kriegstüchtig muss Deutschland sein?“ Dabei treffen aufeinander: Wiebke Hönicke, Offizierin der Bundeswehr, die meint: „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen. Warum unsere Freiheit gemeinsame Verteidigung braucht“ und die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal, Standpunkt: „Nein. Gegen die Militarisierung der Gegenwart“.
Zwei unterschiedliche Standpunkte zu einem wichtigen Thema: Prima, so soll das sein. Doch es hakt im Titel der Veranstaltung. Die Frage „Wie kriegstüchtig muss Deutschland sein?“ beinhaltet die Schlussfolgerung, dass Deutschland kriegstüchtig sein muss. Es geht also nicht mehr um das „Ob“, sondern nur noch um das „Wie“, also den Grad der Kriegstüchtigkeit.
Das ist im Hinblick auf einen um Objektivität bemühten Journalismus nicht vertretbar. Die Überschrift nimmt etwas vorweg, was mitnichten gegeben ist. Ja, der Politik wird sogar der Ball ins Spielfeld gelegt. Die Überschrift macht sich zum Komplizen einer hochumstrittenen Politik, die Journalisten vom Grundsatz hinterfragen und kritisieren müssten. Wenn eine Redaktion aber nur noch fragt, wie hoch der Grad der Kriegstüchtigkeit in Deutschland sein soll, passiert genau das nicht.
Doch die Kritik geht noch weiter.
Wenn schon nicht in der Überschrift, dann sollte wenigstens an irgendeiner Stelle im Text klar werden, dass sich die Redaktion den Begriff „kriegstüchtig“ nicht zu eigen macht, ihn nicht ‚diskussionsaufbauend‘ verwendet und ihn dadurch salonfähig macht, sondern distanziert, mit der notwendigen journalistischen Kritik. Das passiert nicht.
Dieses Propagandawort, das sich aus einem negativ besetzten Begriff (Krieg) und einem positiv besetzten Begriff (tüchtig bzw. auch: Tugend) zusammensetzt, ist in seinem Kern manipulativ.
Der Begriff „Krieg“ erfährt durch die erstrebte „Tüchtigkeit“ eine positive Begleitvorstellung, etwas, das – im guten Sinne – „anzustreben“ sei.
Was ist der Grund für diese Überschrift beim Deutschlandfunk? Einfach nur Unbedachtheit?
Titelbild: Mo Photography Berlin / Shutterstock





