Wo kann „Verteidigungsbereitschaft“ enden? Entertainer Harald Schmidt greift das Thema in einem Gespräch mit der Kabarettistin Monika Gruber auf und sagt: „Es fehlt bei uns ein bisschen die Kategorie: ‘Opa erzählt vom Krieg’. Weil: Als ich ein Kind war, hast du noch bei jedem Kaffee gehört: In Russland geblieben, Bein verloren, 2 Söhne gefallen – das fehlt ja jetzt. Die Generation ist tot.“ Gut, dass Schmidt auf die Gefahren der Kriegspolitik aufmerksam macht. Er lenkt den Blick dorthin, wo sichtbar wird, was am Ende eines Krieges steht. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
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In Anbetracht der politischen Losung „Kriegstüchtigkeit“ erheben erstaunlich wenig Prominente ihre Stimme. Begreifen all die „Stars“, die Schauspieler, die Sänger und anderen bekannten Persönlichkeiten nicht, welches Unheil gerade im Land passiert? Oder begreifen sie sehr wohl, aber sie fürchten um ihre Karriere?
Es sind nur ein paar Minuten, in denen Harald Schmidt und Monika Gruber über die deutsche Aufrüstungspolitik reden, aber man muss beiden dankbar sein, dass sie sich öffentlich kritisch positionieren (ab ca. 45:30).
Da sitzen sie und reden über Köln, über die „Imageprobleme“ des Bischofs und darüber, dass in der Stadt nichts außer dem Dom „scheint“. Ein Gedanke ergibt den anderen und Schmidt fragt, was es bedeuten würde, wenn in Köln, das über Brücken verbunden sei, die Brücken nicht mehr stünden. Schmidt spricht von Bildbänden, die ein komplett zerstörtes Köln zeigten, mit im Wasser liegenden Brücken, und in einem solchen Fall komme man nicht mehr auf die andere Seite.
Diese Bilder, so führt Schmidt weiter aus, „sollte man sich öfter mal anschauen, wenn jetzt so eine Begeisterung herrscht, dass wir „verteidigungsbereit“ werden müssten und dergleichen, um zu begreifen, „wo es letzten Endes enden kann“. Gruber merkt daraufhin an, dass vor kurzem „Kriegerjahrtag“ war und sie auf Namenslisten gesehen habe, dass in manchen Haushalten nicht nur ein Sohn, sondern „alle drei“ im Krieg „gefallen“ seien.
Die Stelle in etwa der Mitte der Sendung ist enorm wichtig. Der Blick vom Ende des politischen Großvorhabens Kriegstüchtigkeit fehlt in der Öffentlichkeit der großen Medien nahezu komplett.
Er wäre allerdings auch für die Politik ein Problem. Wie wollte die Politik Begeisterung für die Bundeswehr und den Einsatz an der „Ostfront“ herbeireden, wenn ständig jemand auf die fehlenden Gliedmaßen der Kriegsversehrten aufmerksam machen würde?
Umso wichtiger ist es, dass doch jemand an irgendeiner Stelle der glattpolierten Politik die Schrecken des Krieges entgegenhält. Schmidt und Gruber erinnern daran.
Schmidt schlussendlich hält sich auch mit einer überaus unbequemen Wahrheit nicht zurück und merkt an : „Wir haben in Europa eine Zuschauerrolle. Wir haben nichts zu entscheiden.“
Man stelle sich eine solche Aussage einer so bekannten Persönlichkeit wie Harald Schmidt abends bei Illner vor. Die ewigen Schönredner würden Sturm laufen gegen die Wahrheit – und mit ihrem Brett vorm Kopf im Türrahmen hängenbleiben.
Anmerk. Red.: Die NachDenkSeiten-Serie „Erinnerungen gegen den Krieg – Aufruf zum 8. Mai“ setzt bei der Kritik Schmidts an. Die Versehrten des Krieges in großer Zahl auf den Straßen sieht man nicht mehr, weil sie längst verstorben sind. Aber es gibt noch Erinnerungen, die erzählt werden können. In unserer Serie sind sie zu finden.
Titelbild: Screenshot Die Gruaberin





