Für viele Arbeiter reicht der Lohn nicht aus, um sich nach fünf Jahren Vollzeitarbeit einen durchschnittlichen Gebrauchtwagen kaufen zu können. Darauf verweist Focus Online in einem aktuellen Beitrag. Meldungen wie diese sind wichtig. Sie verweisen auf ein längst nicht mehr nur unter der Oberfläche gärendes Armutsproblem in Deutschland. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
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Um den durchschnittlichen Preis für einen fünf Jahre alten Gebrauchtwagen bezahlen zu können, sind rund 17.000 Euro notwendig. Über diese Summe verfügen die Angehörigen vieler Branchen, wenn sie Geld sparen, nach fünf Jahren Vollzeitarbeit nicht.
„Bei 12 von 20 untersuchten Berufsgruppen fehlt ohne Finanzierung und Kredit am Ende das Geld für einen durchschnittlichen Gebrauchtwagen“, heißt es in dem Beitrag von Focus Online. Das Magazin stützt sich bei der Feststellung auf Daten des Gebrauchtwagenportals „Autohero“.
Ganz schlecht sieht es unter anderem bei Friseuren, Reinigungskräften, Lagerarbeitern und Fachverkäufern aus. Der für den Fahrzeugkauf notwendige Sparbetrag von 17.000 Euro nach fünf Jahren Arbeit kann von diesen Berufsgruppen nur zwischen 54 und 67 Prozent gedeckt werden.
Laut Focus Online liegt die Gehaltsschwelle, bei der der Sparbetrag erreicht werden könne, bei einem Verdienst von 4.800 Euro brutto – in Steuerklasse I. Zwar zeige sich ein etwas besseres Bild in Steuerklasse III, aber selbst dort reiche bei 10 von 20 Berufsgruppen das gesparte Geld für den Kauf des Gebrauchten nicht aus.
Man muss sich das Ergebnis dieser Daten vor Augen führen: Nicht nur, dass die Angehörigen vieler Berufsgruppen nach fünf Jahren Sparen keine 17.000 Euro zusammen haben: Selbst diejenigen, die dieses Sparziel erreichen, können sich dann zwar den Gebrauchten für die anvisierte Summe kaufen, aber dann dürfte bei den meisten – je nach persönlicher finanzieller Lage – schon wieder Ebbe in der Kasse sein. Dann steht zwar ein neuer Gebrauchter vor der Tür, aber das finanzielle Netz für Notfälle ist weg.
Nun lässt sich darüber diskutieren, ob man für einen Gebrauchtwagen denn 17.000 Euro hinlegen will oder ob es nicht auch ein Gebrauchter für weniger Geld auch tut. Doch das geht am Thema vorbei.
Zahlen wie die von Focus Online angeführten lassen erahnen, wie es in nicht wenigen deutschen Haushalten mit Angespartem aussieht: schlecht bis sehr schlecht!
In vielen Branchen arbeiten und arbeiten und arbeiten die Bürger: Aber sie kommen auf keinen grünen Zweig. Im Grunde fahren sie auf Verschleiß. Der Lohn reicht gerade aus, um den Kopf über Wasser zu halten. Das ist – vor allem auch mittel- und langfristig – ein unerträglicher Zustand.
Hohe Sprit- und Energiepreise, Inflation usw. erdrücken viele Arbeiter förmlich.
Was soll aus Menschen werden, die Jahre und Jahrzehnte in solchen finanziellen Armutsverhältnissen leben? „Working poor“ – arbeiten und arm sein.
Das ist eine der großen Baustellen im Land. Darum sollte sich Merz kümmern. Und nicht zum ukrainischen Schlachtruf ansetzen!
Titelbild: Alexander Fedosov / Shutterstock





