Leserbriefe zu „Brot, Spiele und ChatGPT“
Günther Burbach hinterfragt in diesem Beitrag die zunehmende Digitalisierung in Deutschland. Hingewiesen wird darauf, dass der Bund die Computerspielbranche mit 125 Millionen Euro fördere während Schulen verfallen. Gefragt wird, ob der Staat Computerspiele fördere, weil er Kinder und Jugendliche bewusst von Politik fernhalten wolle. Denn: „Eine Gesellschaft, die ständig beschäftigt ist, hat wenig Zeit zum Nachdenken“. Eine Politik, die das reale Leben verarmen lasse und gleichzeitig immer neue Fluchtmöglichkeiten in virtuelle Welten fördere, sollte sich über das Ergebnis nicht wundern. Eine Demokratie brauche keine Zuschauer. Sie brauche „Menschen, die sich einmischen, widersprechen und ihre Regierung kontrollieren“. Eine Gesellschaft, die ihre Kinder jedoch an permanente Ablenkung und vorgefertigte Antworten gewöhne, schaffe keine digitale Zukunft. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten Zuschriften hierzu. Die nun folgende Leserbrief-Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.
1. Leserbrief
Schade, dass in dem ausführlichen Artikel ein Aspekt gar nicht erwähnt wird: Die jugendlichen Gamer von heute sind die Drohnenpiloten von morgen. Da brauchen wir natürlich ganz viele.
schöne Grüße Sebastian Schlaud
2. Leserbrief
Das ist ein guter Artikel. Er zeigt, wie unsere Jugend systematisch verblödet wird.
Der Autor hat Recht: KI kann so ein wirkungsvolles Tool sein. Wenn ich frage: Ist Hemisphäre Enery (ein Ölförderer in Kanada) ein gutes Investment, gibt mir Google KI eine sinnvolle und richtige Antwort. Die Jungen verschwenden ihr Zeit mit Narzissmus. Instagram ist das schlimmste Beispiel dafür. Adolf Merz steuert Deutschland in den Dritten Weltkrieg. Unsere Youngsters merken das erst, wenn die Atombombe ihren Computer zerstört.
Disclosure: Ich bin Aktionär von Hemisphäre Energy und 72 Jahre alt.
R.K.
3. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Burbach,
die Headline Ihres Beitrages trifft den Tagel auf den Kopf!
Sie fragen absolut zu Recht, „welches Verständnis von Zukunft“ dahinterstehe. Dahinter steht vor allem ein neoliberal-wirtschaftslibertär geprägtes, transhumanistisches Menschenbild, welches den Menschen zu einem ausschließlich willigen Objekt verdinglichen will. Der Neurowissenschaftler und Kognitionsforscher Prof. Dr. Joachim Bauer hat hierzu wichtiges gesagt und geschrieben: „Warum wir freiwillig das Denken abgeben“.
Es geht den in diesem Lande Machthabenden um die weitere totale Degenerierung. Diese totale Degenerierung einer einstigen Kulturnation ist noch totaler als die zwischen 1933 und 1945. Heute las ich zum Thema Schule / Bildung folgenden Artikel: „14-mal null Punkte im Mathe-Grundkurs – neue Zahlen zum Debakel am Gymnasium in Hagenow.“
Hagenow ist ein Fallbeispiel: Das alles entspricht so ungefähr dem Leistungsniveau Deutschlands beim ESC. Im Ernst, ich habe die Antwort, wes die Ursache ist: Die AbiturientInnen wollten in Idiokratie Deutschland ein gaaaanz starkes Zeichen gegen Rechts, Leistungsdruck, Leistungsprinzip, für Krieg, Grundfreibier und überhaupt setzen. Sie gaben ein Plädoyer ab: Menschliche Dummheit? Null Problemo, w i r haben unsere KI, da geht ( fast ) alles wie von selbst. Schließlich kommt der Strom auch nur aus der Steckdose.
Tja, und was machen die Herrschaften ohne Strom? Egal heute! Starke Signale, Haltung, LGBTQxyz-Wissen sind seit Jahren wichtiger als richtiges Wissen. Was trat an dessen Stelle? Pseudo-Kompetenzen. Nur, was nützen Kompetenzen, wenn man in Ermangelung von Faktenwissen die Kompetenzfelder nicht mit Fakten füllen kann? Ach ja, genau da kommt ChatGPT ins Spiel.
Jetzt fehlen übrigens nur noch die Solidaritätsadressen der „Omas gegen Rechts“, der „Töchter für Dummheit trotz Karneval und Umwelt“, von Klimapäpstin Luisa Neubauer, die Beninskulpturen Claudia Roth, Professorin Annalena Baerbock und Frau Hayali usw., usw., usw.; halten zu Gnaden. Na gut, der Herbert Grönemeyer fehlt noch, den hätte ich fast, fast vergessen.
Genau in diesen Kontext passt das Statement von Herrn F.-W. Steinmeier, Ziehsohn Gerhard Schröders und Bundespräsident von Merkels Gunst. Eines wundert mich: Dieser Steinmeier hat nichts zu sog. Baller- und Kriegsspielen gesagt, bei denen es – ganz nach dem Geschmack des Hetzblattes F.A.Z. ( Causa Michael Martens ) – darauf ankommt, möglichst viele russische Soldaten zu töten. Oder sehe ich das falsch?
Grüße sendet Roland Weinert.
4. Leserbrief
Ja, bei Computerspielen und „social media“ kochen die Emotionen, grüner Dampf quillt aus dem pfeifenden Kessel, denn alles elektronische besteht aus „Elektrosmog“ und verstärkt die negativen Schwingungen? Nein – es ist die Empörung einer „vergeistigten Möchtegern-Elite”, die sich als Politkrakeeler im Bundestag Mief verschaffen. Eine geistig beschränkte Einheitsfront bekommt für teures Geld Schwielen am Hinterteil und schwebt in feudalen Regionen.
Die heute geführte Diskussion ist nämlich in Wirklichkeit sehr alt. Sie reicht zurück bis in die Sechziger Jahre, als der Fernsehkonsum von Kindern und Jugendlichen bereits angeprangert wurde. Das genehmigte Bildungsprogramm bestand lediglich aus „Sport, Spiel, Spannung“ mit Adalbert Dickhut, der zusammen mit Kindern gymnastische Übungen im Wohnzimmer, vorführte auf dass die Tütenlampe wackelte. (Natürlich vom Bayerischen Rundfunk)
In den Siebziger Jahren wurden wir angehenden Pädagogen mit Sprachlabor und Schulfernsehen konfrontiert. Für viele Kolleginnen und Kollegen war das herrlich. Die Schüler saßen vor der Glotze, die mühsame Unterrichtsvorbereitung mit dem Risiko, dass die Versuche schief gehen könnten und die Disziplin im Eimer wäre, war unnötig. So setzte man die Schüler vor die Flimmerkiste, womöglich vom Hausmeister bedient, weil die Frau Oberstudienrätin Sch. zur Bedienung zu dämlich war. Dies alles ist auf dem Elektronikschrott gelandet. Zugegeben, für bayerische Klippschulen war der Physikunterricht per Television die einzige Möglichkeit am Kruzifix vorbei technische Demonstrationen zu erleben, aber der Lernertrag war so hoch wie heute am PC und Smartphone: Nämlich gleich „null“.
Durch die 68er-Bewegung kam eine völlig falsche pädagogische Sicht zum Lernverhalten von Schülern auf. „Leistungsdruck“ hieß es allerorten. Das Unterrichtsniveau sank und gleichzeitig spielte man „Mathematik in der Sesamstraße“. Der Grund ist heute noch derselbe: „Schüler ruhig zu stellen ohne eine Haldol-Injektion“. Kein Wunder, wenn durch die Verbeamtung der Lehrer nur noch Pensionsgeier und rückgratlose Schleimer diesen Beruf ergreifen. Doch das ist das Ziel: „Anstrengungslos Wohlstand in spätrömischer Dekadenz zu erreichen.“ Der Guido Westerwelle (FDP) meinte damit nicht nur sich selbst, sondern eine ganze Gesellschaftsschicht. Daher sind diese Medien nichts anderes als Vernebelungsmaschinen eines Systems, indem die oberste hauchdünne Schicht ein komplettes Volk ruhig stellen will.
Es führt kein Weg daran vorbei, dass nur „Beobachten, Erarbeiten und Verstehen“ durch eigenes Erleben und Experimentieren einen Lernfortschritt gewährleisten. Leistungsdruck darf nicht gleichgesetzt werden mit dem Willen der Schüler sich an Erwachsenen zu messen, was besonders in der Pubertät ein starkes Motiv ist. Sie wollen gefordert sein. Dieses ganze Affentheater, was Kolleginnen und Kollegen gestalten, nur um ihre Blagen ruhig zu halten, führt lediglich zu Bulimielernen. Den Stoff in sich reinfressen und nach der Klassenarbeit oder Klausur anschließend auskotzen.
Meine Generation ist mit dem Computer groß geworden, lernte Programmiersprachen und schrieb die Programme selbst. Dieses mediale Getöse und „nerdige“ pseudoreligiöse Gewaber einer heutigen Insider-Schicht unter dem Zauberwort „digitale Medien“ ist lediglich wiederum Ausdruck des Abgrenzens vom Pöbel, der staunend auf den Bildschirm starrt. Doch dahinter steckt ein Ziel. Was sich digitale Qualifikation nennt, ist nichts anderes als Unbedarfte mit Bedienungsanleitungen dazu zu bringen die Maschine zu bedienen, ohne zu wissen, was sie eigentlich machen. Eine Mathematik-Referendarin meinte zu dem Einsatz des grafischen Taschenrechners in der Oberstufe im Fach Mathematik: „So einen Rechner zu bedienen ist doch auch eine Kompetenz!“ Bei solchen Kolleginnen und Kollegen braucht sich niemand zu wundern, wenn die regelmäßig erscheinende PISA-Studie der BRD Verblödung im Bildungswesen bescheinigt.
Diese Form der ruhigstellenden Pädagogik ist nichts anderes als das bewährte Prinzip des Militärs: Die Untergebenen pauken die Vorschriften und brauchen sonst nichts über Wesen, Funktion und Strategieziele der Armee zu wissen. Denn das wäre gefährlich für die Herrschenden. Die zukünftige Gesellschaft benötigt nur noch wenige hoch bezahlte Experten und eine große Anzahl dummer Arbeitssklaven, die ihr Elend auch noch schön finden, solange es noch jemand gibt, der unter ihnen steht, den sie treten können. Das ist das wahre Regierungsziel – althergebracht aus dem Absolutismus stammend.
Dagegen ist es verwunderlich, dass ausgerechnet gegenwärtig über eine Altersgrenze bei Jugendlichen zur Nutzung der sozialen Medien debattiert wird. Ein Widerspruch? Keineswegs, denn zuerst kommt die Klarnamenspflicht, damit Abmahn- und Hintertreppenanwälte, von Politikern beauftragt, die Meinung eines jeden Bürgers bewerten und unverzüglich Abmahnung oder Hausdurchsuchung anordnen können. Richter auf Probe, die das durchwinken, gibt es ja genug. Herr Merz kennt das. Was Kinder denken und wollen ist aus Politikersicht unerheblich, doch Jugendliche, die bald selbst wählen dürfen, müssen auch auf den rechten Pfad gebracht werden. Deshalb ist es erwünscht, wenn sie registriert und überwacht werden, um ungestört am PC oder Smartphone sich mit der Propaganda von Regierung und anderen Lobbyorganisationen berieseln zu lassen. Kriegsspiele bilden und fördern Kriegstüchtigkeit. Das garantiert saudumme Untertanen, die von Ihresgleichen in der Regierung sehr geschätzt werden. Der Roman “die Zeitmaschine“ von H.G. Wells aus dem Jahr 1895 sah diese Entwicklung voraus. Das Kontinuum des Kapitalismus.
Stephan Ebers
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