Leserbriefe zu „Trumps Venezuela-Deal – in der EU sollten die Alarmglocken schrillen“

Ein Artikel von:

Jens Berger diskutiert in diesem Artikel über Aussagen von US-Präsident Donald Trump, denen zufolge eine „Übereinkunft“ mit Venezuela erzielt worden sei, die besage, dass sich die USA einen großen Teil der venezolanischen Ölförderung „gesichert“ hätten. Erstaunlich sei die Larmoyanz, mit der diese Entwicklungen in Europa aufgenommen würden. Zähle man jedoch nun Eins und Eins zusammen, sei Trumps Plan offensichtlich: „Dank der ‚geschenkten‘, also geraubten, Öllieferungen aus Venezuela kann er die Benzinpreise in den USA mindestens bis zu den kommenden Wahlen stabil halten“. Das sei die kurzfristige Ebene. Auf der langfristigen Ebene könne Europa in den „Würgegriff der USA“ geraten. Beim Ölimport wäre Europa „nahezu komplett von den USA abhängig“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten E-Mails, die wir hierzu bekommen haben. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe. Christian Reimannt hat sie für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Liebe NDS,

wieder – wie so oft – ein brillanter Artikel von Jens Berger. Trotzdem ein Hinweis:

Was er sagt, ist vor allem sehr langfristig relevant. Nach Einschätzung vieler (echter) Experten und der überwiegenden Sicht der US-Ölkonzerne ist nur das zitierte Potenzial vorhanden.

Dessen Erschließung/Reparatur/Neuaufbau und das “Hochfahren” auf wirklich weltweit relevante Größenordnungen sind jedoch sehr zeitaufwändig, nicht Monate, sondern ggf. viele Jahre – von den finanziellen Herausforderungen ganz zu schweigen.

D.h., alarmistische Reaktionen sind erst dann angebracht, wenn die EU wieder einmal Jahre und Jahrzehnte nicht mit Aktionen, sondern mit “Beobachtung der Entwicklung” verplempert. Im Klartext, für weniger informierte Leser könnte wieder einmal die Nachtruhe gestört werden, bei Lektüre des Artikels. Doch – so sagt der Sozialpsychologe – die denken dann nicht an die notwendigen Planungen und Initiativen für die Zukunft, sondern wählen (zur Beruhigung und für den Nachtschlaf) stattdessen wieder die alten Parteien – denn wer verunsichtert ist, geht auf (eingebildete) Nummer Sicher. Ich nenne das inzwischen den “Merkel-Effekt”. Der-die-das Merz praktizieren das rund um die Uhr – gepaart mit Angstmache, also noch weitaus schlimmer als Merkel.

Mit besten Grüßen und der Erinnerung an das Lied von Reinhard Mey “Hab Erdöl im Garten, ob’s stürmt oder schneit…”
H. Rudolf


2. Leserbrief

Sehr geehrte NachDenkSeiten,

sehr guter Artikel von Jens Berger!

Nur, Trump hat sich wohl verrechnet. Ihm nützt das venezolanische Schweröl genauso wenig wie die kanadischen Teersande. Siehe Physik, aber das bekommt er vielleicht auch noch hin, per Dekret.

Und richtig, apropos chinesisch-russische Autarkie: bei uns, wie? In einen vollkommen übervölkerten Land, fast ohne Rohstoffe, mit „Humankapital“, das keiner braucht, aber der immerwährenden doch unbegründeten Hoffnung auf Erlösung durch technologischen Fortschritt?

Na ja, es ist wirklich „it’s oil, stupid“. Man hat uns ja jahrzehntelang den Ausstieg aus den Fossilen als Königsweg vorgegaukelt. Jetzt ist es soweit, und da haben wir auch schon den Salat und sehen, dass das ganze regenerative Gedöns nur Schall und Rauch ist!

Freundliche Grüße, und weiter so, Wolfgang Blendinger


3. Leserbrief

Guten Tag,

aus amerikanischer Sicht und vor dem Hintergrund der dortigen politischen und wirtschaftlichen Interessen scheint man vieles richtig gemacht zu haben. Wer würde sich schließlich einen solchen „dicken Fisch“ vor der eigenen Haustür entgehen lassen?

Völkerrechtliche Grundsätze werden dabei offenbar zunehmend außer Kraft gesetzt, der politische und wirtschaftliche Druck wird erhöht und an den entscheidenden Stellen wird entsprechend Einfluss genommen.

Europa hingegen scheint sich in vielerlei Hinsicht selbst zu schaden. Große Teile Europas verfügen nur über begrenzte eigene Energieressourcen und haben sich dennoch von den über Jahrzehnte – selbst während des Kalten Krieges – zuverlässig gelieferten russischen Energien und Rohstoffen weitgehend abgeschnitten. Gleichzeitig verschärft sich die Lage im Nahen Osten, wo weitere wichtige Energielieferanten betroffen sind.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Wer bleibt am Ende noch übrig? Die Antwort liegt auf der Hand: die USA. Damit wächst deren Einfluss auf die Energieversorgung und die Möglichkeit, sowohl politische Entwicklungen als auch Preise maßgeblich mitzugestalten.

Mir bleibt daher ein Rätsel, was in den Köpfen der verantwortlichen Politiker in den europäischen Hauptstädten sowie in Brüssel und Straßburg vorgeht. Welche langfristige Strategie verfolgt man hier eigentlich?

Unabhängig von den politischen Entwicklungen und der damit verbundenen steigenden Kriegsgefahr dürfte eines ziemlich sicher sein: Für die Bürger wird es teuer – und vermutlich noch deutlich teurer.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe


4. Leserbrief

Sehr geehrtes Team der NachDenkSeiten,

sehr geehrter Jens Berger,

natürlich haben Sie unbestritten recht, daß wir hier uns und insgesamt Europa aus dem Würgegriff der Amerikaner befreien müssen, sowohl aus energiepolitischer als auch sicherheitspolitischer Sicht.

M.E. machen Sie aber in Ihrem Artikel den Fehler, diesem Clown im WH vorausschauendes oder gar strategisches Handeln zu unterstellen.

Mit Verlaub Jens Berger, dazu ist dieser Mensch nicht im Stande, m.e.W., er ist zu blöde dafür.

Prof. Wlliam T. Kelly, der diesen Typen ( ich nenne diesen Clown mein Lebtag nicht Präsident)

an der Wharton Business School unterrichtete, hat höchstselbst geäußert, daß dieser Typ der dümmste Student gewesen sei, den er je unterrichtet habe.

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Es ist ja mittlerweile selbst für Nichtfachleute deutlich erkennbar, daß der Typ im WH geistig Tag für Tag ein Stückchen mehr abbaut. Seine idiotischen Posts auf ‘Truth Social’ sind ein sichtbarer Beleg, die übrigens überwiegend seine persönliche Assistentin N. Harp für ihn macht.

Die Ölvorkommen der USA sind überwiegend leichtes Öl, kein Schweröl, das zu Treibstoff raffiniert werden kann.

Auch diesen wesentlichen Faktor haben Sie in Ihrem Artikel nicht bedacht.

Des Weiteren ist der Handelskrieg mit Kanada derart eskaliert, daß die Amerikaner sich quasi selbst den Ast, auf dem sie sitzen, absägen.Die USA verfügen z.Bsp. über keine nennenswerten Vorkommen an Aluminium, das sie all die Jahre zuverlässig aus Kanada bezogen haben.

Das Einzige, was dieser unfähige Clown im WH zustande gebracht hat, ist, dass die Kanadier über Parteigrenzen hinweg absolut geschlossen hinter Regierungschef Mark Carney stehen.

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Die USA sind im übrigen zu einem beachtlichen Teil auf Energie aus Kanada angewiesen und deren Premier D. Ford hat bereits vor einem Jahr damit gedroht, den USA den Saft abzustellen.

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Ein weiterer Beleg dafür, daß erratisches Verhalten nicht selten sich ins Gegenteil dessen verkehrt was man bezweckt, ist die Tatsache, daß die Route über die Großen Seen zum Atlantik mit 15 Schleusen bestückt ist, und 13 dieser Schleusen befinden sich in Kanadischer Hand.

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Und was die anstehenden Zwischenwahlen in November angeht, so sind die Aussichten für die Republikaner verheerend.

Die republikanischen Senatoren trauen sich ja schon nicht mehr, sich den Fragen der Bürger zu stellen.

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Unter normalen und fairen Umständen haben die Republikaner im November keine Chance, die Macht zu halten.

Nicht umsonst wurden sämtliche Aufständige des 06. Januar begnadigt, um in den kommenden Wochen die Bürger einzuschüchtern und vom Gebrauch ihrer Stimmabgabe fernzuhalten.

Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten, denn zwei Drittel der Amerikaner haben schlicht und ergreifend von dieser korrupten Regierung die Schnauze voll.

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Meiser


5. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger, sehr geehrtes NachDenkSeiten-Team

Sie analysieren diesen Venezuela-Deal wieder einmal mit viel wirtschaftlichem, wirtschaftspolitischem und strategischem Sachverstand, der unseren Polit-Eliten scheinbar völlig zu fehlen scheint!

“Völkerrecht ade.” ist doch schon lange nichts neues mehr für jeden, der die Weltpolitik die letzten Jahrzehnte kritisch verfolgt hat und war es wohl auch vorher schon nicht. Venezuela liegt ja schon lange im Fadenkreuz der USA. Nachdem man mit Softpower-Techiken (Wirtschaftssanktionen, massive Unterstützung der Opposition, Propaganda etc.) keinen gewünschten Systemchange dort hinbekommen hat, hat man seinen Präsidenten entführt und die verbliebene Regierung entsprechend zusätzlich eingeschüchtert, so dass diese nun im vorauseilenden Gehorsam in diesen “Deal” bzw. Raub eingestimmt hat. So läuft neokoloniale Politik im 21. Jahrhundert nicht nur in Venezuela. Ohne diesen vorauseilenden Gehorsam, wäre wohl eine Militärintervention der nächste Schritt gewesen.

Sie haben in ihrem Artikel sehr schön herausgearbeitet, dass die USA Meister in strategischer Planung und Umsetzung sind, auch wenn sie sich am persischen Golf ähnlich wie in Afgahnistan etwas verrannt haben, denn wenn die noch vorhandenen Ölreserven auf der Welt so verteilt sind, wie sie schreiben, dann ist Venezuela der Schlüssel für die Fossile Zukunft. Mit den zu erwartenden 5,5 Billionen US-Dollar könnten die USA, falls sie es denn auch wirklich in Angriff nehmen sollten und wollten, ihre exorbitanten Staatsschulden deutlich reduzieren. In jedem Fall ein Schritt zu “Make America Great Again” in wirtschaftlicher Hinsicht weniger allerdings in moralischer Hinsicht. Letzteres scheint aber nicht wirklich zu interessieren, höchstens um die eigene Bevölkerung und die ihrer Vasallen bei der Stange zu halten.

Im letzten Absatz, dem ich auch voll zustimmen kann, schreiben Sie:

“Dabei liegt die Lösung in Form eines goldenen Mittelwegs doch auf der Hand. Würde Europa die Übergangszeit, in der russisches Öl noch zu bezahlbaren Preisen in ausreichenden Mengen gefördert werden kann, mit ebenjenem Öl nutzen, um sich durch technische Innovationen mittel- bis langfristig unabhängig von Ölimporten zu machen, wäre dies die beste aller denkbaren Lösungen; schon fast ein wenig „chinesisch“. Realpolitisch möglich wird dies jedoch nicht mehr sein – zu tief ist die Abhängigkeit von den USA, die jeden Schritt in diese Richtung verhindern würden und zu tief ist wohl mittlerweile auch der Riss zwischen Europa und Russland, als dass er sich so bald wieder kitten ließe. “

Wenn die Abhängigkeit Europas und Deutschlands von den USA so gross ist, dass die USA jeden Schritt in eine solche Unabhängigkeit verhindern würden, dann ist ihr Hinweis

“Fatal ist jedoch, dass die AfD gleichzeitig durch ihre katastrophale Energie- und Verkehrspolitik die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen – allen voran dem Öl – nicht senken, sondern sogar steigern würde. Das würde uns selbst bei einer Wiederaufnahme russischer Öllieferungen jedoch mittel- bis langfristig dank der rückläufigen russischen Förderquoten uns lediglich ein wenig zeitversetzt in die gleiche Bredouille führen, nur dass die Auswirkungen dann durch die noch höhere Abhängigkeit vom Öl sogar noch drastischer wären. Jedem Wähler sollte klar sein, dass Trump-Fan Alice Weidel mit ihren „Windmühlen der Schande“ letztlich nur den USA in die Karten spielt und Deutschland in die totale Energieabhängigkeit treiben wird.”

meines Erachtens nicht zu Ende gedacht, denn dann würde die AFD aus strukturellen Gründen gar nicht die Möglichkeit haben, wieder mit Russland ins Geschäft zu kommen, zumindest was fossile Energie betrifft, aber wohl auch darüber hinaus nicht, wenn es den USA strategisch nicht in den Kram passt.

Fritz Gerhard


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