Als guter Transatlantiker hat man bereits mit der Muttermilch aufgesogen, dass von Amerika lernen, siegen lernen heißt. Und gerade wenn es um niedrige Beliebtheitswerte und das Problem anstehender Wahlen geht, kann man vom obersten Amerikaner, Donald Trump, ja wirklich was lernen. Der verkündete nun die glorreiche Idee, jedem erwachsenen US-Bürger ganze 5.000 US-Dollar zu schenken, wenn, ja wenn, seine Republikaner bei Midterm-Elections gewinnen. Das ist genial; so genial, dass der unbeliebteste Kanzler aller Zeiten, unser Friedrich Merz, sich davon eine Schnitte abschneiden könnten. Wir hätten da auch schon eine Idee. Eine Glosse von Jens Berger.
Auch wenn Donald Trump bekanntlich der größte Politiker und Denker aller Zeiten ist, stammt die Idee, den Bürgern einfach mal so Geld zu schenken, um die Konjunktur anzukurbeln, nicht von ihm. Schon die ansonsten grundverschiedenen Ökonomen Keynes und Friedman hatte die Idee, in einer Rezession ein staatlich gelenkte Konsumspritze zu verordnen – Helikoptergeld, wie Friedman es nannte. Konkret umgesetzt wurde dies – zumindest meines Wissens – zum ersten Mal ausgerechnet von den Franzosen, die 1975 durch ein Potpourri an direkten Zahlungen an die Bürger Nachfrage schiefen und die darbende Volkswirtschaft ankurbelten. Aber natürlich sind Franzosen am Ende immer noch Franzosen und die paar Franc, die man damals verteilte, sind eher ein Spritzchen im Vergleich zu Trumps 5.000-Dollar-Mega-Maga-Spritze.
Nun höre ich schon die Langweiler und Prinzipienreiter: Man kann doch dem Wähler nicht versprechen, dass er Geld bekommt, wenn er die eigene Partei wählt. Nein? Wie bitte sonst funktioniert Wahlkampf? Linke Parteien versprechen eine Erhöhung von Sozialtransfers, rechte Parteien eine Senkung der Steuern. Das hat Tradition und ist selbstverständlich auch als Versuch zu werten, die eigene Klientel mit finanziellen Versprechungen an die Wahlurne zu treiben. Trump ist halt lediglich etwas direkter als seine seriöse Konkurrenz.
Aber kommen wir zu Friedrich Merz. Der hat ein so schlechtes Image, dass ihm in der Tat nur eine ordentliche Bestechung der Wählerschaft den Hals retten könnte. Die 5.000 US-Dollar von Trump, wären da schon mal eine Hausnummer. Aber da wir Deutsche ja zumindest gefühlt die Größten der Welt sind, machen wir da doch mal ruhig 5.000 Euro daraus. Und anders als Trump haben wir ja bekanntlich ein Herz für Kinder – die altersdiskriminierenden Einschränkungen, nur erwachsenen – ergo wahlberechtigten – Deutschen Geld zu schenken, würde ohnehin nur die notorisch schlechtgelaunten Linken mit ihren „Kinderarmuts-Gerede“ auf den Plan rufen. Machen wir die Sache rund: 5.000 Euro für jeden! Aber nur, wenn die CDU die nächsten Wahlen auch gewinnt!
Ist das überhaupt finanzierbar? Na, aber hallo! Deutschland hat 83,5 Millionen Einwohner, macht bei 5.000 Euro pro Kopf laut Lars Klingbeil 417.500.000.000 Euro – also eine Summe, die deutlich unter den 607 Milliarden Euro liegt, die die Bundesregierung in ihrer Haushaltsplanung für Militärausgaben in einer Legislaturperiode vorsieht. Merz könnte also ganz einfach die Militärausgaben um rund 70% senken und jedem Deutschen 5.000 Euro überweisen, ohne noch mehr Schulden als ohnehin aufzunehmen. Und – Überraschung, Überraschung – der Militäretat wäre dann immer noch fast viermal(!) so hoch wie vor der „Zeitenwende“.
Aber klar, der Russe steht bekanntlich vor der Tür. Und dem Pöbel das Geld zu geben, was wir viel besser auch für Panzerchen und Schiffchen ausgeben können – das ist mit Friedrich Merz nicht zu machen. Nun könnte man ja ganz einfach mehr Schulden aufnehmen. Aber dann kommen wieder die ganzen vaterlandslosen Gesellen von links und ganz weit rechts und posten diesen dummen Videos aus der Wahlkampfzeit, in denen der Kandidat Merz die Neuverschuldung verteufelt, die er als Kanzler Merz total dufte findet.
Aber auch da gibt es einen Trick, den das gemeine Volk niemals durchschauen wird. Nennen wir die Schulden doch einfach Sondervermögen! Das hat in der Vergangenheit doch auch immer geklappt. Legen wir also ein Sondervermögen in Höhe von 417,5 Milliarden Euro auf und zahlen nach erfolgter Merz-Wiederwahl jedem Deutschen 5.000 Euro Cash bar auf die Kralle. Genial! Nun brauchen wir nur noch einen Namen dafür, den selbst der dümmste AfD-Wähler aus einer sachsen-anhaltinischen Kuhbläke versteht. Wie wäre es mit „Merz-Geld“, bezahlt aus dem „Sondervermögen glückliches Deutschland“?
Und das schönste an der Idee – dieses Sondervermögen ließe sich nun, da der Pöbel ja gefühlt reich ist, spielend leicht refinanzieren. Im letzten Jahr hat der deutsche Staat fast 40 Milliarden Euro aus der Energiesteuer eingenommen. Da können wir diese Steuer ja einfach verdoppeln; ach was rede ich, verdreifachen! Die Grünen würden dieser Idee sicher auch sofort zustimmen. Und der Pöbel? Der wäre happy. Ronny und Chantalle aus Hoyerswerda haben ja nun 10.000 Euro mehr auf dem Girokonto, da werden sie sich ja nicht mehr über die hohen Benzin- und Gaspreise aufregen und die AfD wählen. Und wenn das Geld nach dem eilig gebuchten Malle-Trip weg ist? Egal, wofür gibt es Konsumentenkredite. So stimuliert man gleich auch noch den Finanzsektor und die eher klassische Merz-Wählerschaft kann sich dann gebündelte AAA-Privatkredit-CDOs mit saftiger Verzinsung kaufen. Eine Win-Win-Win-Situation.
Durch die Verdreifachung der Energiesteuern hätte der Staat dann mindestens 80 Milliarden Euro Steuereinnahmen mehr. Und da auf diese Steuern ja clevererweise auch noch die Mehrwertsteuer draufkommt, landen wir bei mindestens 95 Milliarden Euro Mehreinnahmen. Die Leser, die damals in der Schule im Mathe-Unterricht aufgepasst haben, merken schon, dass die lumpigen 417, 5 Milliarden Euro sich so binnen einer einzigen Legislaturperiode refinanzieren ließen. Und das ist wirklich genial, da sich dieser Trick dann bei den nächsten, also aus heutiger Sicht übernächsten, Wahlen wiederholen ließe. Merz forever!
Also wenn das keine geniale Wahlkampfstrategie für die CDU und Friedrich Merz ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Herr Merz sollte sich bedanken – bei Donald Trump und natürlich bei mir.
Titelbild: ChatGPT, erstellt mit künstlicher Intelligenz






