Wladimir vs. Wolodymyr: „Es wird keine Sieger geben“

Wladimir vs. Wolodymyr: „Es wird keine Sieger geben“

Wladimir vs. Wolodymyr: „Es wird keine Sieger geben“

Valeri Schiller
Ein Artikel von Valeri Schiller

Die 100. Ausgabe der O-Töne ist Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj gewidmet – den beiden Protagonisten des blutigsten Konflikts in Europa seit 80 Jahren. Ein kurzer Rückblick auf Äußerungen der beiden, die zwar dieselbe Sprache sprechen, jedoch keine gemeinsame Sprache zu finden vermochten. Der Wandel ihrer Standpunkte im Laufe der letzten Jahre spiegelt auch die Dynamik wider, die im Endeffekt zur erbarmungslosen Schlacht zwischen den beiden „Brudervölkern“ geführt hat. Zusammenfassung von Valeri Schiller.


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Wolodymyr Selenskyj am 2. März 2014

„Wenn die Menschen im Osten und auf der Krim Russisch sprechen wollen, dann lassen Sie [Ex-Präsident Viktor Janukowitsch – Anm. der Red.] sie in Ruhe. Geben Sie ihnen die Möglichkeit, auf rechtmäßiger Grundlage Russisch zu sprechen. Die Sprache wird unser Heimatland niemals spalten. Ich habe jüdisches Blut, ich spreche Russisch, aber ich bin ukrainischer Staatsbürger und ich liebe dieses Land. (…)

Ich möchte mich unbedingt an Herrn Putin wenden. Sehr geehrter Wladimir Wladimirowitsch: Lassen Sie Ihrerseits nicht einmal den Ansatz eines militärischen Konflikts zu, denn Russland und die Ukraine sind wahrhaft brüderliche Völker.“

(Quelle: TSN, ab Minute 2:02 und ab Minute 2:46)


Wolodymyr Selenskyj am 26. Dezember 2018

„Ich bin der Ansicht, dass man niemanden gewaltsam verbiegen sollte – so, wie man seinerzeit die ukrainische Sprache aus diesem Gebiet regelrecht herausgebrannt hat; wir dürfen nicht diejenigen ‚ausbrennen‘, die andere Sprachen sprechen. Wir haben kein Recht dazu. Es ist schlichtweg falsch. Schließlich sind sie Ukrainer. Und in Artikel 10 der Verfassung ist alles klar geregelt: Selbstverständlich muss jeder die ukrainische Staatssprache beherrschen. Wenn man sie im Osten nicht kann – nun gut, dann lernt man sie eben. Es gibt die ukrainische Staatssprache. Abgesehen davon kann jeder sprechen, wie er möchte.“

(Quelle: youtube.com/@Gordonua, ab Minute 0:18)


Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 10. Dezember 2019

„Ich habe mehrfach auf die Notwendigkeit des Abzugs aller ausländischen bewaffneten Formationen hingewiesen und zudem auf der vollständigen Entwaffnung der Gebiete Donezk und Luhansk bestanden. Ich habe darauf beharrt, dass Wahlen in den umstrittenen Gebieten nach ukrainischem Recht und unter Einhaltung der OSZE-Standards abgehalten werden. (…)

Ein Kompromiss zur Beilegung der Lage in den östlichen Gebieten lässt sich nicht durch die Abtrennung einzelner Gebiete erzielen. Wir wiederholen es noch einmal: Der Donbass und die Krim sind ukrainisches Staatsgebiet.“

(Quelle: kremlin, ab Minute 12:20 und ab Minute 14:26)


Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 5. August 2021

„Ich bin der Meinung: Wenn man im vorübergehend besetzten Gebiet Donbass lebt und sich als Russe betrachtet – und dieses Recht hat man ja –, dann ist es ein großer Fehler, dort zu bleiben. Es wird niemals russisches Territorium sein. Ganz gleich, wie lange die Besatzung andauert. Es ist wie mit der Mauer in Deutschland: Irgendwann werden die Menschen und die Geschichte den richtigen Moment nutzen, und die Mauer wird fallen. Wenn keine Einigung erzielt wird, werden die Menschen den Moment nutzen.“

Quelle: Зе! Президент, ab Minute 1:58)


Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 25. Februar 2022

„Heute hat Russland das gesamte Territorium der Ukraine angegriffen. Und heute haben unsere Verteidiger Großes geleistet: Sie haben fast alle angegriffenen ukrainischen Gebiete geschützt. Sie haben Gebiete zurückerobert, die der Feind eingenommen hatte. (…)

Wir sind beim Schutz unseres Landes nach wie vor auf uns allein gestellt. Wer ist bereit, an unserer Seite in den Krieg zu ziehen? Ehrlich gesagt – ich sehe niemanden. Wer ist bereit, der Ukraine einen NATO-Beitritt zu garantieren? Ehrlich gesagt – alle haben Angst. (…)

In diesem Augenblick hängt die Zukunft unseres Landes voll und ganz von unserer Armee ab, von unseren Helden, von unseren Sicherheitskräften, von all unseren Verteidigern, von unserem Volk.“

(Quelle: President Zelensky addresses the nation, ab Minute 0:12 und ab Minute 3:51 und ab Minute 5:44)


Russlands Präsident Wladimir Putin am 29. August 2008

„Die Krim ist kein umstrittenes Territorium. Dort hat es keine ethnischen Konflikte gegeben im Unterschied zum Konflikt zwischen Südossetien und Georgien. Russland hat längst die jetzigen Grenzen der heutigen Ukraine anerkannt. (…)

Innerhalb der Gesellschaft auf der Krim verlaufen zu komplizierte Prozesse: das Problem der Krim-Tataren, der ukrainischen, der russischen und überhaupt der slawischen Bevölkerung. Aber dies ist jedoch ein innerpolitisches Problem der Ukraine selbst.“

(Quelle: TheEvoResearch, ab Minute 9:35 und ab Minute 10:03)


Russlands Präsident Wladimir Putin am 4. März 2014, am 17. April 2014 und am 13. November 2014

Journalist: „Waren das russische Soldaten oder nicht?“

Putin: „Das waren örtliche Selbstverteidigungskräfte.“

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„Hinter den Selbstverteidigungskräften der Krim standen natürlich unsere Militärangehörigen. Sie handelten sehr korrekt, aber – wie ich bereits sagte – entschlossen und professionell.“

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„Es ist eine Tatsache, die wir nie verheimlicht haben: Unsere Streitkräfte haben – offen gesagt – die auf der Krim stationierten Streitkräfte der Ukraine blockiert.“

(Quelle: meduza)


Russlands Präsident Wladimir Putin am 7. Februar 2022

„Sollte die Ukraine der NATO angehören und versuchen, die Krim auf militärischem Wege zurückzuerobern, würden die europäischen Staaten automatisch in einen militärischen Konflikt mit Russland hineingezogen. Natürlich sind die militärischen Potenziale der NATO und Russlands nicht vergleichbar – das ist uns bewusst –, doch wir wissen auch, dass Russland eine der führenden Atommächte ist und vielen anderen in bestimmten Bereichen heute voraus ist. Es wird keine Sieger geben.“

(Quelle: RBC, ab Minute 46:15)


Russlands Präsident Wladimir Putin am 24. Februar 2022

„Die Volksrepubliken des Donbass haben sich mit der Bitte um Hilfe an uns gewandt. Vor diesem Hintergrund habe ich – in Übereinstimmung mit Artikel 51 (Teil 7) der UN-Charta, mit der Zustimmung des Föderationsrates Russlands sowie in Umsetzung der am 22. Februar dieses Jahres von der Föderalen Versammlung ratifizierten Verträge über Freundschaft und gegenseitigen Beistand mit der Volksrepublik Donezk und der Volksrepublik Luhansk – die Entscheidung getroffen, eine militärische Spezialoperation durchzuführen. Ihr Ziel ist der Schutz der Menschen, die seit acht Jahren Misshandlungen und einem Völkermord durch das Kiewer Regime ausgesetzt sind. Zu diesem Zweck werden wir die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine anstreben.“

Quelle: Rutube, ab Minute 19:57)


Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 9. Januar 2025

„Man schlägt auf Menschen ein, denen man noch vor Kurzem erzählt hat, dass man in Wirklichkeit die russischsprachige Bevölkerung schütze. Deshalb habe ich weder für den Spitzenvertreter – oder den Direktor – des heutigen Russlands noch für dieses Volk Respekt. Ich halte es für falsch, so zu tun, als würde nichts geschehen, und Putin damit erneut die Vorlage zu liefern, damit er sagt: ‚Wir sind doch ein Volk, wir sprechen dieselbe Sprache‘ und so weiter.“

(Quelle: Lex Fridman Podcast, ab Minute 0:39)


Russlands Präsident Wladimir Putin am 7. Juni 2019 über Wolodymyr Selenskyj

„Ich kenne diesen Mann nicht. Ich hoffe, wir lernen uns eines Tages kennen. Allem Anschein nach ist er ein guter Fachmann auf seinem Gebiet. Er ist ein guter Schauspieler.

Quelle: БИЗНЕС Online, ab Minute 1:00 und ab Minute 1:52)


Titelbild O-Töne Nr. 100: Screenshots RBC, Lex Fridman Podcast

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