Nachtrag zur Unterwanderung von gewerkschaftlichen Einrichtungen

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Am 24.8. hatte ich mein Erstaunen darüber ausgedrückt, dass die wsi-Mitteilungen der Hans-Böckler-Stiftung ihre Spalten für einen Kommentar von Börsch-Supan geöffnet haben, ohne darüber zu informieren, dass dieser Mannheimer Professor in Diensten der Versicherungswirtschaft steht.
Mit mir haben sich eine Reihe anderer Beobachter des Zeitgeschehens gewundert – unter anderem Jürgen Voß, dessen Leserbrief wir wegen einer Information zu Börsch-Supans Argumenten, einem „Bolzen“, wie Voß das nennt, wiedergeben.

Am 6.9.2006
An wsi-mitteilungen(at)wsi.de
Betr.: Heft 8/2006 / Kommentar von Börsch-Supan

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

schon vor einiger Zeit habe ich Ihnen gegenüber mein Erstaunen zum Ausdruck gebracht, die Repräsentantin eines grotesken Einwanderungskonzeptes, Frau Süßmuth, in Ihrer an sich verdienstvollen Monatszeitschrift wieder zu Wort kommen zu lassen, und das unkommentiert. Doch der “Einwurf” von Frau Süssmuth, einer an sich integren Persönlichkeit, ist nichts gegen das, was Sie sich in Heft 8/2006 leisten. Hier lassen Sie einen Mann seinen Schmonzes unterbreiten, der seit Jahren in der Kampffront der Mietprofessoren (Raffelhüschen, Rürup, Zimmerman, Möchtegernprofessor Miegel, Straubhaar usw.) steht, deren vorderstes Anliegen es ist, mit obskuren Argumenten unsere solidarischen Sicherungssysteme zu diskreditieren und – gegen gute Bezahlung – die Anbieter privater kapitalgedeckter Systeme als einzig mögliche Alternative zu empfehlen. Auch in diesem Kommentar leistet sich Börsch-Supan wieder den Bolzen – das hat seit langem Methode – “Erwerbstätige” mit “Erwerbsfähigen” zu verwechseln. Dass wir aufgrund demografischer Veränderungen – Gott sei Dank – nach und nach Erwerbsfähige und damit Arbeits(platz)nachfrage verlieren, ist unstrittig, denn die geburtenschwachen Jahrgänge rücken nach. Ob wir auch Erwerbstätige verlieren, ist eine Sache des Arbeitsmarktes, der konjunkturellen und strukturellen Entwicklung und vor allem der Frage, ob es der Fraktion der oben erwähnten “Wissenschaftler” und Politiker gelingt, hier das amerikanische Knochenbrechersystem einzuführen, durch welches das bewährte Modell der ordnungsgemäßen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung endgültig den Bach runterginge. Es ist schon erstaunlich, dass sich auf der einen Seite Claus Schäfer und Co seit Jahren in den wsi-mitteilungen die Finger wund schreiben gegen den Demografiemythos und an anderer Stelle seine Urheber und Pfleger die Kommentarspalte spendiert bekommen.

Mit freundlichen Grüßen
Euer treuer Abonnent und Leser
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Voß

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