Seltsame Vorstellungen von einem Aufschwung. Lassen Sie sich nicht hinters Licht führen.

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Zur Zeit haben Meldungen darüber, der Aufschwung sei da, Hochkonjunktur. Typisch dafür die Berliner Zeitung (aber nicht nur), die gleich zwei Tage hintereinander feststellt, wir hätten kräftiges Wachstum, die Experten würden es auf 2% oder sogar etwas mehr, die OECD gar auf plus 2,2%, schätzen. „Nun ist der Aufschwung da.“, heißt es in einem Kommentar vom 7.9.. Und schon fordert der Vorsitzende des Sachverständigenrates Rürup ein zusätzliches Spar-Paket. Ähnliches fordern Mitglieder des Haushaltsausschusses. Dies alles zeigt, dass makroökonomisches Denken und Wissen nicht weit verbreitet ist. Wenn in einem einzigen Jahr einmal 2,2% Wachstum erreicht werden, dann ist es nie und nimmer ein Aufschwung.

Die Kapazitäten unseres Landes sind bei weitem nicht ausgenutzt, vermutlich nur mit ungefähr 83%; die effektive Arbeitslosigkeit liegt über 5 Millionen. Mit einer einmaligen Wachstumsrate von 2,2% kommt man angesichts dieser Ausgangslage und angesichts der Tatsache, dass die Arbeitsproduktivität jährlich wächst, nie und nimmer in eine Lage, die man Aufschwung nennen könnte. Dazu muss man nicht einmal Tabellen lesen können. Es genügt, sich in Kneipen und beim Einzelhandel umzusehen. Von einem Aufschwung merkt man da nicht viel.
Länder, die in der Vergangenheit Rezessionen überwanden, brauchten dazu weit höhere Wachstumsraten und Serien davon. Schweden zum Beispiel in den neunziger Jahren viermal Wachstumsraten mit einer Vier vor dem Komma. Ähnlich Spanien, die Niederlande und die USA in den neunziger Jahren.
Zu ihrer Verwendung füge ich eine Tabelle aus dem Anhang von „Die Reformlüge“ an.

Tabelle: Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und der standardisierten Arbeitslosenquote (AL) [PDF – 27 KB]

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