Oft bloß nachgeplappert – Eine Studie über den starken Einfluss politischer Öffentlichkeitsarbeit auf die Medien

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Eine Schweizer Studie über die journalistische Verarbeitung von Pressekonferenzen kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass man in gut der Hälfte der Berichte keinerlei inhaltliche Eigenleistung der Medien erkennen konnte. Publiziert wurde die unveränderte oder lediglich gekürzte Fassung der Texte, die von den behördlichen Medienstellen zur Verfügung gestellt wurden. Nur 13 Prozent der Beiträge kamen eigenständig zustande. Nachrecherchen erfolgten selten.

Aus meinen beruflichen Erfahrungen als früherer Regierungssprecher kann ich diese Befunde nur bestätigen. Sie selbst können es täglich beobachten, wenn Bertelsmann oder INSM oder andere „Institute“ irgendwelche Erklärungen veröffentlichen, werden diese von einem Großteil der Medien einfach nachgeplappert und bekommen so den „Status“ einer unabhängigen und handwerklich journalistisch hinterfragten „neutralen“ Information. Kaum ein Journalist oder kaum eine Redaktion fragt nach den Interessen, die hinter solchen „Presse-Informationen“ stehen und nur ganz selten wird auf die politischen Absichten, die hinter den Presse-Events stehen, eingegangen und noch seltener werden vorliegende widersprechende Fakten oder Studien dagegen gestellt. Wer die Macht und das Geld hat Presse-Events zu schaffen prägt so die veröffentlichte Meinung und schafft auf Dauer einen Meinungsmainstream. Das können Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten täglich verfolgen.
Dabei kann man in den meisten Fällen den (Nachrichten-)Journalisten nicht einmal einen Vorwurf machen: Sie sind angesichts ausgedünnter Redaktionen immer mehr gezwungen, jeden Tag immer mehr Artikel abzusetzen und dazu kommt, dass Aktualität immer wichtiger wird als solide Recherche.
Siehe auch: Die Kunst des Handwerks

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