Krake Bertelsmann kümmert sich auch um die Zukunft des Gesundheitswesens

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Die „Gesundheitsreform muss Versicherteninteressen berücksichtigen“ unter dieser Überschrift gibt sich die Bertelsmann-Stiftung als Anwalt der Versicherten und stellt mal wieder einen Gesundheitsmonitor vor.
Nach einer Umfrage rechnen 62 Prozent der Befragten damit, dass sich der Umfang der Leistungen, die von den gesetzlichen Kassen bezahlt werden, in den nächsten fünf Jahren verringert. Im gleichen Zeitraum befürchten 71 Prozent eine schlechtere Qualität der medizinischen Leistungen und 89 Prozent erwarten steigende Krankenversicherungsbeiträge. Die meisten Versicherten (60 Prozent) haben darüber hinaus Bedenken, im Alter nicht ausreichend medizinisch versorgt zu sein, und 84 Prozent vermuten, dass Wartezeiten auf bestimmte Therapien oder Operationen zunehmen. Wozu macht Bertelsmann solche Umfragen? Wolfgang Lieb.

Dass die Menschen nach den zurückliegenden Gesundheits-„Reformen“ auch von der neuerlichen „Reform“ nichts Gutes erwarten, ist eigentlich nicht erstaunlich. Dazu hätte es eigentlich keiner Bertelsmann-Umfrage bedurft.

Man liegt aber sicherlich mit der Vermutung nicht falsch, dass Bertelsmann die Unzufriedenheit für ganz andere Ziele als für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung ausnützen will:

Der Stiftung geht es nach eigenen Angaben darum, „die Präferenzen und Zahlungsbereitschaft der Versicherten für neue Versorgungspakete“ herauszufinden und um den „Vergleich von gesetzlich und privat Krankenversicherten“.
Im Klartext heißt das: Bertelsmann will herausfinden, welches Versicherungsmodell bei den Versicherten ankäme, etwa

  • ob die Leute bereit wären für geringere Beiträge höhere private Kostenbeteiligungen in Kauf zu nehmen oder
  • ob Beitragsrückerstattungen bei Eigenfinanzierung von Krankheitskosten ankämen. Oder
  • ob eine Mehrklassenmedizin mit unterschiedlichen „Versorgungspaketen“ akzeptiert würden. Oder, oder oder…

Was bei einem Vergleich von gesetzlichen und privaten „Krankenversicherten“ herauskommt, lässt sich auch unschwer prognostizierten: Die privat Krankenversicherten fühlen sich besser versorgt als diejenigen in einer gesetzlichen Kasse. (Weil wir letztlich schon längst eine Zweiklassenmedizin haben.)
Das hohe Lied auf die private Krankenversicherung wird folgen.
Nach dem Erfolg bei der privaten Altersvorsorge dürfte die Propagierung der privaten Krankenversicherung das nächste Projekt der Bertelsmann Stiftung in ihrem unermüdlichen Einsatz für das „Gemeinwohl“ sein.
Da wird schon die nächste Gesundheitsreform vorbereitet.

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