Wer weiß schon, was alles aus den Küchen von PR-Machern stammt.

Ein Artikel von:

Die meisten Menschen wissen vermutlich nicht, wie viele der täglich konsumierten Sendungen, Artikel und Interviews nicht auf die Initiative der Redaktionen zurückgehen, sondern häufig den Publicrelations-Machern im Hintergrund zu verdanken sind. Da mir gerade zwei gute Exemplare auf den Tisch geraten sind, will ich darauf hinweisen. Es geht um die Tagesthemen zur Pflegeversicherung am 14.6. und um ein Interview mit dem amerikanischen Nobelpreisträger Becker in SpiegelOnline. Albrecht Müller.

  1. In den Tagesthemen vom 14.6.2007 wurde die finanzielle Lage der Pflegeversicherung als dramatisch dargestellt, dann wurde als einziger Experte (jenseits der Politiker) Professor Oberender eingespielt. Er erklärte jede Reform ohne kapitalgedeckte Privatvorsorge zur Makulatur. – Sehen Sie selbst. Die Zuschauer wurden nicht davon unterrichtet, welche Interessen Professor Oberender vertritt, dass er mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft verbunden ist und schon immer für die private Versicherungswirtschaft wirbt. Siehe dazu NachDenkSeiten: “Nach dem „Aufstand der Alten“ im ZDF hetzt BILD die Jungen gegen die Alten” und INSM: “Mehr ordnungspolitischen Mut, bitte!”.

    Die Tagesthemen haben kein kritisches Wort zur Privatvorsorge a la Riester-Rente auch für die Pflegeversicherung verloren. Das mindeste wäre gewesen, darauf hinzuweisen, dass dann wie auch bei der Riester-Rente gerade die Einkommensschwächeren ohne effektive Pflegeversicherung bleiben.

  2. Ähnlich PR-verdächtig ist ein Interview mit dem amerikanischen Chicago Boy Gary Becker in SpiegelOnline.

    Sehen Sie selbst sei SpiegelOnline:

    “Mit Ende 50 in Rente – das sind perverse Anreize”
    „Er ist einer der wichtigsten Ökonomen unserer Zeit, forschte über Humankapital, Demografie und die Familie. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der Nobelpreisträger Gary Becker über die Alterung der deutschen Gesellschaft, die Kinderkrippen-Pläne der Regierung – und Arbeit mit Ende 70.
    Quelle: SpiegelOnline 15.6.2007

    Milton Friedman war der Doktorvater von Herrn Becker. Jetzt darf er bei uns die Geburtenlage dramatisierern und erklären, dass auch die Kinderbetreuung nicht Sache des Staates ist, und dass die Erhöhung des Renteneintrittsalters eh schon zu spät kommt usw.

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