Ein Leserbrief zu Folgen der Privatisierung im Bereich der Telekommunikation

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Aus gegebenem Anlass veröffentlichen wir einen Leserbrief, der uns gerade erreichte. Hier ist er: danke für die Info zum Stromausfall bei Jens Berger, was aber auch gleich wieder zum Nachdenken anregen sollte: Warum funktionieren die Telekommunikationseinrichtungen eigentlich nicht mehr, wenn der Strom ausfällt? Albrecht Müller.

Zu Zeiten der Deutschen Bundespost war das nicht so, wie ich als ehemaliger Beamter im Fernmeldedienst weiß!

Damals war es Vorgabe, dass die Telekommunikation auch bei einem Stromausfall funktionieren muss.

Alle Telefone waren von der Vermittlungsstelle mit Strom versorgt. Die Vermittlungsstellen waren mit Batterien für den Notfall ausgerüstet. Entweder sprang dann direkt ein Notstromaggregat an, um die weitere Versorgung zu gewährleisten oder die Batterien überbrückten die Zeit, bis ein fahrbares Stromaggregat vor Ort war.

Beim sogenannten Teilnehmer, so nannte man die Kunden früher, mussten auch die Telefonanlagen so ausgestattet sein, dass bei einem Stromausfall im Netz immer noch ein Telefon über die Fernspeisung der Deutschen Bundespost funktionierte.

Es gab also ein umfassendes Konzept zur Gewährleistung der öffentlichen Daseinsvorsorge für den Notfall.

Das ist heute nicht mehr so!

Ihr Telefon wird in aller Regel bei einem Netzausfall nicht mehr funktionieren, auch wenn der Netzausfall nur ihr Haus betrifft. Sie müssten sich für diesen Fall ein eigenes Stromaggregat oder ein Handy anschaffen (wenn die Funkversorgung ausreichend ist)

Im Fall von Herrn Berger wird möglicherweise auch das Handy nicht mehr funktionieren, weil ja auch die Funkzellen ggf. nicht mehr mit Strom versorgt sind.

Heute werden zunehmend auch die Häuser mit Glasfaser versorgt, so dass eine Fernstromversorgung so nicht gewährleistet wäre. Es gab aber, nach meiner Erinnerung, Überlegungen die vorhandenen „alten“ Kupferanschlüsse als Stromversorgung für die Telekommunikation aus der Ferne zu erhalten. Bei der Glasfaserstruktur benötigt man ja auch zunehmend keine Vermittlungsstellen mehr, weil man ja outdoor Einrichtungen (dezentral) nutzen kann. Auch da gibt es im Fall eines Stromausfalls keine Versorgung mehr. Auch da gab es Überlegungen, die outdoor-Gehäuse mittels beiläufigem Kupferkabel, bei Stromausfall, weiterhin von einem zentralen Knoten (aktuell die Vermittlungsstelle) mit „Notstrom“ zu versorgen.

So wäre die IP-Versorgung (Telefon und Internet, ggf. auch Fernsehen) bei einem Netzausfall weiterhin durch die Telekommunikationsunternehmen gewährleistet.

Gäbe es nur einen Anbieter von Netzinfrastruktur und wäre dieser wieder oder noch in staatlicher „Obhut“, könnte Herr Berger vermutlich  die Hinweise des Tages einstellen, auch wenn er ohne Licht in seinem Zimmer arbeiten müsste😊.

So gibt es eine Menge Dinge, die den „Marktmechanismen“ in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen sind.

Es wäre es sicher wert, mal in dieser Richtung zu recherchieren und aufzuklären. Sie haben ja sicherlich auch noch einige Kontakte zu ehemaligen Politikern, die mit der Telekommunikation be-oder vertraut waren.

Herzliche Grüße
Rainer Dhonau

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