CHE: „Privaten Hochschulen wird nachgesagt, dass sie besser ausbilden“. Wissenschaftsrat: Vernichtendes Urteil über die Medizin in Witten-Herdecke

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„Privaten Hochschulen wird nachgesagt, dass sie besser ausbilden: effektiver, praxisnäher, erfolgreicher für den Arbeitsmarkt.“ Mit dieser manipulativen Behauptung machte das Centrum für Hochschulentwicklung der Bertelsmann-Stiftung Propaganda für die Privatisierung von Hochschulen (siehe NachDenkSeiten v. 21.6.05). Der Wissenschaftsrat sagt etwas anderes: Er fällte ein vernichtendes Qualitätsurteil über das Medizin-Studium an der Privatuniversität Witten-Herdecke und fordert die Hochschule auf, ab sofort keine Neueinschreibungen mehr vorzunehmen.

Schon oft haben wir in den NachDenkSeiten darüber berichtet, dass das öffentliche Hochschulwesen in Deutschland in der Öffentlichen Meinung überwiegend schlecht geredet wird und dass alles Heil in der Privatisierung oder mindestens in der Marktorientierung der Universitäten gesehen wird (siehe hier).

Auch die private Universität Witten-Herdecke wurde jahrelang als „Stachel im Fleisch“ der maroden staatlichen Universitäten gefeiert. Jetzt hat der Wissenschaftsrat, ein unabhängiges Expertengremium von Wissenschaftlern, Bund und Ländern, festgestellt, dass dieser Stachel ziemlich stumpf ist. Der Studiengang Humanmedizin habe gravierende Probleme bei der Ausbildungsqualität und es sei nicht verantwortbar, die Medizinausbildung in der derzeitigen Form fortzuführen.
Die Universität Witten-Herdecke, war übrigens die einzige private Hochschule in Deutschla, die außer den „billigen“ Buchwissenschaften wie Business Administration, Marketing oder Jura einen „teuren“ Studiengang, wie etwa Medizin, angeboten hat und der steht jetzt vor einer wissenschaftlichen Pleite.
Es scheint also doch nicht alles besser zu werden, wenn man nur öffentlich verantwortete Aufgabenwahrnehmung privatisiert oder den Marktgesetzen ausliefert.

Man darf gespannt sein, wie der Mainstream der Befürworter von privaten Hochschulen und von Wettbewerb als Mittel zur Qualitätsverbesserung, auf dieses vernichtende Urteil des Wissenschaftsrates reagiert.
Man darf gespannt sein, welche Konsequenzen der ehemalige Hauptsponsor der privaten Universität Witten-Herdecke, der Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn und sein Centrum für Hochschulentwicklung aus dieser Pleite zieht.
Und: Man darf gespannt sein, ob der neue „Innovationsminister“ Nordrhein-Westfalens Andreas Pinkwart (FDP) diese private Hochschule, an der pro Studierendem am meisten öffentliche Mittel eingesetzt werden, auch in Zukunft weiter mit Staatsknete finanziert.

Quelle: Handelsblatt

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