Hinweis auf drei „Standpunkte“ in der FR: Detlef Hensche, Jörg Schönbohm und Tobias Dürr

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Am Samstag, den 4. Juni erschienen auf einer Doppelseite der Frankfurter Rundschau drei Beiträge sehr unterschiedlicher Autoren, teils interessant, teils eine Zumutung. Hier die Kurzfassungen, kurze Kommentare zu Schönbohm und Dürr und die Links für Interessierte.

DETLEF HENSCHE
Die Zeit ist reif für eine neue linke Partei

PDS und WASG sind jede für sich zu schwach, beide müssen sich aus ihrer jeweiligen Enge befreien

Mit dem möglichen Regierungswechsel zur CDU und FDP verbinden sich keine Hoffnungen auf eine politische Wende. In wesentlichen Fragen sehen sich die Bürger von einer Allparteienkoalition regiert und zeigen ihre Ablehnung dadurch an, dass sie nicht mehr wählen gehen. In dieser Situation sagen Demoskopen einem neuen Linksbündnis gute Wahlchancen voraus. Die erste Voraussetzung ist: Die beiden beteiligten Parteien PDS und WASG müssen zusammenfinden.

Quelle: FR

JÖRG SCHÖNBOHM
Am Ende eines Irrwegs

Eine Abrechnung mit Gerhard Schröder und der Generation der 68er

Zerrüttete Staatsfinanzen, wirtschaftliche Depression, Massenarbeitslosigkeit sind Bilanz der rot grünen Politik ideologischer Verblendung und einer maßlosen Hybris. Die notwendige Entziehungskur wird schmerzhaft. Doch sie ist zu schaffen.

Quelle: FR

Kurzkommentar:
Einmal ganz davon abgesehen, dass weder Schröder, noch Clement, noch Müntefering 68er gewesen sindund sehen wir auch darüber hinweg, dass Schröder genau den „Irrweg“ verfolgt, den die Union fortsetzen und sogar noch beschleunigen will: Ich bin kein 68er gewesen, weil ich etwas älter bin und meine Reformarbeit und die meiner Freunde schon etwas früher begann. Ich halte es dennoch für unerträglich, welche Geschichtsklitterung Schönbohm betreibt: „Der 68er Gesellschaftsentwurf hat eine ganze Generation geistig entwurzelt, indem er Orientierung durch Beliebigkeit ersetzte.“ – Das ist unglaublich. Die meisten 68er, die ich kenne, haben mehr Orientierung als Herr Schönbohm und seine geld- oder nationalorientierten Gesinnungsfreunde. Schönbohm will offenbar die kulturelle Gegenrevolution zurück in den Mief der schwarzen Republik der Adenauer-Ära.

TOBIAS DÜRR
Sich mit dem Wandel verbünden

Gerhard Schröder hätte als Volkskanzler in Distanz zu seiner zagenden Partei noch eine Wahlchance

Derzeit wettet niemand einen Cent auf Kanzler Gerhard Schröder. Dabei hätte er die Chance wiedergewählt zu werden, wenn er sich auf ein ganz und gar personalisiertes Duell mit Angela Merkel einließe.

Quelle: FR

Kurzkommentar:
Dieser Beitrag ist nicht wegen seines Inhalts interessant sondern wegen der Funktion des Autors und der Absurdität und Abstrusität des Artikels. Der Autor Dr. Tobias Dürr (Jahrgang 1965) ist Politikwissenschaftler, Publizist und Chefredakteur der – wie es in der FR heißt – als Intellektuellenblatt geltenden Zeitschrift “Berliner Republik“. Dieses Blatt dient den sogenannten Netzwerkern als publizistisches Sammelbecken; es wird indirekt von der SPD finanziert, was auch heißt, dass die Parteiführung damit eine einseitige Gruppenbildung innerhalb der SPD finanziert. Wenn die „Berliner Republik“ ein Intellektuellenblatt ist, dann sagt das sehr viel über den Zustand der Intellektuellen in Deutschland.
Der Text enthält keinen Beleg für die Notwendigkeit des immer wieder geforderten und gefeierten Wandels; er enthält keinen Hinweis darauf, was sich ändern soll und wie.

Hier ein paar Kostproben:

„Doch erfolglos ist Schröders Regierung bislang eben auch deshalb geblieben, weil große Teile der SPD den Erneuerungskurs ihres Kanzlers stets nur mit schlechtem Gewissen und hinhaltendem Widerstand begleiteten.“ –
AM: Das schlechte Gewissen der SPD soll also daran schuld sein, dass Schröder mit seiner Agenda-Politik erfolglos blieb, dass Hartz gescheitert, dass die Unternehmenssteuersenkungen keine Investitionen brachten, dass die Gesundheitsreform keine Beitragssenkung sondern nur zusätzliche Belastungen der Patienten brachte?

„Untergründige politische Druckverhältnisse zu erspüren und in Dynamik umzuwandeln, um sich dann an die Spitze der neuen Bewegung zu setzen: darin bestand schon immer die politische Begabung Gerhard Schröders – ein Talent, das er mit Angela Merkel gemein hat. Der ewige “Außenseiter” Schröder und die “fremde” Ostdeutsche Merkel: Beide beziehen ihre Stärke daraus, dass sie aus ihrer Halbdistanz das Ganze des Geschehens besser erfassen als die vielen nur vermeintlich so abgekochten Insider des politischen Betriebs. Wo andere bis zum Schluss auf die Geltung überkommener Spielregeln pochen, fangen Schröder und Merkel, wenn nötig, ganz neue Spiele nach ihren eigenen Regeln an.“ –
AM: Donnerwetter! Da wird einem irrationalen Übermenschenkult à la Nietzsche das Wort geredet. Das ist schlicht antidemokratisch. Bewegung ist alles.

„Wagte Schröder den dramatischen Tigersprung ins Ungewisse des totalen Personalplebiszits, stünde Deutschland ein mitreißendes Duell zweier Politiker bevor, die ihren Parteien dann auf je eigene Art gefährlich weit voraus wären, gerade weil sie beide die wirkliche Virulenz des “Gezeitenwechsels” (Warnfried Dettling) erfasst hätten.“
AM: Mit ähnlichen Irrationalismen über den neuen „Zeitgeist“ hat das national-konservative Bürgertum damals auch die Machtübernahme Hitlers schön geredet.

„Das wäre ein beispielloser Zweikampf auf gleicher Augenhöhe – aber Schröder hätte dabei die besseren Karten, ganz einfach weil er mehr politisches Gewicht auf die Waage bringt.“
AM: Ein solches Geschreibe mutet uns der Autor über drei Spalten zu, um dann in der vierten Spalte zum Schluss zu kommen, dass es in Deutschland (aus Sicht Dürrs wohl leider) eine Verfassungsvorgabe zum Wahlrecht gibt:
„Wird es so kommen? Eher nicht. In Deutschland werden Parteienlisten gewählt, nicht Kanzlerkandidaten. Wer Schröder will, muss SPD wählen, präsentierte sich der Kanzler noch so runderneuert im veränderten Takt der Menschen im Land.“
AM: Wenn man solche Führer- oder Machtkultphantasien lesen muss, könnte man schon fast dazu kommen Jörg Schönbohm Recht zu geben, der von „Blindheit“, „Selbstüberschätzung“ oder „Beliebigkeit“ redet. Das träfe dann aber keinen 68er, sondern einen der 1965 erst geboren wurde.

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