Leserbriefe und Hinweise zum Artikel „Künstler und Corona-Kritik: Wo seid ihr alle hin?“

Ein Artikel von:

In diesem Beitrag hat Tobias Riegel gefragt, warum sich manche prominente deutsche Künstler, die sich sonst gerne zur Weltlage äußern, seit Corona sehr bedeckt halten. Die Frage war mit dem Aufruf verbunden, uns Hinweise auf Künstler-Beiträge zu schicken, die sich kritisch mit der Corona-Politik auseinandersetzen. Viele Leser sind dem nachgekommen und wir veröffentlichen hier eine Auswahl der Briefe und der Hinweise. Vorläufiges Fazit: Auch in Zeiten der scharfen Diffamierung Andersdenkender gibt es sie noch, die kritische Kunst. Von Redaktion.


Anmerkung der Redaktion: Zunächst kommen Leser-Mails mit Links und Hinweisen, weiter unten folgen Briefe, die näher auf den Inhalt des Artikels eingehen.


1. Leserbrief

Hallo Redaktion,
mir fallen gleich mehrere Künstler ein, die sich kritisch-satirisch mit Corona in die Öffentlichkeit gewagt haben: Hans Söllner, Mathias Riechling, Nina Proll sowie als Musikergruppe dicht&ergreifend (alle damit auf YouTube zu finden). Die verdienen Respekt und Unterstützung als auch Erwähnung, damit andere sehen: Es gibt sie noch, die lauten und unbequemen Künstler.
Viele Grüße
Bernd Kessinger


2. Leserbrief

Lieber Tobias Riegel,
es gibt sehr wohl hervorragende Künstler*innen, die heftige Corona-Kritik üben!
Z.B. Lisa Fitz! s. folgende Links!

freidenker.org/?p=9365

youtube.com/watch?v=0tCNhdUqZJo

Beste Grüße
Siegfried Späth


3. Leserbrief

Lieber Herr Riegel,
vielen Dank für Ihren ebenso zutreffenden wie einfühlsamen Beitrag.
Ich stimme Ihnen auch darin zu, dass sich das politische Kabarett in den vergangenen Monaten mehr oder weniger zur belanglosen “Comedy” zurückentwickelt hat – Künstler/Innen wie Lisa Fitz und Roland Düringer ausdrücklich ausgenommen.

Ich denke, dass der hierarchische Druck  in den ö.r. TV-Anstalten noch stärker wirkt als in den Printmedien, da es dort einfach um “fettere” Pfründe geht.

Aber bei Welke & Co hat ja das Anpassertum an den natokonformen Regierungskurs schon lange vor “Corona” begonnen.

Trotzdem möchte ich Sie gerne auf eine Ausnahme hinweisen. Schon im Frühjahr des vergangenen Jahres rief die Stadt Fürth(!) ihre Künstler zu dem Plakatwettbewerb #kunstvscorona auf. Künstlerischer Blickwinkel und Ausdruck waren frei.

Mit den 25 ausgelobten Geldpreisen von jeweils 300 Euro wollte die Stadt auch einen Teil des Einnahmenverlusts der Künstler ausgleichen, dazu kamen Erlöse aus Postkarten und Kalender-Lizenzen, die ebenfalls abzugs- und zensurfrei(!) an die beteiligten bzw. ausgewählten Künstler ausgeschüttet wurden.

So befinden sich z.B. in dem daraus entstandenen, mehr als 3000 mal verkauften “ART CALENDAR” einige großartige Beispiele künstlerisch-kritischer Statements.

Hier ist der Link zu den 25 Gewinnermotiven.

Mit herzlichem Gruß
Reinhard Schlüter


4. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

Pigor wird viel zu wenig gehört:

Zu nennen wären auch die Anarchonauten:
youtube.com/watch?v=rstFjecltg4

Vielen Dank für Eure Arbeit,

Grüße
Detlef Sellenriek


5. Leserbrief

Ein klares Bekenntnis von NENA
facebook.com/NENAofficial/videos/273677924189798/

S.N.


6. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,
die im Artikel von Tobias Riegel beschrieben Beobachtungen mache ich zunehmend ebenfalls in vermehrten Maße.

Zum Glück gibt es noch ein paar (wenige), die sich dem Mainstream widersetzen und entgegenstellen.

So wie der bayerische Kabarettist Helmut Schleich.

Sein aktuelles Programm „Kauf du Sau“ hat er um einen Corona-Teil erweitert/aktualisiert.

Zu finden ist der Audio-Beitrag hier.
 
 
In Sachen Corona ist vor allem die erste halbe Stunde interessant.

In diesen Zeiten eigentlich schon erstaunlich, dass der WDR den Beitrag (noch) auf seiner Seite belassen hat.
Helmut Schleich hat übrigens auch gegen die FFP2 Maskenpflicht im Einzelhandel in Bayern geklagt und wie nicht anders zu erwarten wurde der Eilantrag vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof abgelehnt.

Siehe hierzu auch:
 
boegelein-axmann.com/kabarettist-helmut-schleich-klagt-mit-boegelein-dr-axmann-rae-gegen-ffp2-maskenpflicht-im-einzelhandel/
 
und
 
boegelein-axmann.com/bayvgh-lehnt-eilantrag-zu-ffp2-maskenpflicht-ohne-nachvollziehbare-begruendung-ab/
 
Mal schauen wie lange er seine Sendung Schleich Fernsehen im Bayerischen Rundfunk noch behalten darf.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch Urban Priol, der seinen Jahresrückblick Tilt 2020 ganz im Zeichen von Corona gestaltet hat.
Zu finden hier.
 
Deshalb danke Helmut, danke Urban, dass noch ein paar wenige kritische Geister geblieben sind.
Aber wahrscheinlich wurde Euch auch schon längst das Label als Coronaleugner, Aluhutträger und Verschwörungstheoretiker angeheftet.
 
Mein Aufruf deshalb macht weiter, bleibt mutig und lasst Euch nicht unterkriegen.

Zu Urban Priol noch folgender Nachtrag:
 
youtube.com/watch?v=sYtzpSL0RXY
 
In diesem Sinne
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Leitel


7. Leserbrief

Hallo,
ein kleiner Kommentar zum Text “Künstler und Corona-Kritik” von Tobias Riegel. Inhaltlich völlig richtig, und ich war auch überrascht, wie wenig von “den Künstlern” als Gruppe hier kommt, eher im Gegenteil. Man sollte meinen, dass eine derartige gesellschaftliche Situation zur künstlerischen Verarbeitung herausfordert, in allen Genres.

Ich hätte es allerdings besser gefunden, wenn der Autor länger nach Positivbeispielen gesucht hätte, die es natürlich gibt. Neben der exzellenten Kunst von Hatzius sind mir noch begegnet:

Schwarze Grütze: “Virusland” (Juni 2020), 1:50

Dieter Hallervorden: “Corona Song” (September), 3:03

Beide Texte immer noch aktuell. Es ist gut möglich, dass beide Beiträge in den NDS-Linklisten vorkam! Darum mein Wunsch nach einer längeren Positivliste.

Ich habe auch Corona-kritische Beiträge von Opernsängern gesehen, aber da kann ich keine Links beisteuern.

Man kann auch versuchen, das Ganze positiv zu wenden: Im Gegensatz zu vielen anderen Krisen (Klima, Ausbeutung, Armut im eigenen Land) erzwingen die Corona-Maßnahmen eine Positionierung jedes Menschen, das Leben ist also politischer geworden. (Ich komme aus der DDR und habe dort gelernt, damit umzugehen.) Das gilt insbesondere für Künstler und wir dürfen zusehen, wie sich auch dort die Spreu vom Weizen trennt.

Vielen Dank für die großartige Arbeit,
David Ploog


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel, sehr geehrte Damen und Herren der Nachdenkseiten,

ich habe gerade Ihren Artikel gelesen und möchte Sie angesichts des von Ihnen – zurecht – beklagten Umstands, dass sich kaum prominente Kabarettisten kritisch satirisch zu den Coronamaßnahmen äußern, auf den Autor und Kabarettisten Gerd Normann aufmerksam machen. Er ist zwar kein “Promi” der Szene, jedoch ein kritischer Geist, der seit Oktober regelmäßig einen “Notwehrblog” zu den aktuellen Geschehnissen schreibt, – hier der Link auf seine Artikel.

Außerdem hat er am 13.11.20 (Premiere) als einer der wenigen Künstler trotz damaligem Lockdown-Light ein tolles Bühnenprojekt für Künstler ins Leben gerufen – das Entenfuß-SHOWFENSTER (Künstler spielen im Schaufenster eines Berliner Geschäftes für Passanten als Publikum), während viele andere Künstler schon längst verstummt waren. Hier der Link zur Webseite.  Vielleicht haben Sie ja Lust, ihn in einem Ihrer nächsten Artikel zu erwähnen. Das würde mich sehr freuen.. 

Vielen Dank! 

Schöne Grüße,
Lina Lärche 


9. Leserbrief

liebe redaktion, sehr geehrter herr müller,
 
vielen dank für den beitrag von tobias riegel. ich habe ihn weitergeschickt an den bremer berufsverband bildender künstler und an den verband der schriftstellerinnen und schriftsteller.
 
Tobias Riegel schreibt: Es gibt vermutlich viele weitere Gegenbeispiele, bei denen sich Künstler in den vergangenen denkwürdigen Monaten mutig geäußert haben. Möglicherweise werden diese Äußerungen aber ebenso unterdrückt wie zum Teil jene von kritischen Wissenschaftlern. Diese Künstler sollen hier nicht verschwiegen werden. Darum hier der Aufruf an die Leser: Wenn Sie auf kritische Äußerungen von Künstlerinnen oder Künstlern stoßen, oder auf Werke, die sich der aktuellen Entwicklung in kreativer, aber auch seriöser Weise entgegenstellen, dann schicken Sie uns doch einen Hinweis.
 
riegels vorschlag entsprechend sende ich Ihnen folgende hinweise:

mit freundllichen grüßen,
rudolph bauer


10. Leserbrief

Hallo zusammen,
 
nur eine Anmerkung.

Zur Recht wurden in dem Artikel zwei von mir früher einmal mehr (extra3)  oder weniger (heute show) geschätzten kritisiert – sobald in beiden das Thema Corona oder auch Rußland auftaucht wird es grottig – und dann als positive Beistpiele “die Anstalt” (gute unterhaltsame Sendung am Dienstag) wie auch Michael Hatzius erwähnt.  Meiner Ansicht nach sollte hier auch Sebastian Puffpaff für “noch nicht Schicht” ebenfalls aufgeführt werden.

viele Grüße
Ulrich Drinkmann


11. Leserbrief

Hallo Nachdenkseiten,

Zu kritischen Künstlern hier ein Tipp 

Männels Lutziges Puppentheater mit Horst und Berta oder auch dem Wolf Wolfard

Ist in oberlausitzer Mundart, aber man kann es auch als “Auswärtscher” verstehen.

Liebe Grüße und vielen Dank für Eure gute Arbeit
Elke


12. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten, ihr fragtet nach Künstlern, die sich zur Koronakrise äußern. Ich hätte da sofort drei:
Tino Eisbrenner   ( Sänger, Mitinitiator der Petition Kultur ins Grundgesetz) :   
facebook.com/Tino.Eisbrenner.weltweit

Hans Eckhardt Wenzel     (Dichter, Liedermacher, Mitinitiator der Petition Kultur ins Grundgesetz) :  
facebook.com/wenzelimnetz

Tobias Morgenstern (Theater am Rand)
facebook.com/profile.php?id=100012506535860

Auf die Initiative Kultur ins Grundgesetz habe ich euch bereits hingewiesen:
Kathrin Schülein (Leiterin “Theater Adlershof” Einreicher*in):

Liebe Nachdenkseiten, ich würde mich sehr freuen, wenn ihr über die Initiative etwas schreiben würdet und die Petition mit verlinkt, denn wir brauchen noch sehr viele Unterstützer.

Liebe Grüße
Andre Jahr


13. Leserbrief

Guten Tag Herr Riegel,

endlich greift einmal jemand das thema Kunst und Coronakritik auf. Ich muss aber schon sagen: zurückhaltend agieren eigentlich bloß die prominentesten Künstler, die anderen sagen und zeigen ihre Meinung schon:

Karl Lauterbach als Bilderstürmer? – reitschuster.de

youtube.com/watch?v=PNxpVmj0Xlc

Gedicht Der Doktor von Loreen Xibalba bei e-Stories.de (Corona / Coronavirus (SARS-CoV-2))

youtube.com/watch?v=gLtXT7jAhk4

Mit freundlichen Grüßen
Michael Freuding


14. Leserbrief

Hallo Herr Riegel,
 
Sie baten um Beispiele der Kritik von Künstlern bzw. aus dem Kulturbereich, mir fallen spontan zwei ein:
 

  1. Der Sender Rockland Radio spielt täglich das Lied „Deine Schuld“ von den Ärzten. In den regulären Sendern hört man das Lied gar nicht, obwohl es schon älter ist. Wohl zu zersetzend in der heutigen Situation?
    Hier der Link zum Text, bei dem man den Cookies übrigens widersprechen kann:
    genius.com/Die-arzte-deine-schuld-lyrics
  2. Und der Dirigent Noam Zur, der u.a. zu Petitionen aufgerufen hat und frühzeitig im Magazin „Aspekte“ auf den großen Kulturbereich und die indirekt ausgesprochenen Berufsverbote hingewiesen hat.

Kritik wird dahin geschoben, wo sie nur ein zahlenmäßig geringes Publikum wahrnimmt.

Mit freundlichen Grüßen
Ameli Ganz


15. Leserbrief

Geschaetzter Herr Riegel!

Sie fordern in Ihrem Artikel, Künstler und Corona-Kritik: Wo seid ihr alle hin? die Leser zu Hinweisen auf, Kuenstler zu nennen, die sich dem aktuell herrschenden Narrativ, dass die Einschraenkungen der Grundrechte notwendig sind, weil das dem Volkswohl dient, nicht anschliessen und auch oeffentlich Stellung beziehen.

Ich kann Ihnen das Video einer Diskussionrunde von oesterreichischen Kuenstlern nennen. Daran haben u.a. die Schauspielerin Nina Proll, der Opernsaenger Günther Groissböck und der  (Ex)Kabarettist Roland Düringer teilgenommen. Das Gespraech wurde von der oesterr. Platform “Respekt“, organisiert. Es stammt vom 23. Dezember.

Hier der link: respekt.plus/videos/ oder odysee.com/@plattform-respekt:7/d-ringer-proll-groissb-ck-gross-k-2:3

Schoenen Gruss aus dem Sueden Oesterreichs
Josef Pleschiutschnig


16. Leserbrief

Hallo,
habe soeben den Artikel gelesen, in dem auch die Eventim erwähnt wird mit ihrem wahnwitzigen Vorschlag: Konzerte nur für Geimpfte
Vielleicht erklärt nachfolgender Link diese Ansage
 
ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Corona-In-SH-vergibt-Eventim-Impftermine,impfen286.html
 
Viele Grüße und ein
Macht weiter so
 
Anna


17. Leserbrief

Hans Söllner, Netter Song von ihm: facebook.com/watch/?v=2855911388068152

Hab ihn leider nur auf Facebook gefunden.

Liebe Grüße
Candid


18. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel !

Keinerlei Kritik am Artikel – wollte Sie nur an Matthias Richling erinnern, denn der ist auch bisher ‘Unverbogen’ ! Seine letzte Sendung zu Corona war wieder sprachlich außerordentlich Spitz und hintersinnig.

Lob zu NDS, fast meine Tageszeitung !!

Herzliche Grüße
Klaus Gundacker


19. Leserbrief

Liebes Team der Nachdenkseiten,

vielen Dank für eure unermüdliche Arbeit – ich wüsste nicht, was ich ohne euch als Quelle zu so vielen Themen machen sollte Vielen Dank!

Gerne komme ich eurer Aufforderung nach, Künstler zu nennen, die sich kritisch zu Corona äußern. Die Schauspielerin Christina Hecke, bekannt aus dem Film und Fernsehen, hat sich auf Ihrer Facebookseite am 15. Oktober geäußert und ein Video von Dr. Reiner Füllmich geteilt. Erstaunlicherweise gab es nicht sofort Gegenwind, blieb aber auch recht unerkannt: de-de.facebook.com/christina.hecke.offiziell/

Viele Grüße
Katharina Staab


20. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

Doch, es gibt ihn noch, wenn auch selten, den Protest, sogar aus erlesenem Mund:

Van Morrison und Eric Clapton haben Ende 2020 mehrere Protestsongs veröffentlich, natürlich nicht ohne „offizielle“ Begleitmusik der Medien.

Eric Clapton and Van Morrison Release Anti-Lockdown Song ‘Stand and Deliver’

Freundliche Grüße ,
G.Kern

Anmerkung der Redaktion:

Hier ist der Link zum Song „Stand an Deliver“.
Eric Clapton und Van Morrison wurden dafür prompt kräftig gegrillt. Die Maschinerie macht auch vor den Großen nicht Halt. Beispiele:

Weitere Links zu kritischen Künstler-Beiträgen mit Corona-Bezug finden Sie auch bei den Videohinweisen 2020 und unter Musik trifft Politik


Hier folgen nun Leserbriefe, die sich näher mit dem Inhalt des Artikels befassen:


21. Leserbrief

Hier gibt es eine gute Chance über unsere ‘Kultur’ nachzudenken. Der Kapitalismus hat auch vor ihr nicht halt gemacht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie dem Mainstream folgen muss.

Was allerdings nicht schön ist, dass sich aufgrund der Kontaktsperre keine Alternativ-Kultur bilden kann. Wenn es wirklich um Kultur geht, braucht es eigentlich keine Prominenz.

Grüße A.Hellmann


22. Leserbrief

Liebe NDS,

Vielleicht sollte es Euch doch mal zu denken geben, daß Ihr zum Thema Corona eine extreme Außenseiter-Position bezogen habt.

Natürlich kann man durchaus eine erkleckliche Anzahl von fundamentalen Kritikern der aktuellen Politik finden, aber ich finde, Ihr habt Euch in eine unreflektierte Total- Opposition verrant.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfram Tuchscheerer


23. Leserbrief

Guten Tag, Herr Riegel.

Ich unterstreiche Ihren Artikel in jeder Beziehung doppelt und möchte noch einige ergänzende Gedanken beisteuern.

Grundsätzlich sind natürlich Künster (auch Jornalisten!) wie alle anderen Menschen, die in unserer Fassaden-Demokratie mehr schlecht wie recht vor sich hinwursteln, Opfer einer jahrzehntewährenden intensiven neo-liberalen Propaganda.

Jedoch bestehen mehrere Unterschiede zur ‘normalen’ arbeitenden Bevölkerung. Einer der wichtigsten ist: es ist der Job, die eigentliche Aufgabe von Künstlern, den kritischen Blick zu schulen, kreative Räume zu schaffen und gegen staatliche Interventionen zu schützen.

Hier liegt eine grundsätzliche Verantwortung, die Künstler aller Sparten haben und diese Verantwortung wächst selbstverständlich mit der Zunahme an Popularität. Dass sich der Großteil der Künstler-Prominenz aus dieser Verantwortung zurückgezogen hat, ist eine Schande. Die geht sogar soweit, dass viele in das regierungs-konforme Horn tuten und Menschen, die berechtigte Fragen stellen, diffamieren und der Lächerlichkeit preisgeben.

Warum ist das so? Eine mögliche Erklärung ist (wie so häufig): “follow the money“. Sinkt meine Popularität rapide, wenn ich Fragen stelle? Werde ich wieder engagiert im Öffentlich-Rechtlich/Privaten Fernsehen? Sollte ich nicht zunächst mal an die Sicherung meiner Existenz denken? Usw. Ok. Das trifft für viele Künstler eventuell zu, ganz sich aber nicht für die Spitzen-Prominenz. Ob Jauch oder Iris Berben, ob Campino oder Lindenberg, Jan Böhmermann oder Helene Fischer, Konstantin Wecker oder Richard David Precht und Dieter Nuhr: allesamt sind selbst Millionäre, meist zigfache. Das heisst, sie sind Teil des neo-liberalen Konzeptes, wenn nicht sogar (im Verbund mit den Mainstream-Medien) ihre schärfste Waffe. Und das sie mitspielen dürfen im Spiel der Großen aus Wirtschaft und Politik, hat zur Voraussetzung, dass sie jeden Gedanken, jede kritische Äußerung zur herrschenden Agenda an der Garderobe abgeben müssen. Dass sie damit ihre Würde und ihre künstlerische Kraft gleichzeitig mit abgeben, bemerken sie höchstwahrscheinlich nicht einmal (weil selbst indoktriniert, s. o.).

Dasselbe ekelhafte Spiel können wir beobachten, wenn zB bei Anne Will eine Runde von Millionären zusammensitzt und über die Rechtfertigung von Hartz-4 schwadroniert.

Weil sie nach ‘Ausnahme-Künstlern’ fragen: Lisa Fitz hält sich sehr tapfer und zeigt allen etablierten Kabarett-Menschen, dass man durchaus den Mund aufmachen kann. Die ‘Echse’ ist toll! Didi Hallervorden hat sich mal zu Wort gemeldet. Marco Rima aus der
Schweiz ist mutig.

Sie nennen die ‘Anstalt’ als Hoffnungsschimmer. Da muss ich sehr widersprechen. Es gab eine sehr gute Sendung zum Thema ‘Julian Assange’ (wo bleibt eigentlich der Empörungssturm aller Journalisten zu diesem Thema?), aber auch unterirdische Sendungen zum Klimawandel. Die negative Spitzenleistung war in einer der letzten Sendungen, in der sie sich ganz und gar nicht kabarettistisch sondern devot zu der Äußerung hinreissen liessen, dass Kanzlerin Merkel mit ihrer Corona-Politik von Anfang an recht hatte.

Zum Schluss noch zu mir, damit sie mich besser einordnen können: ich habe mehr als 35 politisches Kabarett gemacht – jetzt nur noch ab und zu mal einen Solo-Abend, bzw. Lesungen. Seit 8 Monaten mache ich einen Video-Blog “Total von der Rolle – Wahnsinn, Krisen & Satire“, darin äußere ich mich so kritisch, wie ich es vermag.

Fazit: ich habe gut reden – denn ich bin durch meine Arbeit k e i n Millionär geworden. :-))

Danke für Ihre gute Arbeit & herzliche Grüße
Bengt Kiene


24. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,
Liebe NachDenkSeiten!
 
Beim Blick auf den Kunst- und Kulturbetrieb, der ohnehin weitgehend zur Unterhaltungsindustrie degeneriert ist bzw. als Werbe-Industrie firmiert, fällt schon seit zwanzig Jahren das überaus vornehme Schweigen auf, wenn es um seine Rolle als Spiegel (und auch als Archiv) gesellschaftlicher Entwicklungen geht.
 
Kaum ein Roman, Bühnenstück, Popsong oder Internet-Video, kaum ein Gemälde oder eine Installation (zumal im öffentlichen Raum), das die brutalstmögliche Entsolidarisierung der Gesellschaft(en) in der rot-grünen (ff.) neoliberalen Ära kritisiert hätte!
 
Da mal ein Song über Flüchtlinge („Aller Herren Länder – Heinz Rudolf Kunze), da mal ein Roman über die Folgen der Vereinigungs-Verbrechen („Unterleuten“ – Juli Zeh), hin und wieder ein bißchen Ekel-Rap (Nihilismus kritisiert zufällig halt auch das Richtige) sowie natürlich Hochhuth (Wer spielt den noch?) und ein bißchen Kabarett. Das war es dann auch schon. Ansonsten nur selbstgefälliges Wertschmerzgejaule oder gar, wie im Feuilleton, Atlantizismus unverdünnt. Gegen Manche (X.Naidoo) wird auch gleich die zur Unperson erklärende Nazi-Keule ausgepackt.
 
Wer hat sich den Verbrechen der Agenda 2010 entgegengestemmt? Sie auch nur zu benennen gewagt? Wer hat sich den massenhaften Privatisierungen, Prekarisierungen und Eingriffen in den Kulturbetrieb entgegengestemmt? Wer hat etwas getan, als plötzlich die „Hochschulautonomie“ dafür herhalten mußte, daß besessene puritanische Kulturrevolutionäre öffentliche Kunst vernichteten? Nichts dergleichen! Die Hofnarren waren (anders als früher zu Index-Zeiten – sowohl in der DDR als auch im Westen) servile Claqueure der von Rot-Grün und den Atlantizisten angeführten Aufbrüche ins transhumanistische entsolidarisierte 21.Jahrhundert.
 
Als es gegen „Florida Rolf“ und die „faulen Griechen“ ging, waren Kunst & Kultur vorne mit dabei. Oder man hielt sich „unpolitisch“ raus und unterzeichnete weiter Verträge mit Werbe-Firmen. Als die demokratischen Debattenräume 2014 geschlossen wurden und Zensur und Gesinnungsterror Einzug hielten, zeigte sich bis auf die „Anstalt“ und ein paar Emeriti (V.Pispers) niemand dafür sensibel. Auch heute geriert sich der Kulturbetrieb ganz im Sinne der von R.Schwanitz („Der Campus“) vorhergesehenen Mißbräuche eher als Triebfeder denn als Korrektiv des Cancel-Culture-Terrors und der Vernichtung von Kollegen im Zeichen des „antirassistischen Kampfes“.
 
Und heute stehen die alle da und veranstalten einen Red-Light-Day nach dem anderen, jammern nach „Solidarität“. Dabei wäre es die Aufgabe des Kulturbetriebs gewesen, die Fehlentwicklungen zu kennzeichnen! Und zwar sowohl im Bereich des Intellektuellen als auch des Massengeschmacks.
 
Mich erinnert das in so fataler Weise an Niemöllers Gedicht:

„Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen. Ich war ja kein Jude.
Als sie die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozen holten, habe ich geschwiegen…“

 
Es fällt mir schwer, mit Jenen zu leiden, die sich jahrzehntelang allzu breitwillig als Propheten der Spaßgesellschaft und des „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“-Randismus aufgeführt haben.
 
Kunst und Kultur sind immer auch gesamtgesellschaftliche Phänomene. Wer sie nur als ideales Sprungbrett der Selbstverwirklichung und des totalitären Individualismus begreift, gefährdet sie und raubt der Gesellschaft ihr Immunsystem und ihr Gedächtnis!
 
Herzlichst,
Ihr Matthias Jehsert


25. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

Ihr Artikel trifft ins Schwarze.

Ich selbst bin in der klassischen Musikszene beheimatet, befinde mich aber in der luxuriösen Position, den Großteil meines Einkommens aus einer Festanstellung zu beziehen. Damit gehöre ich zu den Glücklichen, denen bislang aus dem Lockdown kaum finanzielle Schäden entstanden sind. Wie es diesbezüglich unter einigen meiner Künstlerkollegen aussehen mag, will ich mir gar nicht vorstellen.

Im Frühjahr beobachtete ich, dass so gut wie alle meine Kollegen die Corona-Politik der Regierung nicht nur guthießen, sondern im Zuge der grassierenden Diskriminierungswelle auch diejenigen verurteilten, die wie ich den Lockdown fundamental kritisierten. Als im Herbst erneut – hochgradig unsinnigerweise und ohne jeden wissenschaftlichen Beleg – die Konzerthäuser geschlossen wurden, begehrten dieselben Kollegen empört auf, unterzeichneten Petitionen, befürchteten das Ende der Kulturszene und forderten die sofortige Öffnung der Kulturstätten – all dies völlig zurecht. Gleichzeitig wurde aber von denselben Personen immer wieder betont, dass der Lockdown gut und richtig sei und man sich in jedem Falle von den sogenannten Corona-Leugnern (bis heute kenne ich niemanden, der “Corona leugnet”) abgrenzen wolle. Man war also durchaus bereit, für den eigenen Bereich Lockerungen zu fordern, fand es aber unterstützenswert, dass Restaurants, Fitnessstudios und Geschäfte geschlossen blieben. Eine solche Einstellung ist egoistisch und unsolidarisch. Was erwarten die Kollegen denn? Sie unterstützen ein System, in dem – wie denn anders! – die Kulturszene ans Ende der Nahrungskette verbannt wird (Kultur ist nicht essbar), monieren aber zugleich, dass sie selber dabei Schaden nehmen. Ein solches Verhalten ist mir unverständlich und ich lehne es aus diesem Grund auch ab, mich für Lockerungen in der Kulturbranche stark zu machen. Die Corona-Politik der Regierung ist nach meiner Ansicht grundsätzlich falsch. Wer kritisiert, der sollte allmählich anfangen, das System zu hinterfragen, statt sich nur für den Bereich einzusetzen, der einen auch betrifft.

Was Ihre Feststellung angeht, nicht wenige Künstler unterstützten sogar die sogenannte Zero-Covid-Bewegung, so kann ich meinen Erfahrungen zufolge auch das bestätigen. Im Übrigen handelt es sich dabei meist um Personen, die bezeichnender Weise finanziell ohnehin abgesichert sind, durch diesen Unfug also weitgehend unbehelligt bleiben würden.

Um nicht missverstanden zu werden: Auch ich wünsche mir eine schnellstmögliche Wiederaufnahme des Kulturbetriebs; was man hier zerstört und bereits zerstört hat, lässt sich kaum in Worte fassen. Ich finde es aber falsch, ein System zwar einerseits grundsätzlich zu unterstützen und diejenigen, die es kritisieren, zu diskriminieren, sich andererseits aber zu empören, wenn dieses System einem selbst an den Kragen geht.

Abschließend zu Ihrer Frage nach künstlerischen Beiträgen, die sich kritisch mit der gegenwärtigen Lage auseinandersetzen: Ich habe lange überlegt, aber mir ist nichts eingefallen. Das ist vermutlich kein gutes Zeichen.

In diesem Sinne vielen Dank für Ihren wichtigen Artikel. Machen Sie und die Nachdenkseiten weiter so.

Mit freundlichen Grüßen
E.R.


26. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Redaktion,
Zunächst möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen für Ihre gute und interessante Arbeit zu danken. Die Nachdenkseiten (wie auch die damit verbundenen weiteren Medien) gehören zu meiner täglichen Lektüre.

Mit großem Interesse verfolge ich die Debatte um das aktuelle Thema, ob in absehbarer Zeit nur geimpfte Personen die Erlaubnis erhalten sollen, etwa Kulturveranstaltungen zu besuchen.
Ich bin Geschäftsführer eines Kulturvereins und zusammen mit einer Mitarbeiterin verantwortlich sowohl für Planung, Organisation und Durchführung aller Veranstaltungen. Unser Kulturprogramm mit etwa 120 Veranstaltungen im Jahr beinhaltet die Sparten klassischer Kammermusik, Jazz, Kabarett, Lesungen und Vorträge.
Das Haus ist mit knapp 100 Plätzen überschaubar, die familiäre Atmosphäre mit unserer (der meiner Mitarbeiterin und meiner) persönlichen Präsenz an der Kasse, in der Pause und im Ausklang nach den Veranstaltungen zusammen mit den Künstlern wird vom Publikum sehr geschätzt. Viele der Stammgäste kennen wir persönlich.

In der o.g. Debatte wird nun immer nur über eine Sichtweise geredet, nämlich über die des Publikums mit den dann neuen Freiheiten (ich würde lieber die alten haben wollen – aber das ist ein anderes Thema). Die neue Freiheit des Publikums ist also der Zugang zu Veranstaltungen nur mit Impfnachweis (wohl dem, der es irgendwie geschafft hat!), die des Veranstalters, sein Hausrecht in Anspruch nehmen zu können, nach sorgfältiger Kontrolle Personen ohne gültige Impfnachweis nicht einzulassen.
Mich treiben aber ganz andere Frage um:

  • was passiert, wenn ich mich als verantwortlicher Hausherr nicht impfen lassen möchte oder ich mich weigere, Impfpässe zu kontrollieren? Bleibt das Haus dann geschlossen?
  • Muss ich mich also impfen lassen, besteht somit zur Ausübung meines Berufes eine Impfpflicht (= Impfzwang) entgegen meiner persönlichen Entscheidung? Kann also der Vorstand des Vereins auf eine Impfung bestehen?
  • Selbst wenn ich selbst geimpft wäre: wie sieht die rechtliche Lage aus, wenn ich mir von meinen Gästen keinen Impfausweis zeigen lassen möchte, ich ihnen also vertraue, dass sie geimpft (= rechtens) in meinem Haus sind?
  • Was passiert, wenn sich dann möglicherweise Gäste beschweren, dass ich nicht kontrolliere? Könnte ich auf mein Hausrecht bestehen, eine Kontrolle abzulehnen oder durchzuführen?
  • Oder muss ich auf jeden Fall kontrollieren? Dann wäre es ja kein Hausrecht mehr sondern gesetzliche Vorgabe!

Und eine Befürchtung treibt mich besonders um: letztlich wäre der wirtschaftliche Erfolg des Hauses abhängig von der Beschaffung des Impfstoffs und der nachfolgenden Verteilung. So, wie das bislang gelaufen ist, sehe ich da lange kein Licht am Ende des Tunnels!

Will das wirklich jeder Verantwortliche in der Kultur-, Sport- Gastronomiebranche mitmachen?

Auf diese Diskussion bin ich gespannt!

Herzliche Grüße
Carsten Linck


27. Leserbrief

Hallo Nachdenkseiten,

zu eurem Artikel „Künstler und Corona-Kritik: Wo seid ihr alle hin?“ würde ich u.a. einen Blick auf die Bildenden Künste werfen. Da zeigen sich mir Jahrhunderte über Jahrhunderte, in denen die Kunst nie etwas anderes war, als ein weiteres Werkzeug der Machterhaltung der Herrschenden, bis endlich als beinahe erster und einziger Lichtblick Goya in seinen Grafiken zu einer Kritik der herrschenden Verhältnisse gefunden hat. Auch sein „Saturn frisst seine Kinder“ könnte uns heute dazu dienen, die Verhältnisse im aktuellen Kapitalismus zu beschreiben. So hat es seit Goya immer auch – neben allen anderen – Künstler gegeben, die sich als kritisch verstanden, sei es nun Käthe Kollwitz oder Otto Dix.
Nun gab es aber insbesondere in der deutschen Kunst den Bruch von 1933, der in allen Bereichen der Kunst das Ende aller Kritik bedeutet hat und diese ein für alle Mal vernichtet hat.
Diese Endgültigkeit hat sich, meine ich, nach 1945 fortgesetzt und man sieht statt Kunst fast durchweg nur noch ein „Kunstgehampel“ – und nicht nur in den Bildenden Künsten – das sich zu keiner echten Kritik mehr aufschwingen konnte und allenfalls in Skandalisierungen (Nackt auf der Bühne, lautes Geschrei etc.) kritisch zu sein vorgab, ohne es zu sein. Vielleicht kann man einzelne Ausnahmen finden, doch viel ist das nicht.
Kurz: Von der Vernichtung besonders der kritischen Kultur – die in den zwanziger Jahren noch in voller Blüte stand – hat sich die deutsche Kultur nie erholt und es kann einem vorkommen, als habe man sich bis heute mit Formen von Pseudo-Kultur zufrieden gegeben, insbesondere wenn Subventionen abgefangen werden konnten oder der Beifall der Herrschenden eingefangen werden konnte.
Dann ist es zwar deprimierend, aber keineswegs überraschend, wenn in der Corona-Krise als primär eine Krise der Herrschenden, Schweigen im Walde zu beobachten ist, abwechselnd mit einem Getröte im Sinne des herrschenden Narrativs. Auch hier richten sich die schielenden Augen ständig auf Subventionen, die gegenwärtig oder auch zukünftig abgegriffen werden können.
In diesem Sinne amüsiert (?) es mich auch, wenn aus rechten Kreisen der Erhalt der deutschen Kultur – ich will mir gar nicht vorstellen, was die darunter verstehen – immer wieder beschworen wird, einer Kultur, die lang schon vernichtet wurde. Der Wiederaufbau Deutschlands nach 1945 hat uns viele schöne Betonbauten beschert und eine „Kultur“, die deren „Qualität“ nicht im geringsten nachsteht. Und damit beantwortet sich die Frage: „Künstler und Corona-Kritik: Wo seid ihr alle hin?“ wie von allein.

Johannes Kiessling


28. Leserbrief

Liebes NDS-Team,

vielleicht geben sich die mehr oder weniger prominenten Künstler damit zufrieden:
20.06.20 – gegen-hartz.de/news/fuenfstellige-ausgaben-sichern-wenn-promis-hartz-iv-beantragen

Die nicht prominenten Künstler, die nicht von ihrer Kunst leben können, die bekommen keine Beachtung oder sie werden von den autoritätskonformen Phrasen der finanziell abgesicherten Künstler (Ärzte, Toten Hosen, Grönemeyer usw.) überlagert.

Dann gibt es noch Künstler, die sich mit Begeisterung der Regierung aufdrängen und sich den autoritären Maßnahmen unterwerfen wie z.B. Joko & Klaas, die hinter der Regierungscoronakampagne (-propaganda) ”Besondere Helden” stecken.

  1. Wir wollen den Krieg nicht.
  2. Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.
  3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel.
  4. Wir kämpfen für eine gute Sache.
  5. Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.
  6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.
  7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.
  8. Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.
  9. Unsere Mission ist heilig.
  10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Die Strukturgesetze der Kriegspropaganda, die einst nach dem 1. Weltkrieg von Arthur Ponsonby formuliert wurden sind 1zu1 auf die Coronazeit übertragbar.

24.07.14 – heise.de/tp/features/Luege-in-Kriegszeiten-3366598.html

Beste Grüße
E


29. Leserbrief

Künstler und Hofnarren haben viele Gemeinsamkeiten und – wenn ich mich nicht irre – gemeinsame Wurzeln. Manche werden Tagesshow-Sprecher und manche Tagesschau-Sprecher.

Aber Sie haben Recht: Von ‘Freiheit ist die einzige, die fehlt’ habe ich seit März 2020 nichts mehr gehört und es ist verdammt lang her, daß Alex mal vorbeikam. Tja, so ist das eben, wenn Angela und Bill gegen den Rest der Welt… :-)na, lassen wir das. Unsere Pantoffelhelden sind uns abhanden gekommen und das ganze Schauspiel lässt sich – leider – nur noch mit Sarkasmus – ertragen.

Julius Schmitt


30. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Riegel,

Sie haben meine volle Zustimmung! Ich bin fassungslos, wie ungerührt viele meiner Kollegen im Bereich der klassischen Musik dieser brutalstmöglichen Kultur- und Bildungsvernichtung seit dem Holocaust zusehen und oft genug auf die simpelste Propaganda hereinfallen à la “Ihr seid doch Künstler! Krise als Chance! Seid kreativ! Neue Ufer! Streamiiing!! Digitaaaaal!!!”

Anbei mein Leserbrief an die Neue Musikzeitung, in dem ich der grotesken Verharmlosung der Lage im Leitartikel  eines vermutlich wohlsituierten Kompositionsprofessors wiederspreche. In der aktuellen Ausgabe jetzt, zwei Monate später wurden gar keine Leserkommentare dazu veröffentlicht.

Mit Dank für Ihre Arbeit und freundlichen Grüßen,
Ferenc Kölcze

Leserbrief zu “Kunst und Kultur – ein Sonderfall?”  in der NMZ Ausgabe Dezember/2020

Genauso wenig wie das Coronavirus unterschätzt werden darf, sollten die verheerenden Auswirkungen mancher Gegenmaßnamen auf unser Kulturleben verharmlost werden, wie es Moritz Eggert in der Neuen Musikzeitung tut. Mal angenommen Covid19 wäre wirklich so tödlich wie die spanische Grippe, was die willkürlich zusammengestellten Zahlen suggerieren – wie lange währten die Theater- und Konzerthausschließungen damals tatsächlich? Waren sie auch flächendeckend? Wurden damals überhaupt Branchen unterstützt, so wie heute die Luftfahrtindustrie, respektive vernachlässigt, wie der Kulturbetrieb? Man erfährt es nicht beim Lesen von Eggerts “historisch begründeten Gedanken”. Danach sei ja die Kultur geradezu aufgeblüht, macht er uns Mut und vergisst auch den obligatorischen Hinweis auf die Verschwörungstheoretiker damals wie heute nicht.

Doch den entscheidenden Unterschied übersieht der Kompositionsprofessor aus München. Frühere Epidemien führten anders als heute zwar meist zu bedeutenden Investitionen in die öffentliche Daseinsvorsorge, doch von der Bevölkerung wurden sie schnell vergessen und die Menschen widmeten sich wieder (wie alle Säugetiere seit Jahrmillionen) dem permanenten Austausch von Nähe und – von Viren. Mit diesen sind wir auf ewig symbiotisch verbunden und das nicht nur durch das ständige Training unseres Immunsystems. Dieser lebensnotwendige und durch den Mechanismus der Herdenimmunität sogar lebensrettende doppelte Austausch ist unabdingbar für die körperliche und psychische Gesundheit, für den Glückspegel einer Gesellschaft. Das heißt: Niemand kam „vor Corona” – und Bill Gates orakelt ja schon von der nächsten Pandemie – auf die Idee, von einer „neuen Normalität“ zu reden.

Diese wahrlich nagelneue Normalität bedeutet im Kern aber nichts anderes als Digitalisierung und Distanz und steht somit dem Wesen der Musik diametral entgegen. Sie trifft den Beruf – die Berufung – des Musikers ins Mark. Bühnenauftritte sind in Zeiten von YouTube und Spotify für unzählige Musiker die einzige Möglichkeit, mit etwas Glück und sehr viel Fleiß einigermaßen anständig Geld zu verdienen. Das Geschäftsmodell ist, in möglichst ausverkauften Räumen die Menschen unmittelbar zu begeistern und im direkten Austausch aller Anwesenden Musik gemeinsam zu erleben. Wenn‘s gut läuft, gemeinsam glücklich zu sein, wie schon in grauer Vorzeit am Lagerfeuer der Urmenschen, wenn einer seine Knochenflöte hervorholte und die anderen verstummten, um scheinbar sinnfrei zu lauschen. Analog und distanzlos. Das kann pure Magie sein – es ist jedenfalls eines der ältesten Menschheitsrituale überhaupt.

Gerade in unserer kälter werdenden Welt kann die Heilwirkung unserer Musik- und Kulturtradition nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dieses unendlich kostbare Erbe stirbt, wenn es nicht gelebt wird, denn es beruht auf komplexen und sensiblen, über Jahrhunderte gewachsenen – und speziell in Deutschland auf weltweit einzigartigen – Strukturen, die seit dem März 2020 mit jedem weiteren Tag des De-facto-Berufsverbots für Musiker noch mehr beschädigt werden. Denn selbst wenn die Impfstrategie der Regierung ein voller Erfolg sein sollte und die Konzertsäle ab Herbst 2021 wieder uneingeschränkt geöffnet wären, ist es ausgeschlossen, daß der Kulturbetrieb dann einfach wieder anspringt wie eine Jukebox. Hunderte kleine oder mittlere Veranstalter werden bis dahin vermutlich aufgegeben haben. Zigtausende Kinder werden mangels Motivation und Förderung durch Jugendorchester oder Kinderchöre den Einstieg in die Welt des aktiven Musizierens verpasst und sich an das tägliche Daddeln am Bildschirm gewöhnt haben, so wie ihre Eltern an das Zuhausebleiben und Netflix-Gucken. Hunderte von Laienorchestern und -chören wird es dann nicht mehr geben, um nur einige Beispiele zu nennen.

Diese Probleme waren zwar teilweise schon „vor Corona“ virulent, doch das liegt nicht am Wert oder an der zeitlosen Gültigkeit von anspruchsvoller Musik an sich. Auch jenseits einer eurozentrischen Perspektive auf die Kultur sind Werke wie die Erbarme-Dich-Arie aus der Matthäuspassion wichtige Botschaften an die Menschheit. Diese Musik ist heute genauso aktuell wie an dem Tag, als sie das erstemal erklang und ein ebenso essentieller Teil unserer kulturellen (und letztlich menschlichen) DNA wie so mancher Beatles-Song und unzählige andere Werke, die auf diesem Erbe fußen. Um sie verstehen zu können, braucht es aber genau die Übung, die heute verunmöglicht wird. Daher ist es besorgniserregend, wenn Politiker dieses tägliche Üben – unser Kulturleben – mit Fitnessstudios, Bordellen und sonstigem Zeitvertreib in einen Topf werfen. Ein Staat, welcher sich bei offiziellen Gelegenheiten gerne als Kulturnation inszeniert und in dem die Kunst – explizit in Bayern – Verfassungsrang hat, darf die Künstler in der Krise nicht einfach vergessen. So war das von Till Brönner und anderen Kritikern der aktuellen Kulturpolitik wohl gemeint und das hat nichts mit elitärem Denken zu tun. Bezeichnenderweise bringt Professor Eggert, wenn er von Kunst redet, die meisten Beispiele aus der Literatur oder der bildenden Kunst. Maler können aber in Corononazeiten mit etwas Online-Geschick gute Geschäfte machen, von der Muse werden sie nicht auf der Bühne geküsst, genauso wenig übrigens wie staatlich abgesicherte Kompositionsprofessoren.

Natürlich wird es klassische Musik auch in der „neuen Normalität“ geben. Philantropische Milliardäre werden, wie schon zu Mozarts Zeiten, trotz härtester Auslese hübsch gebliebene Geigerinnen in ihre Privatpaläste einfliegen und vor handverlesenem Publikum aufspielen lassen. Klassik wird noch elitärer als heute sein, Schubert wird sich im Grabe umdrehen. Das zu verhindern ist unsere Verantwortung, denn dieses Menschheitsfeuer darf nicht verlöschen, die durch die Verfassung garantierte Freiheit der Kunst muss jetzt wiederhergestellt werden!

Es ist sehr erfreulich, daß mit den Musikern um Christian Gerhaher und Hans-Jörg Albrecht jetzt endlich KünstlerInnen von Weltrang dieser Forderung mit der Aufstehen-für-die-Kunst!-Initiative juristisch Nachdruck verleihen wollen. Auf der online abrufbaren Pressekonferenz wird man zudem ausführlich und aus erster Hand über die durchweg ermutigenden Ergebnisse des Pilotprojekts der Bayerischen Staatsoper informiert, bei der jüngst die Infektionsgefahr im Zuschauerraum intensiv erforscht wurde. Es wäre sicher hilfreich, wenn der Tonkünstlerverband, der deutsche Musikrat, die NMZ und viele renommierte Kunstschaffende diese wichtige Initiative unterstützen.

FK


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