Leserbriefe zu „Querdenker-Löschung: Facebook bestimmt, worüber die Deutschen sich austauschen“

Ein Artikel von:

Tobias Riegel vertritt in diesem Beitrag die These, dass die Löschung von „Querdenker“-Kanälen durch Facebook als „Skandal und als Akt der politischen Zensur“ gewertet werden müsse. Der US-Tech-Konzern habe sein Vorgehen mit Vorwürfen begründet, die von keinem deutschen Gericht überprüft worden seien. Der Beifall von deutschen Journalisten und Politikern sei „verstörend“. Begleitet würden die Vorgänge von einer zunehmenden Diffamierung von Regierungskritikern und einer Verrohung der Gesellschaft, die bereits vor der Corona-Politik tief gespalten gewesen sei. Danke für die interessanten Leserbriefe. Hier eine Auswahl. Zusammengestellt von Christian Reimann.


1. Leserbrief

Liebe NDSler,

bei dem Artikel stört mich das nicht weiter nachgefragt wird wer die Löschung überhaupt veranlasst hat. Haben sich viele „besorgte“ Bürger an Facebook gewandt oder waren das doch eher Teile unserer Regierung ? Das ist eine Frage die erstmal geklärt werden sollte bevor man Facebook vorverurteilt. Letztendlich verhalten sich deutsche Online Medien ja nicht sonderlich anders, auch dort werden „falsche“ Meinungen in den Kommentarbereichen gelöscht.

Mit freundlichen Grüßen
Ingo Erik Moltzen


2. Leserbrief

Volle Zustimmung

Es wird langsam einsam für die Verteidiger der Grundrechte; wer hätte sich das noch vor z.B. 10 Jahren vorstellen können?

Und es wird auch gefährlich (privat, beruflich, gesellschaftlich).

In China lebt es sich inzwischen einfacher; dort sorgt die KPC für klare Verhältnisse und redet nicht vorne von westlichen Werten und macht hinten das Gegenteil.

Zustimmung auch für den Fokus auf “unsere” Journalisten (incl. ihren Gewerkschaften); das ist viel schlimmer als Macht- und Profitgier von Facebook. Frei nach Heine: Lauter kleine Heßlinge(Hurra, Hurra, Hurra).

Jürgen Kunze

p.s. Eskens wandelt auf den bekannten Mao-Spuren des BW-Ministerpräsidenten; schon damals (und eigentlich immer) gab es einen scharfen Unterschied zwischen der autoritären Linken – von Kr. bis Eskens und Kühnert – und der liberalen Linken (s. z.B. “Die Selbstgerechten” von S.W.). Wenn es darauf ankommt, sind die Autoritären leider i.d.R. in der Mehrheit.


3. Leserbrief

Werter Herr Riegel,

auch wenn ich Ihrer Kritik grundsätzlich folge, stoßen mir einige Dinge sauer auf:

Zunächst halte ich die mehrfache Distanzierung von fremden Standpunkten für mindestens unnötig, tendenziell aber sogar für einen Fehler. Der simple Satz “Freiheit ist IMMER die Freiheit der Andersdenkenden” muss hier ausreichen. Es erfordert keinen Mut für die Freiheit eines Gleichgesinnten einzustehen, denn damit unterstützt man ja auch die eigene Position. Hier zu betonen, dass man eigentlich anderer Ansicht ist lenkt meines Erachtens nur vom Wesentlichen ab. Soll heißen: dieses Detail darf einfach keine Rolle spielen, denn wie Chomsky sagte: “There are only 2 positions on freedom of speech!” (Es gibt nur 2 Positionen zur Redefreiheit)

Des weiteren steht auf jeder Seite und jedem Artikel der NDS die Verlinkung zu fb und Twitter. Es muss einfach von Anfang an klar gewesen sein, dass ein zentral verwaltetes System (noch dazu von einer amerikanischen Firma) niemals sinnvoll sein kann. Sicherheitsforscher warnen seit hinreichend langer Zeit davor, ebenso wie vor den Schritt für Schritt stattfindenden Eskalationen und der Erosion des Datenschutzes. Nun mag man argumentieren, dass “es ohne heutzutage halt nicht geht”, dem würde ich jedoch nicht folgen wollen, zumal dezentrale Alternativen wie Mastodon und Diaspora (gibt natürlich noch weitere) gar nicht erst angeboten werden. Sie wollen also gleichzeitig von diesen Konzernen profitieren (und erhöhen durch Ihr Angebot deren Attraktivität), kritisieren aber gleichzeitig deren Vorgehen ohne selbst Konsequenzen zu ziehen, das finde ich moralisch etwas dürftig.

Dezentrale Systeme, freie Software, transparente Datenschutzeinstellungen – damit lassen sich Netzwerke errichten, die unethischen Übergriffen standhalten können.

Ich warte seit langem darauf mal einen Artikel zu lesen, der mit den ÖR Medien für Ihre Förderung der amerikanischen Tech-Konzerne hart ins Gericht geht. Mit deren gigantischen finanziellen Mittlen sollte es absolute Pflicht sein, dass alle Daten ausschließlich auf eigenen Servern landen und nicht alle 10 Minuten ein “…oder schicken Sie und einfach eine WhatsApp…” in die Köpfe der Zuhörer gepumpt wird.

Bedauerlicherweise gehen aber am Schluss wirklich fast alle lieber den vermeintlich einfacheren Weg.

Gruß
Christoph


4. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel!
 
Vielen Dank für Ihren interessanten Artikel, der zeigt, wie verroht Mittlerweile die deutsche Journalistenclique geworden ist. Besonders auffällig an den eingefügten Artikeln aus den Zeitungen ist, dass es jetzt vor allem die Nürnberger Nachrichten sind, die einen besonders rigiden Kurs gegenüber Andersdenkenden fährt. War diese Zeitung früher einmal sehr Gesellschafts-und Politkritisch, ist sie nur noch zu einem einzigen Hetzorgan verkommen. Ich habe diese Zeitung 20 Jahre lang gelesen und musste mit Schrecken feststellen das sie zu einem regierungstreuen Propagandablatt mutiert ist. Anfangs habe ich mir noch die Mühe gemacht, und noch Leserbriefe geschrieben, die sogar ab und zu beantwortet wurden. Diese Antworten war dann meist noch schlimmer als die Artikel selber. Ich hab dann schnell gemerkt, dass das vergebene Mühe ist, mit solchen Leuten zu kommunizieren.

Deswegen habe ich dann Anfang des Jahres beschlossen, diese Zeitung abzubestellen, ich konnte es einfach nicht mehr ertragen.

Zwar juckt es mir schon in den Fingern, auf manchen Onlineartikel einen Leserbrief zu schreiben. Aber ich denke, Missachtung ist die beste Antwort auf deren Schundartikel.

Besonders auffällig war dieses Wochenende wieder, wie mit zweierlei Maß bei dieser Zeitung gemessen wird. So fand am Samstag mal wieder eine sogenannte “Bikerdemo“ in Nürnberg statt. Da hörte man kein kritisches Wort über zu gering  Abstände untereinander und nicht getragene Masken. Ich möchte gar nicht wissen wie diese Schreiberlinge geifern würden, wenn es eine Demo für Freiheits-und Grundrechte gewesen wäre.

Also dann Herr Riegel, nochmals vielen Dank an Sie und auch ein Dank an all Ihre Kollegen bei den Nachdenkseiten.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Geisenhainer


5. Leserbrief

Lieber Herr Riegel,

zurecht prangern Sie das Verhalten von Journalisten in diesem Zusammenhang an. Aber Doppelmoral ist seit Jahren wohl eine Einstellungsvoraussetzung für Journalisten der großen Medien. Schauen Sie nur an, wie sehr diesen Damen und Herren der Kamm schwillt, wenn in Russland Regierungskritiker Ärger mit der Obrigkeit bekommen. Aber wie immer gilt: Splitter – Auge – Balken…

Und wenn FB und Co ihren eigenen Worten nach wirklich etwas gegen “Gruppierungen, die eine koordinierte Schädigung der Gesellschaft hervorrufen” unternehmen wollten, dann müssten sie fast alle Politiker und Parteien von ihren Plattformen verbannen. Auf Anhieb fällt mir keine regierende Partei ein, die nicht in diese Kategorie fallen würde.

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfgang Klein


6. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

eigentlich interessiert mich diese ganze Plattform FB  nicht. Ich habe gar nicht die Zeit , um diesen ganzen Unfug auf FB oder Twitter zu folgen und nicht die Nerven , um mich nicht über der verbreiteten Schwachsinn aufzuregen.

Bezeichnend sind aber die Reaktionen aus Politik und Mainstream. So oder so ähnlich hat es im Deutschland der 30- er Jahre angefangen. Gerade Leute wie Gauck, Strobl, Esken, die ja ihren Antifaschismus wie eine Monstranz vor sich hertragen ,geifern und handeln wie es einst die Nazis ihnen vormachten…

Allein die Impfapartheid , die von den Systemparteien, Regierung und Konzernmedien durchgezogen wird ist doch schon fast ‘faschistisch’…

Leider wird sich der deutsche Michl das noch eine ganze Weile gefallen lassen und der UNTERTAN macht da garantiert feste mit. Merke aber, der Krug geht solange zum Brunnen… und diese Leute erkennen es in der Regel zu spät, wenn der Wind umschlägt.

Mit freundlichen Grüßen F.W.


7. Leserbrief

Lieber Herr Riegel,

Ich stimme Ihnen völlig zu, wenn Sie die Facebook (ich sage lieber Fakebook) Zensur verurteilen. Allerdings sind meiner Meinung die (a) sozialen Medien selbst das größere Problem. Das über Facebook Wahlen massiv beeinflusst werden (siehe Cambridge Analytica) und Menschen in die Irre geführt werden ist für mein Dafürhalten weit gravierender es wird aber seitens des Gesetzgebers ignoriert und stillschweigend toleriert.

Überhaupt, die Nutzer dieser „sozialen Medien“ bauen sich (selbstgefällig und/ oder naiv) ihr eigenes digitales Gefängnis, und seelenlose Algorithmen fungieren als Aufseher.Die Nutzer werden ausgespäht und verkauft und machen sich selbst zum Produkt. Das ist auch ohne Zensur Grund genug sich mal mit den sozialen Medien kritisch auseinander zu setzen. Ich kann dazu nur auf Jaron Lanier (Technik Guru und IT Vordenker) und sein 2018 erschienenes Buch „ Zehn Gründe warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ verweisen.

Also wenn jemand auf Grund der Zensur seinen Facebook Account löscht dann ist schon was gewonnen, schliesslich leben die Big Data Gozillas davon dass sie ständig gefüttert werden.

Viele Grüße
Peter Fenske


8. Leserbrief

Ich denke, der Kommentar ist zu kurz gesprungen: Alle Medien üben Zensur, weil sie ja nur das bringen, was ihnen paßt. Schreibt man z.B. einer Zeitung einen Leserbief zu einem Thema, das im Blatt verschwiegen wird, z.B. Ramstein, wird dieser auch nicht veröffentlicht.
 
Fritz Schmid


9. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

ich beziehe mich auf Ihren Artikel vom 20. September 2021, in welchem Sie sich mit der “Querdenker-Löschung” auf Facebook.

Voraussschicken möchte ich, dass ich viele von Ihren Artikeln gelesen habe und Ihre Arbeit grundsätzlich sehr schätze, wie ingesamt auch die Arbeit der Nachdenkseiten.

Sie schreiben in den ersten Zeilen dieses Artikels (in dem Sie insgesamt überaus gehaltvoll auf dieses Thema eingehen) Folgendes:

“Ich bin mit den Querdenkern weder formal verbunden, noch fühle ich mich von ihnen politisch und inhaltlich vertreten – trotz einiger Überschneidungen bei der Kritik an Punkten der Corona-Politik.”

Die Beantwortung folgender Fragen würde mich interessieren:

  1. Wer sind eigentlich die “Querdenker”, mit denen Sie weder formal verbunden sind, noch sich von ihnen politisch und inhaltlich vertreten fühlen?
  2. Welche Qualitäten muss man erfüllen, damit man “Querdenker” bzw. damit man kein “Querdenker” ist?
  3. Wie würden Sie dann den Rest dieser Gesellschaft nennen, “Nicht-Querdenker” und was zeichnet diese “Nicht-Querdenker” aus?
  4. In welchen Punkten fühlen Sie sich von welchen “Querdenkern” politisch nicht vertreten?
  5. In welchen Punkten fühlen Sie sich von welchen “Querdenkern” inhaltlich nicht vertreten?
  6. In welchen Punkten sind Sie mit den “Querdenkern” einig bzw. wo sind die “Überschneidungen”.
  7. Gibt es eine andere Gruppierung, denen Sie formal / politisch / inhaltlich mehr verbunden sind, von der Sie sich nicht so deutlich in einem Artikelauftakt distanzieren müssten?

Hier sind noch einige Zusatzfragen:

1. Haben Sie Angst davor, mit den “Querdenkern” in Verbindung gebracht zu werden? Warum?
8. Kann es sein, dass Sie sich durch diese Distanzierung, der ich schon öfters in den Nachdenkseiten begegnet bin, schützen wollen – schützen vor dem Framing, das mit dem Wort “Querdenker” verbunden ist?

Ich freue mich, von Ihnen zu hören, und bedanke für Ihre Antwort.
freundlich grüßt Wolfgang Aretz

Antwort von Tobias Riegel: Sehr geehrter Herr Aretz,

Vielen Dank für Ihre Mail. Zu Ihren Fragen: An der zitierten Stelle im betreffenden Artikel meine ich öffentlich bekannte und sich selber den Namen Querdenker gebende Aktivisten. Von vielen öffentlichen Sprechern dieser Gruppierungen (soweit sie mir bekannt sind) fühle ich mich politisch nicht vertreten, vor allem jenseits des Themas Corona.

Zur allgemeinen Verwirrung trägt aber bei, dass in der öffentlichen Meinungsmache inzwischen sämtliche Kritik an der Corona-Politik unter dem Schlagwort „Querdenker“ zusammengefasst und verdammt wird. Und dass zusätzlich die „Querdenker“ pauschal als rechts charakterisiert werden. Dieser Manipulation und der allgemeinen Verdammung der Kritik habe ich mich in zahlreichen Artikeln entgegengestellt, zB hierhierhier, hier und hier.

Der von Ihnen zitierte Artikel zu den Facebook-Löschungen war bereits sehr lang geraten, darum hatte ich einige Punkte in Links ausgelagert. Zum Beispiel indirekt zu Ihren Fragen in diesem Artikel:

„Querdenker“: Ein Kampfbegriff als Allzweckwaffe
Der ursprünglich positive Begriff „Querdenker“ wurde in den vergangenen Monaten feindlich aufgeladen. Er ist nun ein Kampfbegriff. Es gibt im Moment wenige öffentliche Zuschreibungen, die für die Betroffenen härtere Auswirkungen haben kann – bis hin zu Jobverlust und sozialer Ausgrenzung. Und für viele Lockdown-Verteidiger dient der Begriff als zentrale Projektionsfläche, gegen die es sich zu versammeln gilt und angesichts derer man sich seiner „richtigen“ Position versichern kann.

Ich fühle mich bei vielen der bekannteren, aktiv organisierten „Querdenker“ politisch nicht zu Hause, von einigen Überschneidungen bei Anti-Lockdown-Forderungen abgesehen. Die in den letzten Monaten erlebte Diffamierung der Gruppe durch zahlreiche Journalisten und Politiker ist aber – vor allem in ihrer unseriösen Verallgemeinerung – strikt abzulehnen.

Die Verknüpfung von gesundheitlichen Themen mit dem Attribut „rechtsextrem“ muss als propagandistisches Meisterstück bezeichnet werden. Ebenso die unseriösen, aber medial geglückten Verallgemeinerungen: Inzwischen kann man als Journalist fast ungestraft alle Kritiker der Corona-Politik pauschal als „Querdenker“ bezeichnen – durch die vorgelagerte giftige Propaganda schwingen dann Beleidigungen als „verrückt“ oder „extremistisch“ unausgesprochen mit. Gleichzeitig wurde es medial etabliert, dass „Querdenker“ pauschal unter Naziverdacht stehen.

Durch diese beiden unseriösen und unzutreffenden Verallgemeinerungen und Verknüpfungen ist ein weites Feld der „Kontaktschuld“ eröffnet worden: Der Kampfbegriff „Querdenker“ kann nun als Allzweckwaffe genutzt werden. Er ist nicht mehr nur die allzu pauschale Bezeichnung für alle, die Kritik an der Corona-Politik äußern. Inzwischen soll der Begriff anscheinend alle Bürger negativ bezeichnen (über Corona hinaus), die nicht an der Seite der Regierung marschieren – und seien es Flutopfer.

Mit freundlichen Grüßen, Tobias Riegel


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