Fragen an die Außenministerin
Fragen an die Außenministerin

Fragen an die Außenministerin

Ein Artikel von: Redaktion

Dass Annalena Baerbocks Ernennung zur Außenministerin eine problematische Personalie war, stand (nicht nur) für Leser der NachDenkSeiten bereits von Anfang an fest. Durch den Ukraine-Krieg wurde aus dem „Problem“ eine handfeste Gefahr für den Weltfrieden. Auch unsere Leserin Martina Rütter macht sich Sorgen und hat der Außenministerin einen sehr lesenswerten Brief geschrieben, den wir Ihnen gerne vorstellen wollen.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Sehr geehrte Frau Baerbock,

ich wende mich heute an Sie, um Sie an Ihre hohe Verantwortung als Außenministerin zu erinnern.
Bitte entschuldigen Sie, wenn ich mir erlaube zu erwähnen, dass Sie gerade mal ein halbes Jahr älter als meine große Tochter sind.

Ich weiß nicht, was sie im Jahr 2001 gemacht haben. Meine Tochter jedenfalls hatte gerade ihr Studium als Sozialpädagogin beendet und startete ihr erstes Berufsjahr.

Aber genau in diesem Jahr hielt Präsident Putin im Bundestag eine in meinen Augen sehr interessante und auch aufrüttelnde Rede. Kennen Sie diese Rede, in der er den Abgeordneten die Hand entgegenstreckte, um sie für eine eurasische Kooperation zu gewinnen, die beiden Seiten eine fruchtbringende und langanhaltende Aussicht auf wirtschaftliche als auch kulturelle Zusammenarbeit eröffnen sollte?

Wissen Sie auch, wie Deutschland unter der späteren Führung von Frau Merkel mit dieser ausgestreckten Hand in den kommenden 20 Jahren umgegangen ist – und das, obwohl Präsident Putin während dieser Zeit seine Hand nie zurück gezogen hat?

„Verstehen kann man das Leben rückwärts; leben muss man es aber vorwärts.“ Was wissen Sie über die Ereignisse auf dem Maidan 2014? Sollte es nicht so sein, dass man in einem Konflikt immer beide Seiten hört, um den wahren Kern der Auseinandersetzung zu verstehen? Und ist es nicht auch geraten, es während dieser Phase zu vermeiden, für eine Seite voreilig Partei zu ergreifen?

Ich frage Sie:

Was haben Sie in den letzten Jahren bzgl. der Politik Deutschlands für Erfahrungen gemacht bzw. was konnten Sie aus der Geschichte unseres Landes seit 1945 als Lehren ziehen?
Glauben Sie wirklich, dass man Aggressionen mit Aggressionen bekämpfen kann? Die menschliche Erfahrung zeigt, dass so ein Vorgehen zu einer Gewaltspirale führt, an deren Ende es nur Verlierer gibt.

Was sagt Ihnen das Wort „Diplomatie“?

Wikipedia beschreibt sie folgendermaßen:

  • den Agierenden Kompromissbereitschaft und den Willen bescheinigen, die Absichten und die Wünsche jedes Beteiligten zu erkennen
  • nach einer sogenannte Win-win-Situationen zu suchen
  • möglichst zu vermeiden, andere Verhandelnde bloßzustellen oder in die Enge zu treiben

Überlegen Sie bitte, wie Sie und der Bundeskanzler diese wichtigen Kernaussagen für ein diplomatisches Handeln in den vergangenen Wochen beherzigt haben. Und bedenken Sie dabei auch die Rolle der Medien in Bezug auf eine sachliche und ausgewogene Berichterstattung, die eine differenzierte Meinungsbildung erst ermöglicht und somit den Boden für eine wirkliche Demokratie schaffen kann. Wurden die Medien diesem Auftrag tatsächlich gerecht?
„Nie wieder Krieg!“ – sie kennen diesen Ruf?

Demokratie. Was heißt das für Sie?

Für mich ist es die Willensbekundung des Volkes, die ein Politiker in seinem Handeln umzusetzen hat.
Ja, die Kriegstreiber im Volk, die es leider auch gibt, sind die, die derzeit am lautesten brüllen. Aber wie sagt ein Sprichwort so treffend: Die Stimme der Vernunft ist eine leise.

Ich kann Ihnen versichern, dass diese leisen Stimmen – nicht nur in Deutschland – in der Mehrzahl sind und dass sie einen Kriegseintritt entschieden ablehnen.

Denken Sie auch an das, was Einstein mal sagte und wovon ich hoffe, dass er damit nur warnen wollte und sich seine Worte nicht doch noch als unheilvolle Prophezeiung entpuppen werden:

“Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.”

Wollen Sie solch eine Zukunft für Deutschland, für sich selbst und ihre Liebsten tatsächlich riskieren?
Wenn Sie jetzt mit Nein antworten, dann möchte ich Sie bitten, Ihre Position als Außenministerin dahingehend zum Einsatz zu bringen, dass Sie sich mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln konstruktiv und ohne Nachlass für Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine einsetzen.
Ihr Volk wartet darauf und sein Dank – da bin ich mir zu 100% sicher – ist Ihnen gewiss. Und ja, Sie werden damit Geschichte schreiben.

Mit freundlichen Grüßen
Martina Rütter

Titelbild: photocosmos1/shutterstock.com

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