Paritätischer Wohlfahrtsverband: Sozialhilfestatistik sagt nichts über dramatische Zunahme der Armut aus

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Die neue vom Statistischen Bundesamt vorgestellte Sozialhilfestatistik sagt nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) nichts über die tatsächliche Situation in Deutschland aus. Diese habe sich mit Hartz IV seit Beginn des Jahres 2005 massiv verschlechtert, betonte der Verband.

“Die Situation ist wesentlich dramatischer, als es diese Statistik zum Ausdruck bringt”, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des DPWV. “Seit dem 31. Dezember 2004, dem Stichtag der Sozialhilfestatistik, hat sich die Zahl der auf Sozialhilfeniveau lebenden Menschen mehr als verdoppelt.” Besorgniserregend gestiegen sei vor allem die Zahl der Kinder, die in Armut leben. Die Quote der unter 15-Jährigen, die auf Sozialhilfeniveau leben müssen, liege weit über den vom Statistischen Bundesamt für Ende des vorigen Jahres konstatierten 8,1 Prozent. In einigen Kreisen betrage die Kinderarmutsquote bereits über 30 Prozent, betonte der Verband unter Hinweis auf eine detaillierte Studie zu den Auswirkungen von Hartz IV und zur Kinderarmut in Deutschland, die er am nächsten Donnerstag der Öffentlichkeit vorstellen wird.

In einer Pressmitteilung vom 19.08.05 meldete das Statistische Bundesamt:

Mehr als 2,9 Millionen Sozialhilfeempfänger in Deutschland 2004

Am Jahresende 2004 erhielten in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen rund 2,91 Millionen Menschen in 1,46 Millionen Haushalten „Sozialhilfe im engeren Sinne“, also laufende Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen (etwa Krankenhäuser, Heime). Das waren 3,3% mehr als im Vorjahr. Die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt soll den Grundbedarf vor allem an Nahrung, Kleidung, Unterkunft und Heizung decken („soziokulturelles Existenzminimum“). Die Sozialhilfequote, der Anteil der Hilfebezieher an der jeweiligen Bevölkerung, erhöhte sich damit zum Jahresende 2004 auf 3,5% (Vorjahr: 3,4%).

Quelle 1: www.paritaet.org
Quelle 2: DESTATIS

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