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Manager der Werte schöpfenden Wirtschaft melden sich gegen die Spekulation zu Wort. Es tut sich etwas. Das ist gut so.

Veröffentlicht in: Aufbau Gegenöffentlichkeit, Banken, Börse, Spekulation, Finanzkrise, INSM

Bosch-Chef Franz Fehrenbach hat sich am vergangenen Montag deutlich gegen die Vorherrschaft der Spekulanten in der Finanzwirtschaft ausgesprochen. Er ist damit nicht allein. Siehe hier im Handelsblatt: „Wetten gegen den Euro, dubiose Finanzkonstrukte und Spekulationen ohne Risikobewusstsein: Die Manager von deutschen Top-Unternehmen rechnen mit den Praktiken der Finanzwirtschaft ab – in ungewohnt deutlichen Tönen.“ Das sind erfreuliche Zeichen. Jetzt kommt es darauf an, dass sich dieser viel wichtigere Teil der deutschen Volkswirtschaft in der Politik und auch in den Medien gegenüber dem Einfluss der Finanzwirtschaft durchsetzt. Albrecht Müller.

Fehrenbach verwies in seinem Gespräch vor Wirtschaftsjournalisten in Frankfurt auch auf den unglaublichen Vorgang, dass Goldman Sachs eine Anleitung hat schreiben lassen, wie man gegen die Eurozone mit Gewinn wetten kann. (Siehe dazu unseren Beitrag „Märkte“, „Anleger“, „Schuldenkrise“, „Schuldensünder“, „Schuldenstaaten“, „Herdentrieb“ und andere Irreführungen)

Fehrenbach und die anderen Manager sind erfreulich konkret geworden:

  • Sie sprechen sich für eine schärfere Regulierung der Banken aus.
  • Auf jene Institute im Finanzbereich, die sich auf virtuelle und komplexe Finanztransaktionen spezialisiert haben, könne man und müsse man verzichten.
  • Der Bosch Chef wörtlich laut Handelsblatt: „Wenn ich den Finanzsektor zu regulieren hätte, dann würde ich die Universalbanken abschaffen und viele Finanztransaktionen verbieten, die nichts mehr mit realen Geschäften zu tun haben.“ Das müsse zwar im größeren Rahmen geschehen, aber Europa sollte ein Signal setzen.
  • Die Situation in der Euro-Zone sei derzeit extrem kritisch, sagte Fehrenbach laut Handelsblatt. Die Politik müsse eine Richtungsentscheidung treffen und sagen, ob sie eine weitere Integration Europas wolle. Tue sie das nicht, werde die Spekulation nicht abreißen. Das ist eine klare Aussage für eine gemeinsame Lösung der Probleme in Europa.
  • Nach Meinung eines anderen Manager, Heraeus, sollten Leerverkäufe verboten werden.
  • Auch der Meinung der Manager, es mache keinen Sinn eine Rezession herbeizureden, kann ich zustimmen.

Einen Tipp an die Manager der Metall- und Elektroindustrie kann ich mir allerdings nicht verkneifen. Sie finanzieren nach wie vor die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Diese hat von Anfang an die De-Regulierung gepredigt und wird von einem Politiker als Vorsitzender des Kuratoriums repräsentiert, der die Vorherrschaft der Finanzwirtschaft öffentlich gefeiert hat: Hans Tietmeyer. Er sagte am 3. Februar 1996 in Davos:

„Ich habe bisweilen den Eindruck, dass sich die meisten Politiker immer noch nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie bereits heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden.“

Das hat Tietmeyer nicht kritisch gesagt. Er war stolz darauf, dass die Finanzmärkte die Politik beherrschen. Das passt nicht zu den richtigen Erkenntnissen der Manager der Werte schöpfenden Wirtschaft in Deutschland.

Es ist höchste Zeit, übrigens auch aus anderen Gründen, dass die reale Wirtschaft die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft nicht mehr unterstützt.

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