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Skurriles, makroökonomisch falsches Denken prägt unsere Sprache und damit auch das Denken der Verantwortlichen. Offensichtlich unheilbar.

Verantwortlich:

Im Hinweis Nr. 7 haben wir heute auf ein Interview des Managermagazins mit Joseph Stiglitz (siehe auch Anlage 1) hingewiesen. In diesem Interview gebraucht „mm“ wie auch der interviewte Stiglitz die Worte „Sparkurs“ bzw. „Sparmaßnahmen“. Das ist ein aus der einzelwirtschaftlichen/betriebswirtschaftlichen Betrachtung entnommener Sprachgebrauch. Bei einem einzelnen Wirtschaftssubjekt genügt in der Regel die Sparabsicht, um erfolgreich zu sparen. Volkswirtschaftlich ist das nicht der Fall, wie man heute in Griechenland, in Spanien und übrigens auch bei uns studieren kann. Was dort abgeht ist kein Sparkurs und was den Griechen von der Troika aufgezwungen wird, sind auch keine Sparmaßnahmen. Dennoch hat sich dieser Sprachgebrauch eingebürgert und prägt auch das wirtschafts- und finanzpolitische Handeln. Deshalb weisen wir darauf hin. Vielleicht würde die richtige Politik mit dem richtigen Sprachgebrauch anfangen. Aber vermutlich ist dieses Unterfangen hoffnungslos. Schließlich versuchen wir, ich in meinen Büchern und wir in den NachDenkSeiten, schon spätestens seit 2004 den richtigen Sprachgebrauch zu vermitteln. Albrecht Müller.

In Anlage 2 finden Sie die Links zu drei Beiträgen einer großen Auswahl zum Thema auf den NachDenkSeiten. Der erste Beitrag stammt aus meinem Buch „Die Reformlüge“, das im August 2004 erschienen ist. Dort habe ich 40 Denkfehler Mythen und Legenden abgehandelt. Der Denkfehler Nr. 31 „Wer spart, baut Schulden ab“ gilt dem heute aus aktuellem Anlass wieder behandelten Thema.
Es ist eigentlich zum Verzweifeln, dass die Mehrheit der politisch handelnden Personen wie auch offensichtlich die Mehrheit einflussreicher Journalistinnen und Journalisten eigentlich selbst solche fundamentalen Erkenntnisse nicht erwirbt. Wir weisen trotzdem darauf hin. Vielleicht könnte sich ja auch der berühmte Ökonom Joseph Stiglitz des korrekten Sprachgebrauchs bedienen. Vielleicht hat er das sogar getan. Den englischen Text des Interviews kenne ich nicht.

Anlage 1:

Joseph Stiglitz – “Ein Gang am Rande des Abgrunds”
Das Milliardenloch im griechischen Haushalt wird immer größer, in Athen und in Madrid eskalieren Proteste. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz über die schwindende Hoffnung auf eine Euro-Rettung und verzweifelte Belebungsversuche der US-Konjunktur. [...]

mm: In Europa hat die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi zum unbegrenzten Anleihenkauf zumindest kurzfristig für etwas Ruhe an den Finanzmärkten gesorgt …

Stiglitz: Ich habe wirklich das Gefühl, dass die politisch Verantwortlichen in Europa entschlossen sind, dem Euro zum Erfolg zu verhelfen. Und sie sind bereit, fast alles dafür zu tun – bis auf das, was wirklich nötig wäre. Draghis Ankündigung, unbeschränkt Staatsanleihen zu kaufen, war sehr stark – aber gleichzeitig an zwei Bedingungen geknüpft. Ein Land muss einen Antrag stellen und die Auflagen erfüllen. Und dazu gehörte bislang die Aufgabe wirtschaftlicher Souveränität – etwas, das Politiker in der Regel nicht gerne tun.
Zudem hat die Medizin, die den Ländern in der Vergangenheit verordnet wurde, zu einer wirtschaftlichen Abschwächung und bei Griechenland in die wirtschaftliche Depression geführt. Die Bereitschaft sie zu schlucken ist daher nicht besonders ausgeprägt.

mm: Was wäre die Alternative zum Sparkurs?

Stiglitz: Es gibt keinen Wachstumspakt. Dabei ist die Idee, dass Sparmaßnahmen die Krise verhindert hätten, absurd. Sparmaßnahmen machen alles nur schlimmer – sie schwächen die Nachfrage, erhöhen die Arbeitslosigkeit und die Sozialkosten – und führen in die Rezession. Es gibt keine größere Wirtschaft, die jemals durch Sparmaßnahmen eine Krise überwunden hätte.

Quelle: Manager Magazin

Anlage 2:

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