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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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21. Dezember 2014
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Hinweise des Tages

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Hier finden Sie einen Überblick über interessante Beiträge aus anderen Medien und Veröffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, öffnet sich das Angebot und Sie können sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (KR/WL/JB)

Hier die Übersicht; Sie können mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:

  1. Noam Chomsky – Wissenschaftler und Rebell
  2. Ein gigantischer Niedriglohnsektor
  3. Die Geldelite verselbständigt sich
  4. Das Drama des überzeugten Europäers
  5. Mark Schieritz: Was bringt ein Anleiherückkauf in Griechenland?
  6. Target2 Redux
  7. Stellt Keitel “die Wirtschaft” über das Gesetz? – Über einen dreisten und realitätsfernen BDI-Präsidenten
  8. Sich selbstzerstörende Austerität – Europäischer Suizid-Pakt
  9. Heribert Prantl: Pflegeheime im Ausland – Die verrückte Idee vom Greisen-Export
  10. Lissabon 2000: Wachstums- und Bildungsoptimismus
  11. Wenn Wohnen für Verbraucherinnen und Verbraucher zum Luxus wird
  12. Zeitarbeit: Leiharbeiter bekommen mehr Geld
  13. Kritik vom Bundesrechnungshof – Verkehrsministerium soll Autobahn-Privatisierung schönrechnen
  14. And everybody is happy – Edward Bernays – der Vater der Public Relations
  15. BÄK plant: Pranger für Chefarzt-Verträge
  16. Petra Pau: Sieben Skandale und ein Bundesinnenminister
  17. SPD windet sich
  18. »Einem Konzern zum Fraß vorgeworfen«
  19. „vorwärts“-Chef wird abgelöst

Vorbemerkung: Wir kommentieren, wenn wir das für nötig halten. Selbstverständlich bedeutet die Aufnahme in unsere Übersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese Übersicht für hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese Möglichkeit der schnellen Information hin.

  1. Noam Chomsky – Wissenschaftler und Rebell
    Barbara Bleisch debattiert mit Noam Chomsky am Massachusetts Institute of Technology (MIT) über den US-amerikanischen Wahlkampf, über die Rolle des Staates im 21. Jahrhundert und über die Verantwortung der Intellektuellen.
    Quelle: Schweizer Fernsehen SF Videoportal
  2. Ein gigantischer Niedriglohnsektor
    Die Sozialrechtlerin Helga Spindler über die Pläne des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes für Langzeitarbeitslose
    Quelle: taz
  3. Die Geldelite verselbständigt sich
    Der Soziologe Hans-Jürgen Krysmanski über die Reichen und Mächtigen dieser Welt
    Hans-Jürgen Krysmanski, emeritierter Professor für Soziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, erforscht seit vielen Jahren die Reichen und Supereichen. Nun hat er mit seinem Buch: “0,1 Prozent – Das Imperium der Milliardäre”, eine hochspannende Zusammenfassung seiner Arbeit vorgelegt.
    Mit seinem Werk liefert Krysmanski eine Anatomie des Megareichtums dieser Welt. Er entschleiert die teilweise nur schwer zu fassende Macht, die mit diesen enormen Geldwerten verbunden ist, und verdeutlicht so, dass auch in komplexen Systemen und Strukturen, konkret benennbare Akteure am Werke sind, die aufgrund ihrer Vermögenswerte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Gestaltung dieser Welt haben.
    Im Telepolis-Interview spricht der Soziologe über die Geldmacht der neuen Super-Klasse, die Schwächen der Gesellschaftswissenschaften bei der Erforschung der Mächtigen und über ein “kommendes globales Szenario nackter Überlebenskämpfe”.
    Quelle: Telepolis
  4. Das Drama des überzeugten Europäers
    Mitten in der schlimmsten EU-Krise ist ein heftiger Streit zwischen überzeugten Europäern und Euroskeptikern entbrannt. In der “Zeit” werfen sich der Europaabgeordnete D. Cohn-Bendit und der Soziologe U. Beck auf der einen und Politikchef B. Ulrich auf der anderen Seite vor, die Europa-Idee zu missbrauchen. “Wir sind keine Ideologen, wir fordern nur eine Revolution”, heißt die Devise der “Europhoriker”. Das Dumme ist: sie bejubeln eine Konterrevolution. […]
    Doch wie sieht die Praxis aus? Die neuen Instrumente sind so programmiert, dass sie die EU spalten, die Demokratie aushöhlen und die Wirtschaft in den Krisenländern abwürgen. Der ESM wird dazu missbraucht, halb Europa ein neoliberales Crashprogramm überzustülpen. Das Anleiheprogramm darf nur nutzen, wer sich mit Haut und Haaren den Dogmen von Privatisierung und Liberalisierung verschreibt. Und die Finanzsteuer kommt erstmal nur den Nationalstaaten zugute.
    Quelle: Lost in Europe
  5. Mark Schieritz: Was bringt ein Anleiherückkauf in Griechenland?
    Beteiligt werden sollen nur private Anleihegläubiger. Die EZB bleibt also außen vor. Damit komme ich – danke an André Kühnlenz – auf ein Volumen von rückkauffähigen Anleihen in Höhe von 67 bis 71 Milliarden Euro (umgetauschte Anleihen plus Anleihen nach ausländischem Recht) je nach Quelle. Das Geld für den Anleihekauf kommt vom ESM, der es den Griechen leiht. Dieser Kredit muss der Entlastung durch die aufgekauften Anleihen gegengerechnet werden und mindert die Entlastungswirkung. Ich habe drei Szenarien gewählt: Einmal kaufen die Griechen die Papiere zu 25 Prozent zurück (unwahrscheinlich), einmal zu 50 Prozent und einmal zu 75 Prozent. Hier ist das Ergebnis: Die Zielmarke des IWF von 120 Prozent des BIP bis 2020 wird nicht einmal annähernd erreicht. Ich komme auf 153 Prozent des BIP bei einem Aufkauf zu 50 Prozent, 159 Prozent bei 75 Prozent und 147 Prozent bei 25 Prozent. Ohne einen Rückkauf landen wir bei 165 Prozent des BIP. Fazit: Der Anleiherückkauf wird nicht reichen, wenn man einigermaßen realistisch ist.
    Quelle: Herdentrieb
  6. Target2 Redux
    The simple accountancy and slightly more complex economics of Bundesbank loss exposure through the Eurosystem
    This study shows that Target2 net claims are a poor measure of Bundesbank loss exposure, and even more so of German loss exposure to the rest of the Eurozone. This is true even under a comprehensive break-up scenario that leaves Germany as the only member of the euro area and the Bundesbank as the sole owner of the ECB.
    In this implausible scenario, the discrepancy between the Bundesbank’s Target2 net credit balance and its likely loss exposure has two principal sources. First, the 16 national central banks (NCBs) that exit the Eurosystem (which will on balance be net Target2 debtors) and their sovereigns will not automatically walk away completely from their Target2 debts – defaulting on their debts with a zero recovery rate for the Bundesbank. Legally, the Target2 claims are not extinguished by exit from the Eurosystem by the debtor NCBs. Politically and realistically, many of the exiting NCBs would be able and willing to honour their obligations to Target2 in part or even in full. Second, in the comprehensive break-up scenario, future seigniorage revenues of the Bundesbank would likely go up, as it would be left with a larger share (in our example 100 percent) of the ownership of the ECB.
    Changes in German exposure to the rest of the euro area (or to the periphery) can differ in magnitude and in sign from Bundesbank exposure.
    Quelle: Willem H. Buiter [PDF – 589 KB]
  7. Stellt Keitel “die Wirtschaft” über das Gesetz? – Über einen dreisten und realitätsfernen BDI-Präsidenten
    Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, wirft dem Kanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrück, Realitätsferne vor, berichtet das Handelsblatt. Das kann man ja sicherlich tun, allerdings nicht mit den “Argumenten” Keitels. Zwei Aussagen von Keitel sind dabei von besonderem Interesse.
    Das Handelsblatt zitiert Keitel mit den Worten: “Vieles, was er als Kanzlerkandidat verkündet, ist mit der Wirtschaft nicht zu machen, speziell in der Steuerpolitik.” Was soll das bitteschön heißen, stellt Keitel “die Wirtschaft” damit über das Gesetz?
    Quelle: Wirtschaft und Gesellschaft
  8. Sich selbstzerstörende Austerität – Europäischer Suizid-Pakt
    Die Budgetkonsolidierung sollte die fiskalische Nachhaltigkeit verbessern, stattdessen hat sie die Situation verschlechtert. Koordinierte EU-Fiskalkonsolidierung ist weniger eine wirtschaftspolitische Kooperation sondern ähnelt einem Selbstmord-Pakt. Für den Euroraum insgesamt hat die koordinierte fiskalische Konsolidierung einen Anstieg der Schuldenquote um rund fünf Prozentpunkte zur Folge, hat das National Institute of Economic and Social Research (NIESR) errechnet.
    Quelle: Blog bettinacsoka
  9. Heribert Prantl: Pflegeheime im Ausland – Die verrückte Idee vom Greisen-Export
    Deutschland ist sehr erfolgreich als Exportnation. So kommt es, dass nicht nur Autos und Chemieerzeugnisse ins Ausland exportiert werden, sondern auch pflegebedüftige Menschen. Heime in Thailand oder Osteuropa sind billiger als hierzulande. Aber die Zwangs-Entsorgung der Alten ist ein Akt der Verrohung.
    Quelle: SZ
  10. Lissabon 2000: Wachstums- und Bildungsoptimismus
    In der jüngeren Geschichte Europas markiert der Gipfel von Lissabon im Jahr 2000 einen wichtigen Aufbruch: verband sich doch mit der Vision von Europa als künftigem wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt die Auffassung von Bildung als dessen zentralem Motor…
    Die Wirkung dieser Operationen darf nicht unterschätzt werden, insbesondere, was die europaweite Thematisierung des Verhältnisses von Bildung und Wettbewerbsfähigkeit anbetrifft.
    Zugleich aber setzt mit erweiterter Bildungsexpansion auch eine Art Gegenbewegung ein, nämlich diejenige der Ökonomisierung von Bildung, und zwar in einem doppelten Sinne, zum einen in ihrer stärkeren Verkoppelung mit wirtschaftlichen Verwertungskalkülen von Bildung, zum anderen aber auch im Sinne einer Rationalisierung von Bildungsinvestitionen. Beides kann gut für die Hochschulen am Bologna – Prozess studiert werden, der nach der programmatischen Seite vor allem auf europaweite Anerkennung von Studienleistungen und damit Mobilität abzielte, nach „innen“, also in die Hochschulen hinein, aber als Bewältigung des Ansturms auf die Hochschulen ohne eine exorbitante Kostenexplosion zu sehen ist…
    Diese Re–Orientierung müsste einher gehen mit einer Rückbesinnung darauf, dass Bildung mehr ist als Kompetenzaufbau und Einpassung in den Arbeitsmarkt: Persönlichkeit, Eigenverantwortung und Solidarität, Emanzipation und wirtschaftliche, soziale und kulturelle Teilhabe sind Bezüge, die für gelingende Bildung wesentlich sind. Es geht um ein Verständnis und Konzept von Bildung, das sich gegen Funktionalisierung sperrt, und sich zugleich zur Arbeitswelt und zum Leben insgesamt aktiv öffnet. Es wäre also verhängnisvoll, einfach weiterzumachen, als wäre nichts geschehen; außerdem gibt es viele Beispiele eines erneuten pädagogischen Aufbruchs, quer durch Europa. Europa braucht diese ebenso dringend wie einen erneuerten Bildungsdiskurs.
    Quelle: Denk doch mal nach
  11. Wenn Wohnen für Verbraucherinnen und Verbraucher zum Luxus wird
    Bezahlbarer Wohnraum wird vor allem in Großstädten und Ballungszentren, sowie Universitätsstädten zur Mangelware. In zahlreichen Städten erreichen die Mieten immer neue Höchststände. In attraktiven Citylagen schlagen Eigentümer bei jedem Mieterwechsel bis zu 30 Prozent auf die Mieten drauf!
    Die Verbraucherinnen und Verbraucher stehen einer immer stärker steigenden Wohnkostenbelastung machtlos gegenüber. Über 1/3 der privaten Konsumausgaben verschlingt der Bereich des Wohnens, der Energie und der Instandhaltungskosten durchschnittlich. Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse nehmen zu. Wie reagiert die Politik auf diese Herausforderung und welche wohnungspolitischen Maßnahmen können helfen, die Situation der Verbraucher am Miet- bzw. Wohnungsmarkt zu verbessern?
    Quelle: DGB Standpunkt [PDF – 126 KB]
  12. Zeitarbeit: Leiharbeiter bekommen mehr Geld
    Vom 1. November an werden Branchenzuschläge gezahlt, um die Lohnlücke zum Stammpersonal zu schließen. Dadurch wird Zeitarbeit zwar teurer – Umsatzeinbrüche fürchtet die Branche aber nicht.
    [….]
    Dass die Branchenzuschläge nicht das Ende der Zeitarbeit in Deutschland sein werden, lässt ein Blick nach Österreich vermuten. Dort wurde im Jahr 2002 ein Kollektivvertrag – vergleichbar mit einem deutschen Tarifvertrag – eingeführt, wonach ein Zeitarbeiter jeweils nach dem für ihn besseren Tarifvertrag bezahlt wird – dem der Zeitarbeit oder dem der Einsatzbranche. Der Kostenanstieg ließ die Branche zwar im ersten Jahr um rund 6 Prozent schrumpfen. Doch in den Folgejahren wuchs der Markt schon wieder jeweils um bis zu 27 Prozent. Martin Jäger, Vorstandschef des in Österreich und Deutschland auftretenden Anbieters Trenkwalder, erwartet für Deutschland einen ähnlichen Verlauf: „Nach einer kurzen Phase der Zurückhaltung wird sich der Markt an die Branchenzuschläge gewöhnen, um anschließend voraussichtlich mit verstärkten Umsätzen im Fachkräftebereich weiter zu wachsen.“
    Quelle: FAZ

    Anmerkung des NDS-Lesers J. A.: Wenn das alles so problemlos funktioniert, warum hat sich die Branche dann solange gegen Tariferhöhungen und Mindestlöhne gewehrt (und wehrt sich noch immer gegen Equal Pay)?

    Anmerkung KR: Weil von deutschem Führungspersonal generell erwartet wird, jede Möglichkeit zu nutzen, um die Löhne der Angestellten zu senken.

  13. Kritik vom Bundesrechnungshof – Verkehrsministerium soll Autobahn-Privatisierung schönrechnen
    Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gerät wegen der Privatisierung von Autobahnen in die Kritik. Nach SPIEGEL-Informationen wirft der Bundesrechnungshof dem Ministerium vor, den privat finanzierten Ausbau und Betrieb der Straßen schönzurechnen. […]
    Zweifel an der Wirtschaftlichkeit privater Betreibermodelle hegt auch der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsauschusses, Anton Hofreiter (Grüne). “Alle Verträge müssen offengelegt werden”, fordert er. Nur so könne geklärt werden, “ob sich das Ministerium die privatwirtschaftliche Variante schönrechnen lässt, um die Schuldenbremse zu umgehen”. Inzwischen sind bereits sechs stark befahrene Autobahnteilstrecken vom Bund auf private Betreiber übergangen, sechs weitere Strecken sind geplant.
    Quelle: SPIEGEL
  14. And everybody is happy – Edward Bernays – der Vater der Public Relations
    Edward Louis Bernays ist heute beinahe vollständig in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht. Denn er war der “Father of Spin”, der Begründer der Massenverführung und des Marketings. The Big Business, die amerikanische Großindustrie ebenso wie die Politik, gehörten zu seinen Kunden.
    Mit ausgeklügelten Kampagnen verwandelte er in den 20er-Jahren die amerikanischen Bürger in Konsumenten. “And everybody is happy” – mit diesen Worten pflegte Edward Bernays seine Vorträge abzuschließen. Dabei war es nicht sein erklärtes Ziel, jeden glücklich, sondern alle beherrschbar zu machen.
    Quelle 1: DLF Text
    Quelle 2: DLF [Audio – mp3]

    Anmerkung JB: Wer sich Bernays, seine Arbeit und deren Folgen für die moderne politische Meinungsmache interessiert und der englischen Sprache mächtig ist, sollte sich unbedingt die vierteilige Dokumentationsserie „The Century of the Self“ anschauen. Die Serie ist in mehreren Versionen auf YouTube verfügbar.

  15. BÄK plant: Pranger für Chefarzt-Verträge
    Alle Boni abschaffen! Der Marburger Bund hat in seiner Hauptversammlung klar Stellung gegen wirtschaftliche Zielvorgaben in Chefarzt-Verträgen bezogen. Unterstützung kommt von der BÄK: Sie kündigt eine Kontaktstelle an, an die Ärzte Vertragsentwürfe senden können. Der Marburger Bund (MB) tritt an, die “Dominanz des Ökonomischen” in den Krankenhäusern zu brechen. “Zweck eines Krankenhauses ist nicht Ökonomie, sondern die Medizin”, sagte MB-Chef Rudolf Henke anlässlich der 122. Hauptversammlung des Ärzteverbandes am Freitag in Berlin.
    Quelle: Ärztezeitung
  16. Petra Pau: Sieben Skandale und ein Bundesinnenminister
    13 Jahre lang zog das NSU-Nazi-Trio raubend und mordend durch Deutschland, angeblich unerkannt. Das ist der erste Skandal. Die erfolglosen Ermittlungen aller Sicherheitsbehörden waren engstirnig und trugen rassistische Züge. Das ist der zweite Skandal. Die Untersuchungen zum NSU-Nazi-Desaster werden behindert, mögliche Beweise vernichtet. Das ist der dritte Skandal. Politiker und Behörden versuchen Parlamentarier als Sicherheitsrisiko zu diffamieren. Das ist der vierte Skandal. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte schonungslose Aufklärung versprochen. Davon kann keine Rede sein. Das ist der fünfte Skandal. Spätestens seit dem 4. November 2011 verantwortet Innenminister Friedrich (CSU) alle Versäumnisse. Wenig überzeugend, gelinde gesagt. Böse betrachtet führt ein Bundesinnenminister eine Bundeskanzlerin vor, bis zum Meineid. Das wäre ihr Unions-interner Skandal. Auf der Strecke bleiben die NSU-Opfer, ihre Angehörigen und die Demokratie, letztlich auch das Grundgesetz. Das wäre der siebte Skandal.
    Quelle: Linksfraktion
  17. SPD windet sich – Teil 1: Gabriel sorgt sich um sechsstelliges Gehalt des Bundeskanzlers – warum nicht lieber um Hartz IV Regelsätze, Armutsrenten und Niedriglöhne?
    SPD-Chef Sigmar Gabriel ist endlich einmal wieder in den Medien. Er hat der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) ein Interview gegeben, das gleich aufgrund mehrerer Aussagen Zweifel an dessen Fähigkeit aufkommen lässt, die richtigen Prioritäten als Sozialdemokrat bzw. für die SPD zu setzen. Eine Aussage Gabriels hat es den Medien dabei besonders angetan. […]
    Warum aber bloß soll ein sechsstelliges Gehalt für das Amt des Bundeskanzlers “nicht angemessen” sein, wie Gabriel meint? Weil “ein Direktor einer mittelgroßen Sparkasse” mehr verdient? Ja, müsste man dann nicht zuerst das Gehalt des Sparkassendirektors hinterfragen? Und sollte sich ein Sozialdemokrat, der Vorsitzende noch dazu, nicht viel vorrangiger um die vielen Menschen mit Niedriglöhnen, mit Armutsrenten und Hartz IV sorgen?
    Quelle: Wirtschaft und Gesellschaft

    dazu auch: SPD windet sich – Teil 2: Nahles droht wegen Betreuungsgeld mit Gang zum Verfassungsgericht – Verfassungswidrigkeit von Hartz IV ist wichtiger!
    Auf Teil 1 folgt Teil 2, womit wir unseren kurzen Wochenendausflug in die Köpfe führender SPD-Politiker auch abschließen wollen, um dem Sonntag – den haben sie uns ja immerhin noch nicht genommen – anschließend eine Chance zu geben, harmonisch auszuklingen; vielleicht bei einem Glas Wein bei Freunden oder wie Sie ihn sich auch immer gestalten mögen. Andrea Nahles droht der schwarz-gelben Koalition mit dem Gang nach Karlsruhe, sollte diese sich zu dem ohnehin in den eigenen Reihen umstrittenen Betreuungsgeld durchringen.
    Quelle: Wirtschaft und Gesellschaft

  18. »Einem Konzern zum Fraß vorgeworfen«
    Studie über Schulformwechsel: Bertelsmann Stiftung versteht »individuelle Förderung« nicht als Recht. Ein Gespräch mit Steffen Roski.
    Weil sie an gängige Argumentationsmuster der Bildungskritik anknüpft, ist ihr zunächst allgemeiner Beifall sicher. Das dient aber nur der Ablenkung. Denn tatsächlich greift sich diese Studie einen zentralen Begriff, nämlich den der »individuellen Förderung« und definiert ihn völlig neu, nämlich derart, dass er vermarktungsfähig wird…
    Zum Beispiel durch Einsatz elektronisch gestützter Medien, etwa von Tablet-Computern, in Schulen, mit speziell aufbereiteter Lernsoftware oder mit E-Learning- oder Tele-Learning-Technologien. All diese Instrumente sollen den klassischen Pädagogen auf lange Sicht überflüssig machen, was auch die politischen Sachwalter der »leeren Kassen« erfreut. Kurz- und mittelfristig mischt die Bertelsmann-Stiftung aber auch in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften mit. In Nordrhein-Westfalen kooperiert sie bereits aufs engste mit der SPD-Grünen-Landesregierung in der Lehrerbildung – besonders im Bereich der individuellen Förderung. Da wundert es nicht, daß das Thema jetzt so an die große Glocke gehängt wird.
    Quelle: junge Welt
  19. „vorwärts“-Chef wird abgelöst
    Nach einer Meldung in Bild am Sonntag wird der Chefredakteur des SPD-Parteiblattes, Uwe Knüpfer nach der Dezemberausgabe in die SPD-Zentrale abgeschoben und sich dort um den Onlineauftritt und das Magazin zum 150-jährigen Jubiläum der Partei kümmern.
    Quelle: Bild am Sonntag (Printausgabe, nicht im Netz)

    Anmerkung WL: Diese Meldung ist vor allem deshalb interessant, weil Uwe Knüpfer es gewagt hatte, im Wahlkreis Herne/Bochum II gegen die junge Ehefrau von Franz Müntefering, Michelle Müntefering, bei einer Kandidatur für den Bundestag anzutreten.
    Noch am Rande der Frankfurter Buchmesse hatte ich Knüpfer gefragt, ob ihm das nicht in seiner Rolle als Chefredakteur des „vorwärts“ geschadet hätte. Damals war ihm von Sanktionen nichts bekannt. Jetzt aber scheint der lange Arm von Franz Müntefering durchgegriffen zu haben.

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